TEST: Hama WLAN IP-Kamera - Videoqualität und umfangreiche Funktionen plus drahtlose Einbindung ins Netzwerk?

08.12.2009 (phk)

Einführung

Webcams dienen mittlerweile nicht mehr nur zum Video-Chat mit Freunden, sondern werden zu allen vorstellbaren Einsatzzwecken herangezogen. Bildqualität und Zuverlässigkeit hat sich so stark verbessert, dass diverse Kameras sogar problemlos zu Überwachungszwecken verwendet werden. Eine flexible Kamera, vorzugsweise mit zwei rotierenden Achsen ist für eine solch verantwortungsvolle Aufgabe Pflicht. Hama geht neben diesem Feature noch einen Schritt weiter und stellt eine drahtlos einzubindende IP-Kamera vor. Trotz der kabellosen Funktion soll eine konstant hochwertige Videoqualität und sogar Audiosignale zur Verfügung gestellt werden. Die Kamera schafft eine Auflösung von maximal 1024x768 Pixeln mit einer Framerate von 15 fps respektive 640x480 mit 30fps. Für eine garantiert fehlerfreie und vor allem schnelle Übertragung der Daten steht ein WLAN-Modul mit Standard 802.11n (300 Mbps) zur Verfügung. Bewegungserfassung, automatisierte Steuerung und Aufnahmefunktion (auch auf SD-Karte) sind nur einige der umfangreichen weiteren Features der IP-Kamera. Diese Funktionen, den Bedienkomfort und eventuelle Hindernisse bei der Erstkonfiguration müssen sich unserem Praxistest stellen.

Verarbeitung

Der komplette Lieferumfang der IP-Kamera

Vier LEDs liefern Bericht über den Status ab

Rückseite mit SD-Slot und WPS-Knopf

Ausreichend dimensionierte Gumminoppen für festen Stand

Die Wireless IP-Kamera von Hama ist sehr ordentlich verarbeitet. Das Gehäuse besteht komplett aus Plastik, scharfe Kanten oder abstehende Grate sind allerdings nirgendwo zu finden. Die Passungen sitzen ausgezeichnet und die hinten anliegenden 
Anschlüsse sind perfekt eingefasst und lassen sich weder verschieben noch eindrücken. Die vorderen Plastikabdeckungen der LEDs sitzen bei unserem Modell nicht ganz so gut. Die rotierenden Scharniere der IP-Cam laufen geräuscharm, allerdings stellt sich der Elektromotor für die horizontale und vertikale Achse im Praxisbetrieb als nicht so geräuschlos heraus und ist auch aus einigen Metern Entfernung noch hörbar. Die Gumminoppen, die neben einer stabil wirkenden Wandhalterung unter der Kamera angebracht sind, sind ausreichend dimensioniert und sorgen für guten Halt. Zur Anbringung an der Wand liegen Dübel und Schrauben bei.

Installation:

Die Erstkonfiguration der Hama Wireless IP-Cam erfolgt am einfachsten kabelgebunden. Wir empfehlen, die IP-Kamera direkt per Kabel mit einem PC zu verbinden, so können sie ihre IP-Adresse problemlos an die Range der Kamera anpassen. Die Standard-IP-Adresse lautet "192.168.2.3", sollte sich ihr Heimnetzwerk nicht in diesem Adressbereich befinden müssen folgende Einstellungen vorgenommen werden: Wählen sie im Windows-Startmenü Einstellungen -> Netzwerkverbindungen und klicken sie mit der rechten Maustaste auf ihre Lan-Verbindung und drücken sie auf Eigenschaften. Unter Internetprotokoll TCP/IP wählen sie "Folgende IP-Adresse verwenden" aus und vergeben sie ihrer Netzwerkkarte eine IP-Adresse im Adressbereich der IP-Kamera, also "192.168.2.X" (4-255). Achtung: Merken sie sich bitte ihre IP-Adresse, sofern im TCP/IP-Fenster schon eine IP eingetragen wurde. Diese muss nach der Konfiguration wieder eingetragen werden um ihre ursprüngliche Verbindung zum Heimnetzwerk wiederherstellen zu können.

Der PC muss eine IP im Adressbereich der Kamera besitzen

Web-Interface im Internet Explorer der WLAN IP-Kamera bei erfolgreicher Verbindung

Die Verbindung zu der Kamera steht jetzt und man kann via Internet-Browser oder mittels der beiliegenden Konfigurations- und Viewersoftware auf der Hama CD das Gerät konfigurieren. Wir haben uns zuerst für die Einstellung mittels Web-Browser entschieden, da so keine weitere Software-Installation nötig ist. Öffnen sie ihren Web-Browser (Es empfiehlt sich der Internet Explorer, ausschließlich für die Konfiguration ohne Bild der Webcam funktioniert aber ebenso die neueste Version von Mozilla Firefox) und tippen sie in die Adresszeile die IP-Adresse der Kamera "192.168.2.3". Der Nutzer wird zur Eingabe eines Benutzernamen und Passworts aufgefordert, nach der Eingabe der default Daten öffnet sich das Konfigurationsfenster. Die Webcam kann nun nach ihren Wünschen konfiguriert und verwendet werden. Da wir die Hama Wireless IP-Kamera aber auch so nutzen möchten, wie ihr Name es verspricht, wenden wir uns der WLAN-Konfiguration zu.

WLAN-Konfiguration im Web-Interface

Um eine problemlose WLAN-Verbindung aufbauen zu können, müssen folgende Punkte beachtet werden:

  • Die WLAN-SSID (Name des WLAN-Netzwerks) darf weder Sonder- noch Leerzeichen enthalten
  • WPA oder WPA2 kann aktiviert sein, nicht jedoch beide Verschlüsselungstechniken auf einmal (vor Firmware 1.19)

Unter "Netzwerk" im Browserfenster wählt man WLAN aus, im Regelfall werden die verfügbaren Drahtlosnetzwerke angezeigt. Nachdem sie den Netzwerktyp (default: Infrastruktur) ausgewählt haben (Anmerkung: Ad-Hoc ist eine direkte Verbindung zwischen PC und Kamera, dies muss gewählt werden wenn sich kein Router oder Access-Point im Netzwerk befindet). Nun wird die gewünschte SSID im Feld unter den angezeigten Drahtlosnetzwerken eingegeben und der Netzwerkschlüssel bestätigt. Nach einem Klick auf Übernehmen werden erneut die Drahtlosnetzwerke angezeigt und vor dem gewünschten Netzwerk sollte sich ein pinker Punkt befinden. Dies bedeutet, dass der Verbindungsaufbau erfolgreich verlief, die IP-Kamera aber noch per Kabel mit einem PC verbunden ist. Die Kamera kann nämlich nur kabelgebunden oder drahtlos eingebunden werden, beide Optionen sind nicht gleichzeitig verfügbar. Die WLAN-Verbindungskonfiguration ist hiermit abgeschlossen und das Kabel kann entfernt werden. Die Kamera bezieht automatisch eine zugewiesene Netzwerkadresse und verbindet sich automatisch. Je nach Einstellung ihres Heimnetzwerkes muss die Netzwerkverbindung des PCs, mit dem die Konfiguration durchgeführt wurde, wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Bevor wir uns an den nächsten Schritt machen, wollen wir noch auf eine weitere Verbindungsmöglichkeit der IP-Kamera hinweisen, die sich als sehr unproblematisch herausgestellt hat. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein WPS-fähiger Router. WPS steht für Wi-Fi Protected Setup und ist ein von der Wi-Fi Alliance automatisierter Standard für ein problemloses und schnelles Einbinden von WLAN-Geräten in ein bestehendes Drahtlosnetzwerk. WPS verfügt selbst über verschiedene Verbindungsmöglichkeiten u.a. einer simplen PIN-Eingabe der verschiedenen Geräte. Am einfachsten stellt sich aber die Push-Button-Methode dar. Verfügt ihr Router über die WPS-Technik, muss der dafür vorgesehene Schalter betätigt werden, für einen Zeitraum von etwa 120 Sekunden sendet der Router nun ein Signal aus, dass von der IP-Kamera verarbeitet werden kann. Nach dem Aktivieren am Router muss der WPS-Schalter auf der Rückseite des Hama-Gerätes betätigt werden, in unserem Fall klappte die Verbindung via WPS absolut problemlos und schnell. Wer also über einen WPS-fähigen Router verfügt, kann und sollte diese umstandslose Verbindungsmöglichkeit nutzen.

Steht die WLAN-Verbindung ist die Wireless IP-Kamera in ihrer zugedachten Funktion betriebsbereit. Wird im WLAN-Netzwerk eine statische IP verwendet so kann man, ähnlich der Konfiguration über das Kabel, direkt die vergebene IP im Browser eingeben und auch über das drahtlose Netzwerk die Kamera ansteuern. Bei der Verwendung von DHCP ist vorher ein weiterer Schritt notwendig. Wenn man absolut auf eine weitere Software-Installation verzichten möchte, muss die IP der Kamera im Menü des Routers, dass ebenso über den Web-Browser erreichbar ist, ermittelt werden. Wer es etwas einfacher haben möchte, installiert mittels der beiliegenden CD die "IPCam Surveillance Software". Die Software sucht nach einem Klick auf den Schraubenschlüssel in der Software automatisch nach der IP-Cam im Netzwerk und kann direkt angewählt werden. Das Interface der HAMA-Software entspricht in großen Teilen dem Quick-Menü bei Zugriff über den Web-Browser. Essentielle Einstellungen können einfach vorgenommen werden, allerdings teilt uns das Programm die IP der Kamera im Netzwerk mit, wir können jetzt also auch problemlos über den Web-Browser zugreifen.

Zugriff auf die Kamera mittels der Hama Surveillance Software

Die Wireless IP-Kamera ist nun fertig justiert und kann mittels Web-Browser oder der IPCam Surveillance Software von Hama angesteuert werden.

Installationshinweise in Kurzform

Traditionell:

  • Verbindung eines Rechners mit der IP-Cam via Ethernet-Kabel
  • Anpassen der Netzwerkverbindung am PC an den Adressbereich der Kamera (Kamera-IP: 192.168.2.3)
  • Konfiguration der Kamera mittels Internet-Explorer
  • Sicherstellen dass weder Sonder-noch Leerzeichen in der Wlan-SSID vorkommen und kein Mix aus WPA/WPA2 gesendet wird
  • Mit dem Wireless-Router verbinden, Ethernet-Kabel abstecken (keine gleichzeitige Verwendung von LAN/WLAN möglich)
  • IPCam Surveillance Software installieren und Kamera automatisch erkennen lassen

via WPS:

  • WPS-Knopf am Router betätigen
  • WPS-Knopf an der Rückseite der Hama Wireless IP-Kamera betätigen
  • IPCam Surveillance Software installieren und Kamera automatisch erkennen lassen
Funktionalität und Features

Ist die WLAN IP-Kamera erst einmal fertig konfiguriert, stehen einem eine riesige Anzahl an hilfreichen Funktionen zur Verfügung. Angefangen von der Aufnahmefunktion auch auf SD-Karte bis hin zur Bewegungserkennung und dem Hochladen des aufgenommenen Bildes auf einen FTP-Server. Vorerst wenden wir uns aber den essentiellen Einstellungsmöglichkeiten zu.

Menü des Web-Interface im linken Frame

  • Geschwindigkeit: Steps von 1 (langsam) bis 5 (schnell), legt die Rotationsgeschwindigkeit der Achsen fest

  • Auflösung: 320x240 und 640x480 mit bis zu 30fps, 1024x768 mit bis zu 15 fps

  • Qualität: Sehr niedrig, niedrigste, normal, hoch, sehr hoch

  • Bildmodus: MJPEG (Motion JPEG) oder MPEG4. MPEG4 bietet eine kürzere Verzögerungszeit und ist für beste Bildqualität zu empfehlen

  • Bildfrequenz: Anzahl der Bilder pro Sekunde, 3-5-10-15-30

  • Frequenz: 60 Hz oder 50 Hz, Hama empfiehlt 60 Hz bei Tageslicht und 50 Hz bei 

  • Bild spiegeln: Normal, Vertikal, Horizontal, Drehen 180

  • Helligkeit, (Farb)Sättigung und Schärfe kann mit +/- Buttons justiert werden

  • Lautstärke: Lautstärkeeinstellung für die Audio-Aufnahme

Weiterhin kann auf der Startseite des Web-Interface schnell und einfach ein Schnappschuss oder eine Video-Aufnahme direkt auf dem PC gespeichert werden.

Einrichten einer "Guard Tour" über das Web-Interface

Unter dem Punkt "Steuerung" lässt sich eine sogenannte "Guard Tour" festlegen. Neun individuelle Punkte, die die Hama Kamera abfahren soll können durch einen einfachen Klick ins momentane Bildfenster gesetzt werden. Sind die Punkte eingegeben, wechselt man auf "Tour", hier kann eine neue Route hinzugefügt werden in die einzelne oder alle vorher festgelegten Punkte eingegliedert werden können. Ist die Route mit festgelegten Punkten eingestellt, muss nur noch der Punkt "Start/Stop" betätigt werden und die IP-Kamera verfolgt ihren neuen Weg.

Der nächste Oberpunkt ist die schon bekannte Netzwerk-Sektion. Neben den Konfigurationsmöglichkeiten findet sich hier aber auch die Einstellung "DynDNS". Selbstverständlich kann auf die IP-Kamera auch über das Internet zugegriffen werden. Hierzu benötigt man allerdings die Web-IP des Hama-Gerätes. Mittels Seiten wie whatismyip.com ist diese zwar einfach zu ermitteln, aber a) muss sich der Nutzer im selben Netzwerk befinden und b) ist aufgrund der dynamischen IP-Vergabe (fast) aller Internet Service Provider dies nur bedingt zureichend. Mit DynDNS funktioniert es etwas komfortabler, dieser externe Dienst verfolgt die IP-Änderung eines von ihnen bestimmten Gerätes und verknüpft diese mit einer für den Anwender individuellen DynDNS-ID. Durch die Integration in die Hama Kamera benötigen sie nichts weiter als einen kostenlosen DynDNS-Account. Bei Zugriff aus dem Internet sollten Portfreigaben für die Ports 80 und vorzugsweise 4321-4322 angelegt werden.

Die Funktion der Bewegungserkennung bietet bei der Hama Kamera besonders umfangreiche Zusatz-Features. Die wichtigsten Grundeinstellungen werden auf der ersten Seite der Konfiguration vorgenommen und durch den Erkennungsbereich der genaue Überwachungsort festgelegt. Wird die Bewegungserkennung genutzt, kann der ausgelöste Schnappschuss auf einen FTP hochgeladen, per E-Mail versendet oder einfach auf die SD-Karte im Slot auf der Rückseite gespeichert werden. Die Speicherung auf der SD-Karte funktioniert völlig selbsterklärend, es müssen lediglich Dateiname und Zielordner auf der Karte festgelegt werden. Für eine Versendung via E-Mail oder ein Hochladen auf einen FTP müssen genauere Eingaben vorgenommen werden. Ein FTP-Server verlangt obligatorisch eine IP, ein Passwort und einen Benutzernamen. Ebenso muss das Verzeichnis mit Schreibrechten verfügbar sein und angegeben werden. Ähnlich detailliert muss bei der Versendung via e-Mail vorgegangen werden, neben Adresse muss der SMTP-Server (Beispiel: smtp.googlemail.com) wiederum mit Benutzername und Passwort angegeben werden.

Systemstatus mit Angabe von Firmware, (W)LAN-IP, etc.

Anzeige der schon auf der SD-Karte gespeicherten Schnappschüsse

Die übrigen Menüpunkte Systeminfo, Benutzer und SD-Karte sind eher statistischer Natur und bieten keine weiteren Features. In System Info wird Kameraname und Zeit&Datum eingestellt und bei Bedarf ein Firmware-Upgrade durchgeführt. Via Benutzer können weitere Benutzerkonten angelegt werden und SD-Karte zeigt eine Übersicht des Speicherstatus der Karte.

Fazit

Die WLAN IP-Kamera von Hama begeistert durch ihren großzügigen Funktionsumfang und, ist die Cam erst einmal installiert, der hohen Betriebssicherheit. Wir empfehlen sofort ein Firmware-Update der Kamera auf Version 1.19+ durchzuführen, mit der vorinstallierten Firmware 1.15 war bspw. eine WPA2-Verbindung in unserer Redaktion gar nicht möglich. In der Tat ist die Erstinstallation leider, vor allem für den technischen Laien, nicht gerade einfach. Erfreulicherweise ist die Bedienungsanleitung relativ umfangreich und verdeutlicht den Vorgang duch Bildern, nach einer gewissen Einarbeitungszeit sollte also auch der technisch unversierte Anwender zum Ziel gelangen. Die Konfiguration nach der Installation ist hingegen problemlos und absolut Nutzerfreundlich, sowohl mit dem Web-Browser als auch mit der Surveillance Software kann die Kamera gesteuert und justiert werden. Durch die Möglichkeit MPEG 4 in 30fps bei einer Auflösung von 640x480 aufzuzeichnen, ergattert sich die Kamera sogar Punkte in Bezug auf Videoqualität, die wir trotz WLAN-Einbindung uneingeschränkt genießen konnten. Die schier unbegrenzte Funktionsvielfalt wie Bewegungserkennung, Image-Direktupload auf ftp/sd-karte/mail-adresse unterstreicht die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten einer drahtlosen Kamera. Wenn sie also komfortabel für höhere Sicherheit Zuhause/am Arbeitsplatz sorgen möchten empfehlen wir guten Gewissens die IP-Kamera von Hama. 

Leicht bedienbare IP-Kamera mit WLAN-Einbindung und überaus umfangreich ausgestatteten Features

Multimedia-Zubehör
Test 08. Dezember 2009

+ WLAN-Einbindung
+ Problemlose Installation mittels WPS
+ Einfache Bedienung über Browser/Software

- Etwas umständliche Erstinstallation (ohne WPS)

Test: Philipp Kind
08. Dezember 2009