TEST: Klipsch THX Ultra 2 7.2-System - der Maßstab für authentische Kino-Atmosphäre? 

20. Oktober 2008 (th/cr)

Technische Daten 

Im Einzelnen besteht das Klipsch 7.2-Set aus folgenden Komponenten:

KL-650LCR

KL-650LCR-THX: Die Bassreflex-Box kommt dreimal in identischer Form (Front Links/Center/Rechts) zum Einsatz. Mit Abmessungen von 38,1 x 43,2 x 31,8 cm (H x B x T) findet der Lautsprecher noch problemlos seinen Platz im Heimkinoraum. Optisch ist die Box professionellen, in modernen Kinos eingesetzten Konstruktionen nicht unähnlich. Das für eine solche Konzeption recht hohe Gewicht von 17,7 kg zeugt von hohem Materialaufwand. Als Tieftöner kommen 2 magnetisch abgeschirmte 16,5 cm Konuslautsprecher aus Cerametallic zum Einsatz. Als Hochtöner setzt Klipsch auf einen magnetisch abgeschirmten 2,5 cm Titankalotten-Kompressionstreiber, dem ein rechteckiges 90 Grad x 60 Grad Tractix-Horn (25,4 x 15,2 cm) vorgeschaltet ist. Der Wirkungsgrad – typisch für eine Horn-Konstruktion – liegt mit 97 dB (2,83 V @ 1 m) sehr hoch. Die Dauerbelastbarkeit liegt bei 150, die kurzzeitige Belastbarkeit bei satten 600 Watt. Die Nennimpedanz beträgt 8 Ohm, der Frequenzgang reicht von 48 Hz bis 20 kHz (bei +/- 3 dB). Die Kl-650LCR ist Bi-wiring-fähig.

Kl-525LCR

KL-525LCR-THX: Dieser Lautsprecher ist das „kleine Geschwister“ zur KL-650LCR und fungiert in unserem Testaufbau als Back Surround-Lautsprecher. Im Gegensatz zur KL-650LCR ist die kleinere Box als geschlossene Konstruktion ausgeführt. Mit Abmessungen von 32,4 x 40,6 x 31,8 cm (H x B x T) ist der Schallwandler gut unterzubringen. Das Gewicht liegt mit 14,5 kg auch bei diesem Lautsprecher recht hoch. Als Tieftöner finden 2 magnetisch abgeschirmte Konuslautsprecher aus Cerametallic (13,3 cm) Verwendung. Als Hochtöner verwendet Klipsch einen magnetisch abgeschirmten 2,5 cm Titankalotten-Kompressionstreiber, dem ein rechteckiges 90 Grad x 60 Grad Tractix-Horn (25,4 x 15,2 cm) vorgeschaltet ist. Der Wirkungsgrad liegt mit 94 dB (2,83 V @ 1 m) wegen der geschlossenen Konstruktion niedriger, aber immer noch hoch. Die Dauerbelastbarkeit gibt Klipsch mit 100, die kurzzeitige Belastbarkeit mit 400 Watt an. Die Nennimpedanz beträgt 8 Ohm, der Frequenzgang reicht von 80 Hz bis 20 kHz (bei +/- 3 dB). Die Kl-525LCR ist Bi-wiring-fähig.

KS-525 Dipol

KS-525-THX Dipol: Der geschlossene dipolare Lautsprecher ist für die Beschallung des linken und des rechten Surroundkanals zuständig. Die Abmessungen betragen (H x B x T) 35 x 33 x 21,6 cm, das Gewicht wird mit 9,1 kg angegeben. Auch der Dipol ist ein 8 Ohm-Lautsprecher, die kurzzeitige Belastbarkeit ist 400, die langfristige Belastbarkeit 100 Watt. Der Wirkungsgrad pendelt sich bei 96 dB (2,83 V @ 1 m) ein. Im Tieftonbereich sorgen zwei 13,3 Cerametallic-Konuslautsprecher für Bewegung. Als Hochtöner agiert auch hier ein 2,5 cm Titankalotten-Kompressionstreiber, der allerdings (da Dipol) zweimal pro Box verwendet wird. Als Hornkonstruktion arbeitet ein quadratisches Tractix-Horn (12, 7 cm, 90 Grad x 60 Grad). Der Frequenzgang reicht von 80 Hz bis 20 kHz (bei +/- 3 dB). 

Verstärker von hinten

Übersichtliches Layout mit großen Drehreglern

KA-1000 THX-Subwoofer-Verstärker: Die beiden passiven Subwoofer bekommen die für den Betrieb erforderliche Leistung von der KA-1000 THX-Subwoofer-Endstufe zugeführt, deren Aufbau bereits aufzeigt, dass es sich hier um ein Stück besonders leistungsstarken Endstufen-Baus handelt. Mit einer Leistung (nach FTC-Bewertung) von 500 Watt an 8 Ohm und heftigen 1.000 Watt an 4 Ohm bietet die Verstärkereinheit viel Potential. Die 12,3 kg wiegende und 12,1 x 44,5 x 31,1 (H x B x T) messende Endstufe ist mit 2 vergoldeten Cincheingängen und 2 vergoldeten Cinchausgängen bestückt. Die Verbindung zu den passiven Subwoofern erfolgt allerdings über sehr verbindungsstabile SpeakOn-Leitungen. 

KW-120 passiver Subwoofer

KW-120 THX passiver Subwoofer: Mit 36, 4 kg ist der KW-120 relativ schwer, dank der Abmessungen von 51,4 x 45,1 x 45,1 cm (H x B x T) aber ohne größere Probleme aufzustellen. Der Bassreflex-Lautsprecher bietet eine Empfindlichkeit von 130 dB bei 30 Hz, von 120 dB bei 20 Hz und von 112 dB bei 15 Hz (1/8 Raum, 1 m, 2 Subwoofer nebeneinander gemäß THX Ultra 2 Norm). Als Tieftontreiber ist ein nach vorn ausgerichteter (Frontfire) Cerametallic-Konustreiber mit 30,5 cm Durchmesser montiert. 

Bilanz: Technik, die auf höchste Belastungen ausgelegt ist, Horn-Hochtöner für einen enormen Wirkungsgrad – das Klipsch THX 7.2-Set scheint für extreme Pegelorgien gerüstet zu sein. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. 

Testequipment
Klang Basisbeurteilung

1. Frequenzgang / Tonalität

Die THX Ultra-Lizenz erfüllen die akustisch sauber abgestimmten Klipsch Komponenten problemlos

Das Klipsch THX Ultra 2 7.2 Set spielt erwartungsgemäß über das gesamte Frequenzband. Die hohen Anforderungen für eine THX Ultra 2 Lizenzierung lassen auch nichts anderes erwarten. Eben dieser Punkt ist eines der gewichtigen Argumente für THX-Systeme: Es wird nicht eine Klanggüte versprochen sondern technische Rahmenbedingungen, auf welche man sich als Kunde verlassen kann. In unserem Fall bedeutet dies, dass wirklich der gesamte Frequenzbereich von Heimkino-Tracks, von 20Hz bis hinauf zu 20kHz, übertragen wird. Der Frequenzgang des Klipsch Ensembles zeigt keinerlei Besonderheiten oder Schwächen auf. Es wird aus dem tiefsten Keller bis in den Bereich der obersten Höhen jedes Frequenzspektrum gleichwertig behandelt. Bei voreingenommener Betrachtung überrascht dieser Eindruck sicherlich den einen oder anderen. Genießen Hornlautsprecher doch teils den Ruf eine überbetonte obere Mitten- und Höhendarstellung zu haben – ja, sogar aggressiv den Hörer anzuschreien. Dies können wir dem Klipsch-Set nicht attestieren. Wie schon im Test des Stereo-Top-Liners Palladium tritt dieses Klipsch-Set mit einem fast schon „unhornigen“ Charakter auf. Die Tiefbasswiedergabe ist im Sinne der Raumakustik sehr geschickt mit zwei Subwoofern realisiert. Durch die Wahl zweier kleinerer anstatt eines großen Woofers fällt es in sehr vielen Fällen leichter eine homogene Raumanregung zu erreichen. Durch die passive Konstruktion fallen die Gehäusevolumina der beiden Tieftöner zudem geringer als bei vergleichbaren Konstruktionen aus. Die passive Endstufe kann so nahe der Quelle positioniert werden, was kurze Signalkabel ermöglicht. Die Verbindung der Endstufe mit den aus der Profitechnik bekannten SpeakOn-Steckern gewährleistet eine absolut sichere Zugentlastung und erspart „halbgares“ Anschließen. Einzig das leichte Brummen des Netzteils mag bei ganz genauem Hinhören etwas stören. 

Der akustische Auftritt der beiden Woofer ist sehr untypisch im Kontext des „klassischen“ amerikanischen Klangs. Sie spielen auf eine sehr trockene wie schnelle Weise und fügen sich hierdurch gänzlich unmerklich und sehr gekonnt in das Gesamtgeschehen. Nicht einen Moment in unseren Testreihen fielen die beiden tieffrequenten Spezialisten durch unangenehmes Vordrängeln auf. Oberhalb präsentieren die Satelliten einen ausgewogenen Grundton. Dank der üppigen Chassis-Bestückung könnte man diese kompakten Speaker auch ohne weiteres bis hinab zu 60Hz spielen lassen. Diese Auslegung kommt einer entspannten und nicht angestrengten Spielweise zugute. Ohne Klanganteile unpassend hervor zu heben, schließen sich an diesen soliden Grundton die Mitten an. Hier wie in den darüber residierenden Höhen sind uns in keiner Weise unangenehme Betonungen oder Besonderheiten seitens des Frequenzgangs aufgefallen. Gemäß der THX-Vorgaben bieten die Klipsch-Lautsprecher auch eine stabile Frequenzverteilung auf Achse. Man muss also nicht im Sweet Spot sitzen um in den Genuss dieses sehr ausgewogenen Frequenzgangs zu kommen. 

Im Gegensatz zur Darstellung des Frequenzgangs weist das Klipsch THX Ultra 2 7.2 Set tonal kleine Eigenheiten auf. Der Grundtonbereich wie der der unteren Mitten hat einen minimalen warmen Einschlag. Eine etwas abgerundete und minimal betonte Abbildung zeichnet diesen Bereich aus – ohne allerdings in klassische, fette Klangbilder abzudriften. Nein – es handelt sich hier nur ein Nuance, die aber durchaus den Geschmack sehr vieler Hörer treffen könnte. Die andere kleine Eigenheit dieses Sets ist die Wiedergabe im oberen Mitten- und Präsenzbereich. Entgegen der Vermutung von Hornkritikern wird der Hörer nicht angebrüllt, sondern von einem minimalst harschen Hauch umweht. Nachvollziehen lässt sich diese Eigenschaft durch das Anhören von Tracks mit diffizilen Gitarren; der Klang der Seiten am Hals bekommt im direkten Vergleich zu anderen, ebenfalls sehr hochwertigen Systemen, einen kleinen metallischen Einschlag. An dieser Stelle scheint doch ein letzter Ansatz des Hornhochtöners durch zu schimmern. Dies ist allerdings eine Feststellung, analog zu der bezüglich des Grundtons, die mehr im Bereich von Gefallen und Geschmack anzusiedeln ist. 

2. Bass-Performance

Leistungsstarker Verstärker

Die beiden Subwoofer erfüllen im Paralleleinsatz auch die THX Ultra 2 Norm

Klipsch hat die Woofer KW120 mit den 30,5 cm-Membranen nicht gerade riesig bestückt. Holt man sich die Anforderungen der THX Ultra 2 Lizenz ins Gedächtnis, erstaunt es beinahe, wie zierlich diese beiden Woofer inklusive ihrer Bestückung auftreten. Relativiert wird dieser Eindruck dann aber bei Erblicken der Endstufe, die mit einer Nennleistung von 1000W an vier Ohm durchaus eine respektable Leistung offeriert. An 8 Ohm bleiben noch 500 Watt übrig. Klipsch hat bei der Auslegung der Woofer einen sehr interessanten Ansatz gewählt: Zum einen handelt es sich um Bassreflex-Konstruktionen. Dies kommt im Kontext der Belastbarkeit und des Gehäusevolumens sowohl der Pegelfähigkeit wie des Tiefgangs zugute. Zum anderen sind die Membranen sehr hart aufgehängt und nicht für den allergrößten Hub bestimmt. Diese Kombination der Auslegung ermöglicht in Verbindung mit der potenten Endstufe auf der einen Seite das erreich der THX-Normen und zum anderen eine sehr interessante Spielweise. Diese ist entgegen skeptischer Erwartungen alles andere als eine amerikanische. Im subsonischen Bereich wird ungemein strukturiert zu Werke gegangen – man möchte fast meinen, man habe es mit einer geschlossenen Bauweise zu tun. Auch darüber, im Bassbereich treten die beiden KW120 ungemein trocken, strukturiert und schnell an – selten haben wir eine derartige Performance von Bassreflex-Konstruktionen vernommen. Diese Auslegung holt aus vielen Tracks Informationen heraus, die sehr viele Heimkinofans noch nie gehört haben. 

Eine sehr positive Folge dieser schnellen, trockenen Spielweise ist das Fehlen eines ausgeprägten Eigenklangs. Die beiden Woofer sind als solche nicht aus dem Klangbild herauszuschälen – sie runden es einfach gekonnt und stimmig bis in den Keller ab. Respekt – so sollen sich Sub-Sat-Systeme zusammen fügen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass für Freunde einer aufgedickten und vordergründigen Basswiedergabe das Klpisch-Set nur bedingt geeignet ist. Mittels des Lautstärkereglers der externen Endstufe lässt sich zwar eine Betonung der unteren Frequenzen erreichen – eine charakterliche Veränderung der Woofer erreicht man hierdurch aber nicht. 

3. Stimmdarstellung

Das Klipsch Set gibt Stimmen minimal warm und sehr angenehm wieder



Bei der Definition der Stimmdarstellung ist zu erkennen, dass Klipsch dieses Set wahrlich als ein Heimkino-Set entwickelt hat. Der Fokus liegt ganz klar auf einer akkuraten und jederzeit vernehmlichen Verständlichkeit. Diese ist auf sehr gute Weise auch jederzeit gegeben. Aus Sicht des anspruchsvollen Stereo-Musik-Hörers ist allerdings festzustellen, dass Stimmen einen geringen Hang zur Kompression haben. Dies äußert sich im direkten Vergleich zu Stereo-Spezialisten durch eine etwas weniger spritzige Fokussierung auf den Sänger in einem komplexen Bühnenaufbau. In Verbindung mit der oben beschriebenen Tonalität haben Stimmen einen tendenziell warmen Schmelz. In Anbetracht der Tatsache, dass längst nicht jeder ein Freund nüchterner Analyse ist wird diese Auslegung aber ganz sicher sehr viele Freunde finden – ein langes und entspanntes Hören, ohne dass einem essentielles verloren geht ist so möglich. 

4. Auflösung / Hochtonbereich

Wer ein Klipsch THX Ultra 2 7.2 Set erwirbt, kann sicher sein, dass ihm kein akustisches Ereignis entgeht. Von ganz unten bis ganz oben sind die „Amerikanerinnen“ in der Lage alle akustischen Fäden in das Gesamtbild einzuflechten. Das Klipsch Set gibt es mittlerweile für Marktpreise von rund 7.500 EUR (in 7.2 Konfiguration) – für diesen Preis ist auch das Auflösungsvermögen ausgezeichnet. Natürlich gibt es Systeme, die nochmals besser auflösen, diese sind dann aber auch merklich kostspieliger. Nur der enorm versierte Musikliebhaber merkt, dass die Klipsch THX-Schallwandler die allerletzte Feinzeichnung missen lassen. Ob es nun das Tremolo oder Vibrato einer rauen Männerstimme oder das feinste Nachschwingen eines Beckens ist – es ist in seiner Struktur zu erkennen und vorhanden, die letzte Nuance wird aber nicht mehr heraus geschält. Der Bereich der Höhen zeigt sich auf eine sehr harmonische Weise in das restliche Geschehen eingebunden. Entgegen vieler anderer Hornsysteme wird hier nicht geschrieen, vielmehr erfährt das Auditorium eine feine und differenzierte Einbindung des Präsenz- und Brillanzbereiches, ohne davon belästigt zu werden. Die Verbindung dieser Eigenschaften mit den weiter oben ausgeführten prädestiniert dieses Set als erstklassigen Langzeitsessionpartner. Auf in sich sehr schlüssig abgestimmte Weise ist man Teil des akustischen Geschehens und kann ermüdungsfrei sehr lange unangestrengt hören.

5. Dynamik

Dynamisch zeigt das Klipsch Set dann entgültig, das hier eine stringente Auslegung gewählt wurde. Um es zu Anfang negativ zu formulieren: Es gibt durchaus Lautsprecher die sowohl in der Fein- wie in der Grobdynamik mehr schaffen. Der Antritt des gesamten Sets ist sehr schnell und unmittelbar. Konsequent wird dieses Verhalten durch ein schnelles Ausklingen ohne Nachschwingen oder Dröhnen abgeschlossen. Hier zeigt sich eine beachtliche Potenz der Konstruktion. Dennoch erweckt die Spielweise der Amerikaner den Verdacht, als ob nach einem schnellen Beginn etwas gedämpft wird. Agierte ein Toningenieur am Mischpult würde man vermuten, dass er einen fein justierten und dezent eingesetzten Kompressor eingeschliffen hat – Das Signal ist nicht als solches beschnitten, sondern nur in seiner maximalen Dynamik beschränkt. Da dies sowohl im feinen wie im groben fest zu stellen ist, gehen wir hier ganz klar von einem gewollten Verhalten aus. Wieso dies so ist möchten wir nun in der Rubrik

6. Pegelfestigkeit erörtern. 

Vorneweg aber erst mal die nüchterne Betrachtung dieser Eigenschaftswertung. Nur sehr wenige Sets haben bisher in unserem Hörraum derartige Pegel überhaupt verkraftet. Ganz speziell die 7 Satelliten besitzen ein Dezibelpotential, dass es einem Angst und Bange wird. Diese Lautsprecher sind durchaus geeignet, heraus zu finden wo die Grenzen von Verstärkern alá Yamaha DSP Z11 oder Denon A1HD liegen. Um es ehrlich zu sagen, haben wir diese Grenzen nicht erreichen können – vorher waren beileibe die der Testredakteure erreicht. Einzige Ausnahme stellt bei dieser Performance der Tiefbassbereich dar. Die Subwoofer zeigen bei brachialen Pegeln dann doch ihre physischen Grenzen. Diese Grenzen sind allerdings auch weit über dem angesiedelt, was jemals irgendein Bewohner einer Mietwohnung erfahren wird. Für die Besitzer von eigenen Kellerkinos ist es durchaus im Bereich des möglichen, die Membranen der beiden Woofer an ihr Belastungsmaximum zu treiben, aber dann ist auch schon ein ordentlich großer Raum in Kinolautstärke beschallt. Abhilfe zu schaffen ist aber recht einfach: Einfach noch mal zwei der Woofer plus Endstufe dazugesellen und schon passt alles selbst für die Anspruchsvollsten. Nun aber noch mal zu der hier eingangs erwähnten Gesamtabstimmung. 
Denn gerade bei unseren Pegeltests hat sich das teilweise eigene Verhalten zu einem Gesamtbild zusammen gefügt. Alle oben teils milde kritisierten Eigenschaften führen nämlich dazu, dass man mit dem Klipsch THX ULTRA 2 7.2 Set sehr entspannt und sehr lange bei ungeahnten Lautstärken hören kann. In den Bereichen, in denen die Wiedergabe anstrengend oder unangenehm werden könnte, zeigt sich dieses Set ganz leicht eingebremst und entschärft. Anstatt bei einem plötzlichen Ereignis sofort zur Fernbedienung greifen zu wollen oder Angst um sein Gehör zu bekommen, hat man hier einfach einen irrsinnigen Spaß an der Lautstärke. Ob diese Auslegung im Sinne absoluter Puristen oder nur der Dynamik verschriebener Extremisten ist, darf bezweifelt werden. Für eine große Menge aber wird hier ein Set offeriert, welches bei hoher Lautstärke eine unbändige Freude bereitet. 

7. Räumliche Abbildung

Auch in dieser Disziplin ist zu erkennen, dass die Frontlautsprecher KL650 nicht dazu erdacht sind, als Stereopaar aufzutreten sondern als geschlossenes Surroundset. Entsprechend dieser gehobenen Klasse erfolgt natürlich ohne weitere Einschränkung einer sauberen Phantomcenterortung. Darüber hinaus wird eine sehr breite Bühne in den Hörraum gestellt. Die Fokussierung einzelner Elemente erfolgt im direkten Vergleich zu Stereospezialisten etwas wage – eine messerscharfe, zementierte Positionierung einzelner Bestandteile eines komplexen Geschehens wie etwa eines großen Orchesters können wir dem Klipsch Set nicht attestieren. Bedingt wird dieser Eindruck auch durch die recht geringe Tiefe der akustischen Bühne. Das Set spielt in der Breite groß und stellt in dieser Ebene die einzelnen Ereignisse in den Raum. 

Klang Surround

Kommen wir nun zu der Disziplin, bzw. dem Einsatzzweck für welches Klipsch das THX Ultra 2 7.2 Set konstruiert hat: Den Betrieb im Heimkinoeinsatz. Gleich zu Beginn fällt zum Wohlwollen der Tester positiv auf, dass die Surround-Dipole KS-252 wie die Back Surround-Speaker KL-252 tonal trotz anderer Bauweise den Frontlautsprechern KL-650 ungemein gleichen. Diese tonale Einheit befördert einen homogenen Klang ohne irgendeinen Bruch in der Kulisse. Wandert ein Ereignis um den Hörer sind tonale Verschiebungen primär dem Einfluss des Raums und nicht den Lautsprechern anzulasten. Verfügt man nun über einen akustisch optimierten Raum mit wenig Eigenklang, ist so ein absolut homogener Klang zu erreichen. Dank der üppigen Bestückung der Rears und der Auslegung der Subwoofer ist auch im Surround-Betrieb eine ungemein geschlossene und strukturierte Bassperformance gegeben – kein Einbruch und keine beschränkte Wirkung bei rückwärtigen Ereignissen. Seitens der Auflösung, der Hochtondarstellung und der Pegelfestigkeit unterscheiden sich die beiden Konstruktionen für den Surround-Einsatz nicht merklich von den Frontspeakern KL-650. Einzig die seitlichen Dipole KS-525 vermögen eine gering gesteigerte Dynamik zu bieten. Die besondere Stärke der Dipole ist das Vermögen den akustischen Raum zwischen vorderem und rückwärtigem Bereich nahtlos zu schließen wie nur wenige andere. Das weitläufige Klangfeld umhüllt den Hörer auf sehr dichte Weise und vermittelt zusätzlich eine selten erfahrene Ortungsschärfe. Mit einer derartigen Präsentation ist Surround wirklich „mitten drin statt nur dabei“. 

Dasselbe Bild ergibt sich in der Frontkulisse. Wo wir weiter oben noch eine nicht perfekte Stereoabbildung anführten ist nun unter Verwendung des baugleichen Centers eine homogene und geschlossene Frontkulisse geboten, so dass man sämtliche Ereignisse authentisch und klar nachvollziehbar erlebt – Kein Bruch oder Loch im Raumeindruck. Die schnelle und präzise Spielweise sämtlicher Lautsprecher sorgt dafür, dass gerade umfassende, einhüllende Ereignisse wie z.B. ein Musikscore erlebnisreich und packend ins Auditorium geworfen wird. Die angesprochene, noch oben hin leicht komprimierende aber dennoch schnell einsetzende Arbeitsweise vermittelt eine tolle Dynamik – ohne aber zur Pegelspitze hin aggressiv oder belastend zu werden. Diese klangliche Auslegung bietet in Kombination mit der unheimlich dichten und atmosphärischen Gangart der Dipole ein Surrounderlebnis der besonderen Art. Diese Perfomance ist sogar dazu angetan, den einen oder anderen eingefleischten Fan von Direktstrahler-Surrounds auf Dipole wechseln zu lassen. Bilanzierend ist fest zu halten, dass im Kinobetrieb nur wenige Systeme diese fesselnde Dichte und Intensität bieten. Gepaart mit der Fähigkeit, unangestrengt lange sehr laut zu hören hat dieses Heimkinosystem nicht nur definitiv seine Daseinsberechtigung in der Oberliga der Komplettsysteme – vielmehr ist hier ein Produkt entstanden, welches zu den leistungsfähigsten Home Theatre-Lautsprecher-Ensembles überhaupt gehört. 

Gesamtnote Klang unter Berücksichtigung der Preisklasse: Hervorragend. 
Fazit

Für den versierten Heimkino-Fan ist das Klipsch THX Ultra 2 7.2-Set die Erfüllung aller akustischen Träume

Das Klipsch THX Ultra 2 System 7.2 erfüllt problemlos die Ansprüche auch sehr versierter Home Theatre-Liebhaber. Mit erstklassiger Homogenität, extremer Pegelfestigkeit und einer fürs Langzeithören bestens geeigneten akustischen Auslegung bietet das Klipsch-Ensemble alles, was sich der Liebhaber wahren Kinosounds in seinen eigenen vier Wänden wünscht. Die Dipole sind mit die besten ihrer Gattung die wir jemals hören durften, die Frontlautsprecher schaffen eine beispielhafte Gleichmäßigkeit bei der Effektwiedergabe und die beiden passiven Subwoofer nebst leistungsstarker externer Endstufe sichern eine präzise, sauber ins tonale Gesamtgeschehen integrierte Basswiedergabe. In Anbetracht des fairen Marktpreises verdient sich das Klipsch THX Ultra 2-Set von daher eine besondere Empfehlung – mehr echtes Heimkino-Feeling ist kaum vorstellbar. 

Extrem pegelfestes, atmosphärisch fesselnd und dicht spielendes THX 7.2-Ensemble mit enormem Suchtpotential

Lautsprechersysteme Oberklasse
Test 20. Oktober 2008
Preis/Leistungsverhältnis (zum Marktpreis):



+ Front-, Center- und Dipollautsprecher setzen Maßstäbe bei der Pegelfestigkeit für Consumer-Boxen
+ Sehr pegelfeste passive Subwoofer mit externer 1 kW (an 4 Ohm)-Endstufe
+ Praktisch perfekt geschlossenes Klangbild
+ Dipole mit Referenzwertungen in allen relevanten Disziplinen
+ Hervorragend geeignet auch für zeitlich lange Hörsessions
+ Hochinteressanter Marktpreis

- nüchterne Optik
- nur bedingt fürs Stereohören geeignet

Test: Thomas Hermsen, Carsten Rampacher
Datum: 20.10.2008

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