TEST: Stereo-Verstärker Carat A57/CD-Player Carat C57

22.12.2008 (cr)

 

Einführung

Seit kurzer Zeit ist der französische HiFi-Anbieter Carat im Vertrieb der Osiris Audio AG, die unter anderem renommierte Firmen wie Klipsch oder Audio Pro in Deutschland vertritt. Grund genug für uns, auch den neuesten Zuwachs im Sortiment unter die Lupe zu nehmen, zumal der Stereo-Vollverstärker Carat A57 und der CD-Spieler Carat C57 schon bei der ersten optischen Betrachtung Appetit machen. Mit Preisen von 950 EUR (A57) beziehungsweise 750 EUR (C57) sind beide exklusiv gestylten Komponenten noch im problemlos finanzierbaren Bereich. Wir waren gespannt, ob die beiden HiFi-Bausteine in den Testreihen wahrhaftigen französischen Charme freisetzen konnten.

Verarbeitung außen

Display des A57

Formschöner und griffgünstiger Drehregler für Lautstärke, Balance, Bass und Höhen

Sehr hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Display des CD-Spielers C57

Lade des C57

Optisch elegante Gerätestandfüße

Identische Fernbedienungen, die beim CD-Player und beim Verstärker enthalten sind

Gute Verarbeitungsqualität der Fernbedienungen

Die eleganten Gerätefronten stechen durch die geradlinigen, streng geometrischen Formen sofort ins Auge. Das hochglänzende Acryl-/Kunststoffmaterial erscheint hochwertig und ist weniger kratzempfindlich als erwartet. Dass man jedes Staubkorn darauf sieht, dürfte jedem klar sein - dafür entfalten die Komponenten eine für die Preisklasse alles als selbstverständliche Noblesse. Diese zeigt sich auch im optisch sehr hochwertigen Lautstärkeregler des Verstärkers A57, der allerdings noch hochwertiger gelagert sein könnte. Ausgezeichnet gefallen hat uns die blaue Illuminierung beider Gerätschaften, die auch im dunklen Hörraum für viel Atmosphäre sorgt. Die Bedienelemente an der Front von C57 und A57 hinterlassen bezüglich Druckgefühl und Einpassung einen sehr guten Eindruck. Die CD-Lade ist bezüglich der Güte ihrer Lagerung auf normalem Level. Sie kommt auf Anforderung relativ schnell herausgefahren. Das Laufwerk agiert angenehm leise und überzeugt mit einer guten Fehlerkorrektur. Auch leicht bis mittelstark verkratzte "Silberlinge" konnten eingelesen und ohne Aussetzer abgespielt werden. Unsere Zustimmung finden auch die ordentlichen silberfarbenen Standfüße beider HiFi-Bausteine, die einen sicheren Halt gewähren und außerdem gut aussehen. Gerade der Blick auf die Rückseite des A57 Vollverstärkers lässt die Herzen von HiFi-Liebhabern höher schlagen: Die großformatigen Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse geben auch hochwertigen Bananensteckern den richtigen Sitz. Die Displays beider Geräte sind bezüglich der Auflösung gut, wenn auch nicht überdurchschnittlich. Das Gleiche gilt für die Gehäusedeckel, die dem üblichen Standard entsprechen, hinsichtlich Steifigkeit oder Verschraubung aber keine Maßstäbe setzen. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. 

Innerer Aufbau

Hier passt alles: Hochwertig aufgebauter A57 Vollverstärker mit Ringkerntrafo und schwarz eloxiertem Alu-Kühlkörper

Elkos mit 4 x10.000 Microfarad

Großer Ringkerntrafo des A57

Sauber aufgebauter CD-Spieler C57 mit kleinem Ringkerntrafo und separierter Netzteilsektion

Carat C57 mit abseits der restlichen Sektionen montiertem Netzteil

Der innere Aufbau beider Komponenten kann auf der ganzen Linie überzeugen. Die übersichtliche Verkabelung ist ebenso zu loben wie die hochwertig erscheinenden Bauteile. Sogar der C57 CD-Player verfügt über einen kleinen, leistungsfähigen Ringkerntransformator, die Netzteilplatine ist separiert vom Rest untergebracht. Der A57 trumpft mit seinem Aluminium-Kühlkörper auf, der zudem für eine noch bessere Wärmeableitung schwarz lackiert ist. Der groß dimensionierte Ringkerntransformator sorgt für eine leistungsstarke Stromzufuhr, für kurzzeitige Stromspitzen stehen vier Elkos mit jeweils 10.000 Microfarad Kapazität zur Verfügung.  Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend

Technische Daten/Anschlüsse

Frontanschlüsse

Bei jedem Druck auf die Function-Taste ändert sich die Regelmöglichkeit, die mit dem großen Drehregler besteht: Lautstärke/Balance/Bass/Höhen sind nacheinander einstellbar

Anschlussauswahl, der C57 verfügt über einen koaxialen Digitalausgang, der A57 weist ausschließlich analoge Anschlüsse auf

Netzschalter auf der Rückseite

Der A57 ist ein Stereoverstärker mit 2 x 80 Watt Leistung an 8 Ohm und 2 x 150 Watt Leistung an 4 Ohm. Damit ist der elegante Vollverstärker auch für den Einsatz in größeren Lokalitäten gut gerüstet. Der Frequenzgang reicht von 15 Hz bis 70 kHz bei 0/- 1 dB. Der Signalrauschabstand ist > 110 dB (Phono 100 dB) bei 1 kHz. Es sind Ausgänge für zwei Lautsprecherpaare (A + B, schaltbar) vorhanden. Auch ein Ausgang für den Anschluss von Stereokopfhörern ist vorhanden. Besonderheit auf der Frontblende ist der 3,5 mm Minklinkeneingang für die Verbindung mit einem portablen MP3-Player. Auf der Rückseite finden sich Eingänge für Phono (MM/MC), CD, Tuner, Aux und Tape (alle 2-Kanal Stereo-Analog-Cinch) sowie ein analoger 2-Kanal Recording-Ausgang. Drückt man auf der Frontblende die „Function“-Taste, können nach jedem Druck auf den Knopf andere Basisfunktionen geregelt werden. Entweder der Lautstärkepegel oder aber Balance, Bass- und Höhenregelung. Der 10,2 kg wiegende Verstärker misst 430 x 100 x 360 mm (B x H x T). 

Der C57 CD-Player ist auch für die Wiedergabe der seltenen HDCDs geeignet. Er nutzt hochwertige Burr Brown PCM1732 96 kHz/24-Bit D/A-Wandler und verfügt über eine Burr Brown OPA2134 Ausgangsstufe. Der Frequenzgang reicht von 10 Hz bis 20 kHz bei 0/- 1 dB. Der Signalrauschabstand beträgt 120 db. Integriert sind die üblichen Abspielfunktionen. Der C57 wiegt 6,3 kg und misst (B x H x T) 430 x 100 x 330 mm.

Insgesamt wird von der A57/C57 Kombination alles geboten, was der Stereo-Liebhaber erwartet, sogar en 3m5 mm Minklinkeneingang für den schnellen Anschluss eines portablen MP3-Players ist mit dabei. Digitale Ein- oder Ausgänge sucht man allerdings vergeblich beim Verstärker, während der C57 neben den analogen L/R Stereo-Cinchausgängen auch einen Digitalausgang offeriert. er C57 kommt mit hochwertigen D/A-Wandlern und HDCD-Decoder. 

Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet

Bedienung

Etwas kleine Tasten auf den Fernbedienungen

Die Handhabung der Komponenten ist bilanzierend einfach. Die Tasten auf den bei beiden Geräten identischen Fernbedienungen sind zwar etwas klein und zudem größtenteils gleichförmig, die Reichweite und der Arbeitswinkel können jedoch überzeugen. Als zu wenig klar definiert präsentiert sich der Druckpunkt der einzelnen Tasten. Die Bedienung des CD-Players gibt keine Rätsel auf. Einem schnellen Bedienprozess sehr zuträglich sind die beleuchteten Funktionselemente beider Komponenten. Gesamtnote: Sehr gut. 

Klangwertung

Aus akustischer Sicht kann die Kombination aus A57 und C57 in beinahe allen Punkten voll überzeugen. Besonders begeistert der kraftvolle Antritt des A57, der bei „Nichimgriff“ von Farin Urlaub Racing Team mit spontaner Energie den Song atmosphärisch sehr dicht zum Auditorium trug. Der relativ kompakt erscheinende Stereoverstärker konnte sich auch bei deutlich erhöhtem Pegel beim Anschluss an unsere Masterpiece Box Nubert nuVero14 noch hervorragend behaupten. Nur dann, wenn wir im 30 Quadratmeter-Hörraum mit massivsten Pegelwünschen auf den A57 zukamen, merkte man, dass die Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht waren: Der Bassbereich erschien dann leicht aufgeweicht, die Höhen klangen etwas gequält, so dass wir lieber wieder etwas niedrigere Pegelbereiche angesteuert haben. Die beschriebenen akustischen Verzerrungen und Komprimierungen traten aber erst bei Lautstärken auf, die beinahe alle potentiellen Käufer in der Praxis kaum erreichen dürften. Für die Preisklasse bis rund 1.000 EUR bietet die Pegelfestigkeit des A57 keinen Anlass zur Klage. Mit leicht warmem Einschlag und sehr guter Impulstreue konnte sich der Verstärker beim 007-Titelsong „Goldfinger“ sehr gut in Szene setzen. Die rein instrumentale Interpretation wurde mit einer überdurchschnittlich guten räumlichen Wirkung wiedergegeben. Auch wenn das letzte musikalische Detail in der zweiten oder dritten akustischen Ebene im direkten Vergleich mit unserer Rotel Vor-/Endstufenkombination nicht erfasst wurde – für einen nicht einmal 1.000 EUR kostenden Stereoverstärker holt der Carat A57 erstaunlich viele Einzelheiten ans Licht. 

Der gefällige, emotional tief gehende Sound ist die Spezialität des französischen Duos

Dies ist auch Verdienst der präzisen Zuspielung vom CD-Player C57, den wir auch in Zusammenarbeit mit der Rotel RC1090/RB1090 und in Zusammenarbeit mit dem Yamaha DSP-Z11 betrieben haben. Der lebendige, räumlich dichte Klang, den der 750 EUR kostende CD-Spieler bereit stellt, ist ausgesprochen gut. Dies spricht für die exzellente Qualität der verbauten D/A-Wandler, die bei analoger Ausgabe des PCM-Stereosignals aktiv werden. Nutzt man den Digitalausgang am CD-Spieler, so wird beim Anschluss an sehr guten Mittelklasse AV-Receivern wie dem Kenwood KRF-V9300D oder dem Onkyo TX-SR606 deutlich, dass die im C57 verbauten D/A-Wandler eine hörbar bessere klangliche Leistungsfähigkeit sicher stellen: Bei „Nessun Dorma“ in der Interpretation von Paul Potts wurde das Ganze akustisch schwungvoller, detailreicher und mit mehr Substanz wiedergegeben. Vokale Umrisse erstrahlen in neuem Glanz, wenn die talentierte digital-analoge Wandlung im C57 zum Einsatz kommt. Auch der A57 tritt bei „Nessun Dorma“ ausgesprochen überzeugend auf. Potts faszinierende Stimme wird sehr klar und lebendig wiedergegeben, nur enorm erfahrenen Hörern fällt eine kleine Abweichung von der kompletten klanglichen Neutralität auf: Der für den A57 typische leicht warme Einschlag wird auch hier hörbar. Von den meisten Anwendern wird dieser aber keinesfalls als störend, sondern eher als Harmonie fördernd angesehen. Auch bei der Paul Potts-Interpretation von „Time to say Goodbye“ schlägt sich das französische Duo ausgezeichnet. Lebendig, emotional und räumlich ehrlich aufgebaut, werden hervorragende Resultate erzielt. 

Die etwas massig-schwere, deutlich wärmere Auslegung mancher Harman Kardon Stereoverstärker oder –Receiver fehlt dem A57: Er kombiniert das leicht Warme mit mehr Schwung, er agiert schneller, was sich insbesondere bei Dynamiksprüngen bemerkbar macht. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert, KV 622, begeistert die sanfte, samtige Art bei der Wiedergabe des ersten Allegros. Fließende, in sich schlüssige akustische Übergänge lassen keine Zweifel am Talent der französischen HiFi-Konstrukteure aufkommen. Die Klarinette ertönt ausgesprochen angenehm und homogen, man kann gern auch mit höherer Lautstärke hören, ohne dass der Sound zu grell oder blechern wird. Trotz des geschilderten leicht warmen Einschlags und der Harmonie fördernden Auslegung ist der Hochtonbereich nicht zu bedeckt oder zu ausdruckslos – im Gegenteil: Die sich fein ausbreitende Räumlichkeit paart sich auf vorteilhafte Weise mit sanfter Brillanz. Alles erscheint wie aus einem Guss – davon profitiert auch die Wiedergabe von 80er Jahre Popmusik. „West End Girls“ von den Pet Shop Boys erklingt mit einer hervorragenden Trennung von Stimmen und Instrumenten, ohne dass ein homogener Gesamteindruck vernachlässigt wird. Bei „Suburbia“ wird der Spannungsbogen vom Intro mit dem charakteristischen Hundegebell bis zum Start der eigentlichen Song-Melodie sehr schön herausmodelliert. Dass es am letzten Detail fehlt, fällt bei der ohnehin nur durchschnittlich aufgenommenen Pet Shop Boys-CD nicht auf. „Building a Bridge to your Heart“ war ein großer Hit von Wax gegen Ende der 80er Jahre. Die Carat-Komponenten bauen mit der schnellen, lebendigen, räumlich weitläufigen Wiedergabe auch eine Brücke zum Herz des Hörers. Das manchmal etwas Grelle, Unangenehme in der Stimme des Sängers, bedingt durch die technisch nicht perfekte Aufzeichnung, wird von den französischen HiFi-Bausteinen erstaunlich gut im Hintergrund gehalten, so dass dieser schöne Song auch mit lauterem Pegel gehört werden kann. 

Techno und Trance – kein Tabu für A57 und C57. Beim Techno-Klassiker „Living without your Love“ von Interactive werden die treibenden Beats und die vielfältigen akustischen Effekte vom A57 sehr gekonnt herausgestellt. Das Vermögen, die Leistung der Endstufen spontan und kraftvoll einzusetzen, generiert einen Energie geladenen, nachdrücklichen Klang, der beim Auditorium „unter die Haut“ geht. Das ist überhaupt das Interessante an der Spielweise der Carat-Kombination: Sie lässt kaum jemanden unberührt, einfach, weil die Kombination aus leichter Wärme, schnellem Antritt, hervorragender Räumlichkeit und fließenden Übergängen genau die Art ist, in der viele Menschen ihre Lieblingsmusik anhören möchten. Bei „Church of House“ von Perplexer brillieren die beiden franzözischen Klang-Experten wiederum mit der Fähigkeit, sich schnell aufbauende Dynamik-Differenzen akkurat zu verarbeiten. Beat-Wechsel oder das Hinzukommen neuer Effektebenen werden gekonnt erfasst, geschickt wird ein Vermischen verschiedener, eigentlich separater Elemente zu einem einheitlichen „akustischen Brei“ vermieden. Bilanzierend prophezeien wir aus akustischen Gesichtspunkten den Carat Bausteinen eine große Zukunft in Deutschland, denn diese Art des emotionalen, klaren, harmonischen Musikgenusses ist das richtige Gegenmittel, um beim heutigen gesellschaftlichen Stress einfach abschalten und genießen zu können. Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet – hervorragend. 

Fazit

Die Carat HiFi-Komponenten A57 und C57 bieten zu fairen Kaufpreisen eine rundherum erfreuliche Performance, die bereits mit der nicht alltäglichen, extravaganten und eleganten Optik beginnt. Die Verarbeitung außen ist ausgezeichnet, der innere Aufbau beider Komponenten überzeugt beinahe restlos. Die Bedienung ist einfach, wenngleich Details der Fernbedienungen nicht restlos überzeugen können (Tasten zu klein, Druckpunkt zu schwammig). Akustisch begeistert die harmonische, leicht ins Warme tendierende, kräftige Darstellung, die es trotz dieser Auslegung nicht an Dynamik und Detailfreude missen lässt. Durch die eben beschriebenen kennzeichnenden Merkmale eignet sich die Carat-Kombination zur Wiedergabe praktisch aller Musikstile. Ob man Klassik, 80er Jahre Popmusik oder Trance und Techno hört – A57 und C57 schaffen es immer, dem Sound eine einheitliche, lebendige und gefällige Gestalt zu geben. Insgesamt sind die Carat HiFi-Komponenten eine willkommene Bereicherung auf dem deutschen Markt - wir sehen ein großes Potential für die optische und akustische französische Noblesse. 

Optisch elegant und extravagant auftretendes französisches HiFi-Gespann mit harmonischem, samtigen und kraftvollem Klang

HiFi-Stereo-Verstärker/CD-Spieler obere Mittelklasse
Test 22.12.2008
Preis-/Leistungsverhältnis



+ Sehr kraftvoller Antritt
+ Ausgezeichnete räumliche Abbildung
+ Harmonische, leicht warme klangliche Auslegung
+ Für nahezu alle Musikrichtungen geeignet
+ Hervorragender innerer Aufbau
+ Gediegene, elegante Optik

- Fernbedienung mit zu kleinen Tasten und schwammigem Druckpunkt

Test: Carsten Rampacher
22. Dezember 2008