TEST: Stereo-Lautsprecher Klipsch Palladium

20. Mai 2008 (cr)

 

Einführung

Klipsch drängt mit einem neuen, optisch sehr gelungenen Lautsprecher in die Premium-Klasse: Die 8.000 EUR pro Stück kostende 3,5 Wege-Box Palladium beweist, dass außergewöhnlich leistungsstarke Boxen auch wahre Schönheiten sein können. Typisch für einenb Klipsch-Lautsprecher sind für die Wiedergabe der hohen und mittleren Frequenzen Horntreiber installiert, die den enormen Wirkungsgrad von 99 dB (2,83 V/1m) möglich machen. Mit einem Frequenzgang von 30 Hz - 30 kHz (- 2 dB) bzw. von 26 Hz bis 30 kHz (- 6 dB) wird ein hervorragender Tiefgang geboten. Maximal 500 Watt können an Leistungs-Input in den Luxus-Schallwandler eingeführt werden - hier passt die Belastbarkeit zu den üppigen Abmessungen (Höhe 139 cm, Breite 37 cm, Tiefe 63,5 cm) und dem Gewicht (pro Box 60 kg). Wir haben in unserem Test nachgeprüft, ob sich die Palladium in der Premium-Leistungsliga behaupten kann. 

Selbst die für sich betrachtet bereits recht ausladende Nubert nuLine 122 Exclusiv wirkt zierlich im Vergleich zur Palladium

Technische Beschreibung/Konstruktion

Überblick

Aufwändige Konstruktion mit getrennten Kammern und keinen parallelen Wänden

Die Klipsch Palladium P-39F ist als 3,5 Wege-Bassreflex-Fullrange-Lautsprecher ausgeführt und möchte mit hoher klanglicher Präzision in die akustische Highend-Liga vordringen. Der sehr hohe Wirkungsgrad ist typisch für die Hörner, die im mittleren und hohen Frequenzbereich zum Einsatz kommen. Klipsch schenkte der Treiber-Bestückung große Aufmerksamkeit. Drei 22,5 cm messende Basschassis werden flankiert von einem 11,43 cm Mittelton-Horntreiber und einem knapp 2 cm messenden Hochton-Horntreiber. Beide Treiber sind in eine zusammen hängende Grundkonstruktion integriert. Das Design der Treiber geschieht bei Klipsch noch komplett im Haus - alles andere als eine Selbstverständlichkeit im heutigen Lautsprecher-Business. Durch die sorgfältige Konstruktion und die penible Abstimmung der Treiber aufeinander ist es kaum notwendig, größere Korrekturen mittels der Frequenzweiche vorzunehmen. Trotzdem erfüllt auch die Qualität der Frequenzweiche sehr hohe Ansprüche - sie besteht ausschließlich aus selektierten Bauteilen, um der Preisklasse, in der sich die P-39F befindet, voll gerecht zu werden. Neben der Güte der Treiber und der Frequenzweiche ist auch die Gehäuse-Qualität eines Lautsprechers Garant für eine möglichst hohe akustische Leistungsfähigkeit. 25,4 mm dickes MDF (Medium Density Fiberboard) kommt als Gehäusematerial zum Einsatz. Es finden sich bei der durchdachten Konstruktion keine parallelen Gehäusewände - dadurch können sich keine stehenden Wellen bilden. 

Basstreiber

Tieftontreiber im Detail

Jeder Basstreiber hat sein eigenes Bassreflexrohr

Kernstück der drei 22,5 cm Basstreiber ist eine enorm leichte Membran, die aus Aluminium und ROHACELL®, einem hochfesten, leichten Material aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie, besteht. Die Schwingspule besteht ebenfalls aus Aluminium.  Ihre spezielle Gestaltung stellt sicher, dass sich unabhänging von der momentanen Auslenkung des Treibers immer ein identischer Betrag von Schwingspulen-Windungen im Magnetkopfspalt befindet. Dadurch kommt es auch bei großer Membranauslenkung kaum zu unschönen Verzerrungen, der Treiber arbeitet weiter linear. Das zum Einsatz kommende Magnetsystem besteht aus drei Neodym-Bauteilen: Ein Hauptmagnet wird flankiert von zwei sekundären Magneten, die über und unter dem Hauptmagneten platziert sind. Durch diese Konstruktion soll ein Höchstmaß an Linearität sichergestellt werden und magnetische Streuenergie wird effektiv reduziert. Ferner ist eine hohe Feldstärke im Schwingspulen-Spalt möglich. Neodym-Magnete haben den großen Vorteil, dass sie bei geringen Abmessungen und bei viel geringem Gewicht ein Vielfaches stärker sind als konventionelle Magnete.  Zusätzlich sind zwei Faradaysche Ringe innen am "Motor" des Lautsprechers angebracht. Faradaysche Ringe werden aus drei Gründen verwendet: 1. Um unerwünschte Induktivität zu minimieren, 2. Um die Ableitung von Hitze zu verbessern, 3. Um die Dynamik-Kompression so gering wie möglich zu halten. Die Kombination aus verschiedenen Magneten und Faradeyschen Ringen stellt ein großes, gleichförmiges Magnetfeld sicher in dem die Schwingspule im linearen Bereich operiert. Die Schwingspule selber besteht aus einem kupferummantelten Aluminiumkabel mit flachem Profil. Bedingt durch das flache Profil ist eine besonders effiziente Wicklung möglich. Der Rahmen des Woofers besteht aus gegossenem Aluminium. Die insgesamt drei Basstreiber haben verschiedene Durchlassbereiche, die oberste Einheit operiert bis zu einer höheren Frequenz als die anderen beiden Basstreiber. Dies bewahrt eine gleich bleibende Dispersation zwischen dem kritischen Übergang zwischen oberem Bass- und unterem Mitteltonbereich. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Qualität der Stereo-Abbildung und des Abstrahlwinkels. Der oberste Basstreiber deckt den gesamten Bereich zwischen 30 Hz (untere Grenzfrequenz bei ± 2 dB) ab. Bei 400 Hz findet der Übergang zum Mittelton-Treiber statt. Die beiden anderen Tiefton-Treiber decken nur den unteren und mittleren Bassbereich ab. Dieses speziell arrangierte Array liefert eine enorme Bassstärke, verbunden mit einem nahtlosen Übergang zwischen Bass- und Mitteltonbereich. 

Mitteltontreiber

Explosionszeichnung des Mittelton-Treibers

Mittelton-Treiber mit vorgeschalteter Horn-Mimik

Der konusförmige Mitteltontreiber wurde für die P-39F komplett neu entwickelt und genau auf das Hörempfinden des menschliches Ohrs abgestimmt. Dadurch, dass sich das Wichtigste und Meiste, was wir im Alltag wahrnehmen - Stimmen, Geräusche etc. -, im Mitteltonbereich abspielt, ist das menschliche Ohr von der Natur so geschaffen worden, dass es im Mitteltonbereich besonders sensibel ist. Daher muss ein intelligent konstruierter Mitteltontreiber genau das richtige Maß an Zurückhaltung bezüglich der Darstellung im Mitteltonbereich walten lassen, welches es ermöglicht, wirklich "linear" zu hören. Gerade in den mittleren Tonlagen ist das menschliche Gehör unschönen Erhöhungen im Frequenzgang gegenüber besonders kritisch. Der Arbeitsbereich des Mitteltöners reicht von 400 Hz bis 3,5 kHz. Dieser breite Mitteltonbereich reproduziert das gesamte Spektrum, in dem menschliche Stimmen wiedergegeben werden. Akustisch kritische Punkte, an denen Übernahmen zwischen Treibern stattfinden könnten, werden durch dieses breite Abbildungsvermögen geschickt verhindert. Dadurch wird ein geschlossenes, in sich schlüssiges Klangbild produziert. Der Wirkungsgrad (2,83 V @ 1 m) von 106 dB beweist die Vorzüge der enorm effizienten Horntechnik. Ob in den Testläufen auch die von vielen als etwas nachteilhafte, sehr dominante Abbildung des Horntreibers klanglich nachvollziehbar wurde, können Sie später nachlesen. Bedingt durch den Wirkungsgrad, kann sich die angeschlossene Verstärkereinheit im normalen Lautstärkbereich bewegen - also in dem Bereich, in praktisch keine Verzerrungen oder andere unschöne akustische Beeinflussungen auftreten (sofern der angeschlossene Verstärker ein hochwertiges Gerät ist, was man in Anbetracht der Liga, in der die Palladium spielt, auf jeden Fall sicherstellen sollte). Bei Lautsprechern, die einen niedrigen Wirkungsgrad aufweisen, muss man mit ungemein leistungsstarken Verstärkern arbeiten, um genügend verzerrungsarme Kraft in den Lautsprecher einführen zu können. Der Mitteltontreiber wurde im Sinne eines schnellen Ansprechverhaltens gering bezüglich seines Eigengewichtes gehalten. Dies sichert eine hohe Impulstreue und ermöglicht, dass praktisch keine Phasenverschiebungen auftreten. Ebenso wie die drei Basstreiber besteht auch der Mitteltontreiber aus Aluminium und ist mit einer Gruppe von drei Neodym-Magneten versehen. In dieser Konfiguration umgibt der Hauptmagnet die Schwingspule und die zusätzlichen Ringmagneten sind vor und hinter der Haupteinheit angebracht. Ein Kompensationsmagnet, der sich hinter dem Hauptmagneten befindet, ist keine neue Technologie, aber ein frontseitig verbauter Kompensationsmagnet ist eher unüblich. Die zusätzlichen Magnete werden verwendet, um die Symmetrie des Magnetfeldes, welches die Schwingspule umgibt, sicherzustellen. Ganz gleich, ob bei hoher, gemäßigter oder kleiner Hörlautstärke - stets ist so eine optimale Linearität gegeben. Das Polstück ist "gekrönt" von einer Kupferkappe, deren Aufgabe es ist, Wirbelstrom effektiv zu unterdrücken. Durch die Kupferkappe wird die Übernahme nicht durch die Entfernung induktiver Artefakte unnötig behindert. Besondere Aufmerksamkeit galt auch einem anderen Faktor: Durch die effektive Abführung von Hitze schafft es der Mittelton-Treiber, die volle Dynamik in Unabhängigkeit von der Hörlautstärke sicherzustellen. Die Schwingspule des Mitteltontreibers ist aus flachem, leichten Aluminium in einer zweischichtigen Konfiguration gewunden. Beide Schichten sind in geschlossenem Kontakt mit dem Aluminium-Spulenkörper.

Hochtontreiber

Explosionszeichnung des Hochtöners

Querschnitt des Hochtöners mit Hornvorsatz

Hochtonhorn im Detail

Aufgrund des Dynamikbereiches, den die Palladium liefern können sollte, war es notwendig, einen komplett neuen Hochtöner zu entwickeln. Ein hochpräziser Horn-Hochtöner mit beachtlichem Wirkungsgrad ist nun das Produkt dieser Neuentwicklung.  Wenig Verzerrungen und eine hohe Bandweite sind weitere Eckpfeiler der leistungsfähigen Konstruktion. Wie es sich für einen Luxuslautsprecher wie den Klipsch P-39 gehört, sollte auch eine neutrale Tonalität gegeben sein. Auch der Hochtöner setzt auf Neodym-Magneten. Ungewöhnlich ist wiederum die Konfiguration: Der Primärmagnet hat eine Form wie ein Donut (ein ungewöhnlicher Vergleich, der aber die Form gut trifft) und der zusätzliche Magnet ist nicht als Kompensationsmagnet wie sonst üblich im Einsatz, sondern er wird verwendet, um die Symmetrie des Magnetfeldes rund um die Schwingspule zu erhöhen. Die Kuppel aus Titan und die Umgebung sind aus einem einzigen Element geformt. Die Kammer hinter dem Hochtöner ist entsprechend abgeschirmt, um Reflektionen von rückwärtigen Wellen zu reduzieren und somit die gesamten möglichen Verzerrungen gering zu halten. Der Phasenstecker, der dazu dient, die Kuppel in eine verdichtete Arbeitsweise zu überführen, ist ebenfalls in einer eigenen Kammer untergebracht - diese Konstruktion ist so gestaltet, dass das obere Frequenzlimit des Treibers auf über 10 kHz erweitert werden kann. Diese spezielle Technologie offeriert vielfältige Vorteile, zu denen auch die Eliminierung  unerwünschter stehender Wellen in der unter hohem Druck stehenden Schicht zwischen Phasenstecker und Horn. Das Resultat ist eine gleichmäßige Impedanzveränderung, was einer ungefährlichen, harmlosen Last für den angeschlossenen Verstärker gleichkommt. Hinzu kommt dass diese Technik einen gleichmäßigeren Amplitudengang durch das Hochfrequenzspektrum sicherstellt.  Der Hochtöner arbeitet zwischen 3,5 und 30 kHz. 

Frequenzweiche

Innenverkabelung

Die Frequenzweiche besteht aus qualitativ sehr hochwertigen, selektierten Bauteilen und ist vom prinzipiellen Aufbau her aus so wenig Bauteilen wie möglich gefertigt. - größere Eingriffe, die bei nicht sorgfältig aufeinander abgestimmten und konstruierten Lautsprecher-Treibern seitens der Frequenzweiche erforderlich sind, müssen im Falle der Palladium nicht gemacht werden, daher, so begründet Klipsch, kann der Aufbau sehr übersichtlich gehalten werden. Prinzipiell gibt es hier verschiedene Ansichten, wie aufwändig eine Frequenzweiche konzipiert sein soll - die Ergebnisse sind bei stimmiger Konstruktion in beiden Fällen akustisch überzeugend. Wir kennen Lautsprecher mit Frequenzweichen, die über eine beträchtliche Bauteilanzahl verfügen und ausgezeichnet akustisch reproduzieren, und wir kennen Boxen mit Frequenzweichen, die nur aus vergleichsweise wenigen Bauteilen bestehen und klanglich ebenfalls voll punkten können. Die Frequenzweiche arbeitet als ein elektroakustischer Filter 4. Ordnung in Kombination mit dem gleichmäßigen, natürlichen "Abrollverhalten" der Treiber.  Die Frequenzweiche ist so ausgelegt, dass die Basstreiber von 30 bis 400 Hz arbeiten, der Horn-Mitteltontreiber von 400 Hz bis 3,5 kHz und der Horn-Hochtöner von 3,5 bis 30 kHz. Die Frequenzweiche ist in einem abgeschirmten Gehäuse untergebracht, die gesamte Mimik befindet sich unten am Lautsprecher. Die Lautsprecherkabel-Tri-Wiring-Anschlussterminals sind auf Unterseite der Palladium untergebracht, so ist der innere Weg vom Lautsprecherkabel-Anschlussterminal zur Frequenzweiche nur sehr kurz. Durch das Tri-Wiring-Anschlussterminal ist es möglich, Tief-, Mittel- und Hochtontreiber mit getrennten Endstufen anzusteuern. Alle Komponenten der Frequenzweiche sind auf zwei hochwertige, hochstromfähige Platinen integriert. Jede der Platinen ist in Doppelschicht-Form konfiguriert und verfügt über eine Kupferbeschichtung auf jeder Seite. Dadurch können auch hohe Ströme die Frequenzweiche problemlos passieren. 

Gehäuse 

Dicke Gehäusewände verhindern effektiv Resonanzen und Vibrationen

In der Palladium steckt ein BMW - nun, das ist vielleicht übertrieben, aber das Design des Gehäuses entstand unter Federführung von Design Works, einer Abteilung von BMW Automotive. Die P-39 hat das Ziel, eine nahezu optimale Synthese aus Form und Funktion einzugehen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, mussten unschöne Resonanzen des Gehäuses, bei Lautsprechern oftmals der Grund für klangliche Beeinträchtigungen, gleich von Anfang an vermieden werden. Schließlich soll das musikalische Material, welches vom Lautsprecher wiedergegeben wird, sein Charisma entfalten und nicht der Eigenklang des Boxengehäuses. Nichtparallele Gehäusewände und eine hohe Wandstärke stellen bei der P-39 sicher, dass es weder zu stehenden Wellen im Gehäuseinneren kommt noch dass störende Gehäuseverwindungen oder Vibrationen auftreten.

Fazit

Ein großer konstruktiver Aufwand steckt in der Palladium P-39F - Klipsch hat beinahe alles getan, um einen Premium-Lautsprecher der Superlative auf die solide Grundplatte zu stellen. Höchste Belastbarkeit, edle Bauteile und eine durchdachte Konstruktion gehen hier Hand in Hand. Gesamtnote im Verhältnis zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend.

Verarbeitung

Chassis-Einpassung im Detail

Interessante Formgebung, die sich nach hinten hin stark verjüngt

Schöne Holzmaserung (Farbton Natur)

Massiver Metallsockel

Damit sich niemand wundert: Unsere zum Test angetretenen Palladium sind Vorserienmodelle und entsprechend zwar akustisch, aber noch nicht hinsichtlich der Verarbeitung dem endgültigen Serienstandard. Was wir an unseren Testmustern aber bereits gesehen haben, macht wahrhaft Appetit: Ganz im Gegensatz zur bewusst klassisch-traditionell gehaltenen Klipsch Heresy III tritt die Palladium als modern gestaltetes Lautsprecher-Schmuckstück auf. Man kann diesen Ausnahme-Lautsprecher problemlos mitten im Raum platzieren - er sieht von allen Seiten blendend aus. Und auch das optische Problem, dass auf der Lautsprecher-Rückseite die Terminals zum Anschluss der Lautsprecher-Kabel bzw. der Bananenstecker untergebracht sind, besteht bei der edlen Palladium nicht: Hier finden sich die enorm hochwertigen, großformatigen Schraubanschlüsse unterhalb der Box. Dies hat den Vorteil, dass man Kabel deutlich unauffälliger verlegen kann, aber den Nachteil, dass man den Schallwandler nicht einfach auf die dicke, massive Metallplatte, die unter dem eigentlichen Boxengehäuse montiert ist, stellen kann - denn dann bekommt der große Lautsprecher keinen richtigen Stand, und die Kabel werden eingeklemmt. Also schraubt man die höhenverstellbaren Metallspikes unter die Platte  - dann funktioniert das Patent. Doe Formgebung der Palladium ist gleichermaßen auffällig wie schön - trotz der üppigen Abmessungen wirkt der Schallwandler nicht plump oder schwerfällig. Gerade das sich nach hinten dramatisch verjüngende Gehäuse erzielt eine schlanke optische Wirkung. Hinten ist eine massive Metallleiste am Gehäuse befestigt, die graphitfarbene Ausführung sorgt für einen interessanten Kontrast zum in der Holzmaserung "Natur" (alternativ ist auch als dunkelbrauner Farbton "Expresso" und als Holzmaserung mit rötlichem Einschlag "Merlot" lieferbar) unserer Test-Boxen. Das einzige, was der Optik-Gourmet bemängeln könnte, ist die etwas arg technisch-nüchtern wirkende, Klipsch-typische Hornkonstruktion, welche die Vorderseite des Lautsprechers ziert. Die drei "normalen" Chassis sehen schick aus, die Horn-Optik erfordert etwas Gewöhnung - ist aber für einen genialen Wirkungsgrad und viel akustische Dynamik zuständig. Die Chassis sind schon bei unserem Vorserien-Sample gut eingepasst, die Mimik, die die beiden Hörner umschließt und eigentlich aus hochwertigem Metall besteht, zeigt noch Optimierungsbedarf auf. Die Kantenverarbeitung des Gehäuses ist trotz der komplexen Formgebung sehr ordentlich - bei den Serienmodellen dürfte sie dann perfekt ausfallen. Die beiden vorderen linken und rechten Kanten sind allerdings etwas spitz. Dies liegt allerdings nicht an einem Verarbeitungsmängel, sondern an der Form der Palladium. Gesamtnote Verarbeitung in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend. 

Leiste aus massivem Metall auf der Lautsprecher-Rückseite

Mitgelieferte Metallspikes

Anschlussterminals in hochwertiger Tri-Wiring-Ausführung

Testequipment:
Klang

Mittel- und Hochtonhorn in einer Einheit

Klipsch hat mit dem Palladium P-39F einen grandiosen Lautsprecher konstruiert - der allerdings eines definitiv nicht ist: Ein typischer, klassischer Highend-Lautsprecher mit höchst präzisem, sehr neutralem, aber emotionslosen Klanh. Der mächtige, nach vorn schiebende Sound, verbunden mit enormer Geschwindigkeit, macht die Klipsch auch innerhalb der starken Konkurrenz zu einem enorm interessanten Angebot. Keine Frage, die Aurum Titan VII ist ein wunderschön aufspielender Lautsprecher mit unglaublicher, harmonischer Aura. Daran, dass diese Box für Audio-Ästheten nach wie vor ein Meisterwerk ist, kann auch die P-39F nichts ändern - möchte sie aber auch gar nicht, folgt man der Konsequenz, mit der dieser US-amerikanische Schallwandler konstruiert wurde. Der nicht enden wollende Vorwärtsdrang, diese superbe Souveränität, dieses lässige Hinnehmen allerhöchster Lautstärken - dies beherrscht die Palladium in einer Güte, dass selbst die extrem pegelfeste Canton Vento Reference 1 DC sich nur wundern kann: Nicht, dass die großvolumige Canton nicht auch mit höchsten Lautstärken ohne Schwierigkeiten zurecht käme - hier lässt sich der hessische Schallwandler nichts vormachen. Aber die Art und Weise, wie die bildschöne Klipsch-Box immer weiter anschiebt, ist fesselnd: Wir kamen auch nach Stunden kaum von diesem Lautsprecher los. Besonders bei bass- und effektstarker Trance- und Dance-Musik läuft die P-39F zu Höchstform auf. Er bietet eine dichte Räumlichkeit und eine souveräne, gekonnte Loslösung des Klangs vom Lautsprecher. Bei Flutlichts "Ikarus" wird die gewollt dominante, leicht ins Aggressive gehende Einfärbung der weiblichen Stimme hervorragend akustisch erfasst. Ohne zu verzerren, schieben der Horn-Mitteltöner und der Horn-Hochtöner einfach vokale Anteile in den Hörraum - ohne Anstrengung, ohne Dynamikeinbußen. Nahtlos schließt sich ein Frequenzbereich an den anderen an - die Palladium produziert keine wahrnehmen Übergänge, was für eine exzellente Konstruktion von Treibern und Frequenzweiche spricht. Fließend wird, vom Hochtonbereich kommend, der Mitteltonbereich erreicht, und nahtlos schließt sich der Bassbereich an die unteren Mitten an - Verdienst des dritten Basschassis, welches eine andere Übergabefrequenz hat als die beiden weiteren Basstreiber, die wirklich nur im Bassbereich aktiv sind. Dieser Übergang  - untere Mitten/oberer Bassbereich - gilt gemeinhin als äußerst kritisch und wird nur selten hervorragend gemanagt. Daher ist diese Ausnahmeleistung der Palladium hier als so hoch einzuschätzen. 

Auch bei Kosmonovas "Raumpatrouille" gelingt die Anbindung der einzelnen Frequenzsektionen absolut überzeugend. Und noch etwas zeigt sich bei diesem Discotheken-Techno-Hit deutlich: Die von der Palladium ausgesendete Räumlichkeit reicht bis tief in den Hörraum hinein. Dadurch eignet sich die Box vortrefflich dazu, auch Lokalitäten, die mehr als 50 Quadratmeter messen, adäquat zu beschallen. Aufstellungskritisch ist der Lautsprecher kaum, das Abstrahlverhalten ist gerade im Hoch- und Mitteltonbereich von hoher Gleichmäßigkeit geprägt. Zusammen mit dem enormen Wirkungsgrad sind dies die großen Vorzüge der Horntechnik. Bezüglich der Basslautsprecher ist die P-39F eine Bassreflexkonstruktion (die Hörner arbeiten als geschlossene Konstruktion). Die Bassreflexöffnungen sind geschickt seitlich platziert und nicht auf der Gehäuserückseite - was in Anbetracht der sich nach hinten stark verjüngenden Form der Palladium allerdings auch nicht möglich wäre. Direkt an der Wand sollte man den edlen Schallwandler auf jeden Fall nicht aufstellen - die Palladium klingt in "Freiheit", d.h. nach allen Seiten relativ frei aufgestellt, am besten. Hier kann sie sich voll entfalten und auch bei Zhi-Vagos "Celebrate the Love" einen satten Bass mit klarer Struktur entfalten. Wie Sie vielleicht bereits aus dem bisher Geschriebenen entnehmen können, ist die P-39F eine Box, die enormen Spaß bereit - sich allerdings auch exzellent zum präzisen Hinhören eignet. Ihr Detaillierungsvermögen gerade im Hochtonbereich ist beinahe unerschöpflich, wie sich bei der SACD "James Bond Themes", gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra, nachvollziehen lässt. Kleine Feinheiten wie ein Triangel oder ein sanftes instrumentales Abklingen werden nahezu optimal erfasst - wie bei "Diamonds are forever" oder bei "You only live twice". Die Dynamikwechsel bei "Live and let die" realisiert die Palladium mit unnachahmlicher Gelassenheit - der Zuhörer kann sich komplett auf das Stück konzentrieren und muss sich nicht mit konstruktiven Unzulänglichkeiten des Lautsprechers herumärgern. Genauso ergeht es dem Auditorium beim größten Hit der leider inzwischen verstorbenen Laura Brannigan: "Self Control" brilliert nicht nur mit klarem, sehr gut akzentuiertem Bass und einer hervorragenden instrumentalen Ortungsmöglichkeit, sondern auch mit einem überragenden Umriss von Brannigans Stimme. Man bekommt den Eindruck, als würde die Sängerin direkt im Hörraum auftreten, so klar und tonal unverfälscht erscheint die vokale Präsenz. 

Eleganz auch von hinten

Eines möchten wir aber an dieser Stelle nicht verschweigen: Ein zurückhaltender Lautsprecher ist die Palladium nicht. Man merkt zweierlei: Zum ersten, dass die Hörner exzellent konstruiert sind, zum zweiten aber, dass ein Hornlautsprecher nie ein Musterbeispiel für Samtigkeit und Harmonie sein kann. Die P-39F spielt brillant, offen, klar - aber sie stellt sich immer in den Mittelpunkt. Sie beweist dem Auditorium in jeder Sekunde der Darbietung ihre übermächtige Präsenz. Somit ist die Palladium eine Box, die imponiert, die beeindruckt - aber sie ist kein Protagonist für den akustischen Background. Highend-Soundliebhaber mit zwar besaitetem Seelenleben, die einen Garanten für eine feinnervige, ausgeklügelte  akustische Balance suchen, finden hier nicht den richtigen Partner. Die Palladium schiebt ständig das Publikum an, motiviert und begeistert - hält sich aber in allen Frequenzbereichen nie zurück. Dabei ist die Basswiedergabe - dies beweist auch "Twisted" von Svenson&Gielen -  keinesfalls billig-aufgesetzt und polternd, sondern präzise und klar. Aber - der Bass ist einfach mächtig, voluminös, imposant. Hier muss das Auditorium gewillt sein, mitzugehen und sich von der P-39F fesseln zu lassen.  Dies wird flankiert  von einem sehr klar umrissenen, prägnanten, aber nie schmalen Hochtonbereich und einem erstklassig damit verwobenen Mitteltonbereich. Durch diese geschickte Einpassung - das Mitteltonhorn wurde unter der Prämisse konstruiert, dass das menschliche Gehör in den Mitten die größte Sensitivität mitbringt - wirken die Mitten frisch, authentisch und detailliert, stellen sich aber nicht so sehr in den Vordergrund, wie es bei manchem Highend-Lautsprecher der Fall ist. Bei der messtechnisch linearen Abstimmung verschiedener Lautsprecher wird nämlich nicht ausreichend berücksichtigt, dass sich das menschliche Ohr anders verhält als ein neutrales Messgerät. 

Für manchen Hörer mag die üppige Akustik der Palladium des Guten zuviel sein - aber genau das werden andere an der Klipsch-Konstruktion lieben. Aus konstruktiver Sicht ist der Schallwandler unserer Ansicht nach nahezu perfekt geraten. Dies hat mannigfaltige Gründe. 1. Der Group Delay ist optimal. Kein Teil des Frequenzspektrums wird vor dem anderen übertragen. Die enorm schnellen Basstreiber knüpfen nahtlos am Rest an. 2. Das extrem steife Gehäuse produziert bei keinem uns bekannten Arbeitszustand Vibrationen oder Resonanzen, 3. Tonale Ausgewogenheit: Die P-39F gibt wieder zu dumpf, zu spitz oder nasal wieder. Stimmen und Instrumente weisen daher klar definierte, natürliche Konturen auf. 4. Aufstellungsunkritisch und für das Hören mit mehreren Personen geeignet. Während es bei anderen Lautsprechern schon ein Problem ist, dass ein Zuhörer optimal im akustischen Brennpunkt sitzt, ist es bei der P-39F keine Schwierigkeit, auch mit mehreren Personen zu hören. Man kann sich sogar während einer Hörsession durch den Hörraum bewegen und stellt dabei verwundert fest, wie komplett das Klangbild selbst bei ungünstiger Positionierung der eigenen Person im Hörraum noch ist. Dies hängt auch mit dem sehr breiten horizonalen und dem breiten vertikalen Abstrahlwinkel zusammen. Bei "The Power of Love" von Jennifer Rush merkt man dies gerade bezüglich der horizontalen Achse sehr deutlich - die Stimme kommt daher ungemein weitläufig und dynamisch zur Geltung und erscheint weder komprimiert noch schleppend. Auch bei diesem Stück löst die P-39F den Klang ausgezeichnet von den einzelnen Chassis. 

Gesamtnote Klang unter Berücksichtigung des Preis-/Leistungsverhältnisses: Hervorragend.

Fazit

Schön, edel, klangstark - die Palladium ist ohne Zweifel ein Premium-Lautsprecher

Mit der Palladium P-39F legt Klipsch einen eindrucksvollen Auftritt in der Lautsprecher-Königsklasse hin. Die Vorstellung beginnt mit der attraktiven, modernen Optik, deren Reiz sich aufgrund der schlichten Formen aber nicht schon nach kurzer Zeit verliert. Die Materialien, aus denen der Schallwandler besteht, erscheinen edel und qualitativ hochwertig. Allerdings ist die Palladium alles andere als ein Blender, der alles einem schönen Äußeren unterordnet. Vielmehr gehen Form und Funktion eine erstklassige Synthese ein. So verhindert das sich nach hinten stark verjüngende Gehäusedesign geschickt, dass es im Gehäuseinneren zu stehenden Wellen kommt - parallele Gehäusewände sucht man vergeblich. Die neu für die Palladium konstruierten Treiber harmonieren nahezu perfekt miteinander Ganz gleich, ib Frequenzübergabe oder Gruppenlaufzeit - die konstruktive Sorgfalt, die Klipsch bei der Realisierung des Projekts Palladium walten ließ, wird überall deutlich. Nicht zuletzt auch am mitreißenden, gleichermaßen nachdrücklichen wie detaillierten Klangbild. Der Bass erscheint mächtig, aber nie aufgesetzt, sondern glänzt immer durch Raumwirkung und Struktur. Die sauber aufgebaute, detailreiche Mitteltonwiedergabe geht nahtlos in den brillanten, transparenten und äußerst dynamischen Hochtonbereich über. Mit diesen Eigenschaften stellt die Palladium viel mehr als nur eine Bereicherung in der Liga der Luxus-Lautsprecher dar - vielmehr könnte dieser außergewöhnliche Lautsprecher für großes Erstaunen und nicht zuletzt auch für einen gehörigen Schrecken bei der etablierten Konkurrenz sorgen. 

Die Palladium tritt optisch bildschön auf und verwöhnt mit einem detaillierten, mitreißenden und nachdrücklichen Klang - die nahezu perfekte Konstruktion und der damit verbundene hohe Aufwand lassen den Kaufpreis als fair erscheinen

Stereo-Lautsprecher Highend-Klasse
Test 20. Mai 2008
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Exorbitante Pegelfestigkeit
+ Perfektes Group Delay
+ Enormes Detaillierungsvermögen gerade im Hochtonbereich
+ Breiter Abstrahlwinkel
+ Exzellente Räumlichkeit
+ Sehr extravagante, elegante Optik
+ Extremer konstruktiver Aufwand 

- Akustisch sehr massiver Gesamtauftritt 

Test: Carsten Rampacher
20. Mai 2008

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