TV-Sender im Test: Die Bildqualität von ARD, ZDF, RTL & Co.
28.01.2008 Autor: Karsten Serck
In den Tests von AREA DVD finden Sie laufend die Empfehlungen für die besten
TV-Geräte und die DVDs, die das Optimum an Bildqualität bieten. Doch selbst
der größte DVD-Fan wird ab und zu auf das normale TV-Programm umschalten.
Daher stellt sich die Frage: Wie sieht eigentlich die technische Qualität der
TV-Sender aus? Ist unserer "Fernsehen" wirklich sehenswert? Wir gehen
dieser Frage erneut nach und analysieren das TV-Programm der großen deutschen
TV-Sender auf seine Bildqualität.
Im Sichttest haben wir die wichtigsten TV-Programme untersucht. Um die
Beobachtungen möglichst nachvollziehbar zu machen, haben wir uns auf eine
Analyse der frei empfangbaren Satelliten-Programme beschränkt, denn die sind
bundesweit in identischer Qualität empfangbar, während beim Kabel-Empfang die
technische Infrastruktur der Netzbetreiber höchst unterschiedlich ist und auch
bei DVB-T von Region zu Region unterschiedliche TV-Programme in
unterschiedlicher Qualität ausgestrahlt werden.
Der Anspruch, den wir bei der Bewertung erheben, ist zugegebenermaßen recht hoch gesetzt, aber in Zeiten von DVD
und HDTV sollten die Sender auch aus eigenem Interesse ihren Zuschauern eine
Qualität bieten, die zum Einschalten verleitet, damit nicht immer mehr
Zuschauer TV-Serien wie "24" nur noch auf DVD konsumieren. Da
fast sämtliche neuen Flachbildschirme nur noch im 16:9-Format verkauft werden,
werfen wir außerdem einen Blick auf den Programmanteil der im bildfüllenden
16:9-Format ausgestrahlten Sendungen.
Das Erste
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 5.5 Mbps
Das Hauptprogramm der ARD wird seit Mitte 2006 mit einer hohen, dynamischen Video-Bitrate von mehr als 5 Mbps
ausgestrahlt und bietet eine Qualität, die häufig sogar über DVD-Niveau liegt. Insbesondere die
Studio-Produktionen zeigen ein sehr scharfes Bild mit optimal abgestimmten
Farben und Kontrast. Konturen werden sehr scharf gezeichnet und Details sind
sehr deutlich zu erkennen. Artefakte machen sich selbst bei dynamischen
Bildinhalten kaum bemerkbar.
Die ARD strahlt seit 2007 den Großteil ihrer Eigenproduktionen in 16:9 aus.
Nur noch wenige Sendungen sind noch im alten 4:3-Format zu sehen. Um so
verwunderlicher ist es, dass ausgerechnet bei Spielfilmen selbst jüngeren
Datums 16:9 noch nicht selbstverständlich ist. Auch die Sonderkanäle EinsExtra,
EinsPlus und EinsFestival bieten ebenso wie die meisten dritten Programme einen
großen 16:9-Anteil. Aufgrund der niedrigeren Bitraten sind bei diesen Sendern
aber teilweise deutlich mehr Artefakte als im ARD-Hauptprogramm zu sehen.
Der HDTV-Start der ARD ist erst für 2009/2010 geplant. Nachdem zur IFA 2007
bereits ein kurzes Testprogramm in HDTV ausgestrahlt wurde, sind bis 2010 noch
weitere Tests dieser Art geplant. Die ARD wird ihr HDTV-Programm in 720p
ausstrahlen. Zunächst soll ein gemeinsamer Sat-Transponder mit dem ZDF genutzt
werden. Im Jahresverlauf 2011 sollen dann nach und nach zwei eigene
ARD-Transponder für HDTV aktiviert werden. Für eine Kabelausstrahlung des
ARD-Programms in HDTV gibt es derzeit noch keinen Termin.
Gesamtnote: Sehr Gut
ZDF
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 6 Mbps
Das ZDF wird mit einer sehr hohen und extrem dynamischen Bitrate
gesendet, die teilweise Spitzen von 8 Mbps erreicht. Im Mittel geht die Bitrate
selten unter 5 Mbps und bewegt sich meist um die 6 Mbps. Bildschärfe, Farben
und Kontrast liegen auf gleich gutem Niveau wie bei der ARD. Die Kompression ist noch
ein wenig feiner und zeigt selbst bei grobkörnig verrauschten Spielfilmen nur
extrem selten Artefakte.
Das ZDF war schon seit Jahren Vorreiter in Sachen 16:9. Seit 2007 werden
praktisch alle Eigenproduktionen ist 16:9 ausgestrahlt und selbst auf dem
Kinderkanal KiKa sind inzwischen schon einige Sendungen in 16:9 zu sehen. Spielfilme
werden ebenfalls zum Großteil in 16:9 gezeigt.
Für 2010 ist der Start des HDTV-Simulcast des ZDF via Satellit geplant.
Ebenso wie die ARD will auch das ZDF ihr HDTV-Angebot in 720p ausstrahlen. Ob es vor
dem HDTV-Start noch öffentliche Tests des ZDF zu einzelnen Events geben wird,
ist derzeit offen. Bislang hat man sich beim ZDF dagegen ausgesprochen, schon
vorab ein Testprogramm in HDTV auszustrahlen.
Gesamtnote: Sehr Gut
RTL Television
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 4 Mbps
Das Hauptprogramm der RTL-Gruppe leidet unter einem nur mittelmäßigen
Video-Encoding, welches die Konturen immer etwas aufweicht und somit die
Schärfe des Bildes reduziert. Selbst bei der WM 2006 konnte RTL mit einer kurzzeitig erhöhten
Videobitrate qualitativ nicht mit der ARD und dem ZDF gleichziehen. Die Bitrate
ist sehr dynamisch und erreicht häufiger auch Spitzenwerte um die 6 Mbps.
Unabhängig von den aktuellen Bitraten ist im Bild aber fast immer leichtes
Blockrauschen zu erkennen, welches ab und zu auch für richtig deutliche
Artefakte sorgt. Der Kontrast ist bei RTL sehr hoch, die Farben wirken aber
meist so kühl wie die Moderation von "Explosiv".
16:9 war jahrelang bei RTL ein Fremdwort, selbst Spielfilme wurden im Pan
& Scan-Format oder nur mit leichten "Balken" gezeigt. Das hat sich
seit der Fußball-WM 2006 aber geändert. Seitdem waren schon 2006 immer häufiger Spielfilme und
internationale TV-Serien in 16:9 auf RTL zu sehen, was bei neueren Produktion
inzwischen schon fast Standard geworden ist. Zum Jahreswechsel 2007/2008 hat RTL damit begonnen, neben eingekauften Serien
wie "CSI" oder "Prison Break" nach und nach auch immer mehr
Eigenproduktionen in 16:9 auszustrahlen. Ob neue TV-Serien wie
"Herzog" oder Trash-Formate wie "Ich bin ein Star - Holt mich
hier raus": 16:9 ist bei RTL inzwischen auf dem Vormarsch und macht bereits
einen Programmanteil von rund 20 Prozent aus. Ab Herbst 2008 will RTL auch die
Nachrichten in 16:9 zeigen und mit dem Umzug in ein neues Sendezentrum in Köln
2009 sein Programm komplett auf 16:9 umstellen. Planungen für HDTV gibt es derzeit
noch nicht.
Gesamtnote: Befriedigend
RTL II
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 3.5 Mbps
Das zweite Programm von RTL hat in den letzten Jahren inhaltlich an Profil
gewonnen und ist inzwischen vor allem die Heimatadresse für TV-Produktionen wie "24" oder "Stargate: Atlantis" geworden.
Immer mehr internationale TV-Serien sind bei RTL II (ebenso wie beim weiteren
RTL-Ableger VOX) auch in 16:9 zu sehen, selbstverständlich ist dies aber noch
nicht.
Qualitativ ist die Bildqualität etwas schlechter als beim
RTL-Hauptprogramm. Das Bild ist nicht immer übermäßig kontrastreich. Das Bild
wirkt etwas unscharf und zeigt immer ein leichtes Blockrauschen. Obwohl die
Bitrate bei RTL II nur etwas geringer als die des RTL-Hauptprogramms ist, macht
sich dennoch ein sichtbarer Unterschied bemerkbar. Selbst bei langsamen Bewegungen treten schnell Artefakte auf
und sogar die konturreichen Texteinblendungen wirken bei RTL II häufig unscharf.
Gesamtnote: Ausreichend-Befriedigend
Sat.1 / ProSieben
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 4 Mbps
Die Bewertung von ProSieben und Sat.1 haben wir zusammengefasst, denn die
Bildqualität beider Programme liegt auf einem annähernd gleichen Niveau. Gerade die
Live-Produktionen wirken sowohl farblich als auch vom Kontrast sehr gut
abgestimmt und bieten ein sehr angenehmes Bild. Die Kantenschärfe ist gut und
auch Details lassen sich verhältnismäßig gut erkennen. Die sehr dynamische
Kompression bewegt sich zwischen weniger als 1 Mbps und Maximalwerten von bis zu
7 Mbps. Artefakte sind bei genauem
Hinsehen zwar zu erkennen. Deutlich auffallen tun sie allerdings nur selten.
Selbst bei sehr dynamischen Bildern verhält sich die Kompression noch recht
stabil. Bei schnellen Bewegungen wirkt das Bild allerdings etwas verschmiert.
16:9 macht bei ProSiebenSat.1 langsame Fortschritte ist aber immer noch nicht
selbstverständlich. Zwar sendet man über die
beiden Ableger ProSieben HD und Sat.1 HD sogar einige Programme in HDTV, die
normalen Hauptprogramme profitieren davon aber meist noch nicht. Wenn z.B. "Navy
CIS" auf Sat.1 HD im korrekten 16:9-Format zu sehen ist, läuft die Serie
im normalen Sat.1-Programm nur mit Letterbox-Balken. Hin und wieder werden aber
z.B. Sport-Events in 16:9 gezeigt und auch immer mehr Eigenproduktionen wie z.B.
"TV Total" sind bei ProSieben im 16:9-Format zu sehen.
Gesamtnote: Befriedigend-Gut
3sat
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 5 Mbps
Der Dreiländer-Kanal mit dem umfangreichen Magazin-, Kultur- und
Dokumentationsangebot sendet auf dem gleichen
Sat-Transponder wie das ZDF und bietet trotz etwas niedrigerer Bitrate fast die
gleiche Bildqualität, auch wenn Artefakte in leichtem Maße ab und zu im Bild
zu erkennen sind. Der traditionell hohe 16:9-Anteil macht
sich insbesondere im Magazin- und Dokumentationsbereich bemerkbar, aber auch
Filme werden in 16:9 gezeigt. Das abendliche Magazin "Kulturzeit" wird bereits
seit Jahren in 16:9 produziert und bietet ebenso wie das Wissenschafts-Magazin "nano"
Studio-Qualität auf Referenz-Niveau.
Gesamtnote: Gut-Sehr Gut
arte
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 3 Mbps
Nachdem arte längere Zeit nur in der französischen Version über die
Sat-Position 5° West in richtigem 16:9 zu sehen war, wird seit 2007 auch die
deutsche arte-Version via Astra 19.2° Ost in 16:9 ausgestrahlt. Da das Programm
des Senders zum Großteil aus Dokumentationen besteht, die in 16:9 gedreht
wurden, ist dies nur ein konsequenter Schritt. Auch die Bildqualität von arte
hat sich durch den Wechsel auf 16:9 verbessert, da jetzt ohne Umwege direkt das
Digital-Signal aus dem Sendezentrum auf den Satelliten geht. Da auf dem
ARD-Transponder "Das Erste" Priorität hat und auch noch mehrere
dritte Programme übertragen werden, muss sich arte mit einer Bitrate um die 3
Mbps begnügen. Im Bild ist häufiger leichtes
Blockrauschen zu erkennen. In Anbetracht der niedrigen Bitrate ist das Encoding
aber immer noch akzeptabel. Die Bildschärfe könnte allerdings auch noch etwas besser sein.
Gesamtnote: Befriedigend-Gut
n-tv
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 3.5 Mbps
Der Nachrichtensender der RTL-Gruppe mag sich zwar mit seiner intensiven
Börsenberichterstattung an eine besser betuchte Zielgruppe richten, strahlt
aber selbst keinen Hauch von Luxus aus. Die Signalzuführung zum Satelliten
erfolgt dem Augenschein nach immer noch analog, aber selbst das analoge
TV-Signal von n-tv auf Astra sieht deutlich besser aus. Kleine weiße Schriften
auf dem Bildschirm flimmern stark - ein Kammfilter, wie er bei modernen
TV-Geräten üblich ist, scheint hier nicht zum Einsatz zu kommen, obwohl gerade
die beiden Laufbänder am unteren Bildschirmrand extrem unleserlich werden.
Auch die rote Signalfarbe des n-tv-Logos verläuft sichtbar. Schärfe hat das Bild von n-tv
selbst bei den Live-Sendungen aus dem Studio kaum zu bieten. Obwohl n-tv mit
voller PAL-Auflösung sendet, möchte man dies nicht glauben. Das Bild wirkt
meist verschwommen. Die Moderatoren könnten ruhig unrasiert vor der Kamera erscheinen - der
TV-Zuschauer würde es wahrscheinlich nicht einmal bemerken. Artefakte stellen keine Ausnahme dar, sondern erscheinen als
Dauerzustand, der sich am Fernseher nur mit starken MPEG2-Rauschfiltern beseitigen lässt -
die das Bild anschließend noch flacher und ausgewaschen erscheinen lassen. Die
Farben und der Kontrast sind bei n-tv sehr unterschiedlich. Während die
Live-Sendungen aus dem Studio noch verhältnismäßig kontrastreich sind, so
wirkt das Bild gerade bei den Schaltungen zur Börse nach Frankfurt meist etwas
dunkel und auch die Farben wirken immer etwas unnatürlich. Immer besteht die
Hoffnung, dass sich nach Jahren dieses Dauerzustands auch die Bildqualität von
n-tv durch den Wechsel in das neue RTL-Sendezentrum ab 2009 verbessern wird.
Gesamtnote: Mangelhaft
N24
- Auflösung: 720 x 576 Pixel
- gemessene Video-Bitrate: ca. 4.5 Mbps
Der n-tv-Konkurrent von ProSiebenSat.1 hat bildtechnisch die Nase vorn. Die
Kompression ist extrem dynamisch. Von weniger als 1 Mbps bis zu 7 Mbps bewegt
sich die Bitrate in Sekundenschnelle. Sie pendelt sich im Schnitt im Bereich von
4.5 Mbps ein. Trotzdem ist gerade in Flächen und bei ganz schnellen Bewegungen
häufiger Blockrauschen zu sehen. Auch die Text-Einblendungen werden häufiger
von leichten Artefakten umrandet. Normalerweise fällt die Kompression aber nur
in geringem Umfang durch kleine Artefakte auf. Die Bilder aus dem Studio wirken
mit ihrem hohen Kontrast und den kräftigen Farben sehr plastisch. Die
Bildschärfe ist ebenfalls ordentlich. Konturen werden gut gezeichnet,
lediglich Details kommen nicht sehr deutlich zur Geltung. Trotz der kleineren
Schriften als bei n-tv sind die Börsenkurse bei N24 deutlich besser abzulesen.
Der Newsticker läuft sehr ruhig auf dem Laufband entlang.
Gesamtnote: Befriedigend-Gut
Fazit:
Qualitativ hat sich in technischer Hinsicht seit unserem Überblick vor rund
einem Jahr nur wenig in der deutschen TV-Landschaft getan. ARD und ZDF bieten
mit ihren Hauptprogrammen eine deutlich bessere Bildqualität als die Konkurrenz
der Privatsender. Das sollte in Anbetracht der Gebühren, die die
Öffentlich-Rechtlichen-Sender kassieren, aber auch selbstverständlich sein.
Viele dritte Programme werden hingegen noch etwas vernachlässigt und bieten
qualitativ zu den Privatsendern nur einen geringen Vorsprung.
Positiv ist zu beobachten, dass 16:9 bei den Öffentlich-Rechtlichen
TV-Sendern mittlerweile Standard ist und selbst die Privatsender inzwischen
immer mehr Programme in 16:9 zeigen. Hier ist die RTL-Gruppe inzwischen sogar
schon der Konkurrenz von ProSiebenSat.1 etwas voraus, die zwar einzelne
Sendungen sogar in HDTV via Satellit ausstrahlt, diese im normalen Programm aber
nur selten in 16:9 zu sehen sind.
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