TEST: Stereo-Lautsprecher Nubert nuLine 122 Exclusiv mit ATM-Modul

07. Mai.2008 (cr)

Einführung

Es gibt immer mehr Menschen, die das Besondere lieben. In Zeiten, in denen der Alltag immer hektischer und unüberschauberer wird, liegt es im Trend, sich etwas zu gönnen, das nicht jeder besitzt - wie beispielsweise einen Lautsprecher in besonders edler Optik, verbunden mit brillanten konstruktiven Merkmalen. Nubert bietet für diese stetig wachsende Klientel die Standbox nuLine 122 mit gewaltigen 380 Watt Nenn- und 550 Watt Musikbelastbarkeit (an 4 Ohm) seit kurzem in einer speziellen "Exclusiv"-Edition an. Das Besondere an der Bassreflex-2-Wege-Box mit 2 Subbässen ist der hochglänzend tiefschwarze Klavierlack - mit handwerklich größtem Aufwand realisiert. Wer es optisch besonders edel liebt, wird auch das klanglich überdurchschnittlich Leistungsstarke schätzen. Dieser Maxime folgend, bestellten wir die nuLine 122 gleich mit dem ATM-Modul 122 in unseren Testraum. Zu den 1.899 EUR/Stück für die nuLine 122 Exclusiv addieren sich zusätzlich faire 249 EUR für das Modul, das den Frequenzgang nach unten ausdehnt (bis auf 25 Hz bei - 3 dB) und weitere Möglichkeiten zur klanglichen Einflussnahme bietet (Bass- und Mitten-/Höhenregler). Was das schwäbische Kleinod, als Paar zusammen mit dem ATM-Modul 4.047 EUR kostend, leistet, klärt der Praxistest. 

Technische Daten

nuLine 122:

Die nuLine 122 weist eine hohe Bautiefe auf 

Die nuLine 122 braucht im wahrsten Sinne des Wortes "EntfaltungsRAUM" - denn mit 125 cm Höhe und über 40 kg Gewicht ist sie nicht unbedingt als zierlich zu bezeichnen. Aber: Hervorragender Klang und eine enorme Pegelfestigkeit sind nur mit entsprechenden Abmessungen zu realisieren. Gleich ein Tief-/Mitteltöner und 2 Tieftöner der 2-Wege/Subbass-Bassreflex-Konstruktion sorgen für eine nachdrückliche, raumfüllende, stets präzise und kontrollierte Bass-Abbildung. Durch die sehr hoch liegende Nennbelastbarkeit von 380 Watt und die extreme Musikbelastbarkeit von 550 Watt - wichtig bei kurzen Impulsspitzen wie z.B. einem Paukenschlag. Der Wirkungsgrad ist mit 86,5 dB (1W/1m) als gut zu bezeichnen - allzu schwächliche Verstärker sollte man trotzdem nicht anschließen. Das Gehäuse der nuLine 122 besteht aus stark versteiftem MDF-Material, so wird eine hohe Widerstandfähigkeit gegenüber Verwindungen erzielt. Durch die dicken Gehäusewände und die unterschiedlich gestalteten Dämpfungselemente erlaubt sich das Gehäuse keinen Eigenklang. Schließlich soll die Musik klingen - und nicht das Gehäuse. Schon bei der Standardausführung sind vier Tellerfüße im Lieferumfang enthalten, die mittels der vier M 8 Gewindebuchsen auf der Gehäuse-Unterseite befestigt werden. Für optimalen Halt liefert Nubert bei der nuLine 122 Exclusiv noch einen kompletten Satz nobler Vollmetall-nuSpikes mit. 

Asymmetrischer Hochtöner

Bewährter Tief-/Mitteltöner mit hoher Belastbarkeit

Die nuLine 122 verfügt über einen hoch entwickelten, asymmetrisch ausgeführten Kalotten-Hochtöner. Daher kann man die Boxen nicht beliebig aufstellen, sondern sollte sich vergewissern, ob der rechte Lautsprecher auch rechts steht. Die asymmetrisch platzierte Gewebekalotte reduziert Streueffekte (Kantendispersionen) an den Gehäusekanten auf ein Minimum und steigert somit zusätzlich die Genauigkeit der Abbildung einzelner Instrumente oder Stimmen. Die Hochtonwiedergabe des klirrarmen Chassis ist, wie von Nubert gewohnt, klar, natürlich und nicht aggressiv oder anstrengend. Der Tief-/Mitteltöner ist eine Weiterentwicklung des bekannten Nubert Mitteltonchassis. Auf diesem in den Jahren immer mehr gereiften Treiber bauen auch die beiden Basschassis auf. Ihr entscheidendes Merkmal ist die Fähigkeit zu großen Membranhüben bei sehr hoher Präzision, was unter anderem durch die integrierten Wirbelstrombremsen im Magnetkreis, besonders steife Membranen, strömungsoptimierte Korbstreben und hinterlüftete Zentrierungen ermöglicht wird. Damit steht ein gewaltiges, aber durch und durch kontrolliertes Basspotenzial mit einer unteren Grenzfrequenz von 37 Hz (-3dB) zur Verfügung. 

Viele Boxen-Bauer schwören auf eine Mini-Anzahl von Bauteilen in der Frequenzweiche- getreu der Maxime, dass ein zu komplexer Aufbau mit vielen Baugruppen einem reinen Klang eher ab- als zuträglich ist. Günther Nuberts aufwändig konstruierte Weiche der nuLine 122 verfügt über die gewaltige Anzahl von 48 Bauteilen - nach Rücksprache mit Nubert aber keinesfalls eine zu üppige, sondern schicht und einfach eine notwendige Bauteile-Zahl. Nur so wurden beispielsweise exakt definierte, unterschiedliche Flankensteilheiten in den Übergangsbereichen zwischen den Tieftonsystemen und dem Mitteltonbereich möglich. Die Folge: Die typischen, klangschädlichen Phasendrehungen und Signaldurchlaufzeiten steilflankiger Filter werden bei der Summierung der Einzelchassis im Bassbereich praktisch komplett vermieden und im Übergang zum Hochtöner wirkungsvoll reduziert. Für die präzise Einhaltung der elektrischen Werte sowie die hohe Langzeitstabilität sorgen hochwertige Bauteile, beispielsweise teure Folienkondensatoren oder groß dimensionierte, hochbelastbare Kupferspulen. Und, nicht zu vergessen: Umfassenden Schutz für die Chassis gewährt eine durchdachte Schutzschaltung, die bei drohender Überlastung den Strom vom Verstärker reduziert und sich automatisch wieder auf normal zurücksetzt, wenn die Überlastungssituation vorüber ist. Auf der Rückseite der nuLine 122 finden sich noch zwei Kippschalter: Der obere Wippschalter zwischen den Anschlussklemmen erlaubt die dreifache Umschaltung des Hochtonbereichs von "sanft" über "linear" bis "brillant" und ist für unterschiedlich bedämpfte Wohnräume, bzw. für die Anpassbarkeit an unterschiedliche Hörgewohnheiten und Vorlieben gedacht. Beim Bass-Schalter kann zwischen einer sehr linearen und präzisen Abstimmung und einer substanzreicheren und etwas weicheren Basswiedergabe gewählt werden.

Technische Daten:

  • Standbox / 2-Weg + 2 Subbass-Chassis/Bassreflex 
  • Nennbelastbarkeit: 380 Watt (nach DIN EN 60268-5, 300 Std.-Test) 
  • Musikbelastbarkeit: 550 Watt 
  • Absicherung: Hoch-, Tieftöner und Weiche gegen Überlastung geschützt
    (selbstrückstellende Sicherungen) 
  • Impedanz: 4 Ohm
  •  Frequenzgang: 33-24.000 Hz + 2 / - 5 dB
    37-22.000 Hz + 2 / - 3 dB 
  • Wirkungsgrad: 86,5 dB (1 Watt / 1 m)
  • Abmessungen: 125 x 24,5 x 38,5 cm (H x B x T)
  • Gewicht: 40,5 kg 

ATM-Modul

Das ATM-Modul hat zwei Aufgaben:

  1. Erweiterung des Frequenzbereiches nach unten, im Falle der nuLine 122 auf bis zu 25 Hz
  2. Regelmöglichkeiten für Mittel-/Hochton- und Bassbereich

Zu 1) Die ATM Module von Nubert schöpfen die Bassreserven der Lautsprecher komplett aus und vermeiden die Probleme bisheriger Klangregler. So heben sie im Bass exakt nur den Frequenzbereich an, den die Box ohne Modul aufgrund ihrer physikalischen Voraussetzungen (Stichwort: Gehäusevolumen, Chassisgröße) nicht mehr genügend tief abstrahlen kann. Dass dies funktioniert, liegt an der überlegten Konzeption und Konstruktion: So sind alle ATM Module exakt auf ein bestimmtes Boxenmodell abgestimmt, das heißt, das ATM Modul kennt den Frequenzgang- und Phasenverlauf der jeweiligen Box ganz genau. Kann diese beispielsweise 50 Hertz nur noch mit einem Pegelabfall von 6 dB wiedergeben, signalisiert das ATM Modul dem angeschlossenen Verstärker, in diesem Bereich soviel zusätzliche Leistung zur Verfügung zu stellen, bis der Pegelabfall kompensiert ist. 

Zu 2) Diese Funktion erinnert an die Funktionen von Bass- und Höhenregler am Verstärker. Ein wesentlicher Unterschied ist aber: Die Bass- und Höhenregler bisheriger Verstärker verändern die gesamte Gewichtung des Klangbildes. Beim Absenken des Hochtonbereiches mit typischen Klangreglern gibt es einen "Knick" im Frequenzgang, der vom menschlichen Ohr als Verfärbung empfunden wird. Weil das Ohr versucht, bei Frequenzgang-Veränderungen zwischen unterem und oberem Übertragungsbereich "auszumitteln", wird beispielsweise eine "konventionelle" Höhenabsenkung zusätzlich noch als "relative Überhöhung" des oberen Mittenbereichs empfunden. Außerdem sind die Einsatzbereiche üblicher Bass- oder Höhenregler so willkürlich gewählt, dass Musikliebhaber oft lieber mit zuviel oder zuwenig Höhen leben, als mit einem unharmonischen Klangbild.

Im einzelnen heißt dies: Neben der Erweiterung des Bassbereiches gibt es darüber hinaus noch den Bereich für  die Bassanhebung rechts der Mitte des EQ-Reglers. Damit kann man, wenn gewünscht, ein sehr nachdrückliches, raumfüllendes Klangbild erzielen, das "runder" klingt, als man es mit typischen Bassreglern an Verstärkern erreicht. Das kann bei größeren Lautstärken gehörigen Spaß bereiten. - noch sinnvoller ist dieser Bass-Boost aber fürs Leisehören. Das menschliche Ohr nimmt die Bässe bei kleinen Lautstärken deutlich schwächer wahr - das kennt man z.B. auch von einer auf niedrigem Pegel ablaufenden Heimkino-Vorführung, wenn große Explosionen akustisch nur eine kleine Wirkung haben. Exakt diesen Effekt möchte Audyssey mit seinem neuen "Dynamic EQ", der in verschiedenen AV-Receivern zum Einsatz kommt, kompensieren. 

Ebenfalls ausgeklügelt widmet sich das ATM Modul dem Hochtonbereich. Während ein Hochton-Klangregler am Verstärker den Frequenzgang nur in einem sehr schmalen Bereich beeinflusst und so den Frequenzgang deutlich "verbiegt", lässt das ATM Modul den Verlauf des Frequenzgangs kontinuierlich vom Bassbereich bis 20 kHz wie eine schiefe Ebene bis zu + 7 dB ansteigen oder abfallen. Da der Frequenzgangverlauf linealgerade "gedreht", aber nicht verbogen wird, empfindet das Gehör den kontinuierlichen Anstieg oder Abfall im Gegensatz zum Dreh am Klangregler als völlig harmonisch.

Das ATM-Modul von hinten



Das ATM Modul lässt sich an jeden gängigen HiFi-Verstärker bzw. an Vor-/Endstufenkombinationen anschließen. Bei Vollverstärkern mit auftrennbarer Vor- und Endstufe sowie Vorverstärker/Endverstärker-Kombinationen schleift man das ATM Modul einfach zwischen die beiden Verstärkerstufen ein, der Anschluss und die Umschaltung der Signalquellen erfolgt weiterhin über den Verstärker. Ebenso bleibt der Verstärker auch die Schaltzentrale bei der Eingangswahl, wenn das ATM Modul über die "Tape-Monitor-Anschlüsse" in den Verstärker eingeschleift wird. Doch auch Besitzer von Vollverstärkern ohne auftrennbare Vor- und Endstufe und ohne Tape-Monitor-Möglichkeit können das ATM Modul problemlos mit drei Hochpegelquellen betreiben. Diese werden dann aber nicht mehr am Verstärker, sondern an den LINE Eingängen des ATM Moduls angeschlossen und über den Quellwahlschalter auf der Frontseite umgeschaltet.

Technische Daten:

  • Eingänge: Cinch, 3 x L/R; Ausgänge: Cinch, 1 x L/R

  • Einstellbereich BASS/EQ-Regler: 0 bis max +15 dB (genauer Wert und Einsatzfrequenz modellabhängig); Einstellbereich MID/HIGH-Regler: ± 7 dB bei 20 kHz; Frequenzgang (MID/HIGH = Linear, BASS/EQ = Off): bis > 110 kHz (-3 dB), untere Grenzfrequenz modellabhängig

  • max. Ein-/Ausgangspegel: 22 dBu entspr. 9,8 Veff

  • Verstärkung: 0 dB (intern auf -10 dB umschaltbar)

  • Dynamikumfang (S/N): 124 dB

  • Klirrfaktor THD+N: -102 dB (0,00079%) bei 1 kHz, 0 dBu (775 mVeff)

  • Maße: B x H x T: 109 x 50 x 190 mm (Gesamtmaße mit Füßen)

  • Reine Gehäusemaße: 109 x 46 x 167 mm (ohne überstehende Anschlussbuchsen, Drehknöpfe, Füße) 

 

Insgesamt erhält der Käufer der nuLine 122 Exclusiv eine High-Tech-Box der Oberklasse, die durch hohe Belastungswerte ebenso glänzt wie durch vielfältige klangoptimierende Maßnamen. Mit dem ATM-Modul wird der ausladende Standlautsprecher zu einem Paradebeispiel für das High-Tech made in Germany. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend. 

Verarbeitung

Perfekte Gehäuseverarbeitung, ganz gleich, wohin man blickt

So sieht eine exzellente Kantenverarbeitung aus

Üppiger Materialeinsatz

Gleichmäßig tief-hochglänzende Oberflächen in reinster Ausprägung

 

Imposante Erscheinung

Hochwertige Bi-Amping-Terminals. Dazwischen die Kippschalter für eine individuelle Anpassung der Höhen- und Basswiedergabe

Hochwertige, schwere Metall-Spikes für sicheren Stand auf allen Unterböden, im Koffer adrett angerichtet

Das ATM-Modul besteht komplett aus Metall und wirkt dadurch sehr stabil

Die nuLine 122 kommt als "Exclusiv"-Edition 834 EUR (pro Box) teurer als eine normale nuLine 122. Ein auf den ersten Blick hoher Mehrpreis - der sich aber sofort relativiert, wenn man das absolut perfekte, Maßstäbe setzende Oberflächen-Finish mit ins Kalkül zieht. Der Aufwand, den Nubert betreibt, ist extrem hoch: Zunächst erhält das große Gehäuse (125 x 24,5 x 39 cm, H x B x T) der 40,5 kg schweren nuLine 122 einen Grundlack, der die Saugfähigkeit des Holzes reduziert und bereits feine Unebenheiten ausgleicht. Anschließend findet ein Zwischenschliff statt. Der eigentliche Klavierlack wird dann in bis zu zehn Arbeitsgängen aufgetragen und auf den Gehäuseflächen mit einem Bandschleifgerät in mehreren Schritten immer feiner geschliffen. Bei den Kanten des Gehäuses erfolgt diese Prozedur von Hand. Eine Politur mit einem Filzband verleiht der Box anschließend ihren ersten Glanz. Um das spiegelglatte Oberflächenfinish zu erreichen, kommen zuletzt rotierende Leinstoffwalzen zum Einsatz. Um die edle Wirkung der mit schwarzem Klavierlack überzogenen Gehäusefläche voll zur Geltung kommen zu lassen, hat Nubert auf ein Abdeckgitter für die Schallwand verzichtet. Lediglich der Hochtöner erhält ein akustisch neutrales Schutzgitter, das magnetisch haftet und sich bei Bedarf problemlos entfernen lässt. Die zeitlos-schlichte Optik der nuLine 122 kommt in dieser speziellen Edition optimal zur Geltung - wer z.B. einen Flügel oder ein Piano in seinem Musikzimmer aufgestellt hat, findet in der nuLine 122 Exclusiv die perfekte optische Unterstützung. Es handelt sich nicht um ein pures Gebrauchsgut, welches das Schaffen einer gepflegten Akustik zur Aufgabe hat, sondern um einen edlen Einrichtungsgegenstand, der durch seine handwerklich meisterliche Ausführung die Blicke aller auf sich ziehen wird, die den Raum, in dem die "nuLiner" untergebracht sind, betreten. Es macht einfach Freude, über die perfekt gearbeiteten Kanten zu streichen und die völlig reine, tiefschwarz glänzende Oberfläche zu betrachten. Die großen Bi-Amping-Terminals setzen Nuberts Streben nach exzellentem Finish ebenso nahtlos fort wie die präzise eingepassten Chassis, die solide mit dem Gehäuse verschraubt sind. Die bei der 122 Exclusiv im Preis enthaltenen, in einem Kunststoff-Koffer optisch reizvoll präsentierten nuSpikes aus hochwertigem, schweren Vollmetall unterstützten die bisherigen Eindrücke weiter. Und auch das ATM-Modul reiht sich mit ein - das ganze kleine Gerät besteht komplett aus Metall und erscheint dadurch robust und langlebig. Gesamtnote Verarbeitung in Relation zur Preisklasse: Perfekt

Testequipment:
Klang

Test-Surrounding

Das Bassreflexrohr ist auf der Rückseite der Box untergebracht. Dadurch sollte etwas Abstand zu allen Wänden im Hörraum gehalten werden

Die nuLine 122 Exclusiv konnte sich in allen Klang-Testreihen bestens in Szene setzen. Wichtig ist nur, dass man die Box mit dem gewaltigen Bassreflexrohr auf der Rückseite ein gutes Stück von der Wand entfernt aufstellt - Nubert empfiehlt mindestens 40 cm, sehr gut funktioniert der Lautsprecher bei 60 cm und mehr. Dann entfaltet sich der Bass sehr präzise,  klar, trocken und gleichzeitig wuchtig. "Gedopt" durch das zusätzliche ATM-Modul sind laut Nubert 25 Hz (- 3 dB) als untere Grenzfrequenz drin - diese Aussage wird untermauert von unseren Eindrücken. Die nuLine 122 ist in der Lage, auch enorm tiefe, schon fast in subsonische Bereiche vordringende Bassanteile zu erfassen und wiederzugeben. Die herausragenden Qualitäten im Bassbereich, die durch das ATM-Modul nochmals deutlich verbessert werden, zeigt sich bei der exzellenten Aufnahme von Gigi d' Agostinos "Welcome to Paradise". Uns ist kaum eine andere Standbox, ganz gleich, welcher Preisliga, bekannt, die den Bass so raumfüllend, klar und nachdrücklich wiedergibt. Nur in enorm hohen finanziellen Bereichen gibt es Vertreter, die hier nochmals eine Schippe nachlegen können (Aurum Titan VII, Aurum Vulkan VII, Canton Vento Reference 1 DC) - der normale Kostenrahmen wird mit diesen Modellen aber eindeutig gesprengt. Viele andere uns bekannte, für sich betrachtet auch in der Basswiedergabe ausgezeichnete Schallwandler ziehen gegen die Nubert-Konstruktion den kürzeren (Canton Karat 709 DC, Mordaunt-Short Performance 6 , Focal Chorus 836V, Piega TC-50).

In Verbindung mit dem ATM-Modul wird der Lautsprecher damit zum beinahe unschlagbaren Basskraftwerk. Hervorragend ist, dass die enorme Bass-Energie nicht mit unangenehmen Nebeneffekten erkauft wird. Das überaus steife MDF-Gehäuse hat daran einen hohen Anteil, da es sich weder verwindet noch Eigengeräusche produziert. Nubert verspricht für die Basstreiber die Synthese aus großem Hub und Präzision - genau dies belegen auch unsere Testreihen. Eine präzise Auslenkung, dies belegt der strenge Blick auf die Membranbewegungen bei kraftvollem Bass bei hohem Pegel, ist stets garantiert. Zu loben ist auch die immense Geschwindigkeit. Beim Techno-Klassiker "Icarus" von Flutlicht wird der im Kickbassbereich liegende, sehr antrittsstarke und harte Bass ausgesprochen überzeugend wiedergegeben. Die Impulstreue ist herausragend - dies belegt auch der bezüglich der Frequenz etwas tiefere, sehr nachdrückliche Bass bei "Raumpatrouille" von Kosmonova. Das auch zum Chillen sehr gut geeignete "Celebrate" von Zhi-Vago wird ebenfalls mit sehr sattem, aber nie aufgesetzt wirkenden Bass übertragen. Beim "Boot"-Remix der "Tunnel Allstars" zieht die nuLine 122 alle Register ihres Könnens - nicht nur der mächtige, dabei souverön-kontrollierte Bass begeistert, auch die enorme Gesamtdynamik. Durch das perfekt berechnete Group Delay kommen alle Ton-Anteile absolut zeitgleich an - eine Eigenschaft, die Nubert-Lautsprecher gegenüber vielen Konkurrenten auszeichnen. Hier muss man mit zeitlich versetzt ankommenden Bassanteilen kämpfen, was ein entspanntes Hören erschwert. 

Mittels des entsprechenden Reglers am ATM-Modul kann die Bass-Intensität auch noch abgeschwächt oder verstärkt werden. Wer es sehr gern voluminös schon bei geringer Lautstärke mag, kann den Bass durchaus etwas betonen - dann kann man mit niedrigem Pegel eine erstaunliche Kraft und Fülle genießen. Die dynamischen Qualitäten im Bassbereich sind auch bei Carl Orffs weltberühmter "Carmina Burana" sehr gut zu vernehmen. Die Struktur ist ebenso zu loben wie die enorme Wucht, mit der die nuLine 122 nach einem dramatischen Dynamiksprung zuschlägt. 

Stets präzise Membranauslenkungen

Die nuLine 122 ist ein Lautsprecher, der nicht durch ein sehr feines, filigranes Wesen, sondern durch Stärke, Antrittskraft und Raumdarstellung begeistert. Das soll nicht heißen, dass die feindynamischen Qualitäten schlecht sind - ganz im Gegenteil. Gerade bei der "Carmina Burana" werden auch diffizile, Orff-typische Instrumente wie der Triangel sehr gekonnt eingearbeitet. Ihre Faszination bezieht die 122 aber aus der Tatsache, dass sie bei nahezu jedem Pegel sofort zur Stelle ist und jeden Impuls praktisch aus dem Ärmel schüttelt. Die sehr ausgewogene, sauber konturierte Mitteltonwiedergabe unterstützt diesen souveränen Eindruck. Stimmen erscheinen als mitten im Raum stehend und werden exzellent vom Lautsprecher gelöst. Auch hier dient die "Carmina Burana" als vortreffliches Beispiel, die Choralgesänge bestechen durch ihre räumliche Ausgewogenheit und ihre stimmige vokale Präsenz. Durch den breiten Abstrahlwinkel können zum einen viele Personen an einer eindrucksvollen Stereo-Vorführung teilnehmen, zum anderen wirkt das akustische Ergebnis sehr reichhaltig und facettenreich. Die nuLine 122 schafft es, in praktisch jeder Situation eine glaubhafte Bühne aufzubauen und den in der Musik enthaltenen Spannungsbogen beinahe komplett zu erfassen. Die Trennung zwischen Stimmen und Instrumenten gelingt auch bei sehr großer Lautstärke überragend, so dass das akustische Gesamtbild immer von klaren Formen und nicht von ungewollt ineinander übergreifenden tonalen Figuren bestimmt ist. Bei "Forever" von Kindervater featuring Nadja setzt die nuLine 122 ihre hervorragende Differenzierungsarbeit fort und verleiht der Frauenstimme selbst dann genügend Präsenz, wenn im Hintergrund der Bass beginnt, zu toben. Der nicht-vokale Part des Trance-Hits wird dann mit einer Energie in den Hörraum geschleudert, die immer wieder höchst erstaunlich ist. Die Leichtigkeit, mit der die nuLine 122 weit von der normalen Vorstellungskraft entfernt liegende Pegel erklimmt, ist beinahe beängstigend. Keine Dynamikeinbußen, kein "Aufweichen" des Basses, kein Präsenzverlust der Stimme, keine schwammig werdenden Rauminformationen - Pegel, bei der selbst leistungsfähige Konkurrenten schlicht und einfach die weiße Flagge hissen müssen, werden von der nuLine 122 mit einer Problemlosigkeit verwaltet, als ginge es darum, einen 15 Quadratmeter-Raum mit Zimmerlautstärke zu beschallen. 

Für etwas mehr Brillanz auch bei kleiner Lautstärke kann man den Mittel-/Hochtonschalter am ATM-Modul durchaus etwas aufdrehen. Die Dosierbarkeit ist ebenso wie beim Bassregler sehr gut, so dass man genau das gewünschte Maß an zusätzlicher Mitten-/Höhendarstellung erhält. Laith Al-Deens "Viel davon" ertönt mit leicht angehobenem Bass- und Hoch-/Mitteltonbereich sehr voll, sehr klar und sehr energiegeladen. Al-Deens Stimme ist stets klar von den Instrumeten abgehoben, so dass die verschiedenen akustischen Ebenen immer gut zu unterscheiden sind. Die einzelnen Instrumente werden exakt herausgearbeitet, trotzdem leidet darunter nicht die Harmonie eines Klangerlebnisses, das wie aus einem Guss wirkt. Die stabile Bühne, sowohl bezüglich Breite als auch bezüglich der Tiefe sehr ehrlich wirkend, unterstützt den Eindruck einer kraftvoll-authentischen Wiedergabe. Laith Al-Deen singt sehr emotional und trifft viele direkt ins Herz - "The Last Train to Trancentral" von "The KLF" trifft eher den Tanznerv derjenigen, die den Anfang der 90er Jahre wieder aufleben lassen wollen. Mit der nuLine 122 ist das richtige Werkzeug vorhanden, um - bei entsprechend leistungsstarker angeschlossener Elektronik - richtiges Discotheken-Flair aufkommen zu lassen: Mit Wucht werden Effekte aller Art bis tief in den Hörraum geschleudert, präzise und nachdrücklich agiert der Bass. Der ruhigere Track "Justified and Ancient" kommt auch mit enormer Raumfülle und vielschichtigem Aufbau sehr schön zur Geltung. Dynamisch, schwungvoll, emotional - "Building a Bridge to Your Heart" war in den 80er Jahren der größte Hit von "Wax". Und die nuLine 122 lässt diesen Chartstürmer wieder aufleben - der präzise auf den Punkt kommende Bass, die richtig ausbalancierte, tonal ausgewogene Darstellung der Mitten und die frischen, aber nicht zu spitzen Höhen sichern ein ungefiltertes, direktes Klangerlebnis 

Klingt neutral: Rotel RC1090/RB1090 Vor-/Endstufenkombination 

Wir haben mit der Rotel RC1090/RB1090 Vor-/Endstufenkombination und dem Denon DVD-2930 bewusst eine Elektronik-Kette gewählt, die nur ein Minimum an Eigenklang aufweist. In Verbindung mit den ebenfalls recht neutralen nuLine 122 kann man seine gewünschte Art der Klangempfindung gezielt und effektiv nur mittels des ATM-Moduls regeln. Die am Lautsprecherkabel-Anschlussterminal verbauten Kippschalter zur inviduellen Anpassung von der Hochton- und der Toeftonwiedergabe der nuLine 122 kann man als Besitzer des ATM 122-Moduls getrost in der mittleren (linearen) Position lassen. Wir empfehlen für den Einsatz der nuLine 122 mit ATM-Modul eine möglichst neutral spielende Elektronik, um den vollen Reglungsumfang durch das ATM-Modul zu erhalten. Ohne ATM-Modul kann die nuLine 122 auch an leicht warm klingenden Verstärkern (Parasound A 51) betrieben werden. 

Gesamtnote Klang unter Berücksichtigung der Preisklasse: Hervorragend.

Fazit

Ausnahme-Lautsprecher in Edel-Optik: Nubert nuLine 122

Lautsprecher-Hightech mit Premium-Optik zum rekordverdächtigen Tiefpreis - Nubert zieht bei der nuLine 122 Exclusiv mit ATM-Modul wieder alle Register. Die Verarbeitung der Standbox ist bezüglich der Oberflächenqualität und des Gehäusematerials mit das Beste, was wir überhaupt bislang gesehen haben - unabhängig von der Preisklasse. Mit nachdrücklichem Klang, hervorragender tonaler Balance, exzellenter, glaubwürdiger Räumlichkeit und überragender Stimm-/Instrumentaltrennung belegt der Schallwandler eindrucksvoll, dass die Nubert-Slogans "Ehrliche Lautsprecher" und "Lautsprecher, die begeistern" hier eine stimmige Synthese eingehen: Die nuLine 122 Exclusiv ist ein ehrlicher Lautsprecher, der authentisch und natürlich wiedergibt, und gerade zusammen mit dem ATM-Modul begeistert er auf vielfältige Art und Weise - besonders jedoch dadurch, dass mit Hilfe der wenigen Regler am ATM-Modul eine gekonnte Soundabstimmung auf die jeweiligen Ansprüche des Hörers möglich ist. Durch die "Exclusiv"-Ausführung wird aus der technisch brillanten nuLine 122 auch optisch ein Kunstwerk - im nobel eingerichteten Wohnraum macht sich dieses edle Stück im wahrsten Sinne des Wortes glänzend.

Technisch brillant konstruierter, preislich absolut fair kalkulierter Standlautsprecher mit exzellentem ATM-Modul, der durch das Klavierlack-Finish der "Exclusiv"-Edition zu einem Kunstwerk von hohem ästhetischen Wert wird

Stereo-Lautsprecher Oberklasse
Test 07.05.2008
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Exorbitante Pegelfestigkeit
+ Präziser, kraftvoller Bass
+ Bestmögliche Gehäuseverarbeitung
+ Edle, zeitlos-schöne Optik
+ Tonal ausgeglichene, klare Mittenwiedergabe
+ Spritzige, klare Höhen ohne Anflüge von Aggressivität
+ Exzellentes, für einen günstigen Aufpreis lieferbares ATM-Modul
+ Für die aufwändige Verarbeitung sehr fairer Kaufpreis

- Große Abmessungen

Test: Carsten Rampacher
07. Mai 2008

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