AREA DVD-TEST: Pinnacle Video Transfer - Der MPEG4-Video-Encoder für Dummies 

30.01.2008 Test: Karsten Serck

Das Gerät

Test-Update am 03.02.2008 (siehe unten)

Während sich in den Neunziger Jahren MPEG2 als Video-Standard für DVD und digitales Fernsehen etablierte, wurden in den letzten Jahren verschiedene Video-Codecs entwickelt, die noch wesentlich effizienter Video-Daten komprimieren. Gleichzeitig ist man nicht mehr an bestimmte Datenträger wie Videobänder oder Scheiben wie DVDs zum Anfertigen eigener Aufnahmen gebunden. Stattdessen unterstützen immer mehr Geräte wie z.B. die Playstation 3 von Sony oder die Xbox 360 von Microsoft auch das direkte Abspielen von Dateien, die auf Festplatten und Speichersticks abgelegt werden können. Eines der Videoformate, die inzwischen von vielen Geräten unterstützt werden, ist MPEG4. Die Kehrseite des effizienten Video-Codecs ist allerdings die Erstellung der Dateien. Wandelt man vorhandene Aufnahmen in MPEG4 um, so erfordert dies einen schnellen Recher und dauert zudem meist noch recht lang. Um so besser wäre es, wenn man die Möglichkeit hätte, Aufnahmen direkt in MPEG4 vornehmen zu können. 

Genau zu diesem Zweck hat Pinnacle seinen neuen "Video Transfer" konzipiert, der in Deutschland für 129 EUR verkauft wird. Die kompakte Box ist ein Hardware-Encoder, der aus analogen Video-Signalen MPEG4-Dateien erzeugt und direkt auf einem USB-Speicher ablegt. Ebenso ist es möglich, die Video-Dateien direkt auf einem iPod oder der PSP von Sony abzuspeichern. Je nachdem, was für ein Gerät angeschlossen ist, verwendet der "Video Transfer" unterschiedliche Profile, die dem Verwendungszweck angepasst sind. Die Box benötigt keinen PC. Man benötigt nur ein Audio-Video-Signal, welches von einem FBAS- oder S-VIDEO-Ausgang bezogen wird, einen USB-Speicher und eine Steckdose für das kompakte 5V-Netzteil. Die Bedienung ist idiotensicher. Drei Leuchtdioden zeigen die Qualitätsstufe an, die sich per Knopfdruck auf die "Mode"-Taste zwischen drei Einstellungen wechseln lässt und per Druck auf die "REC"-Taste wird die Aufnahme gestartet und gestoppt. Selbst Firmware-Updates sind ein Kinderspiel. Einfach die Firmware-Datei auf den USB-Stick kopieren, Gerät einschalten und schon wird die Firmware aktualisiert. Im Lieferumfang befindet sich ein SCART-Video-Adapter-Kabel. Ein S-Video-Kabel ist allerdings nicht dabei.

Die Aufnahme-Profile

Insgesamt gibt es neun verschiedene Profile. Die maximale Auflösung ist PAL (720 x 576 Pixel). Für die Verwendung auf iPod und PSP gibt es reduzierte Auflösungen von 320 x 240 oder 640 x 480 Pixeln. Auf USB-Festplatten erstellte Video-Dateien lassen sich aber auch auf dem iPod abspielen, sogar mit PAL-Auflösung. Die Aufnahmestufen unterscheiden sich sowohl durch die Auflösung als auch die unterschiedliche Bitrate. Die maximale Video-Bitrate liegt bei 1.5 Mbit/s.

iPod:

* Gut: 320x240 512 kbit/s 96 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 320x240 768 Kbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 640x 480 1,5 Mbit/s 128kbit/s Audio 48 KHz


PSP:

* Gut: 320x240 512kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 320x240 768kbit/s 96 kBit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 320x240 1 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz


HDD/Flashspeicher:

* Gut: 320x240 768kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 640x 480 1.2 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 720x576 PAL/Secam 720x480 NTSC 1.5 Mbit/s 192kbit/s Audio 48 KHz

Bildqualität

Die Aufzeichnung erfolgt so einfach wie vom Hersteller versprochen. Man muss einfach eine Videoquelle und einen USB-Speicher anschließen und die Aufahme per Knopfdruck starten und stoppen. Nach der Aufzeichnung lassen sich die durchnummerierten MP4-Dateien bequem vom USB-Stick übertragen. Das Bildseitenverhältnis der Aufnahmen ist immer 4:3. Eine 16:9-Erkennung ist nicht vorhanden. Zeichnet man aus dem Digitalfernsehen anamorph ausgestrahlte 16:9-Sendungen auf, so lassen sich die Aufnahmen daher nur im korrekten Format betrachten, sofern das Abspielgerät hierfür eine Einstellmöglichkeit bietet.

Die Aufnahmen mit 320 x 240 und 640 x 480 Pixeln bieten für ihren Anwendungszweck eine gute Qualität. Das Bild ist etwas weich. Auf dem Mini-Display eines iPod oder Handies sind Einzelheiten aber deutlich zu erkennen und es fallen auch kaum Artfakte auf. Auf YouTube kann man von dieser Qualität nur träumen.

Beim Betrachten der Aufnahmen mit voller PAL-Auflösung von 720 x 576 Pixeln auf einem Fernseher ergibt sich indes ein anderes Bild. Solange in der Aufnahme wenig Bewegung ist, wirkt das Bild sehr sauber und zeigt kaum Artefakte. Auch PAL-Aufzeichnungen wirken etwas soft. Die Qualität liegt aber über VHS-Niveau und würde somit trotz eines erkennbaren Qualitätsunterschieds zum Original noch passabel sein. Allerdings treten bereits bei wenig Bewegung im Bild schnell Artefakte auf. Einzelne bewegte Objekte wirken so, als ob sie regelrecht zerbröselt werden und bei viel Dynamik im Bild wird das Bild schnell breiig. Hier kommt der Encoder mit einer maximalen Bitrate von gerade einmal 1.5 Mbit/s schnell an seine Limits, weswegen es bedauerlich ist, dass keine Aufzeichnungs-Profile mit höheren Bitraten zur Verfügung stehen. Zum Aufnehmen von Sendungen, die nur einmal geschaut und dann wieder gelöscht werden, reicht es, aber zur dauerhaften Archivierung ist diese Qualität zu schlecht.

Update: 

Über einen in der Produkt-FAQ beschriebenen Trick lässt sich ein USB-Aufnahmemodus mit einer Bitrate von 2,5 MBit/s aktivieren, indem im Root-Menü oder VIDEO-Menü des USB-Speichers eine leere Datei namens "best.txt" angelegt wird. Mit dieser verbessert sich die Kompression zumindest soweit, dass nicht bereits bei geringfügigen Bewegungen Artefakte auftauchen. Zumindest eher statische Bilder z.B. von Studiomoderationen erhalten somit ein bis auf leichtes Blockrauschen recht ordentlich komprimiertes Bild, welches aber im Vergleich zum 1.5 MBit/s-Aufnahmemodus auch nicht viel mehr Schärfe bietet. Bei deutlicheren Bewegungen treten auch wieder schnell Artefakte auf. Beim Abspielen dieser Aufnahmen auf der Playstation 3 und der Xbox 360 machen sich außerdem De-Interlacing-Probleme bemerkbar. Bei der PC-Wiedergabe mit dem VLC Media-Player lassen sich diese im Modus "Angleichen" zwar reduzieren, allerdings verliert das Bild dadurch auch an Schärfe.

 

Fazit

Vielfach gibt es in Massenmedien Beschwerden darüber, dass die heutige Unterhaltungselektronik zu kompliziert sei. Dies trifft auf den "Pinnacle Video Transfer" keineswegs zu, denn die Bedienung ist wirklich idiotensicher. Flexibel und ganz ohne PC fertigt das Gerät aus beliebigen Videoquellen MPEG4-Video-Dateien an. Dabei scheinen die Entwickler den Focus auf den Einsatz für mobile Geräte gelegt zu haben, für deren Mini-Auflösungen Videos in guter Qualität erzeugt werden. Leider sind die in PAL erzeugten MPEG4-Dateien für den Einsatz auf dem Fernseher aber nur eine Notlösung, da bei Bewegungen schnell starke Artefakte auftreten. Selbst der "Best"-Modus ist hier noch nicht ganz optimal. Daher sollte Pinnacle noch einmal nachbessern und ein Video-Profil für PAL mit einer sauberen Kompression bei höheren Bitraten und vielleicht noch einen Timer-Modus hinzufügen. Dann hätte der "Video Transfer" richtiges Hit-Potential, weil er auf einfachem Wege jeden Sat-Receiver und Video-Recorder in eine MPEG4-Aufzeichhnungsmaschine verwandeln könnte.

Preis-/Leistungsverhältnis: 5/10
Pro:
  • Video-Encoding von praktisch allen analogen Video-Signalen in Standard-Auflösung
  • Kein PC zur Bedienung erforderlich
  • Idiotensichere Bedienung
Contra:
  • Kein S-Video-Kabel im Lieferumfang
  • Kompressionsartefakte bei Bewegungen
  • Keine 16:9-Erkennung
Produkt-Infos/Support im Internet:

www.pinnaclesys.de

Ausstattung (Angaben in Englisch):

Eingänge

* Composite-Video: 1x RCA (PAL-SECAM-NTSC)
* S-Video: 1x Y/C (PAL-SECAM-NTSC)
* Stereo-Audio: 2x RCA


Einspielformat:

* H.264


USB-Ausgabe (Geräte nicht enthalten):

* Flash-Speicher-Stick (USB 2.0)
* USB 2.0-Festplattenlaufwerk (nur FAT32)
* Sony™ PSP®
* Apple® iPod® Video


Aufnahmequalität:
iPod®:

* Gut: 320x240 512 kbit/s 96 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 320x240 768 Kbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 640x 480 1,5 Mbit/s 128kbit/s Audio 48 KHz


PSP®:

* Gut: 320x240 512kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 320x240 768kbit/s 96 kBit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 320x240 1 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz


HDD/Flashspeicher:

* Gut: 320x240 768kbit/s 64 kbit/s Audio 48 KHz
* Besser: 640x 480 1.2 Mbit/s 128 kbit/s Audio 48 KHz
* Am Besten: 720x576 PAL/Secam 720x480 NTSC 1.5 Mbit/s 192kbit/s Audio 48 KHz


Packungsinhalt:

* Pinnacle Video Transfer-Hardware
* Audio/Videokabel 3x RCA
* SCART-Adapter (nur EU)
* Netzteil (110 – 230 V)
* Schnellstartanleitung