AREA DVD-TEST: DVD-Player Toshiba XD-E500 - HDTV-Qualität mit XDE-Scaling
für 159 EUR?
28.08.2008 Test: Karsten Serck
Einleitung
Seit Toshiba im Frühjahr 2008 den Ausstieg aus der HD DVD-Produktion bekannt
gab, war nur sehr wenig darüber zu erfahren, was Toshiba in
die Zukunft machen würde. Schon vor ein paar Monaten zeichnete sich ab, dass
Toshiba keineswegs einfach auf die Blu-ray Disc umschwenken wird. Stattdessen
wurde in der japanischen Presse im Mai darüber berichtet, dass Toshiba einen
neuen günstigen DVD-Player plane, der selbst aus normalen DVDs hochauflösende
Bilder generieren soll und im August lüftete Toshiba schließlich das Geheimnis
um diesen neuen DVD-Player mit einem speziellen Bildverbesserungsverfahren: Toshiba bezeichnet die Technik als "Extended Detail Enhancement
(XDE)". Neben der inzwischen bei DVD-Playern mit HDMI-Ausgang üblichen Skalierung auf 1080p
soll mit XDE auch eine deutliche Erhöhung der Schärfe erreicht werden. Der erste DVD-Player mit der XDE-Technologie ist der Toshiba
XD-E500, derzum Preis von 159 EUR verkauft wird. Als Multimediaformate werden
neben DVDs auch MP3, WMA und DivX-Videodateien unterstützt. Außerdem
lassen sich JPG-Bilder auf dem Player betrachten. Mit dem Verkauf erster Geräte
in Deutschland wird Toshiba voraussichtlich Ende September beginnen.
Enhanced Detail Enhancement (XDE)
In Anbetracht
fallender Blu-ray Disc-Player-Preise ist man sich auch bei Toshiba bewusst, dass
ein DVD-Player selbst mit der besten Technik letztendlich nur bis zu einem gewissem
Maße an richtiges
HDTV-Niveau herankommen, aber nicht die Qualität von echtem HDTV erzielen wird.
Preislich muss das Gerät somit auf jeden Fall deutlich günstiger sein als ein
Blu-ray Disc-Player. Dem
kleinen Gehäuse des XD-E500, welches mit einer Bautiefe von nur 5,1 cm kaum Platz bietet,
um noch andere Geräte darüber abzustellen, sieht man diesen auf das
Wesentliche reduzierten Sparzwang an. Die
gesamte Elektronik findet auf sehr engem Raum Platz und die bunt leuchtende
LED-Anzeige am Gehäuse zeigt neben der aktuellen Auflösung auch nur das
aktuelle Kapitel an. Zwar kann der Player mit dem wuchtigen Design des einstigen
HD DVD-Flagschiffs HD-XE1 nicht mithalten und wirkt optisch eher unauffällig,
fügt sich aber dennoch in bestehende Heimkino-Anlagen optisch recht gut
ein.
Auf dem kleinen Videoboard versammelt sich einige Elektronik, die dem Player
zu einem guten Bild verhelfen soll. Verbaut wurden ein Zoran Vaddis 966 und ein "HDExtreme 2"-Chip des gleichen Herstellers,
die die Basis-Funktionen für das Abspielen von DVDs und die Video-Ausgabe bereitstellen. Speziell für die XDE-Bildoptimierung
kommt aber ein weiterer Chip zum Einsatz,
der die Cell-Funktionen gezielt für die DVD-Wiedergabe nachahmt, aber
günstiger zu produzieren ist. Details über den Hersteller dieses Spezial-Chips
sind von Toshiba nicht zu erfahren.

Das wesentliche Ziel von XDE ist eine Verbesserung der Kantenschärfe. Der
Player hebt nicht generell die gesamte Schärfe eines Bildes an, sondern kann
Konturen erkennen und diese verstärken während z.B. Flächen unverändert
bleiben. Nur Bildbereiche, die wirklich für die Detaildarstellung relevant
sind, werden durch XDE verstärkt. Aktiviert werden die XDE-Einstellungen
entweder über den Menüpunkt "Bildmodi" oder die Taste "PIC
MODE" auf der Fernbedienung. Neben dem Modus "Scharf" gibt es
noch die beiden Einstellmöglichkeiten "Farbe" und
"Kontrast", bei denen zusätzlich zur Anhebung der Schärfe die
Intensität der Farben erhöht wird oder eine Kontrastoptimierung stattfindet,
um Details in dunklen Szenen deutlicher abzubilden. Feineinstellungen bietet der
Player nicht. Die Funktionen lassen sich nur ein- oder ausschalten.
Die XDE-Funktionen stehen nur zur Verfügung, wenn das Bild des Players über
den HDMI-Eingang betrachtet wird. Während sich neben der automatischen
Auflösungseinstellung 1080p und 1080i auch manuell anwählen lassen, stehen die
Auflösungen 720p und 480p/576p nur dann zur Verfügung, wenn die XDE-Funktionen
deaktiviert wurden.
Anschlüsse
Der Toshiba XD-E500 bietet fast alle Anschlüsse, die man benötigt. Sogar
eine SCART-Buchse ist vorhanden, obwohl die XDE-Optimierungen nur über HDMI
wirksam sind und der digitale Tonausgang ist sowohl optisch als auch koaxial
vorhanden.
- 1 x HDMI
- 1 x YUV
- 1 x SCART (RGB, Composite Video)
- 1 x TOSLINK (optischer Digitalausgang)
- 1 x Coaxial (Digital)
- 1 x Stereo-Cinch
- 1 x Composite Video
Bedienung
Die kompakte Fernbedienung liegt gut in der Hand und verfügt über griffige
Tasten. Die Beschriftungen und Symbole sind deutlich genug, um die Tasten
auseinander halten zu können. Bei dunklerem Umgebungslicht sind allerdings
gerade im unteren Bereich der Fernbedienung die recht schwach aufgedruckten
Bezeichnungen nur noch schwer lesbar.
Die On Screen-Menüs sind sehr simpel gestaltet und die Hauptmenü-Schriften
sehr klein. Das auffällige "XDE"-Logo findet man nur im Hintergrund,
wenn die Wiedergabe des Players gestoppt wurde.
In den Hauptmenüs erhält man den Zugriff auf die XDE-Funktionen über den
Unterpunkt "Bildmodi" und auch der Direktzugriff auf der Fernbedienung
ist nicht mit "XDE" sondern "PIC MODE" gekennzeichnet.
Das DVD-Laufwerk des Toshiba XD-E500 ist recht schnell und im normalen
Spielbetrieb kaum zu hören. Lediglich bei Kapitel- oder Menü-Zugriffen macht
sich das Laufwerk durch etwas lautere Geräusche bemerkbar.
Das Display auf der Geräte-Front zeigt nur die aktuelle Kapitel-Nummer sowie
die Auflösung an. Der Player verfügt über keinen mechanischen Ein- und
Ausschalter, sondern lässt sich nur über das Stromkabel komplett vom Netz
trennen. Schaltet man den Player aus, so merkt er sich nicht automatisch die
Stelle, an der die Wiedergabe zuvor gestoppt wurde. Mit der "Memory"-Taste
lassen sich aber zumindest manuell gleich mehrere Spielstände abspeichern.
Bild
Bildqualität/Scaling:
Toshibas XDE-Player bietet für einen DVD-Player dieser Preisklasse mit
PAL-DVDs ein sehr detailscharfes Bild. Die Bildqualität von echtem HDTV wird
zwar nicht ganz erreicht, weswegen Blu-ray Discs und HD DVDs noch immer einen Vorteil
bieten, aber mit sehr guten DVDs wie z.B. "Star Wars - Episode IV"
oder "Gladiator" wird eine Bildqualität erreicht, die deutlich über
dem liegt, was man von den meisten DVD-Playern kennt. Wie gut das Ergebnis ist,
hängt nicht zuletzt von der Größe des Displays ab, welches zum Einsatz kommt.
Bei Fernsehern mit einer Bilddiagonale von 42 Zoll und weniger ist die
Bildqualität des XDE-Players nur knapp hinter echtem HDTV. Je größer der
Bildschirm wird, um so deutlicher können aber HD-Medien ihre Vorteile
ausspielen, die meist auch sauberer komprimiert sind als DVDs.
Die Bildschärfe von DVDs ist nicht ganz auf dem Top-Niveau
eines Toshiba HD-XE1 oder Denon DVD-3930, aber auch nicht sehr weit davon
entfernt und für sein Geld bietet der XDE-Player eine enorme
Leistung. Während bei nicht aktiviertem XDE-Modus auf Anhieb erkennbar ist,
dass es sich bei der Bildquelle um eine DVD handelt, werden bei Aktivierung der
XDE-Modi zuvor etwas schwammige Konturen so verstärkt, dass sie eine Schärfe
erreichen, die fast echtes HDTV-Niveau bietet. Insbesondere im oberen Videofrequenzbereich wirkt das Bild deutlich detaillierter. In den drei Modi "Scharf","Farbe" und "Kontrast"
ist die Schärfe-Einstellung immer gleich. Zusätzlich zur Schärfe wird in den beiden anderen Bildmodi lediglich der Kontrast beziehungsweise die Farbsättigung noch zusätzlich angehoben.
XDE erhöht nicht generell die Schärfe des gesamten Bildes, sondern nur in
Bereichen, in denen durch Bildanalyse Konturen oder Details erkennbar sind.
Besonders wirkungsvoll ist die Technik bei Animationsfilmen in klassischer
Zeichentricktechnik, da hier Konturen der gezeichneten Linien meist sehr gut
erkannt werden.
Die Funktionsweise von XDE wird beim Betrachten z.B. von älteren Simpsons-Episoden
recht gut sichtbar, deren verschwommener Look durch eine Anhebung der Konturen deutlich verbessert wird.
Linien im Bild erscheinen wesentlich deutlicher
ohne dass auch in den Farbflächen eine Erhöhung der Schärfe zu beobachten
ist. Dadurch wirkt das Bild deutlicher plastischer aber auch nicht künstlich
überschärft. Doppelkonturen lassen sich beim Einsatz von XDE nur selten
beobachten.
Bildmaterial mit starkem Rauschen kann in dunklen Szenen ein leichtes Flackern einzelner
Bildbereiche verursachen. Auch das Rauschen stark verrauschter Szenen wird
teilweise verstärkt und fällt mehr auf als ohne XDE - was bei einer normalen Schärfeanhebung aber auch nicht anders wäre.
Der Kontrastmodus erhöht den Kontrast, was die Bilder plastischer wirken lässt, aber in dunklen Szenen werden teilweise Details reduziert.
Der Player bietet für den HDMI-Ausgang die Einstellmöglichkeiten Auto,
1080i und 1080p. 480p/576p und 720p sind nur manuell anwählbar, wenn die
XDE-Modi deaktiviert sind. Im Auto-Modus orientiert der Player sich
ausschließlich an den Informationen, die er vom Display erhält und die nicht immer korrekt sein müssen. Nur bei manueller Anwahl der Auflösung wird diese korrekt im Frontdisplay angezeigt.
Mit PAL-DVDs bietet XDE eine deutliche Bildverbesserung. Bei NTSC-DVDs ist
der Effekt aufgrund der Auflösung von nur 480 Zeilen anstelle von 576 aber
geringer wahrzunehmen. Dafür steht bei Einstellung des Players auf NTSC als zusätzlicher Wiedergabemodus
auch noch 1080p24 zur Verfügung. Dies ermöglicht es, auch bei der
DVD-Wiedergabe den Pulldown zu umgehen, der bei Kameraschwenks ansonsten für
etwas unruhige Bewegungen sorgt und stattdessen DVD sauber mit 24 Bildern pro
Sekunde laufen zu lassen, was bei NTSC-DVDs wie z.B. "Star Trek - Der
Aufstand" für ein deutlich ruhigeres Bild sorgt. Im Vergleich zu PAL-DVDs
bieten NTSC-DVDs auch hochskaliert aufgrund der geringeren Auflösung etwas
weniger Schärfe, aber dennoch eine sehr gute Bildqualität, die auch auf 50
Zoll-Fernsehern das Betrachten von NTSC-DVDs in guter Qualität ermöglicht.
Dennoch bringt die Technik für den Einsatz in den USA und Japan nicht ganz so
viele Vorteile wie in den PAL-Regionen.
Seine Grenzen erreicht die XDE-Technik bei DVDs mit starken Artefakten und
Letterbox-DVDs im NTSC-Format. Da auch MPEG2-Artefakte Konturen besitzen, kann
es sein, dass die Bilder schlecht komprimierter DVDs mit aktiviertem XDE noch
auffälligere Artefakte zeigen als im normalen Modus. Und bei Letterbox-DVDs im
NTSC-Format sind die Informationen im Bild so gering, dass die Verstärkung der
Schärfe und die Hochskalierung des Bildes stellenweise für leicht ausfransende
Konturen im
Bild sorgen.
De-Interlacing:
Das auf das Wesentliche reduzierte Setup-Menü des Toshiba XD-E500 bietet
keine Möglichkeiten, das De-Interlacing manuell einzustellen. Stattdessen
arbeitet der Player mit einer Automatik, die in der Praxis aber gut
funktioniert. Der integrierte De-Interlacer arbeitet mit einer automatischen Bewegungserkennung.
Nach einem Kapitelwechsel sind oft zwei bis drei Sekunden nötig, bis der Player den korrekten Modus erkennt.
Das ist aber ein Phänomen, welches nur auftaucht, wenn man gezielt nach
kritischen Passagen sucht und schnell Kapitel wechselt, nicht aber, wenn man sich ganz normal einen Film
ansieht. Meist arbeitet der Player im normalen Betrieb mit kritischen Szenen
sehr zuverlässig. Grosse Flächen mit Linien werden meist sauber dargestellt. Schwächen gibt es
lediglich bei schnellen Bildbewegungen nach oben und unten, die etwas zittrig wirken können und auch bei kleineren Strukturen ist ab und zu Flimmern zu sehen.
Diese kleinen Probleme machen sich in der Praxis aber nur sehr selten
bemerkbar. Für einen DVD-Player dieser Preisklasse ist das De-Interlacing ausgesprochen gut und auch mit drei DVDs, die viele Szenen bieten, in denen es
auf ein gutes De-Interlacing ankommt, produzierte der Toshiba so gut wie keine
Störungen:
Star Wars-Episode IV:
Der gelbe Schriftzug im Vorspann läuft Anfangs recht ruhig durch das Bild
und flimmert nur in den letzten Sekunden beim Lauf in Richtung Bildrand.
Bei den Sternenkreuzeranflügen in Kapitel 3 und 16 ist das De-Interlacing hingegen sauber.
Space Cowboys:
Das Bild zeigt eine zittrige Bewegung beim Kameraschwenk am Anfang von Kapitel 4. Die bewegte Bretterwand bei Laufzeit 01:39:37 wird hingegen störungsfrei dargestellt und auch die Jalousien am Anfang von Kapitel 12 zeigen kein Zittern.
Star Trek - Der Aufstand:
Die lange Kamerafahrt der Eröffnungssequenz zeigt nur ein leichtes Zittern. Die Häuserdächer am Anfang von Kapitel 2 werden absolut sauber dargestellt. Im weiteren Verlauf ist hingegen stellenweise
leichtes Kantenflimmern bei einzelnen Objekten zu beobachten.
DVD-Ton (HDMI)
Beim Digital-Ton beweist der Toshiba-Player ebenso seine Qualitäten. Den
Mehrkanalmix von "Tarzan" gibt der Player sehr räumlich wieder und bietet einen
sehr impulsiven Klang mit einer guten Feindynamik, die auch Einzelheiten
klanglich detailliert wiedergibt. Auch Musikaufnahmen wie Mylène Farmers
"Avant que l'ombre a Bercy" bieten auf dem Toshiba-Player einen
exzellenten Live-Charakter mit viel räumlicher Weite.

Preis-/Leistung:          
Fazit
Toshiba bietet mit seiner XDE-Technik eine hervorragende DVD-Bildqualität
zum niedrigen Preis. Da der Player recht effektiv nur Konturen und Details in
der Schärfe anhebt, gelingt es, ein wesentlich plastischeres Bild aus DVDs zu
gewinnen ohne dass das Bild durch Doppelkonturen unangenehm auffällt.
Interessant ist der Player vor allem für Besitzer umfangreichender
DVD-Sammlungen, die nicht alle Filme noch einmal neu auf Blu-ray Disc kaufen
möchten. Gerade auf kleinen Bildschirmen mit Bilddiagonalen von weniger als 42
Zoll kommt der Player schon recht nah an richtige HDTV-Qualität heran. Besitzer
von großen Bildschirmen und Projektoren werden hingegen die Limits dessen, was
XDE erreichen kann, schon deutlicher erkennen. Wünschenswert wären auch etwas
genauere Einstellmöglichkeiten der XDE-Parameter, um die Wiedergabe noch etwas
genauer optimieren zu können.
Pro:
-
Extrem scharfes DVD-Bild
-
Gutes De-Interlacing
Contra:
-
Keine Einstellmöglichkeiten für XDE-Bildparameter
-
In der Dunkelheit schlecht ablesbare Fernbedienung
Produkt-Infos/Support im Internet:
www.toshiba.de
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