TEST: Jamo S 608 HCS 3  5.0-Set - kraftvoller Mehrkanalsound für 999 EUR? 

23.09.2008 (cr)

 

Einführung

Für ca. knapp 1000 EUR Marktpreis kann sich der anspruchsvolle, aber gleichzeitig auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis bedachte Mehrkanal-Liebhaber mit dem Jamo S 608 HCS 3 ein 5.0-Lautsprecherset kaufen,  das aufgrund der Bassperformance der beiden großen Frontlautsprecher, die mit seitlich abstrahlenden Bässen ausgestattet sind, kaum noch nach einem zusätzlichen aktiven Subwoofer verlangt - die entsprechende Performance des angeschlossenen AV-Receivers oder -Verstärkers vorausgesetzt. Das Set setzt bei den Boxen für Center und Surround auf die bewährten Komponenten des Jamo S 606 HCS 3  5.0-Set, das preiswerter, aber mit deutlich kleineren Frontlautsprechern ausgestattet ist. Schon beim damaligen Test konnte die Leistungsfähigkeit des Jamo-Ensembles überzeugen, nun sind wir gespannt, welche zusätzlichen Vorteile die größeren Frontlautsprecher in der Praxis bringen. 

Technische Daten

Der Center ist zur Wandmontage geeignet, ist aber als Bassreflexmodell ausgeführt. Somit klingt er in etwas Distanz von der Wand (ca. 1 m) besser

102 mm Tieftöner des S 60 CEN

Die Surroundlautsprecher sind sehr kompakt

Die S 6068Standbox, ein Dreiwege-Bassreflex-Lautsprecher, ist Dreh- und Angelpunkt der Home Cinema-Lösung aus dem Hause Jamo. Ein 25 mm Hochtöner wird bei dieser 6 Ohm-Konstruktion flankiert von drei 127 mm Mitteltönern und einem seitlich montierten 254 mm Tieftöner. Der Frequenzgang reicht von 37 bis 20.000 Hz. Der Lautsprecher ist dank der rückseitigen Terminals Bi-Wiring-fähig. Der Wirkungsgrad beträgt (2,8 V/1 m) 90 dB. Die 24,1 kg schwere Box misst (H x B x T) 1134 x 190 x 380 - damit ist sie, auch aufgrund der schlanken Form, problemlos im Wohnraum unterzubringen. Die Langzeit-Belastbarkeit liegt bei 150, die kurzzeitige Belastbarkeit bei üppigen 240 Watt. Eine Wandhalterung ist in den S 60 CEN gleich integriert. Er ist bestückt mit zwei 102 mm Tieftönern und einem 25 mm Hochtöner. Der Zweiwege-Bassreflexlautsprecher weist eine Impedanz von 6 Ohm auf und einen Wirkungsgrad von 87 dB. Der Frequenzbereich geht von 75 bis 20.000 Hz. Mit Abmessungen (H x V x T) von 133 x 400 x210 erweist sich der 4,9 kg wiegende Center als sehr kompakt und findet daher ohne Schwierigkeiten, sollte er nicht an der Wand befestigt werden, im TV-Möbel seinen Platz. Mit einer Langzeitbelastbarkeit von 80 und einer kurzzeitigen Belastbarkeit von 130 Watt werden gute Werte erreicht. Wir sind gespannt, als wie leistungsstark sich der S 60 CEN später in der Hörpraxis erweist. Für den Surroundbereich zuständig sind die S 60 SUR, baugleich mit der auf der Website von Jamo (www.jamo.de) vorgestellten S 602. Die Zweiwege-Bassreflexkonstruktion mit 102 mm Tieftöner und 25 mm Hochtöner ist mit maximal 80 Watt langfristig und mit maximal 130 Watt kurzfristig belastbar. Der 6 Ohm-Lautsprecher misst (H x B x T) 240 x 133 x 210 mm und wiegt 3,4 kg pro Stück. Der Wirkungsgrad wird mit 87 dB, der Frequenzgang mit 80 bis 20.000 Hz angegeben. Insgesamt ist das Leistungsprofil für den günstigen Marktpreis als tadellos zu bewerten. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut - ausgezeichnet. 

Verarbeitung

Die S 606 weist eine für die Preisklasse ausgezeichnete Verarbeitungsqualität auf

Auch der S 60 CEN ist sauber verarbeitet

Gut sitzende Lautsprechergitter, ansprechendes Gehäusematerial

Hinsichtlich der Materialqualität erscheinen die Lautsprecher-Schutzgitter eher einfach

Gelungener Materialmix

Gleichbleibende Spaltmaße

Sauber ausgefräste Ränder rund um den Basstreiber

Ordentliche Detailverarbeitung bei den S 608

Das Holzimitat erscheint hochwertig gemacht

Single Wiring Terminal bei Surround- und Centerlautsprecher

Hochwertige Terminals der S 608

Vergoldet, leichtgängig, stabil

Sauber aufgebaute Frequenzweiche

Hier nochmals eine Detailaufnahme

Tieftöner von Innen

Für vergleichsweise wenig Geld bietet das Jamo Set eine ausgezeichnete Verarbeitungsqualität. Die Lautsprecher erscheinen allesamt hochwertig und elegant, ganz besonders die S 608 Standbox. Die Qualität der Gehäuse überzeugt, die Oberflächen sind makellos. Die verschiedenen verwendeten Materialien passen sehr gut zusammen. Beim Zusammenfügen der Gehäuse hat Jamo alles richtig gemacht - Zeugnis dafür legen die geringen und gleich bleibenden Spaltmaße ab. Nur die hinteren Gehäuseecken sind etwas scharfkantig - aufgeschlagene, mängelbehaftete Ecken sucht man aber vergeblich. Die Schallwand ist von guter Materialqualität, die Chassis sind sauber eingepasst. Völlig in Ordnung für die Preisklasse gehen die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals, die als Schraubanschlüsse ausgeführt sind. Das Innenleben der großen Frontbox überzeugt mit sauberem Aufbau der Frequenzweiche, die direkt rückseitig an den Terminals angebracht. Die Gehäusedicke ist beträchtlich, der Tieftöner besitzt einen großen Magneten. Die Kabelführung im Inneren erscheint sauber gelöst. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse (Marktpreis): Ausgezeichnet. 

Testequipment:
Klang

BD

Within Tempation, Black Symphony, PCM 96/24 5.1, ab Konzertbeginn mit Intro: Das vielschichtige Intro wird vom Jamo-System überraschend gut aufgebaut. Die großen Frontlautsprecher liefern, gerade beim Anschluss an einen potenten AV-Verstärker oder –Receiver, eine exzellente Bassperformance mit erstaunlichem Tiefgang. Die beiden S 606 Frontlautsprecher überzeugen ferner mit sehr gutem Übergang vom Bassbereich in den unteren Mitteltonbereich. Sie sind der enormen Kraft, die unser Test-AV-Verstärker Yamaha DSP-Z11 anliefert, gewachsen – für ein knapp 1500 EUR kostendes Lautsprecher-Ensemble höchst beachtlich. Die seitlich montierten Tieftöner liefern eine räumlich sehr gefällige Bass-Ausbreitung, auch im rund 30 Quadratmeter messenden Hörraum sind die schicken Standboxen gut aufgehoben. Der relativ kompakte Center fügt sich tadellos ein, das hätten wir nicht erwartet – meist zeigen kleinvolumige Centerspeaker deutliche Auflösungsverluste bei höherem Pegel und neigen dazu, den Klang hörbar zu komprimieren. Beides ist dem Jamo S 60 CEN nicht eigen. Den Aufbau des Intros stellt das Jamo-Set für die Preisliga anstandslos dar und bietet eine sehr gute Räumlichkeit. Als dann später die Sängerin die imposante Bühne betritt, wird die vokale Präsenz mit einer tadellosen räumlichenn Weite ausgekleidet, kraftvoll und klar kommen die instrumentalen Anteile zum Ausdruck. 

Center und Rearspeaker harmonieren sehr gut mit den großen Frontlautsprechern

Andrea Bocelli, Vivere – Live in Tuscany, 1. Track: Melodramma, PCM 96/24 5.1: Im Intro zum Konzert ist Andrea Bocellis Stimme zu vernehmen, wie er dem Zuhörer seine Heimat, die Toskana, kurz vorstellt. Hier überrascht der kleine Center mit einer stimmigen, harmonischen vokalen Darstellung, die zwar nicht über alle Maßen feingliedrig ist, aber durch die substanzreiche Wiedergabe zu überzeugen weiß. Das Zwitschern der Vögel kommt gut zum Ausdruck, auch die im Hintergrund läutende Kirchenglocke wird prima erfasst. Als dann das Konzert beginnt, arbeitet das Jamo-Ensemble den deutlichen Dynamiksprung sehr gut heraus. Nur das Klatschen des Publikums klingt etwas blechern und verwischt in den hinteren klanglichen Ebenen. Das Piano und die tieffrequente instrumentale Unterstützung hingegen arbeiten die S 608 HCS-Schallwandler tadellos heraus. Überhaupt wissen Tiefgang und Volumen im Bassbereich absolut zu überzeugen. Die Zusammenarbeit mit einem leistungsstarken AV-Verstärker gestaltete sich daher überraschend problemlos. Auch weniger kraftvolle AV-Verstärker und –Receiver können mit den Jamo-Boxen gut zusammenarbeiten , im Vergleich zu den kleineren S 606 Frontlautsprechern weisen die S 60 einen besseren Wirkungsgrad auf und stellen daher nicht so hohe Ansprüche an das Leistungspotential des angeschlossenen Verstärkers. 

Batman – the Dark Knight Dolby TrueHD 5.1.: Die Eröffnungssequenz ist sehr bassgewaltig und wird von verschiedenen, teils sehr deutlichen, Dynamikdifferenzen geprägt. Hier überzeugen die großen S 608 Frontlautsprecher erneut vollauf und bieten einen hervorragenden Tiefgang. Nur extrem subtile Details verschweigen die leistungsfähigen Schallwandler dem Zuhörer. Die sehr angenehme, tadellos eingebundene Stimmwiedergabe ist zu loben. Der Hochtonbereich ist recht direkt ausgelegt und wird ersz bei stark gehobenem Pegel etwas spitz. Eine enorme Detaillierung darf der Käufer allerdings nicht erwarten – zum günstigen Preis ist dies aber auch kaum möglich. Die ausgezeichnete Pegelfestigkeit, gerade im Bassbereich, setzt für die Preisklasse ohne Zweifel Akzente. Die Schüsse aus der Pumpgun des mutigen Bank-Filialleiters kommen druckvoll und ohne Verzögerung zum Auditorium. Der Center integriert sich überraschend gut zwischen den großen Frontlautsprecher, und auch die kleinen Surroundboxen liefern eine dynamische und harmonische Wiedergabe ab. 

Stirb Langsam 4.0, DTS-HD Master Audio 5.1: Im 5. Kapitel tobt der Kampf um Matthew Farrell – Gabriels Killer möchten den Hacker schnellstmöglich beseitigen, der kampferprobte Cop McLane stellt sich diesem Vorhaben mit aller Entschiedenheit entgegen. Der Spannungsbogen vor dem 1. Schuss des Scharfschützen wird sehr gekonnt dargestellt. Die Schußwechsel selbst ertönen mit ordentlichem Nachdruck und sehr guter Dynamik. Auch in dieser Filmsequenz merkt der Hörer, dass das Jamo-Set sehr gleichmäßig abgestimmt ist – tonal passen die Komponenten sehr gut zusammen. Der Hochtonbereich entfaltet eine ordentliche räumliche Wirkung und geht gut in den oberen Mitteltonbereich über, der Grundtonbereich schließt sich nahtlos an. Den unteren Mitten fehlt es ganz im Gegensatz zum vollen Bassbereich etwas an Substanz . Die Explosion des Feuerlöschers kommt mit Kraft und guter Struktur zur Geltung. Kleine Details der oberen akustischen Ebenen werden prima erkannt – eine filigrane Detaillierung sehr feiner Einzelheiten kann der Käufer in dieser Preisliga nicht erwarten. 

BD/CD Stereo:

Stereo, Gigi d’Agostino, L’Amour Toujours II, CD 2: Bei “Canto do mar” gefällt der kraftvolle Bass – bei dieser CD fehlt es aber etwas an Mittelton-Fundament, wodurch die Wiedergabe hier etwas unausgewogen erscheint. Die Räumlichkeit ist sehr gut, der Hochtonbereich schiebt sich zusammen mit den oberen Mitten leicht in den Vordergrund. Mit der relativ progressiv, das heißt mit üppiger Aussteuerung aufgenommenen CD kommen die 608 nicht so gut zurecht. Man kann diesem Problem durch einen leicht warm gesoundeten Verstärker begegnen, der den Sound harmonischer und griffiger macht.

Stereo, Andrea Bocelli, Vivere – Live in Tuscany, 1. Romanza, PCM Stereo: Bei diesem Stück gefallen uns die S 608 deutlich besser – hier liefern sie eine saubere und gefällige Performance mit tadelloser Durchzeichnung der Stimme Bocelllis ab. Der Klang löst sich auch gut vom Lautsprecher – erstaunlich für die Preisklasse. Auch die Trennung von vokalen und instrumentalen Elementen gelingt den S 608 gut. Der musikalische Spannungsbogen wird glaubhaft aufgebaut. 

Stereo, Armin von Buuren, Communication, Quake Mix: Dieses Stück der „Anthems of Trance“ 3er CD-Box liegt der S 608 absolut. Die enorme Dynamik wird sehr gut zum Ausdruck gebracht, weit schleudern die Standlautsprechern Effektanteile in den Hörraum. Der Bass ist prima strukturiert und kraftvoll. Die verschiedenen akustischen Ebenen werden gut voneinander getrennt. Selbst Einzelheiten berücksichtigen die Jamo-Boxen prima – für die Preisliga eine sehr ansprechende Performance. 

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. 

Fazit

Hochwertig und leistungsstark

Mit den größeren Frontlautsprechern vorn gewinnt das Jamo-Set deutlich, so dass man den Mehrpreis gegenüber dem 606er 5.0-Set als absolut gerechtfertigt ansehen kann. Durch den sehr guten Tiefgang und den immensen Nachdruck wird für die meisten Einsatzzwecke ein zusätzlicher aktiver Subwoofer nicht notwendig sein. Nur der Anwender, der das gelungene Ensemble in einem dedizierten Heimkinoraum aufbauen möchte und dort Actionsequenzen von Blockbustern mit enormem Tiefgang und brachialer Effektgewalt wiedergeben möchte, sollte sich noch zusätzlich einen aktiven Subwoofer anschaffen. Mit dem bärenstarken und unerbittlichen C 80 SUB hat Jamo auch gleich ein passendes Produkt im Portfolio, das in unserem Test begeistern konnte. Für die Verwendung im Wohnzimmer hingegen reicht die vom 5.0 Set gebotene Leistungsfähigkeit im Bassbereich problemlos aus. Sehr zu loben ist auch die höchst angenehme tonale Auslegung. Die gekonnten Übergänge vom Hoch- in den Mitteltonbereich und von den Mitten in den "Frequenzkeller" belegen das insgesamt sehr erfreuliche Niveau der Jamo-Schallwandler, das auch durch die sehr hohe Pegelfestigkeit weitere Bestätigung findet. Daher können ohne Schwierigkeiten auch leistungsstarke AV-Receiver oder -Verstärker Kontakt mit den Jamo-Boxen suchen. Erstaunlich ist, wie tadellos sich der kleine Center auf eine ansprechende Zusammenarbeit mit den großen Front-Standlautsprechern versteht. Er hinterlässt hier einen noch besseren Eindruck als beim Einsatz mit den kleineren S 606 Frontboxen beim Jamo S 606 HCS 3 5.0-Set. Auch die kompakten Regallautsprecher wirken nicht verloren, sondern punkten durch spontanes Ansprechen und eine erstaunliche Räumlichkeit. Dass letzte Details im sonst relativ klar ertönenden Hochtonbereich bei allen Komponenten verschwiegen werden, dürfte die von Jamo und dem deutschen Vertrieb Osiris Audio angepeilte Zielgruppe nicht stören - lieber erfreut man sich an der schicken Optik und der akkuraten Verarbeitung. 


Geheimtipp für preis-/leistungsbewusste Mehrkanalliebhaber - mit viel Nachdruck, sehr gutem Tiefgang und einem klaren Klang erweist sich das S 608 HCS 3-Set als ausgewachsenes Surround-Ensemble mit ansprechender Optik 
Test 23.09.2009

+ Ausgezeichnete räumliche Darstellung
+ Sehr gute Pegelfestigkeit
+ Tadellose Grobdynamik
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Elegante Optik
+ Günstiger Kaufpreis

- Untere Mitten sind etwas zurückgenommen
- Billig wirkende Lautsprecher-Abdeckgitter

Absolute Einordnung

Das Jamo Mehrkanal-Lautsprecherset bietet zum kleinen Marktpreis einen ansprechenden Gegenwert. Es grenzt sich durch die erwachsene Gesamtakustisch deutlich von sehr preiswerten 5.1 oder 5.0 Standboxensets ab, die vielleicht optisch auch eine ordentliche Wirkung mitbringen, aber klanglich größtenteils versagen. Zudem stellt das attraktiv gestaltete Set auch eine interessante Alternative zu den leistungsstarken Angeboten der führenden Direktversender dar. Gerade die gediegene, gleichzeitig aber moderne optische Erscheinung sorgt dafür, dass sich das Surround-Ensemble auch in eleganten Wohnlandschaften gut macht. Durch die tadellose Pegelfestigkeit kann man die Jamos auch ohne Schwierigkeiten mit leistungsstarken AV-Receivern/_Verstärkern kombinieren. Der kraftvolle, druckvoll ausgeprägte Bassbereich stellt sicher, dass das Jamo S 608 HCS 3 auch ohne den zusätzlichen Support eines aktiven Subwoofers aufspielen kann. Wer mehr Detailtreue und einen fundierten unteren Mitteltonbereich sucht, die sonstigen Eigenschaften der Jamo-Boxen aber nicht unter - sondern ebenfalls überbieten möchte, muss deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. 

Test: Carsten Rampacher
23. September 2009

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