TEST: Kenwood AV-Receiver KRF-V9300D
08. Januar 2009 (cr)

Einleitung
Kenwood ist nach langer Abstinenz wieder mit einem echten
Top-Produkt in der 600 EUR-Liga der AV-Receiver vertreten. Der auf der IFA
präsentierte KRF-V9300D ist der erste Kenwood AV-Receiver, der mit Decodern
für Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio ausgerüstet ist. Die integrierte
Siebenkanal-Endstufe stemmt 100 Watt pro Kanal, Kenwoods NEW Linear
TRAIT-Technik sorgt für klaren und kräftigen Klang. Mit zwei HDMI
1.3a-Eingängen und einem HDMI 1.3a-Ausgang zeigt sich der Kenwood allerdings
etwas schmal ausstaffiert. Ansonsten brilliert der 9300 mit Vollausstattung: Es sind
Decoder für Dolby Virtual Speaker und für Dolby Headphone eingebaut,
natürlich ist auch ein automatisches Lautsprecher-Einmesssystem mit an Bord.

Video A/D-Wandlung und Video-Upscaling bis 1.080p für analoge
Eingangssignale ist ein Ausstattungsmerkmal des 9300
Ein eingebauter Scaler/De-Interlacer ermöglicht das Upscaling eingehender
analoger Video-Signale auf bis zu 1.080p. Optional ist ein spezielles Kabel für die Einbindung
des iPods erhältlich. Die Subwoofer-Übernahmefrequenz kann manuell zwischen 40 und 200 Hz eingestellt werden. Ob
der mit 599 EUR recht günstige KRF-V9300 auch in der Praxis überzeugen kann,
klärt unser Test.
Verarbeitung

Gute Oberflächenqualität - auch wenn der 9300 eine
Kunststoff-Frontblende mitbringt

Großer Lautstärke-Drehregler

Übersichtliches Innenleben mit großem Trafo. Nur die
Verkabelung könnte etwas ordentlicher ausfallen

Sehr gute Gerätestandfüße

Fernbedienung mit eher bescheidener Qualitätsanmutung
Die Verarbeitung des Kenwood geht für die Preisklasse in
Ordnung. Hauptkritikpunkt ist, dass die Frontblende nur aus (allerdings
hochwertigem) Kunststoff besteht und nicht aus Aluminium. Die Bedienelemente auf
der Front, angefangen vom großen Lautstärkedrehregler, sehen sehr gut aus und
sind von ordentlicher haptischer Qualität. Allerdings könnten sie noch fester sitzen und noch
weniger Spiel haben. Das Gerätedisplay zeigt alles Wesentliche klar
verständlich an, während die mitgelieferte Fernbedienung höchstens qualitatives
Mittelmaß darstellt. Zudem ist sie kein Muster an Übersichtlichkeit. Sehr gut
gefallen haben uns die präzisen Gehäuse-Passungen und die
überdurchschnittlichen Gerätestandfüße. Im Inneren punktet der üppig
dimensionierte Transformator, das Endstufenlayout ist sorgfältig gewählt.
Nicht begeistert hat die etwas laxe Verkabelung. Gesamtnote in Relation zur
Preisklasse: Sehr gut.
Anschlüsse

Die Anschlusssektion umfasst zwei HDMI 1.3a-Eingänge und einen
HDMI 1.3a-Monitorausgang (HDMI CEC-fähig). Zwei optische Digitaleingänge und
ein koaxialer Digitaleingang entsprechen dem Klassenstandard. An analogen
2-Kanal-Audioeingängen stellt der Kenwood 5 x Stereo-Cinch zur Verfügung,
hinzu kommt ein 5.1.-Externeingang. Ein dedizierter Phono-Eingang fehlt. An
Vorverstärkerausgängen ist nur ein Pre-Out für den aktiven Subwoofer
vorhanden. An analogen Stereo-Cinchausgängen werden zwei Anschlüsse angeboten.
Videoseitig gibt es drei analoge Komponenteneingänge sowie 2 S-Video- und 2
FBAS-Eingänge. Ausgangsseitig gibt es Monitor Outs für FBAS/S-Video/Komponente.
Die Lautsprecherkabel-Schraubterminals sind leichtgängig, wenn man die Kabel
direkt einführt, aber auch problemlos für Bananenstecker geeignet. Gesamtnote
in Relation zur Preisklasse: Gut.
Features
Der KRF-V9300D ist umfangreich ausgestattet. Alle Features und
Einstellmöglichkeiten möchten wir Ihnen in dieser Teilwertung
präsentieren.
a) Audio-Features, Audio-Einstellmöglichkeiten: Eingebaut sind
alle relevanten Decoder für bisherige und für HD-Tonformate. Dolby Digital
Plus, Dolby TrueHD, DTS-HD High Resolution Audio und DTS-HD Master Audio werden
decodiert.
Der Kenwood weist ferner ein automatisches Einmesssystem mittels
Mikrofon auf. Dieses misst jedoch im Gegensatz zum System des Onkyo TX-SR606
nur an einem Hörplatz ein. Es werden sowohl die Grundeinstellungen ermittelt
(Lautsprecherkonfiguration, Lautsprechergröße, Abstand vom Hörplatz,
Pegelabgleich) als auch ein Room-Equalizing zur Anpassung des LS-Systems an den
Hörraum vorgenommen. Wir empfehlen, auf jeden Fall alternativ ein manuelles
Setup zu erstellen. Die Entfernungseinstellung für die Justage der Distanz
jedes Lautsprechers zum Hörplatz arbeitet in 0,3 Meter-Schritten. Der
Pegelangleich erfolgt in 1 dB-Schritten von - 10 bis + 10 dB. Zudem verfügt der
Kenwood über ein einfaches Crossover-Management, welches nicht
lautsprecherselektiv arbeitet, sondern lediglich eine Gesamt-Übernahmefrequenz
festlegt, zu der der aktive Subwoofer die Basswiedergabe übernimmt. Einstellbar
sind 40/60/70/80/90/100/110/120/130/140/150/160/170/180/190/200 Hz. Der Level
für den Low Frequency Effects-Kanal (LFE-Kanal) ist von 0 bis . 10 in 1
dB-Schritten einstellbar.

Pure Audio-Modus
Der Kenwood hat auch eine Lip Sync-Einstellmöglichkeit, um das
synchrone Eintreffen von Audio- und Videosignal gewährleisten zu können. In 10
ms-Schritten erfolgt die Justage in einem breiten Korridor von 0 bis 300 ms. Ein
Pure Audio Modus ist ebenfalls mit an Bord. Durch das Abschalten des
Gerätedisplays und der analogen Videosektion sowie der Wahl des kürzesten
Signalwegs wird hier eine optimale Klangqualität erreicht. Der AV-Receiver
wählt zudem den fürs eingespeiste Audiosignal optimalen Hörmodus. Der Kenwood
ist mittels des optional erhältlichen iPod-Anschlusskabels PNC-iP120 auch in
der Lage, einen angeschlossenen iPod zu steuern. Der KRF-V9300 kann sowohl
Audio- als auch Videosignale vom angeschlossenen Apple iPod Mediaplayer
wiedergeben. Für denjenigen, der nicht signaltechnisch unverfälscht, sondern
mit kräftigem Bass hören möchte, hat Kenwood die "Bass Boost"-Taste
mit eingebaut. Mittels dieser wird mit einem Tastendruck die maximal mögliche
Bassanhebung (+ 10) aktiviert. Für verschiedene Aufgaben hat der 9300 auch noch
vorprogrammierte "Active EQ" Betriebsarten in Petto. Es gibt eine
Equalizer-Einstellung für Musik, Kinofilme und Gaming. Natürlich kann diese
Funktion auch deaktiviert werden. Die beiden integrierten Surroundaufpolierer
DTS Neo:6 und Dolby Pro Logic IIx weisen die jeweils systemspezifischen
Einstellmöglichkeiten auf. Um in der Nacht beim Anhören von Filmen die
Nachbarn nicht aus dem wohlverdienten Schlaf zu reißen, ist der 9300 mit einem
Mitternachtsmodus ausgestattet, der für Dolby Digital, Dolby TrueHD und bei DTS
greift. Dieser weist ein Automatikprogramm sowie zwei fixe Pegeleinstellungen
auf. Die "Subwoofer Remix" Einstellung regelt, ob die Bassausgabe
über den aktiven Subwoofer und die Frontboxen (wenn diese entsprechend
leistungsstark sind) oder ausschließlich über den aktiven Subwoofer (wenn die
Frontboxen z.B. kompakte Satelliten sind) erfolgen soll.
b) Videofunktionen: Der KRF-V9300D ist in der Lage, aus
eingehenden analogen Videosignalen mittels analog-digitaler Wandlung ein
digitales HDMI-Signal zu generieren. Dieses kann dann hochskaliert und
de-interlaced werden, so dass die Signalausgabe über den HDMI Monitorausgang in
1.080p erfolgen kann. Die Einstellung der Ausgabeauflösung erfolgt über die
"Resolution" Taste auf der Fernbedienung (unterste Tastenreihe links).
Als wählbare Ausgabeauflösung sind die Optionen "Auto" (richtet sich
nach der maximal erkannten Auflösung beim angeschlossenen Beamer oder
Flatscreen) beziehungsweise 1.080p, 720p, 1.080i oder 480/576p (fest definierte
Auflösungen) wählbar. Der Kenwood kann ferner ein FBAS- oder
S-Videosignal auf analoger Ebene auf Komponente wandeln und in 576i (kein
De-Interlacing) über den Komponenten-Monitorausgang ausgeben.
c) Weitere Funktionen: Der 9300 verfügt über einen
dreistufigen Display-Dimmer, was im komplett dunklen Heimkinoraum sehr nützlich
ist. Mit der Receiver-Fernbedienung lassen sich zudem auch verschiedene Kenwood
DVD-Spieler steuern.
Was wir vermissen, ist ein On Screen Display, welches nahezu
alle Konkurrenten bieten. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse:
Ausgezeichnet.
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