EXKLUSIV-TEST: JBL Creature III - multimediale 2.1-Klangpower in Neuauflage
08.10.2009 (cr)

Einführung
Mittlerweile in der dritten Auflage kommt JBLs inzwischen zum Kult gewordenes
2-1 Multimedia-Soundsystem Creature in Kürze auf den Markt. Schon Creature I
konnte im damaligen Test überzeugen, nun
haben wir eines der raren Testsamples der 3er Generation zur Verfügung gestellt
gekommen, um nachzuprüfen, ob man für eine unverbindliche Preisempfehlung von
99 EUR eine gleichermaßen kraftvolle wie klare Klangqualität geboten bekommt.
Verarbeitung und Technik

Satelliten mit Alien-Touch - wie von Darth Vader entwickelt

Subwoofer

Schickes Design, etwas kratzempfindliche Oberfläche

Kein USB-Anschluss

Netzteil

Nach unten abstrahlender Subwoofer
Nach wie vor besticht die gleichermaßen extravagante wie hochwertige Optik
des Creature 2.1-Systems. Die bei unserem Testsample hochglanzschwarze
Oberfläche ist zwar, wie üblich bei einer solchen Beschaffenheit, kratz- und
staubempfindlich, bezüglich der Materialqualität aber als ausgesprochen gut
einzustufen. Der nach unten abstrahlende Subwoofer, in dessen Gehäuse die
Endstufen (jeweils 5 Watt pro Satellit bei 1 % Gesamtklirrfaktor plus 15 Watt
für den Bassbereich bei 1 % Gesamtklirrfaktor) untergebracht sind, verfügt
auch über zwei in Chromoptik gehaltene Regler für Bass und Höhen, die
haptisch enorm hochwertig erscheinen. An einem der beiden Satelliten kann
mittels elegant integrierter kleiner chromfarbener "+"/"-"
Tasten die Lautstärke relativ genau reguliert werden. Mittels einer
Miniklinkenverbindung wird der formschöne Subwoofer mit dem dafür vorgesehenen
Ausgang der PC-Soundkarte verbunden - einen USB-Anschluss für erweiterte
Flexibilität sucht man vergeblich. Eine kleine gelbgrün leuchtende
Kontroll-LED symbolisiert, dass Creature III in Betrieb ist. Der linke und der
rechte Satellit können bezüglich des Anschlusses an der Subwoofereinheit nicht
verwechselt werden, da sich die Anschlussbuchsen voneinander unterscheiden und
daher der Anschluss des rechten Speakers nicht in den des linken passt. Nicht
besonders überzeugend in der Praxis ist die S-Video-Hosiden-ähnliche und somit
gleichermaßen empfindliche wie schwer zu verbindende Buchse des einen
Satelliten. Eine farbliche Differenzierung der Buchsen mit identischer,
Cinch-ähnlicher Anschlussbuchsenausformung wäre hier der bessere Weg. Die
Grunddaten weisen einen Frequenzgang von 45 Hz bis 20 kHz und einen
Signal-Rauschabstand > 70 dB, die maximale Leistungsaufnahme liegt bei 80
Watt.
Klang

Effektiver Bassregler

Höhenregler am anderen vorderen Fuß des Subwoofers

Lautstärkereglung per Tipptasten am Satelliten
Akustisch überzeugt auch die neueste Creature-Version - gerade in Anbetracht
des schmalen Kaufpreises. Fürs investierte Geld erhält der Käufer ein 2.1-Set
mit erstaunlich klarem und kräftigen Bass sowie sehr guter Pegelfestigkeit. Bei
"Sunday Afternoon" von Mario Lopez gefällt die Nachdrücklichkeit,
die mit einer guten Differenzierungsfähigkeit bezüglich der verschiedenen
akustischen Effekte einher geht. Das relativ geringe Volumen der beiden
Satelliten merkt man jedoch daran, dass es nicht gelingt, den Sound mit feiner
Ausbreitung vom Lautsprecher zu lösen. Dies ist aber bei einem so preiswerten
Multimediasystem auch kaum möglich - hier vereiteln Abmessungen und einfache
Technik (Breitbandchassis in den Satelliten) bessere Ergebnisse. Mit dem
Gebotenen dürfte der fokussierte Käuferkreis aber sehr zufrieden sein, wie
sich auch bei "Never be the Same" von Jens nachvollziehen lässt. Die
gut betonte und klar verständliche Stimme gefällt ebenso wie der knackige,
nach vorn strebende und sich räumlich ausbreitende tieffrequente Bereich. Sehr
effektiv und gut dosierbar arbeiten Bass- und Höhenregler, beide darf man ruhig
etwas über die Mittelposition aufdrehen und kann sich dann über kräftigen und
lebendigen Klang freuen. Allerdings kann man auch den für seine Klasse
leistungsfähigen Subwoofer an die Grenze bringen - bei "The Whisper"
von Sikk, gekennzeichnet durch einen harten Kickbass, schlägt der Basstreiber
an, wenn man mit erhöhtem Pegel agiert. Hier muss man dann entweder die
Bassintensität abschwächen - was den Song ausdruckslos macht - oder aber mit
dem Pegel auf die viel zitierte Zimmerlautstärke zurückgehen. Dann ist der
Sound wieder lebhaft und dynamisch, der Sub zeigt auch den unter dem Kickbass
liegenden subtilen tieferen Bass zielstrebig auf und sorgt so für einen relativ
kompletten tieffrequenten Klangeindruck. Dass der Tiefgang doch limitiert ist,
zeigt sich am Anfang von "Thunder" von the Prodigy, allerdings ist die
Präzision gut. Prima wird die leicht verzerrte, raue Stimme übertragen. Der
Breakbeat-Rhythmus, unterlegt mit vielfältigen schrägen Effekten, wird sehr
schön herausgearbeitet. Breaks, Dynamiksprünge und Effekteinlagen vermischen
sich so zu einem sehr intensiven Klangerlebnis.
Wechseln wir in die 80er Jahre des letzten Jahrtausends - hier darf sich das
Creature III um "Left on my own Devices" von den Pet Shop Boys
kümmern. Diese Aufgabe wird tadellos erledigt, mit guter Trennung vokaler und
instrumentaler Anteile. Auch bei "St. Elmo's Fire" von John Parr gehen
die "Creatures" mit erstaunlicher Vehemenz voran und lassen die
E-Gitarren-Einlagen im akustisch dynamischen Licht erscheinen. Er schwingt sich
schwungvoll von Ast zu Ast - Baltimoras "Tarzan Boy" liegt dem
JBL-System ebenfalls. Das 2.1-System, das bezüglich des Designs sehr gut bei
Darth Vader im Home Office stehen könnte, schafft dank kraftvollem
Subwoofer-Einsatz ein sehr gutes Volumen, gleichzeitig kommt die Stimme deutlich
und gut ausbalanciert heraus. Hintergrundeffekte werden sogar teilweise gut
herausgearbeitet. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen bietet Creature III
mehr Transparenz, Dynamik und eine leicht gestiegene Präzision. Bass- und
Höhenregler lassen sich sehr effektiv nutzen - gerade auch bei "Tarzan
Boy". Der sich langsam steigernde, spannungsgeladene Beginn von Bon Jovis
80er Jahre Hit "Lining on a Prayer" macht sogar richtig Spaß - hier
wird im Büro die Arbeit niedergelegt und intensiv im Takt mit dem Kopf genickt.
Um dann bei "Eyes without a Face" von Billy Idol von der ersten
großen Liebe in den 80ern zu träumen. Der Bass ist enorm überzeugend für ein
so preiswertes 2.1-System, klar, recht präzise und kräftig. Die Stimme Idols,
ebenso die weiblichen Gesangseinlagen, bringt das Creature III ebenfalls
tadellos zur Geltung.
Eine akustische Einordnung fällt hier relativ leicht - fürs investierte
Geld dürfte es schwer sein, ein kräftigeres, besser ausbalanciertes 2.1 System
mit einem so Aufsehen erregenden Design zu bekommen. Starke Konkurrenz gibt es
trotzdem. So das Teufel Concept C100 für ebenfalls schmale 109 EUR (Test
folgt). Dieses ist zwar optisch nicht so extravagant, dafür aber ebenfalls sehr
gut verarbeitet und begeistert sogar mit (bedingt durch die größeren
Abmessungen) besserer Pegelfestigkeit. Die für ein solches System natürliche
tonale Auslegung überrascht. Insgesamt ein sehr harter Kontrahent, hier kommt
es letzen Endes darauf an, welche optische Anforderungen gestellt werden - mit
dem Style-Faktor des Creature III kommt das Concept C 100 nicht mit, bietet
dafür aber hervorragenden 2.1 Sound für den kleinen Geldbeutel. Sogar ein
Einsteiger-Stereoreceivern könnte man zumindest für eine Übergangszeit das
Teufel-Set einsetzen. Teurer, aber bezüglich Basskraft und optischer Gestaltung
nach wie vor einfach überragend sind die immer noch erhältlichen Harman Kardon Sound Sticks II
- ebenso wie die Creature-Baureihe schon beinahe legendär. Andere 2.1 Lösungen
von Anbietern aus dem PC-Bereich müssen sich in Anbetracht derartiger
Konkurrenten trotz etwaiger Preisvorteile hinten anstellen - ein dumpfer, nicht
besonders wohl ausgewogener und eindimensionaler Sound sind hier oft handfeste
Nachteile, die im Alltag auch Anwender mit normalen Ansprüchen massiv stören.
Gesamtnote Klang Creature III in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.
Fazit

"Außerirdisch gut" - JBL Creature II
Das Creature III bietet zu einem sehr günstigen Kaufpreis eine beinahe
unschlagbare Kombination aus Style und Sound - dieses Mix hat sich auch in der
mittlerweile dritten Auflage nicht negativ verändert - ganz im Gegenteil: Etwas
mehr Punch, mehr Präzision und Klarheit verbunden mit besserer vokaler
Verständlichkeit lassen das System modern und zeitgemäß erscheinen. Die sehr
gute Verarbeitung ist ebenfalls geblieben, so dass sich das Creature III eine
große Kaufempfehlung verdient.
Extravagantes 2.1 Multimediasystem im kultigen Alien-Style
mit ausgezeichneter akustischer Leistungsfähigkeit

Multimedia-Lautsprechersysteme 2.1 untere Mittelklasse
Test 08. Oktober 2010
+ Kräftiger und klarer Sound
+ Gute Pegelfestigkeit
+ Wirksamer Bass- und Höhenregler
+ Extravagante Optik
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Fairer Preis
- Kein USB-Anschluss
Test: Carsten Rampacher
08. Oktober 2009
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