TEST: Yamaha AV-Receiver RX-V1800
Yamaha DSP

Yamahas DSP-Programme - die Grundlagen

Die DSP-Programme sind schon seit Jahren die Spezialität der Yamaha-Receiver. Während die meisten Hersteller ihren Receiver nur eine Handvoll Surround-Programme spendieren, gibt es bei Yamaha gleich eine Vielzahl von DSP-Programmen unterschiedlichster Art für die Wiedergabe von Filmen und Musik, für die Yamaha-Techniker die Akustik bestimmter Räume ausmessen und diese durch den Receiver simulieren lassen.

Der Yamaha DSP Prozessor ist so aufgebaut, dass eine völlig unabhängige Verarbeitung des vorderen Präsenzbereiches und des hinteren Surround-Soundfeldes ermöglicht wird. Der Surroundbereich wird schon seit der Einführung der Cinema DSP Technolgie 1990 (damals war Dolby Pro Logic der Mehrkanalstandard) mit zwei unabhängigen Klangfeldern für den linken und den rechten Kanal nachbearbeitet. Die Position der akustischen Effekte wird durch das dekodierte Eingangssignal vorgegeben, der Decoder selbst arbeitet mit unendlich großer Kanaltrennung - in der Praxis jedoch ist ist die Kanaltrennung durch die nachfolgenden analogen Baugruppen des AV-Receivers (speziell zu nennen wäre die gemeinsame elektrische Masseverbindung) leicht eingeschränkt. Für den Back Surround Bereich ist ein weiteres Feld hinzugekommen, so dass man nun von einem "Quad Field" DSP spricht. 

Die Signalverarbeitung des DSP-Prozessors erzeugt aus den einzelnen Kanälen, die nach dem Decodieren als relativ "punktförmige" Informationen zur Verfügung stehen, ein geschlossenes Klangbild. Die Ausdehnung und die Intensität, mit anderen Worten die Charakteristik des jeweiligen Klangbildes, variiert je nach angewähltem DSP-Programm. Die Wahl des entsprechenden DSP-Programms sollte sich nach dem vorliegenden Film- oder Musikmaterial richten, da nur beim optimalen Zusammenspiel vom Ausgangsmaterial und der gewählten DSP Nachbearbeitungsart eine optimale Performance erreicht werden kann. Bei Wahl eines unpassenden DSP-Programms kann es passieren, dass der Klang schlechter als das ursprüngliche Mehrkanalsignal erscheint. Da sich die einzelnen DSP-Programme durch Tasten auf der Fernbedienung bequem anwählen lassen, gestaltet sich das Experimentieren aber recht einfach. 

Auf der Basis normaler Wiedergabearten wie Mono, Stereo und Mehrkanal-Audio gestalten die Yamaha-Toningenieure ihre eigenen Soundfelder. Jedes der Cinema-DSP-Programme ist vom Charakter her verschieden, denn die auf realen Messungen beruhenden Daten, die dann zu den verschiedenen vorkommenden Soundfeldern verarbeitet werden, unterscheiden sich. Dies ist besonders hervorzuheben, denn aufgrund der Tatsache, dass nicht einfach unterschiedliche Hall- und Reflexionsanteile am PC zu verschiedenen DSP-Programmen zusammengemischt werden, ist die Qualität der Yamaha DSP-Modi besonders hoch: Es liegen echte, existierende Räumlichkeiten diesen DSP-Modi zugrunde, die von den Yamaha-Ingenieuren exakt akustisch vermessen wurden. 

Bei den Soundfeldern differenziert Yamaha zwischen dem Presence-Soundfeld (das Soundfeld, welches sich vorne hinter den Lautsprechern ausbreitet) und den linken und rechten Surround-Soundfeld, dem Back Surround-Soundfeld sowie dem Nachhall. Die Presence- und Surround-/Back Surround-Soundfeld-Daten zeigen sich in der Verteilung der virtuellen Klangquellen und der Echomuster. Die unterschiedlichen Soundfeld-Typen werden mit komplexen Elementen wie zum Beispiel der Energiebalance und den Signalmischverhältnissen verarbeitet. Insgesamt ergibt sich so ein erstaunlich genau auf das Wahrnehmungsvermögen der Zuhörer zugeschnittenes Soundfeld.

Das erklärte Ziel von Yamaha DSP ist, die räumlichen und klanglichen Eigenschaften eines Kinosaals, einer Konzerthalle oder eines Jazzclubs in einem möglichsten hohen Grad an Perfektion auf die heimischen "vier Wände" zu übertragen, beziehungsweise die geringere Anzahl der Lautsprecher zu Hause und die ungünstigeren räumlichen Bedingungen bestmöglich zum kompensieren. Daher erzeugt der Yamaha DSP-Prozessor ein Klangfeld nach einem Reflexionsmuster, das laut Yamaha dem eines Abhörstudios der Filmindustrie entspricht.

Wer den Klang einzelner DSP-Programme als metallisch und hallend empfindet, was bei vielen simplen Effekt-Programmen der Fall ist, die inzwischen sogar selbst in MP3-Playern zu finden sind, sollte bei den Yamaha DSP-Programmen einmal genau hinhören und die Augen schließen. Den wer genau hinhört, wird merken, dass der Sound wirklich nah an dem Vorbild liegt, welches das DSP-Programm nachahmt. Nicht bei jeder Musik wird jedes DSP-Programm gut klingen, aber die große Auswahl sorgt dafür, dass gerade bei Live-Musik-Aufnahmen die DSP-Programme noch eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen.

Die DSP-Programme des RX-V1800: 

Für Film/Videoquellen (Multikanal und Zweikanal):

  • ENTERTAINMENT: Action Game / Role Playing Game. Dieses Programm fügt Tiefe und Räumlichkeit zu den Sounds von Videospielen hinzu. 

  • ENTERTAINMENT: Sports. Obwohl das Presence-Soundfeld  (vorn) relativ eng ist, verwendet das Surround-Soundfeld das weite Klangumfeld einer großen Sport-Arena versetzt den Zuhörer auf den obersten Stadion-Platz.

  • ENTERTAINMENT: Music Video & Recital/Opera. Diese beiden DSP-Programme eignen sich vor allem für Musik-DVDs. Während "Music Video" etwas auf die Front konzentriert ist, bildet "Recital/Opera" den weiten Sound einer Konzerthalle nach und produziert ein sowohl zur Seite als auch nach hinten sehr weiträumiges Klangefeld.

  • MOVIE: Spectacle. CINEMA DSP Verarbeitung. Dieses Programm erstellt ein extrem weites Soundfeld eines 70-mm Filmtheaters. Es reproduziert genau den Quellensound in allen Einzelheiten, so dass das Soundfeld unglaublich realistisch erscheint. Dieses Programm ist ideal für jede Art von Videoquelle geeignet, die mit Dolby Surround, Dolby Digital oder DTS codiert ist (besonders groß angelegte Filmproduktionen) - was in der Yamaha-Bedienungsanleitung sehr blumig klingt, entpuppt sich als DSP-Programm, das gewisse Parameter - Basskraft bei der Effektdarstellung, Dynamik der Surround- und Back Surround-Klangkulisse - mit beachtlichem Erfolg nachbearbeitet, indem die Wirkung intensiviert wird und so gerade den Sound eher dezent abgemischter Filme verbessert. Die Dialoge produzieren häufig einen leichten Nachhall in den Surround-Lautsprechern.

  • MOVIE: Sci-Fi. CINEMA DSP Verarbeitung. Laut Yamaha durch eine räumlich sehr weite Darstellung besonders gut für Science Fiction-Filme geeignet und soll deren atmosphärische Kulisse noch erweitern. Effekte werden mit hoher Klarheit wiedergegeben, aber mit etwas weniger Nachdruck als bei "Spectacle". Aber nicht bei allen Science-Fiction-Filmen bietet "Sci-Fi" im Vergleich zu "Spectacle" und dem folgend beschriebenen "Adventure" den besten Sound. Daher sollte man einfach bei jedem Film aufs neue das geeignetste DSP-Programm auswählen.

  • MOVIE: Adventure. CINEMA DSP Verarbeitung. Sehr gelungenes DSP-Programm, das besonders den Music Score sehr facettenreich und mit weitem Raumgefühl umsetzt und neben "Spectacle" zu den besten Programmen für Filme gehört. Szenen, in denen einsame Reiter durch die Prärie ziehen oder James Bond ("Der Spion, der mich liebte") mit Barbara Bach durch die Wüste irrt, Sequenzen, in denen Unglaubliches geschieht (Mumie Teil 2: Skorpionkönig geht mächtiges Bündnis ein, Oase entsteht inmitten der unwirtlichen Wüste) - hier entfaltete dieses Programm sein volles Aroma. Trotz der Yamaha-Beschreibung (für eine präzise Reproduktion des Sounddesigns der neuesten 70-mm Filme) kann man dieses Programm auch problemlos für etwas ältere Produktionen verwenden. Sehr gute, räumlich effektive Effektwiedergabe. 

  • MOVIE: Drama. Ungeachtet des Namens soll dieses Programm sehr universell auch bei Musicals oder Komödien zum Einsatz kommen und erzeugt einen dezenten Nachhall. 

  • MOVIE: Standard. CINEMA DSP Verarbeitung. Dieses Programm klingt fast genau so, wie das ursprüngliche Mehrkanal-Signal, lässt sich aber klanglich den eigenen Hörpräferenzen anpassen. 

Für Musikquellen

  • CLASSICAL: Hall in Vienna. Eine klassische, hufeisenförmige Konzerthalle mit etwa 1.700 Sitzen. Säulen und Ornamente generieren extrem komplexe Reflexionen, die zu einem sehr vollen, reichen Sound führen. Vorsicht: Auf das Quellmaterial achten - nicht einfach jede CD mit klassischen Konzerten verwenden, sondern sich informieren, ob die Halle, in der aufgenommen wurde, mit jeder, die dem DSP zugrunde liegt, zumindest in etwa übereinstimmt (etwas Fachwissen erforderlich).

  • CLASSICAL: Hall in Munich. Großer, fächerförmiger Konzertsaal mit etwa 2.500 Sitzen. Fast die gesamte Innenausstattung besteht aus Holz. Es gibt relativ wenig Reflexionen von den Wänden, der Klang breitet sich fein und differenziert aus. 

  • CLASSICAL: Hall in Amsterdam. Große Halle mit 2200 Sitzen und deutlichen Reflexionen, die das Ursprungssignal nur dezent überlagern und die Stimmwiedergabe im Vordergrund hält.

  • CLASSICAL: Church in Freiburg. Grundlage für dieses DSP-Programm ist das Freiburger Münster. Die Nachhallverzögerung ist bei diesem Modus sehr lang, wogegen die frühen Reflexionen kleiner als bei anderen Soundfeldprogrammen sind. Eignet sich vor allem für sinfonische Musik.

  • CLASSICAL: Chamber. Dieses Programm soll einen im Vergleich zu den anderen Klassik-Programmen kleineren Konzertraum simulieren. Der Nachhall fällt verhältnismäßig gering aus, weswegen das Programm auch für andere Musik-Genres geeignet ist. 

  • THE BOTTOM LINE DSP. Dies ist das Soundfeld vor der Bühne des Jazzclubs „The Bottom Line“ in New York. Der Raum bietet Sitze für 300 Personen an der linken und rechten Seite eines Soundfeldes, das einen direkten, lebhaften Sound bietet.

  • VILLAGE VANGUARD DSP. Noch ein Jazzclub aus New York mit niedriger Decke. Der Zuhörer soll den Eindruck bekommen, sehr nah an der Bühne zu sein. Klingt im Vergleich zu "THE BOTTOM LINE" etwas dichter und geht etwas sparsamer mit dem Bass um.

  • WAREHOUSE LOFT DSP. Aufgrund der deutlichen Reflexionen ist dieses DSP-Programm nicht unbedingt jedermanns Sache und für jede Art von Musik geeignet, klingt ansonsten aber recht ähnlich wie die beiden Jazzclub-Programme.

  • THE ROXY THEATRE DSP. Das ideale Programm für lebendige, dynamische Rockmusik. Die Daten für dieses Programm wurden in einem bekannten Rock-Club in Los Angeles aufgezeichnet. Der virtuelle Sitz des Zuhörers befindet sich in der Mitte links der Halle. Für manche Rock-CD oder DVD ein ordentliches, weil sehr "fetziges" Programm. Höhenbrillanz ist nur durchschnittlich.

  • CELLAR CLUB DSP. Im Frontbereich präsentiert dieses Programm eine sehr kleine Bühne, bietet dafür aber nach hinten sehr viel Weite und oftmals mehr Räumlichkeit als die anderen Live/Club-Musikprogramme.


Wer etwas mehr Einblick in die Materie hat, kann die DSP-Programme auch noch individuell nachbearbeiten. Nicht alle Parameter sind für jedes DSP-Program abrufbar. Außerdem variieren die Grundeinstellwerte von DSP zu DSP, um für jedes Programm eine kennzeichnende, eigene Charakteristik zu generieren:

  • Dekodertyp: Als Basis für die DSP-Programme für Stereo-Quellen dient zunächst ein Decoder für Dolby Pro Logic, Dolby Pro Logic II bzw. Pro Logic IIx oder DTS Neo:6. Durch die Auswahl des Decoder-Typs wird bestimmt, welcher Decoder zunächst verwendet wird, um anschließend den Klang durch das ausgewählte DSP-Programm zu verfeinern.
  • DSP-Pegel: Dieser Parameter stellt die Pegel aller DSP-Effektklänge innerhalb eines engen Bereiches ein. In Abhängigkeit von der Hörraumgröße und der Akustik des Hörraums kann man die Intensität des DSP-Effekts maßvoll anpassen. Regelbereich -6 dB bis +3 dB.
  • Anfangsverzögerung: Mit dieser Funktion kann der wahrgenommene Abstand vom Quellensound verändert werden: Die Verzögerung zwischen dem direkten Klangbild und der ersten wahrgenommenen Reflektion kann hier in einem Steuerungsbereich von 1 bis 99 Millisekunden eingestellt werden. Je kleiner der Wert ist, umso näher scheint der Quellenklang akustisch am Hörer zu liegen, bei einem großen Wert entfernt sich der Quellenklang akustisch weiter. Ein kleiner Wert ist für einen kleinen Hörraum, ein großer für einen großen Hörraum zu empfehlen.
  • Raumgröße: Dieser Parameter stellt die wahrnehmbare Größe des Surround-Soundfeldes ein. Je größer der Wert, umso größer wird das Surround-Soundfeld. Einstellbereich: 0,1 bis 2,0. Da der Klang wiederholt in einem Raum reflektiert wird, kommt es mit zunehmender Größe der Halle dazu, dass die Zeit zwischen dem ursprünglich reflektierten Sound und den nachfolgenden Reflexionen zunimmt. Durch die Möglichkeit der Steuerung der Zeit zwischen den reflektierten Sounds kann man die wahrnehmbare Größe des virtuellen Saales ändern. Wenn der Parameter von 1 auf zwei verdoppelt wird, verdoppelt sich die wahrzunehmende Länge des Raumes
  • Lebendigkeit (Bei Musik-DSP-Programmen): Dieses Tool stellt das Reflexionsvermögen der virtuellen Wände in der Halle ein, indem die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen geändert wird. Einstellbereich 0 bis 10. Einsatzbereich dieser Funktion: Da die frühzeitigen Reflexionen einer Klangquelle in einem Raum mit hoher Akustikabsorbation viel schneller abklingen als in einem Raum mit stark reflektierenden Wänden, kann mit dem Lebendigkeit-Parameter die Abklingrate der frühzeitigen Reflexionen von  einem "toten" Raum (Raum mit hoher Absorbationsrate) zu einem "lebendigen Raum (Raum mit stark reflektierenden Wänden) verändert werden
  • Anfangsverzögerung, Regelbereich 1 - 49 ms. Einstellung der Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion auf der Surround-Seite des Klangfeldes
  • S.Raumgröße. Funktion: Dieser Parameter stellt die anscheinende Größe des Surround-Soundfeldes ein.Regelbereich: 0,1 – 2,0
  • S.LIVENESS (Surround-Lebendigkeit): Einstellmöglichkeit von 0 bis 10 für das wahrnehmbare Reflexionsvermögen der virtuellen Wände im Surround-Soundfeld. Je größer der Wert, umso reflektierender werden die Wände des Surround-Soundfeldes
  • Surround/Back-Surround-Anfangsverzögerung: Regelbereich 1 - 49 ms. Einstellung der Verzögerung zwischen dem direkten Klang und der ersten Reflexion auf der Surround-Seite des Klangfeldes
  • Surround/Back-Surround-Raumgröße: Dieser Parameter stellt die wahrgenommene Größe des Surround-Soundfeldes ein (Regelbereich 0,1 - 2,0)
  • Dialog Lift: Dieser Parameter stellt die Höhen der Sounds der Front- und Centerkanäle ein, indem einige Elemente der Front- und Center-Kanäle den Presence-Lautsprechern (= vorderen Lautsprechern) zugeordnet werden. Je größer der Wert (Wahlmöglichkeiten 0/1/2/3/4/5, anfängliche Einstellung ist "3") ist, umso höher ist die Position des Klanges der Front- und Centerkanäle.

Hören ohne DSPs

Wer übrigens mal ganz ohne DSP-Nachbearbeitung Musik in Stereo hören möchte, kann auf den Pure Direct Modus (für analoge Quellen und PCM Digitalquellen) zurückgreifen, in dem sogar die Displaybeleuchtung (zusätzlich zur Video- und DSP-Sektion) abgeschaltet wird.  Wer das Eingangssignal 1:1 so hören möchte, wie es ursprünglich ist, kann die "Straight" Funktion nutzen (für Stereo- und Mehrkanalquellen), hier findet eine Direktverarbeitung ohne das Hinzufügen weiterer Effekte statt, bei der aber die persönlichen Klangeinstellungen aktiv sind.

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