AV-Tuning 2008: Alte Receiver fit gemacht für HDTV, iPod und Internet-Radio

17.01.2008 Autor: Karsten Serck

Die beiden HD-Formate Blu-ray Disc und HD DVD liefern sich derzeit einen intensiven Wettbewerb um die Nachfolge der DVD. 1997 gestaltete sich bei Einführung der DVD der Einstieg für den Konsumenten noch recht einfach. Die einzige Voraussetzung zum Anschluss eines DVD-Players war ein Fernseher mit SCART-Buchse und selbst der schlechteste Fernseher zeigte mit DVDs ein deutlich besseres Bild als herkömmliche VHS-Videobänder.

Im HD-Zeitalter gestaltet sich der Einstieg etwas komplizierter. Zwar gibt es bislang trotz vielfacher Einsparung von SCART-Buchsen noch analoge Video-Ausgänge an einem Blu-ray Disc oder HD DVD-Player und auch auf einem normalen Fernseher sieht das Bild selbst bei PAL-Darstellung häufig besser aus als bei DVDs. Doch um wirkliches HDTV erleben zu können, bedarf es eines hochauflösenden Fernsehers oder Videoprojektors.

Neben dem hochauflösenden Bild kann auch der Ton hochauflösend bei Blu-ray Disc und HD DVD übertragen werden. Dolby und DTS bieten ihre bereits von der DVD bekannten Mehrkanal-Tonformate als "Dolby True HD" und "DTS HD Master Audio" mit höherer Auflösung und verlustfreier Komprimierung an. Gleichzeitig wurde gerade bei vielen der ersten Blu-ray Discs Mehrkanal-PCM-Ton eingesetzt, der ganz ohne Signalkompression auskommt. Alle diese Formate versprechen eine Qualität, die sich nicht mehr vom Original-Master aus dem Tonstudio unterschieden soll - womit die Qualität des Tons in erster Linie nur noch mit den individuellen Bemühungen der Sound-Ingenieure steht und fällt. Was Dolby True HD und DTS HD in der Praxis wirklich bringen, haben wir bereits im November 2007 in einem umfangreichen Special erläutert.

Nach der Investition in einen teuren Flachbildschirm oder Projektor wird nicht jeder willens oder finanziell dazu in der Lage sein, jetzt auch noch die komplette AV-Anlage aufzurüsten, gerade wenn diese erst vor wenigen Jahren für viel Geld erworben wurde. Denn AV-Receiver mit Dolby True HD und DTS HD-Decoder sind erst seit rund einem Jahr auf dem Markt erhältlich. Deswegen wollen wir einmal die Möglichkeiten auflisten, die sich anbieten, um nicht nur den Ton der neuen HD-Formate auf älteren Receivern nutzen zu können, sondern auch den Einsatz von bei aktuellen Geräten schon selbstverständlichen Features wie HDMI, iPod und Internet-Radio mit älteren AV-Receivern ermöglichen.

Dolby True HD, DTS HD & PCM-Mehrkanalton

Zunächst einmal ist es wichtig, zu verdeutlichen, dass zwar auf immer mehr Blu-ray Discs und HD DVDs moderne Tonformate wie Dolby True HD und DTS HD eingesetzt werden, auch ohne vorhandenen Decoder für diese Formate auf jeden Fall immer ein Ton zu hören sein wird. Denn Dolby True HD und DTS HD sind abwärtskompatibel zum normalen Dolby Digital und DTS, da sie einen sogenannten "Core"-Stream beinhalten. Verbindet man das Abspielgerät über einen normalen optischen oder koaxialen Digitalausgang, so wird über diesen ein ganz normales Dolby Digital 5.1 oder DTS 5.1-Signal ausgegeben. Dieses kann sogar besser sein als bei der DVD. Denn bei DVDs waren für Dolby Digital maximal 448 kbps möglich während der Dolby Core-Stream eine Bitrate von bis zu 640 kbps haben kann.

Die klanglichen Vorteile von Dolby True HD und DTS HD bewegen sich in einem Bereich, der ähnlich wie bei DVD-Audio oder SACD in erster Linie von audiophilen Hörern in Form von feinen Nuancen wahrgenommen werden dürfte. Effekte werden auch mit Dolby True HD und DTS HD nicht zwangsläufig lauter und brachialer, sondern es sind vielmehr die feinen Nuancen, die die neuen Formate etwas detaillierter zum Vorschein bringen und die auch nicht jeder Zuhörer deutlich wahrnehmen wird. Selbst mit normalem Dolby Digital oder DTS-Ton auf einem fünf Jahre oder noch älteren Receiver bieten Blu-ray Disc und HD DVD also einen sehr guten Klang, der mindestens auf DVD-Niveau und zum Teil sogar etwas besser ist.

Zudem verfügt so gut wie jeder AV-Receiver über einen analogen 5.1-Eingang und die Top-Modelle der Blu-ray Disc und HD DVD-Player sind mit einem internen Decoder ausgestattet, der den Mehrkanalton über analoge Cinch-Anschlüsse ausgibt. Steckt im Abspielgerät sogar ein Decoder für Dolby True HD und DTS HD, so kommt dieser auch auf diesem Wege in einen älteren Receiver. Da die meisten Receiver über ihren 5.1-Eingang nur wenige Einstellmöglichkeiten bieten, sollte man darauf achten, dass der interne Decoder des Players zumindest Einstellmöglichkeiten wie Lautsprecher-Größe, Pegel und Abstand bietet.

Erst die aktuellen Blu-ray Disc und HD DVD-Player wie z.B. der Samsung BD-P1400 oder der Toshiba HD-EP35 sind überhaupt in der Lage, Dolby True HD und DTS HD als Bitstream über HDMI 1.3 auszugeben. Viele in den letzten zwei bis drei Jahren verkauften AV-Receiver mit HDMI-Schnittstelle sind aber bereits geeignet, über HDMI Mehrkanalton entgegenzunehmen, sofern dieser als PCM-Signal übertragen wird. Deswegen bieten die Abspielgeräte auch alternativ diese Tonausgabemöglichkeit. Bei dieser Einstellung wird der Ton bereits im Player decodiert und als unkomprimiertes mehrkanaliges PCM-Signal übertragen. Da Mehrkanal-PCM-Ton auch ohne speziellen Decoder nutzbar ist, kam dieses Tonformat gerade auf vielen Blu-ray Discs der ersten Zeit zum Einsatz, dürfte aufgrund der höheren Bandbreite auf den Speichermedien zugunsten von Dolby True HD und DTS HD in den nächsten Jahren aber an Bedeutung verlieren.

HDMI

Auch ohne HDMI-Ein- und Ausgänge am Receiver lässt sich ein Blu-ray Disc/HD DVD-Player betreiben, indem man das Bild über die HDMI-Schnittstelle direkt auf dem Display oder Projektor ausgibt und den Ton über den normalen Digitalausgang an den Receiver überträgt. Denn Anzeigegeräte mit nur einem einzigen HDMI-Eingang werden inzwischen seltener, seitdem es auch immer mehr Geräte mit HDMI-Ausgang gibt. Wenn man einen HD DVD-Player, eine Playstation 3 und dann noch einen HDTV-Receiver fürs Fernsehen anschließen möchte, sind aber schnell alle Anschlüsse belegt. Für diesen Einsatzzweck bietet sich ein HDMI-Umschalter an. 

Für einfache Modelle wie die abgebildete Vierer-"Switch Box" bezahlt man weniger als 50 EUR und da sie mit rein mechanischen Schaltern arbeitet, ist auch keine Stromversorgung erforderlich. Sie überträgt selbst 1080p24-Signale sowie Dolby Digital True HD und DTS HD-Ton und lässt sich auch umgedreht dazu nutzen, um z.B. die Bildausgabe eines HD DVD-Players zwischen Display und Video-Projektor umzuschalten. Da das Signal naturgemäß gedämpft wird, sollte man darauf achten, hochwertige Kabel mit möglichst kurzer Länge zu verwenden, wenn man einen Videoprojektor auch noch mit 1080p-Signalen ansteuern möchte. Bei kurzen Kabelverbindungen zum einem LCD oder Plasma funktioniert diese Box aber einwandfrei. 

Wer mehr Komfort wünscht, findet im Handel eine immer größer werdende Anzahl an fernsteuerbaren elektronischen Schaltboxen mit integriertem Signalverstärker. Luxusgeräte wie der HDSD42 von Real Cable zum Preis von rund 300 EUR eignen sich sogar dazu, vier Signale auf gleichzeitig zwei Ausgänge zu verteilen.

 

Optischer Digitalausgang

Beschränkt man sich auf die Wiedergabe des Blu-ray Disc/HD DVD-Players über den normalen Digitalausgang, so kann es dennoch schnell passieren, dass am Receiver schlichtweg kein Eingang mehr frei ist, um das neue Gerät anzuschließen. Für diesen Fall bieten sich kleine Umschalter wie z.B. der hier gezeigte "Optical Selector" an, die für weniger als 20 EUR im Handel zu bekommen sind und das Lichtleitersignal über ein Prisma so umleiten können, dass dieses von maximal drei Geräten an einem Eingang genutzt werden kann. Die Umschaltung erfolgt rein mechanisch, so dass auch hier keine separate Stromversorgung erforderlich ist. 

Die zweite Variante sind sogenannte "TOSLINK-Splitter", die um die 10 EUR kosten und es ermöglichen, zwei optische Signale an einen Eingang zu legen. Hier gibt es im Unterschied zum oben gezeigten "Selector" keinen Schalter, so dass man immer nur das Gerät auch eingeschaltet haben sollte, welches benötigt wird, da sich sonst die Signale gegenseitig stören und meist gar kein Ton zu hören ist. So gibt es auch verschiedene Geräte wie z.B. einige Sat-Receiver, die den optischen Digitalausgang selbst im Standby-Betrieb nicht ausschalten und somit nicht für den Betrieb mit diesen Splittern geeignet sind. Ebenso kann es passieren, dass das Signal durch den Splitter zu stark gedämpft wird, weswegen bei den Splittern nicht garantiert werden kann, dass sie auch mit jedem Gerät harmonieren.

iPod

Für fast jeden modernen AV-Receiver gibt es mittlerweile eine Schnittstelle für eine iPod Docking-Station, die es bequem ermöglicht, den iPod über die Systemfernbedienung zu steuern und sogar meist Informationen über den aktuellen Titel im Display des Receivers ablesen zu können. Der Anschluss des iPod ist aber auch an ältere Receiver möglich, da viele Docking Stations über analoge Ausgänge verfügen und man über diesen Weg die Docking Station via Cinch anbinden kann. Da Apple bei der neusten iPod-Generation ab Herbst 2007 die Video-Ausgabe verändert hat, klappt mit vielen preiswerteren Docking Stations die Video-Ausgabe mit den neuen iPods nicht mehr. Mit der rund 50 EUR teuren neuesten Docking Station von Apple ist hingegen sogar die Bildausgabe von Videos im YUV-Format mit geeigneten Kabeln möglich. 

Der günstigste Weg zum Anschluss des iPods an eine Anlage erfolgt freilich über einen Klinken-Cinch-Adapter, den man direkt mit dem Kopfhörerausgang des iPods verbindet und für weniger als zehn EUR erhältlich ist.

Netzwerk-Streaming & Internet-Radio

Die aktuellen Topmodelle der AV-Receiver sind inzwischen multimediale Alleskönner. Wer auch mit seinem älteren Receiver Internet-Radio und Musik via Netzwerk hören möchte, dem empfiehlt sich Terratecs Noxon Audio 2, das im Handel inklusive Fernbedienung für rund 180 EUR erhältlich ist und sich sowohl via LAN als auch WLAN Musik von einem DLNA-Streaming-Server zieht. Unterstützt werden die Formate WAV, MP3, WMA (inkl. DRM10) und AAC+. Internetradio kann auch direkt via WLAN empfangen werden und auch ohne Netzwerk lässt sich Musik direkt von einer an der Seite angeschlossenen USB-Festplatte abspielen. Für die Tonausgabe verfügt der Noxon Audio 2 über einen Kopfhörerausgang, einen Cinch-Anschluss sowie einen optischen Digital-Ausgang. Für rund 100 EUR Aufpreis gibt es das Ganze als "Noxon 2 radio for iPod" inklusive einer integrierten iPod-Docking-Station und 2.1-Boxen-System.

 

Fazit

Auch für ältere Receiver gibt es Hilfsmittel, die es erlauben, technische Neuheiten, die erst in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, zu nutzen. Zwar sind neue Schnittstellen und Formate entstanden, doch fast immer bietet sich eine Brücke an, um diese auch auf älteren Geräten nutzen zu können. Den Komfort einer "All in One"-Lösung, die moderne Receiver bieten, können diese Hilfsmittel freilich nicht immer bieten, so dass der Kauf eines neuen Receivers meist doch den bequemeren Weg darstellt. Wer an seinem vorhandenen Equipment einfach nur kleine Dinge vermisst, dürfte mit dem vorgestellten Zubehör aber einen Weg finden, den Nutzwert der eigenen Anlagen zu verbessern.

 

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