PRAXIS: Netzwerk-Multimedia-Streaming mit der FRITZ!Box Fon WLAN 7270

30.03.2008 Autor: Karsten Serck

Multimedia und Netzwerk sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Heimkino-Komponenten bieten die Möglichkeit, Musik und Video aus einem Netzwerk wiederzugeben. Das Zauberwort heißt "UPnP" und verbindet über LAN und WLAN nicht nur Computer sondern auch moderne AV-Receiver, Spielekonsolen wie die Xbox 360 oder Playstation 3 sowie Blu-ray Disc-Player wie den Pioneer BDP-LX70A in einem Heimnetzwerk.

Etwas umständlicher gestaltet sich der praxisgerechte Aufbau dieses Netzwerks, da man zunächst erst einmal einen Medien-Server braucht, der die Dateien im Netzwerk bereit stellt. Software-technisch ist das kein großes Problem. Denn jeder Windows-User mit aktuellem Windows Media-Player hat einen UPnP-Server bereits auf seinem Rechner und auch zahlreiche andere Programme wie z.B. "TwonkyMedia" bietet diese Funktion.

In der Praxis ist der 24 Stunden-Betrieb eines Media-PC aber ziemlicher Unsinn, da dieser gewöhnlich viel zu stromhungrig für die simple Aufgabe ist, Dateien über das Netzwerk zu übertragen. Daher gibt es für diesen Zweck schon seit längerer Zeit stromsparende NAS-Systeme, die eine Art Festplatte mit Netzwerkanschluss sind. Mittlerweile geht es aber noch einfacher, weil eine Streaming-Funktion inzwischen auch direkt in einige WLAN-Router integriert wird. Zu den ersten Modellen mit dieser Funktion gehört das neueste Modell der populären Fritz!Box-Serie. Die FRITZ!Box Fon WLAN 7270 ist seit kurzem erhältlich und verfügt über einen integrierten UPnP-Server. Mit der Fritz!Box verbundene USB-Speichermedien können in das Netzwerk integriert werden.

Die Fritz!Box-Ausstattung

Das UPnP-Media-Streaming ist nur eine der vielen Funktionen der FRITZ!Box Fon WLAN 7270. In den DSL-Router integriert ist ein WLAN mit Unterstützung der Standards 802.11g, b und a. Vorbereitet ist die Box auch für das neue WLAN 802.11n (Draft 2.0, bis 300 MBit/s Brutto). Die Fritz!Box lässt sich so einstellen, dass die Sendeleistung des WLANs automatisch entsprechend des Bedarfs reduziert wird. Sie fungiert auch als Telefonanlage für analoge und ISDN-Anschlüsse mit Voice over IP-Telefonie. Die Basis-Konfiguration ist sehr einfach. Lediglich die Benutzer-Nummer und das Kennwort des DSL-Anbieters sind einzugeben und die Box ist betriebsbereit. Auch die Voice over IP-Nummern werden auf die Box übertragen sofern der DSL-Anbieter diese Funktion unterstützt. Drahtlose DECT-Telefone können direkt an der Fritz!Box betrieben werden, womit auf eine separate Basis-Station verzichtet werden kann. Auch ein Anrufbeantworter ist integriert.

Die Fritz!Box im Einsatz als Media-Server

Mit der zum Zeitpunkt des Tests aktuellen Firmware-Version 54.04.55 unterstützt die FRITZ!Box Fon WLAN 7270 ausschließlich das Streaming von Musik-Dateien. Unterstützt werden die Formate WAV, MP3 und WMA. AAC-Audio-Dateien, wie sie z.B. von Apples iTunes verwendet werden, unterstützt die Fritz!Box nicht.

Für den USB-Speicher hat der Benutzer Lese-Schreibzugriff im gesamten Netzwerk. Das Netzlaufwerk wird in einem Windows Netzwerk ähnlich wie eine Festplatte behandelt und über \\fritz.box erreichbar. Ist ein USB-Speicher mit der Box verbunden und die UPnP-Musikbox aktviert, so wird im Hintergrund der Datentransfer auf dem USB-Speicher kontrolliert und Änderungen sofort in die Datei mediasrv.db aufgenommen. Aus dieser Datenbank baut die Box die Titelliste für den UPnP-Media-Server auf. Die Box erkennt auch Musikdateien in Unterordnern.

Die Stromversorgung der USB-Buchse eignet sich für USB-Sticks, lieferte im Test aber nicht genügend Strom für 2.5 Zoll-USB-Festplatten. Selbst USB-Platten mit geringer Stromaufnahme ließen sich nicht direkt betreiben sondern erforderten ein separates Netzteil, was das schnelle und unkomplizierte Anschließen und Auswechseln von USB-Festplatten behindert. Ansonsten zeigt sich der USB-Anschluss flexibel. Bei einer direkt verbundenen TrekStor-Festplatte mit integriertem USB-Hub wurden auch die weiteren angeschlossenen USB-Geräte erkannt.

Im UPnP-Client erscheint die Fritz!Box als "AVM Fritz!Musikbox". Für die WLAN-Funktionalität standen UPnP-Media-Clients mit 802.11 b/g-WLAN zur Verfügung. Das integrierte WLAN konnte innerhalb einer geschlossenen Wohnung mit 802.1 b/g keinen Reichweitengewinn gegenüber einer älteren FRITZ!Box Fon WLAN 7050 erzielen. Die Signalstärke durch eine Wand mit rund 15 m Abstand zwischen Router und Empfänger war auch mit deaktivierter Sendeleistungsanpassung nahezu identisch. Während die FRITZ!Box Fon WLAN 7050 trotz schwachen Signals eine WLAN-Verbindung mit der Playstation 3 herstellen konnte, gelang mit der FRITZ!Box Fon WLAN 7270 keine Zuweisung der IP-Adresse. Auch ein Terratec Noxon Audio 2 verhielt sich selbst auf kurze Distanz schlechter mit der neuen im Vergleich zur alten Fritz!Box und signalisierte häufiger nach dem Einschalten Netzwerkprobleme, die einen Neustart erforderten.

Ähnliche Probleme tauchten auch mit dem UPnP-Streaming auf. Selbst dann, wenn Fritz!Box und Client direkt über ein Netzwerkkabel verbunden waren, wurde die Box von einigen Geräten trotz aktivierter automatischer Portfreigabe überhaupt nicht erkannt. Die Playstation 3 erkannte auch über LAN die Fritz!Box nicht. Gleiches gilt für die Xbox 360. Ein Yamaha RX-V3800 erkannte zwar den Server, zeigte aber in der Navigations-Struktur keine Titel an. Am besten funktionierte die Kommunikation mit einem Terratec Noxon Audio 2, welches sehr schnell den Server erkannte und auch die Titelnavigation durch die Menüs recht flink handhabte. Auch beim Abspielen der Musik gab es mit dem Terratec Noxon Audio 2 keine Aussetzer.

Fazit

AVMs Fritz!Box ist in den letzten Jahren zu einer "eierlegenden Wollmilchsau" geworden. Die aktuellen Modelle bieten Funktionen, für die bis vor kurzem noch viele einzelne Geräte erforderlich waren. Als Media-Server bietet die FRITZ!Box Fon WLAN 7270 eine Menge Potential. Einfacher kann man sich einen Streaming-Server nicht vorstellen, der direkt in den Router als Herz eines internen Netzwerks integriert ist. 

Leider gelang uns im Test nur mit wenigen Multimedia-Clients eine Kontaktaufnahme. Kam eine Verbindung zustande, so funktionierte das Streaming über die Fritz!Box aber schnell und zuverlässig. Der ideale Streaming-Server ist die Fritz!Box dennoch nicht, da sie aktuell nur die populärsten Musikformate aber keine Videos und Bilder übertragen kann. Die schwache Stromausgabe am USB-Port sorgt außerdem dafür, dass aktuell primär USB-Sticks ohne externe Stromversorgung betrieben werden können. 

Da AVM traditionell einen guten Software-Support bietet, ist zu hoffen, dass Streaming-Funktionalität noch verbessert wird. Auf der Wunschliste stehen die Erweiterung auf Video-Streaming und eine größere Anzahl unterstützter Formate. Auch die Möglichkeit der direkten Einbindung von Internet-Radio oder Video-Streams in den Media-Server wäre ein sinnvolles Feature.

Pro:
  • Preiswerte All in One-Lösung mit umfangreicher Ausstattung
  • Einfache Handhabung
Contra:
  • Kein Video-Streaming
  • Kein AAC Audio-Streaming
  • Kompatibilitätsprobleme mit verschiedenen Audio-Clients
  • USB-Port mit geringer Stromaufnahme
Ausstattung und Technik (Herstellerangaben)

Leistungen auf einen Blick

- VoIP-Telefonanlage für das Telefonieren und Surfen über DSL
- Paralleles Nutzen von Festnetz- und Internet-Telefonie mit analogen Telefonen
- Leistungsfähiges DSL-Modem für ADSL und ADSL2+
- Integrierter DSL-Router für die Internetverbindung zu einem und mehreren Computern
- Traffic Shaping für optimale Sprach- und Datenübertragung
- Erhöhte Internet-Sicherheit durch integrierte Firewall
- Enthält leistungsfähiges DSL-Softwarepaket FRITZ!DSL
- Weitere Computer über Switch/Hub anschließbar (Netzwerk)

Telefonanlage für Internet-Telefonie und Festnetz
- Zwei analoge Nebenstellen frei konfigurierbar
- Verwaltung von bis zu 10 Internet-Rufnummern (SIP-Accounts)
- Den Nebenstellen einer angeschlossenen ISDN-TK-Anlage lassen sich individuell Internet-Rufnummern zuweisen
- TK-Leistungsmerkmale auch für Internet-Telefonie nutzbar
- Wahlregeln für individuelle Nutzung von Internet-Telefonie und Festnetz
- Gemeinsame Rufnummernverwaltung für Internet- und Festnetznummern
- Kurzwahlen, Rufnummernsperre etc.
- Durchwahlfunktion (Callthrough) zur Weiterleitung von Anrufen auf beliebige Zielrufnummer
- Anruferliste mit Datum, Uhrzeit, Rufnummer, Nebenstelle und Gesprächsdauer

Über WLAN kabellos surfen
- WLAN Access Point nach IEEE 802.11n (Draft 2.0), b und g/a
- Bis 300 MBit/s (Bruttodatenrate) Übertragungsgeschwindigkeit
- Werksseitig sicher dank Verschlüsselung mit Mixed Mode WPA/WPA2; ebenso WPA2, WPA (WPA-PSK mit TKIP), WEP-64 oder WEP-128 möglich
- Dualbandunterstützung für 2,4 GHz- und 5 GHz-Verbindungen
- MAC-Adressfilter
- WLAN über Taster und angeschlossene Telefone an- und abschaltbar

Vielfältige Anschlussmöglichkeiten
- Anschluss an DSL, ISDN oder analoges Festnetz
- Zwei Anschlüsse für analoge Telefone, Fax und Anrufbeantworter
- DECT-Basisstation (GAP) für bis zu 5 Schnurlostelefone, vorbereitet für den neuen DECT-Standard CAT-iq (höhere Sprachqualität)
- Vier LAN-Anschlüsse für Computer mit Ethernet-Anschluss (10/100 Base-T), Spiele-Konsolen (z.B. X-Box, PS2) und Netzwerk-Hub oder -Switch (zum Anschluss weiterer PCs)

Internet-Telefonie mit SIP
- SIP-konform nach RFC 3261
- Codecs: G.711, G.726-32, G.726-40, G.726-24
- Intelligentes Codec Management
- Verwalten von bis zu 10 Internet-Rufnummern (SIP-Accounts)
- Sprechpausen-Erkennung (VAD - Voice Activity Detection)
- Comfort Noise Generation (CNG)
- Packet Loss Concealment (PLC) zur Sicherung der Sprachqualität trotz Paketverlusten

Optimale Performance
- Bandbreitenmanagement für die optimale Nutzung des DSL-Anschlusses
- IP Traffic Shaping ermöglicht gleichzeitigen Down- und Upload mit voller DSL-Geschwindigkeit z.B. für Dateiaustausch und gleichzeitiges Powersurfen
- Sorgt für eine intelligente Verteilung der DSL-Bandbreite zwischen allen Anwendungen
- Für alle gängigen Bandbreiten leicht nutzbar

Internet-Sicherheit mit FRITZ!DSL und im DSL-Router-Betrieb
- IP-Masquerading/Network Address Translation
- Stateful Packet Inspection Firewall
- Sichere Portfreigabe für eigene Server-Angebote

Service
- Herstellergarantie (Hardware) für Endkunden: 5 Jahre
- Kostenfreier AVM-Support per Telefon und Mail
- Kostenfreie Softwareupdates über das Internet