TEST: Magnat Stereo-Röhrenverstärker RV-1

22. September 2008 (cr)

 

Einführung

Magnat möchte sich zukünftig nicht nur als bekannter Lautsprecherhersteller, sondern auch als Anbieter nobler Stereo-Elektronik verstanden wissen. Um diesen Anspruch entsprechend zu untermauern, geht der Stereo-Röhrenverstärker RV-1 für 1.999 EUR an den Start. Wir haben überprüft, ob der Einstieg von Magnat in neue Sphären gelungen ist. 

Verarbeitung

Sehr gut verarbeitetes Terminal auf der Rückseite

Dicke Frontblende aus Aluminium

Der RV-1 erscheint wie aus dem Vollen gefräst

Sauberer Aufbau

Selbst die Rückseite der mitgelieferten Fernbedienung besticht durch enormen Materialeinsatz

Drei sauber eingepasste Drehregler

Blick auf die vier Röhren und die hochwertigen LS-Anschlussterminals

Optisch fällt die zeitlose formale Gestaltung positiv auf - der RV-1 entzieht sich geschickt dem wechselhaften Zeitgeist. Die Verarbeitung des RV-1 ist vom Feinsten, selbst die mitgelieferte Fernbedienung für die Grundfunktionen ist komplett aus gebürstetem, dicken Aluminium. Die edlen Lautsprecherkabel-Anschlussterminals, die perfekt sitzenden Cinchbuchsen oder die aufwändige Verschraubung - das Anschlussterminal hat auch seine Reize. Auf der Rückseite sind die vier aus russischer Produktion stammenden Röhren zu sehen. Die dicke Alu-Frontblende ist von einer schwarzen Einlage unterbrochen, in welches die drei einzigen Bedienelemente sauber eingearbeitet sind (Balance, Input-Wahl, Lautstärke). Etwas enttäuschend ist einzig und allein der Lautstärkedrehregler. Hier wäre ein gerasterter Regler, der noch präziser in der Hand liegt, wünschenswert. Das exzellent verarbeitete Innenleben ist eine einzige Freude und untermauert den Anspruch Magnats, gleich auf Anhieb in der Welt der anspruchsvollen Stereo-Liebhaber Fuß zu fassen. Geboten wird bilanzierend ein Materialaufwand und eine Fertigungsqualität, die in dieser Preisklasse wohl einzigartig sein dürfte. 

Anschlüsse

Rein analoge Anschlusssektion

Sehr gute Lautsprecherkabelanschlussbuchsen

Die Anschlussübersicht:

Der RV-1 ist ein reines Analoggerät und verfügt auch anschlusseitig nicht über digitale Verbindungsmöglichkeiten.

  • Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse, wahlweise 4 oder 8 Ohm

  • 5 Cincheingänge (Phone, Tuner, CD, AUX, Tape)

  • 1 x REC Out

Anschlussseitig ist das Nötigste vorhanden - nicht mehr und nicht weniger. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausreichend. 

Technik und Ausstattung

Der RV-1 weist ein Vollmetallgehäuse aus gefrästen Aluminiumprofilen auf, welches mit hoher Steifigkeit und geringer Neigung zu Vibrationen eine solide Basis für einen tadellosen Klang bildet. Die Eingangssektion mit Röhren-Phonovorstufe und Eingangssignalumschaltung über hochwertige Reed-Relais zeigt den hohen Bauteilstandard des RV-1 auf. Die Lautstärke- und Balance-Regelung erfolgt über hochpräzise ALPS-Potentiometer. Ein besonders rauscharmer Vorverstärker und eine hochwertige Treiberendstufe (freiverdrahtete Class AB Endstufe, selektierte EL34-Röhren, 60 Stunden lang eingebrannt) werden von einem aufwändigen Netzteil mit neun separat stabilisierten Spannungen für die einzelnen Schaltkreise flankiert. 

Daten:

  • Nennleistung : 
    20Hz-20kHz / 
    Nennleistung: 
    20Hz-20kHz, THD < 1.0%, 8 Ohm 2 x 35 W

  • Frequenzgang:
    CD/Tuner/Aux/Tape 5 Hz-70 kH (-3dB) 20 Hz-20 kHz (-0.5dB)
    Phono 20 Hz-20 kHz (-1.0dB)

  • Geräuschspannungsabstand:
    CD / Tuner / Aux / Tape 100 dB, Phono 80 dB

  • Eingangsempfindlichkeit:
    CD / Tuner / Aux / Tape 300 mV/25 kOhm, Phono 5 mV/47 kOhm

  • Bestückung Phono Eingangsstufe:
    4x 12AX7 (ECC 83)

  • Bestückung Vorstufe:
    2x 12AX7 (ECC 83)

  • Bestückung Treiberstufe :
    2x 12AU7 (ECC 82)

  • Bestückung Leistungsstufe:
    4x EL34

  • Abmessung/Hauptgerät BxHxT
    420mm x 166mm x 330mm (377mm inkl. Bedienelemente & Anschlüsse)

  • Abmessung Fernbedienung: 
    40mm x 100mm x 16mm

  • Gewicht:20,3 kg

  • Lieferumfang:
    RV1 Verstärker; Fernbedienung inkl. Batterie Schraubenzieher 
    (zum Öffnen der Fernbedienung) Inbusschlüssel (zum Abnehmen der Gehäuseabdeckung)
    Netzkabel, Ausführliche Bedienungsanleitung

Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. Puristische Ausstattung trifft auf hochkarätigen Aufbau. 

Bedienung

Einfache, aber hochsolide Fernbedienung

Drei Regler für Eingangswahl, Balance und Lautstärke - das ist alles

Hier gibt es nicht viel zu bedienen - drei Regler am Gerät, dazu eine elegante, minimalistische Fernbedienung. Ein Display ist nicht zu finden. Aufgrund der eigentlich nicht vorhandenen "Bedienbarkeit" (nur Basisfunktionen) können wir hier keine Note vergeben.  

Klang

Der RV-1 entpuppt sich als typischer Röhrenverstärker im positiven Sinne und begeistert mit seinem üppigen, gehaltvollen, hörbar warmen Sound. Gleichzeitig aber teilt er eine Eigenschaft nicht mit vielen konkurrierenden Röhren-Amps: Er ist keinesfalls träge oder behäbig, sondern kommt überraschend schnell auf den Punkt. Somit eignet sich der RV-1 für praktisch alle Musikstile, nicht nur Klassik und Big Band-Musik, auch Rock oder Techno-Titel können mit diesem aufwändig konstruierten Verstärker in hoher Qualität angehört werden. Besonderes Kennzeichen des RV-1 ist seine Fähigkeit, bereits bei Zimmerlautstärke ein exzellentes akustisches Aroma zu schaffen. Bass ist immer zur Genüge vorhanden, auch bei Pegeln, bei denen die tiefen Frequenzen normalerweise höchstes als "laues Lüftchen" wahrgenommen werden. Der Bass vereint alle Eigenschaften, die gewünscht und nachgefragt werden: Er hat Volumen, Tiefgang, Präzision, Kraft und ist zudem relativ schnell. Natürlich, ein Mega-Impulswunder ist auch dieser Röhrenverstärker nicht. Aber schnellere Verstärker klingen nicht so voll, rund und angenehm. 

Die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen sind praktisch nicht wahrzunehmen. Ohne irgendeine Lücke geht der Tiefton- in den Mitteltonbereich über, an diesen schließt sich nahtlos der Hochtonbereich an. Ob der Techno-Klassiker "Spring" von RMB aus den 90er Jahren oder, ebenfalls aus dieser Ära, "Close Your Eyes" von Mega'Lo Mania - der RV-1 "drückt" sich nicht vor der anstrengenden Aufgabe, Techno-Titel in hohem Pegel wiederzugeben. Er öffnet den Raum und hüllt ihn mit kräftiger, klarer Effektwiedergabe ein. Typisch für einen Röhrenverstärker ist der Hochtonbereich weder zu spitz noch zu aggressiv. Weit entfernt ist der RV-1 aber von hochfrequenter Langeweile. Er durchwirkt den Hörraum mit samtiger, stimmiger und lebendiger Hochtonwiedergabe. Das Können des RV-1 wird auch bei ""Caruso" (Paul Potts, "One Chance") sehr deutlich. Potts hervorragender Tenor wird nicht nur ansatzweise, sondern in vielschichtigem plastischem Aufbau sehr deutlich. Bei "Time to say Goodbye" kommen die Streicher sehr feinfühlig und mit angenehm weicher Zeichnung zur Geltung. Trotzdem unterschlägt der RV-1 praktisch keine hochfrequenten Details, sondern schafft es vielmehr, diese sehr fließend einzuarbeiten und somit eine räumlich dichte, voluminöse Gesamtakustik zu offerieren. Sehr feinsinnig agiert der RV-1 bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622: Die Streicher werden mit hoher Räumlichkeit und leicht warmem, sehr angenehmen Einschlag wiedergegeben. Der Sound erscheint gleichzeitig aber detailreich und klar, so dass man hier von einem sehr gelungenen, dem Wohlbefinden zuträglichen Sounding sprechen kann. 

Überragend harmoniert der klangstarke Verstärker mit den neutralen Nubert nuLine 122 Exclusiv (für diesen Test natürlich ohne ATM-Modul). Die hochkarätigen schwäbischen Schallwandler bringen die idealen Voraussetzungen mit, das virtuose räumliche Abbildungsvermögen des Magnat Verstärkers entsprechend zur Geltung zu bringen. Dass dieses Gespann sehr gut arbeitet, wird auch beim Status Quo-Klassiker "In the Army now" deutlich: Schon bei geringer Lautstärke wird eine enorme Klangfülle erzeugt, die dafür sorgt, dass der RV-1 selbst dann, wenn er im Hintergrund läuft "alle Ohren" auf sich zieht: Kraft und eine voluminöse Eleganz sichern dem talentierten Magnat Amplifier eine Ausnahmestellung, denn mit unter 2.000 EUR ist er für die Leistungsliga, in die er aufgrund seines Performance-Profils gehört, fair kalkuliert. 

Bei John Parrs "St. Elmo's Fire" lässt der RV-1 dann wieder seine Muskeln spielen - für zart besaitete Zeitgenossen ist die Portion an Bass und purer Energie, die der RV-1 serviert, schon beinahe etwas zu viel, er schiebt gerade unten herum immens an. Dabei schafft er es, die Stimme Parrs frei im Raum zu platzieren, die Nubert nuLine 122 Exclusiv  weiß dieses Können tadellos umzusetzen - die Folge ist ein vom Lautsprecher losgelöstes Klangbild, das sich auch im über 40 Quadratmeter messenden Hörraum intensiv ausbreitet. Bei "Building a Bridge to Your Heart" von Wax vermittelt der RV-1 das volle Flair dieses 80er Jahre Charthits. Anstatt ein vordergründig räumliches akustisches Spiel zu spielen, legt der Magnat Verstärker lieber "ein paar Schippen drauf" und entwickelt eine Kraft, die man dem Röhrenverstärker mit auf dem Papier kärglichen 2 x 35 Watt Sinusleistung nie zugetraut hätte. Auch bei hohem Pegel streicht er erneut nicht die Segel, sondern offeriert ein volles und dynamisches Klangbild.

Akustisches Fazit: Der RV-1 ist genau der richtige Stereoverstärker für den Hörer, der einen reichen, warmen und kräftigen Klang fokussiert. Der RV-1 treibt die technischen Möglichkeiten eines auf Röhrenbasis arbeitenden Verstärkers bezogen auf die Preisklasse gekonnt auf die Spitze - sogar pegelfest ist die durchdachte, konsequente Konstruktion. Zurückhaltende Analytiker, deren Hauptaugenmerk auf unerschütterlicher Neutralität und enormer Strahlkraft im Hochtonbereich liegt, werden mit diesem Röhrenverstärker erwartungsgemäß nicht glücklich. Hier darf es dann eher ein entsprechend hochwertiger Transistorverstärker sein. 

 Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend.  

Fazit

Magnat feiert mit dem Röhrenverstärker RV-1 einen gelungenen Einstieg in die highfidele Stereowelt: Das Gerät ist erstklassig verarbeitet und überzeugt akustisch mit vollem, runden Klang, der nie fade oder vordergründig erscheint, sondern stets durch Intensität und Tiefe überzeugt. In Anbetracht der exzellenten akustischen Leistungen ist der Kaufpreis mit rund 2.000 EUR als sehr fair zu bezeichnen. 

Atmosphärisch dicht klingender, kraftvoller Röhrenverstärker mit samtigem Hochtonbereich und herausragender Verarbeitung

Stereoverstärker Oberklasse
Test 22. September 2008
Preis-/Leistungsverhältnis

 

+ Warmer und voller Klang
+ Sehr gute Loslösung des Klangs vom Lautsprecher
+ Samtiger Hochtonbereich
+ Sehr gute Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen
+ Erstaunlich pegelfest
+ Schon bei geringer Lautstärke üppiger Sound
+ Opulente Verarbeitung
+ Fairer Kaufpreis

- An Gerät und Fernbedienung nur nötigste Basisfunktionen vorhanden

Test: Carsten Rampacher
Datum: 22. September