AREA DVD Standlautsprecher-Mastertest Frühjahr 2007
28. März 2007 (cr/hsh)

Einleitung
Es ist mal wieder an der Zeit, den Markt anspruchsvoller Standlautsprecher
genau zu durchleuchten - sechs besonders interessante Offerten haben wir
uns herausgegriffen und vergleichen diese nun im AREA DVD
Standlautsprecher-Mastertest. Ziel dieses Vergleichs ist es nicht, nur Modelle
einer Preisklasse gegeneinander zu testen. Vielmehr decken unsere Kandidaten
einen Rahmen (Paarpreise) von 1.490 € bis 2.798 € ab. Natürlich wird bei
allen Bewertungen die jeweilige Preisklasse hinlänglich berücksichtigt,
Hauptvorteil dieser Art von Vergleich ist es allerdings, genaue Anwenderprofile
zu erstellen - es gibt bestimmt Anwender, für die sich aufgrund ihrer
Präferenzen die Anschaffung eines teureren Modells lohnt, aber es gibt auch
potentielle Kunden, die bereits mit einem günstigen Lautsprecher, der für
seinen Preis eine sehr löbliche Gesamtperformance bietet, glücklich werden,
Für diese Gruppe würde sich das Investment in einen teureren Schallwandler gar
nicht lohnen. Unser Ziel ist es daher, zu jedem Lautsprecher ein umfangreiches
Anwenderprofil mitzugeben, damit man so, je nach eigener Fokussierung, seinen
Wunschkandidaten ausfindig machen kann. Selbstverständlich haben wir jede Box
an verschiedenen Zuspielerketten getestet.

Von links nach rechts: Opera Seconda, Canton Vento 809 CD,
Piega Twen, Elac FS207.2, Focal Chorus 826V, Mission Elegante e82
- Mit 1.570 € (Paarpreis in silbern) ist die Elac FS207.2 die
preisgünstigste Box im Testfeld. Bislang haben wir den schlanken
Lautsprecher im Test des 5.1 Sets, estehend
aus FS 207.2/BS 203.2/CC 201.2/Sub 211.2 ESP kennen gelernt. Nun muss
sich der Schallwandler im großen Stereo-Vergleichstest bewähren.
- Die Focal Chorus 826V hat "berühmte" Verwandtschaft, sowohl die
Chorus 816V als auch die Chorus 836V
haben erstklassige Testergebnisse eingefahren. Der Paarpreis des modern
aussehenden französischen Schallwandler liegt bei 1.650 €.
- Die Opera Seconda hält in unserem Vergleichstest die italienischen Fahnen
hoch. Für einen Paarpreis von gerade einmal 2.200 € wirkt der
Schallwandler ausgesprochen edel. Ob die Seconda für die berühmten
"italienischen Momente" voller Emotion sorgen kann, werden Sie im
Verlauf des Textes erfahren.
- Die Canton Vento 809 erhält ihre "zweite Chance" - vor zwei
Jahren konnte sie im damaligen Mastertest weniger begeistern. Wir haben eine
ganz frische Box des Modelljahrs 2007 ausgepackt und werden überprüfen,
wie sie sich diesmal schlägt. In Ahorn oder Kirsche kostet das Paar 2.440
€, in der von uns bestellten Ausführung Klavierlack Hochglänzend 2.780
€. Zum identischen Preis ist die Box auch in silbern lieferbar.
- Schweizer Highend in Optik und Technik: Die titanfarbene Piega Twen sieht
mit ihrer extravaganten Form sehr edel aus. Mit Bändchenhochtöner
ausgestattet, kann man auf die akustischen Leistungen sehr gespannt sein.
Das limitierte Sondermodell zum 20-jährigen Firmenjubiläum kommt auf einen
Paarpreis von 2.500 €.
- Auf einen Paarpreis von 2.798 € vervollständigt die schlicht, aber
formal eigenwillig auftretende Mission e82 unser Testfeld. Sie ist optisch
sehr schlank und eher klein geraten, was aber in Bezug auf ihre klangliche
Leistungsfähigkeit nichts heißen muss.
Verarbeitung:
Hier die Beurteilungen der einzelnen Kandidaten:

Exzellente Oberflächenqualität bei der Elac

Sehr präzise Chassiseinpassungen, hochwertige
Materialqualität

Die Anschlussterminals der FS207.2 sind leichtgängig und sehr
gut verarbeitet
- Elac FS207.2: Die Verarbeitungsgüte der Elac liegt auf einem für die
Preisklasse atypisch hohen Level. Die exzellente Oberflächenqualität mit
perfekter Lackierung, die hervorragenden Passungen und die edlen verwendeten
Materialien lassen keinen Raum für Kritik. Auch die
Lautsprecherkabel-Schraubterminals können rundherum überzeugen, sind
leichtgängig und hochwertig. Der massive, optisch gefällige Standfuß
vervollständigt unseren Eindruck.

Solider, hochwertiger Standfuß der Chorus

Attraktive Optik der französischen Dreiwege-Box

Im letzten Detail nicht ganz perfektes Finish

Die Chassis sind sauber eingepasst

Die Anschlussterminals sind zu schlicht
- Focal Chorus 826V: Ohne Zweifel sieht die Chorus sehr gut aus - man
könnte sie ihrer optischen Erscheinung nach durchaus für doppelt so teuer
halten. Allerdings fehlt es beim allerletzten Detail an Feinschliff. So sind
die Spaltmaße der zusammengefügten Gehäuseteile nicht absolut
gleichmäßig, an der scharfkantigen Einfassung des Hochtöners kann man
sich verletzten und die nicht Bi-Wiring-geeigneten Anschlussterminals wirken
recht einfach. Fürs Preisniveau perfekt tritt der mitgelieferte Sockel
auf.

Die Seconda demonstriert Hochwertigkeit im Detail

Die Lautsprecher-Oberseite ist mit echtem Leder verkleidet. Mit
ihrem Mix aus dem weichen, kunstlederartigen Material und den hochglänzenden
Seitenwangen verströmt die Seconda das Flair eines edlen Auto-Cockpits

Die hervorragenden Bi-Wiring-Terminals passen ins Gesamtbild
- Opera Seconda: Der Materialmix aus glänzend schwarzem Lack an den
Seitenteilen und der Echtleder-Bespannung auf der Lautsprecherober- und
Vorderseite können aus optischen Beweggründen heraus Geschmackssache sein
- die hohe handwerkliche Fertigungsqualität ist hingegen ganz objektiv zu
loben. Die elegant integrierten Füße sorgen zusammen mit der leicht nach
hinten geneigten Front für einen individuellen Auftritt. Alle verwendeten
Materialen wirken hochwertig, auch die Anschlussterminals weisen keine
Schwächen auf.

Die Piega besticht durch ihre extravagante Formensprache

Perfektes Finish - alle Spaltmaße sind gleichmäßig, zudem
ist die Materialqualität erstklassig ohne jede Einschränkung

Die leichtgängigen und edlen Piega-Terminals sind leider nur
ein einfacher Ausführung vorhanden
- Piega Twen: Der Verarbeitungsmeister kommt aus der Schweiz - eine Box, im
wahrsten Sinne "aus dem Vollen" gefräst, nämlich aus einem
kompletten Alublock. Perfekte Spaltmaße, eine optimale
Oberflächenqualität, überragende Anschlussterminals (allerdings
kein Bi-Wiring möglich). Da kommt wahrhaftig Freude auch beim genauen
Betrachten auf.

Die klavierlackschwarze Lackierung der Vento ist handwerklich
meisterlich aufgebracht

Der Sockel der Canton-Box

Die Anschlussterminals der Vento sind als gut zu bezeichnen
- Canton Vento 809: Auch die Vento überzeugt mit ihrem hohen
Fertigungsstandard. Die klavierlackschwarze Lackierung des Gehäuses wirkt
tief und satt, keine störenden Einschüsse sind im Lack zu verzeichnen.
Alle Chassis sind sehr akkurat eingepasst. An den Anschlussterminals gibt es
auch nichts auszusetzen.

Die Oberflächengüte der Mission e82 ist vom Niveau der
Canton Vento weit entfernt

Der Standfuß der Mission ist sehr zu loben

Die Anschlusssektion der e82

Optisch gefällige Rundungen der e82
- Mission Elegante e82: Die teuerste Box hinterlässt hinsichtlich der
Verarbeitungsqualität keinen restlos überzeugenden Eindruck. Anstatt, was
in diesen Preisregionen eigentlich selbstverständlich sein sollte, eine
aufwändige Mehrschicht-Lackierung in hochglänzendem Schwarz anzubieten,
wird - zumindest sieht es so aus - auf eine weitaus kostengünstigere
Herstellung mit Acryllack zurückgegriffen. Im Vergleich zur perfekt
lackierten Canton wirkt die Mission stumpf, der Oberfläche fehlt es an
Billanz und Tiefe. Die ordentlichen, aber nicht überdurchschnittlichen
Anschlussterminals und der schicke Sockel, auf dem der Schallwandler ruht,
können letztendlich auch die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen, weil
die Mission einfach zu teuer fürs gezeigte Niveau ist.
Kurze technische Beschreibung:

Elac-Kennzeichen: JET-Hochtöner
- Die Elac FS 207.2 präsentiert sich als schlanker 2,5
Wege-Bassreflex-Lautsprecher. Mit Abmessungen von 100,7 x 430 x 350 (H x B x
T) mm kann sie in Anbetracht des formschönen Designs noch als
wohnraumtauglich ohne große Einschränkung angesehen werden. 15 kg bringt
die Box, die für den Anschluss an Verstärker mit einer Impedanz von 4 bis
8 Ohm ausgelegt ist, auf die Waage. Als empfohlene Verstärkerleistung nennt
Elac 30 bis 250 Watt pro Kanal. Die Nennbelastbarkeit beziffert Elac mit
120, die Impuls- (oder auch Musik-) Belastbarkeit mit 160 Watt. Als Tieftöner
kommen 2 x 150 mm AS Konusse zum Einsatz, für die Hochtonwiedergabe ist der
legendäre JET-Hochtöner in der Ausbaustufe III zuständig. Als
Empfindlichkeit werden 86 dB (1 W @ 1m) ermittelt. Die Minimalimpedanz beträgt
3,4 Ohm bei 220 Hz. Der Übertragungsbereich geht von 36 bis 50.000 Hz.

Focal ist für den Bau ausgezeichneter Hochtöner bekannt
- Die Focal Chorus 826V ist eine Dreiwege-Bassreflexkonstruktion mit
Abmessungen, die man noch als wohnraumkompatibel bezeichnen kann: 103 cm
hoch 28,2 cm breit und 37,5 cm tief. Der Frequenzgang der 8 Ohm-Box reicht
von 45 bis 28.000 Hz, der Wirkungsgrad (1 W @ 1m) liegt beu 88,5 dB. Mit 26
kg ist die Focal für ihre Preisklasse recht schwer. Die Bestückung besteht
aus zwei 16,5 cm-Tieftönern, einem 16,5 cm-Mitteltöner und einem 25 mm
Hochtöner. Die Nennbelastbarkeit beträgt 150 Watt, die Musikbelastbarkeit
220 Watt. Besonderheit der Chorus ist die doppelte Bassreflexausführung:
Eine direkt abstrahlende Bassreflexöffnung auf der Front und eine auf den
Boden abstrahlende Bassreflexöffnung auf der Boxenunterseite sollen eine
runde, raumfüllende Bassdarstellung sichern.
- Die Opera Seconda tritt als 2,5 Wege-Box an, die nach dem geschlossenen
Prinzip konstruiert ist - gut für die akustische Reinheit (keine durch die
Bassreflexbauweise verursachten Störgeräusche), nicht unbedingt gut für
den Wirkungsgrad. Der Frequenzgang des 25 kg-Schallwandlers wird
zurückhaltend angegeben und soll von 32 bis 20.000 Hz reichen. Die
Bestückung besteht aus einem 25 mm Hochtöner und zwei 17,5 cm Tieftönern.
Die Empfindlichkeit wird hier mit 89 dB (allerdings 1 W @ 1m) angegeben. Die
Seconda ist für das Zusammenspiel mit Verstärkern mit Leistungen zwischen
10 und 140 Watt ausgelegt. Die Nominalimpedanz liegt bei 4 Ohm. Die Opera
ist 102,5 cm hoch, 24 cm breit und 31,5 cm tief.
- Cantons Vento 809 DC ist, sieht man von den darüber angesiedelten "Reference"
Modellen ab, die größte Lautsprecherbox der Vento-Baureihe. Sie ist mit
einer Höhe von 112 cm, einer Breite von 25 cm und einer Tiefe von 35 cm als
recht ausladend zu bezeichnen, was durch die harmonische Formensprache
geschickt kaschiert wird. Die Vento wiegt 28,6 kg und hat einen Wirkungsgrad
(1 W @ 1 m) von 88,5 dB. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 180, die
Musikbelastbarkeit bei üppigen 340 Watt. Der Übertragungsbereich reicht
von 20 bis 40.000 Hz. Die Impedanz beträgt 4 bis 8 Ohm. Bestückt ist die
Vento 809 DC mit zwei 20 cm Bässen, einem 18 cm Mitteltöner und einem 25
mm Hochtöner.

Die Piega Twen kommt mit Bändchenhochtöner

Bezüglich der Chassisdurchmesser ist die Piega eher schmal
bestückt
- Piegas Twen ist eine 2,5-Wege-Transmissionline-Box, die mit zwei 10 cm
Basschassis und einem LDR-Bändchenhochtöner ausgestattet ist. Der
Frequenzgang geht von 45 bis 50.000 Hz, die Impedanz wird mit 4 Ohm
beziffert. Durch die sehr massive Bauweise bringt es der Swiss
Made-Schallwandler auf üppige 18 kg. Die Abmessungen: 101 cm hoch, 25 cm
breit und schmale 12 cm tief. Der Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) beträgt 90 dB.
Die empfohlene Verstärkerleistung wird mit 20 bis 150 Watt angegeben.
- Die Mission Elegante e82 ist eine Dreiwege-Bassreflexbox mit einem
Wirkungsgrad (1 W @ 1 m) von 87 dB. Ihr Frequenzgang reicht von 48 bis
30.000 Hz. Mit einer Höhe von 95,6 cm, einer Breite von 30 cm und einer
Tiefe von 33,4 cm ist sie sehr zurückhaltend bezüglich der Abmessungen.
Der Widerstand liegt bei 8 Ohm. Über das Gewicht schweigt Mission sich
vornehm aus.
Klang

Nun sind wir gespannt - wie schlagen sich die sechs
Schallwandler in den Klangtestreihen?

Unsere zahlreichen Zuspieler
Für die möglichst präzise akustische Bewertung ist es wichtig, eine
möglichst neutral aufspielende Zuspielerkette einzusetzen. Natürlich haben wir
alle Lautsprecher auch noch an anderer Elektronik gehört, aber der Großteil
der Testreihen wurde mit unserer Rotel RC1090/RB1090
Vor-/Endstufenkombination durchgeführt. Als CD-Player fungierte der
Denon DVD-3930. Weitere Elektronikkomponenten, die zum Einsatz kamen, waren
die NAD C162/C272, die Audio Analogue
"Maestro"-Serie und die
Harman Kardon HK 970/HD 970 stereolegend Komponenten.
Hier die Beurteilungen der einzelnen Kandidaten:
- Elac FS207.2: Die preisgünstigste Box im Testfeld beeindruckt mit enormer
Grob- und Feindynamik. Sie baut ein ausgesprochen facettenreiches Klangbild
vom obersten Hochton- bis in den unteren Mitteltonbereich auf. Sie spielt
für die Preisliga extrem präzise und schafft eine überragende Stimm- und
Instrumentaltrennung. Stimmen kann die FS207.2 sehr vielschichtig und
charismatisch darstellen. Leider steht diesen sehr positiven Eigenschaften
ein gravierender Nachteil gegenüber: Die massive Bassschwäche sorgt
letztendlich für Unausgewogenheit im Klangbild. Für großteilig vokale
Präsentationen oder für Kammermusik beziehungsweise verschiedene
Jazzstücke ist diese Problematik zu verschmerzen. Wer aber gern klassische
Orchestermusik, Opern, Rock/Popmusik oder Techno- und Dance-Stücke in
vollem Umfang hören möchte, sollte sich zur Elac dringend einen aktiven
Subwoofer anschaffen. Wir können zu einer 2.2 Lösung mit zwei der
exzellenten Nubert nuLine AW-560
raten, wer nur einen aktiven Subwoofer aufstellen möchte, der kann sich als
klanglich sehr gute tieffrequente Ergänzung den SVS SB12-Plus
anschaffen. Was die zuspielende Elektronik angeht, kann man die Elac, je
nach Geschmack, mit einer neutralen bis leicht warmen Verstärkereinheit
kombinieren. Sehr schlank und Hochton-dominant abgestimmte Elektronik sorgt
für ein zu spitzes Klangbild, da die Elac aufgrund ihres JET Hochtöners
sowieso schon viel Brillanz und Strahlkraft mitbringt. Zu warme Verstärker
agieren zu träge und nehmen daher viel der möglichen Maximaldynamik, die
die flinken Elac Säulen ermöglichen. Zu schwach sollte die zuspielende
Elektronik nicht sein, denn der Wirkungsgrad der Elacs ist nur
durchschnittlich.
- Focal Chorus 826V: Der ganz große Erfolg, den die beiden Schwestermodelle
Chorus 816V und Chorus 836V
in unseren Testreihen einfahren konnten, bleibt der Chorus 826V leider
vergönnt. Mit kräftigem Bass und sehr guter Dynamik haben wir ohne Zweifel
einen empfehlenswerten Lautsprecher vor uns, das enorm ausgewogene
Gesamtkonzept der anderen beiden Standlautsprecher allerdings bietet die 826
nicht auf. Der Bass neigt in manchen Situationen, besonders bei hohem Pegel,
leicht zum Dröhnen, und die Mitteltonwiedergabe ist etwas zu
zurückversetzt. Insgesamt aber macht die 826 durchaus Spaß, sie bietet
eine ansprechende räumliche Darstellung und einen sehr guten Wirkungsgrad.
Daher ist es problemlos möglich, sie auch an leistungsschwächeren
Verstärkereinheiten einzusetzen. Im Bassbereich ist der mögliche Tiefgang
zu loben.
- Opera Seconda: Die große Sensation schafft der Lautsprecher des kleinen
italienischen Herstellers Opera, der hierzulande weitestgehend unbekannt
ist, denn die Seconda erzielt mit beeindruckender Souveränität den
Testsieg. Nachdem sie bereits in der Verarbeitungswertung punkten konnte,
landet sie auch aus akustischer Sicht einen Volltreffer: Grob- und
Feindynamik nochmals über Elac-Niveau, dazu eine schon beinahe
sensationelle Ausgewogenheit bei der Betonung aller Frequenzbereiche. Die
akustische Balance der Seconda setzt Maßstäbe. Perfekt arrangiert ist das
Group Delay, es kommen wirklich alle Klanganteile zu exakt der gleichen Zeit
an. Überragende Resultate erzielt die Opera-Box auch bei der
Bassdarstellung. Es fehlt zwar minimal an maximalem Tiefgang, aber ansonsten
bietet der Bassbereich viele Reize: Präzise, straff, sehr dynamisch und
schnell, und dazu ist das gebotene Volumen auch noch hervorragend. Die
Seconda spielt ungemein charismatisch und schwungvoll - sensibles Sounding
at it's best. Gern kann man übrigens auch lauter hören: Bezüglich der
Pegelfestigkeit wird zwar kein Canton-Niveau erreicht, aber die gebotenen
Leistungen sind als sehr gut zu bezeichnen. Mit fein vorgetragener Brillanz
im Hochtonbereich, die auf einer sauberen, erstklassig akzentuierten
Mitteltonwiedergabe und auf einem soliden Bassfundament fußt, ist die
italienische Box ein absoluter Preis-/Leistungsgeheimtipp für
Audio-Gourmets. Tipp: Die zuspielende Elektronik sollte aufgrund des nur
durchschnittlichen Wirkungsgrades der Seconda (geschlossene Konstruktion)
einigermaßen leistungsstark sein.
- Canton Vento 809: Kein Vergleich zur früher getesteten Vento: Unsere Box,
die diesmal an den Testreihen teilnahm, kann auf der ganzen Linie
überzeugen. Die Canton weist einen sehr guten Wirkungsgrad auf, kann aber
durch ihre enorme Pegelfestigkeit - die beste im Testfeld - auch mit sehr
leistungsstarken Verstärkern betrieben werden. Die neutrale, klare
Auslegung mit überragenden Fähigkeiten hinsichtlich des gebotenen
Klangvolumens kann ohne Abstriche überzeugen. Die Vento bleibt bis in
höchste Pegelregionen absolut souverän und wird nie aggressiv oder
schrill. Insgesamt ist ihr Charakter eher nüchtern, teutonische Perfektion
in Reinkultur. Sie ist der neutrale Klang-Überbringer und weniger der
feurig- emotionale Schallwandler - was aber selbstverständlich kein Fehler
ist. Kleine Schwächen: Der Bass ist minimal zu langsam im Vergleich zum
Rest, und eine Dynamik-Königin ist die optisch imposante Canton-Box auch
nicht.
- Piega Twen: Es dürfte kaum einen anderen Lautsprecher auf dem deutschen
Markt geben, der erstklassige Verarbeitung und eine mitreißende sowie
kultivierte Akustik zu einem wirklich fairen Kaufpreis miteinander verbinden
kann - die Twen ist ein echter Siegertyp, die sich nur der Opera in
unserem Testfeld geschlagen geben muss. Immer wieder verwundert der
kräftige, raumfüllende Bass, den der kompakte und extravagante Schweizer
Lautsprecher bereitstellt. Der sich sehr fein und gefällig ausbreitende
Hochtonbereich ist Verdienst des aufwändigen Bändchenhochtöners.
Natürlich sind, aufgrund der konstruktiven Rahmenbedingungen, der
Pegelfestigkeit Grenzen gesetzt - aber für eine so Design-orientierte Box
kann man mit dem Gebotenen ausgesprochen zufrieden sein. Durch das
hochsteife Gehäuse sind unerwünschte akustische Nebeneffekte nahezu
ausgeschlossen. Die Twen widmet sich schwungvoll und lebendig jeder
akustischen Aufgabe, der Grundtonbereich ist klar umrissen, aber im
Vergleich zu Hochton- und Bassanteilen minimal unterrepräsentiert. Je nach
persönlichem akustischen Gusto muss dies aber nicht zwangsläufig ein
Nachteil sein. Was sehr gut gefällt: Die Piega macht richtig Laune und wird
auch nach langem Hören nie lästig. Der Wirkungsgrad ist nicht der
beste - dies liegt auch in der Konstruktion begründet. Die zuspielende
Elektronik sollte relativ neutral abgestimmt sein.
- Mission Elegante e82: Der teuerste Kaufpreis in diesem Testfeld ist keine
Garantie für ein überzeugendes Abschneiden des Produktes. Diese
Feststellung untermauert die e82 deutlich, denn für ihren relativ hohen
Kaufpreis kann man ihr keine Empfehlung aussprechen. Schon in der
Verarbeitungswertung haben wir feststellen müssen, dass der Kaufpreis
durchs Finish nicht zu rechtfertigen ist, und klanglich werden ebenfalls
keine Top-Noten erreicht. Prinzipiell ist die e82 kein schlechter
Lautsprecher, für das kleinvolumige Gehäuse ist der Basseindruck
ordentlich und auch die Raumwirkung ist als gut zu bezeichnen. Aber: Die e82
stellt gerade differenzierte Stimm- und Instrumentalanteile nicht absolut
sauber dar. So klingt ein Piano eher wie das "Piano"-Programm
eines Synthesizers, und bei hohem Pegel wirkt das Klangbild leicht verzerrt
und die e82 hinterlässt einen etwas gequälten Eindruck. Insgesamt ist
Missions Schallwandler für die gebotene Performance einfach deutlich zu
teuer.
Fazit:

Die Opera Seconda (ganz links) kann den Sieg im
Standlautsprecher-Mastertest Frühjahr 2007 einfahren
1. Platz: Opera Seconda
Ein ereignisreicher Test endet mit überraschendem Ausgang - souverän
sichert sich die Opera Seconda den Testsieg und erhält völlig verdient unser
Referenzprädikat. Mit der sehr ansprechenden Verarbeitung, der im höchsten
Maße begeisternden Akustik und dem in Anbetracht des Leistungsprofils
ausgesprochen günstigen Kaufpreis stellt der italienische Ausnahme-Lautsprecher
eine große Empfehlung für den preis-/leistungsbewussten Akustik-Kenner dar.
Auch für Surround-Liebhaber gibt es passende Erweiterungen - mit der Prima steht
ein geeigneter Rearspeaker zur Verfügung, und brandneu kommt der "Centrale"
getaufte Centerlautsprecher für 799 € dazu, der in Kürze lieferbar sein
wird.

Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          

Standlautsprecher-Mastertest
Gesamtsieger
28. März 2007
2. Platz: Canton Vento 809, Piega Twen
Unsere beiden zweitplatzierten Kandidaten könnten
unterschiedlicher kaum sein. Auf der einen Seite die extravagante, munter
aufspielende Piega Twen, auf der anderen Seite die optisch imposante Canton
Vento, die mit ihrer enormen Pegelfestigkeit und der hohen Flexibilität
bezüglich denkbarer Zuspieler Maßstäbe setzt. Ohne Zweifel sind beide
Lautsprecher auch auch durch die makellose Verarbeitung Ausnahmeerscheinungen,
die zusätzlich durch ihr tadelloses Preis-/Leistungsverhältnis punkten
können. Die Canton ist nicht eben die Dynamik-Meisterin, während die Piega
konzeptbedingt etwas wenig Volumen im Grundtonbereich aufweist.
Piega Twen:

Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
Canton Vento:

Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
3. Platz: Focal Chorus 826V und Elac FS207.2:
Den dritten Platz teilen sich unsere beiden günstigsten
Kandidaten von Elac und Focal. Die Elac könnte noch deutlich weiter vorn
landen, wenn der Bassbereich mehr Präsenz zeigen würde - dadurch, dass im
unteren Teil des Frequenzspektrums nur wenig geht, ist für viele Betriebsarten
beinahe zwingend ein zusätzlicher aktiver Subwoofer notwendig. Grob- und
Feindynamik sowie die Präzision sind auf vorbildlichem Level. Hervorragend ohne
Abstriche: Die Verarbeitung. Die Focal begeistert mit kraftvollem,
nachdrücklichen Bass und sehr gutem Wirkungsgrad. Der nicht besonders präzise
strukturierte Mitteltonbereich, der etwas zu deutlich unterrepräsentiert ist,
vereitelt hier ein noch besseres Abschneiden. Die Focal sieht ausgesprochen gut
aus, weist im letzten Verarbeitungsdetail aber Verbesserungspotential auf. Beide
Lautsprecher allerdings beweisen, dass man auch für deutlich weniger Geld
ansprechende Schallwandler einkaufen kann. Zudem sind Focal Chorus 826 V und
Elac FS207.2 sehr gut als Basis für 5.1 oder 7.1 Setups geeignet.
Focal Chorus 826V:

Standlautsprecher Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
Elac FS207.2:

Standlautsprecher Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
4. Platz: Mission Elegante e82
Die Mission Elegante e82 ist für die gebotene Leistung deutlich
zu teuer. Sie kann in keiner Disziplin, weder akustisch, noch bezüglich ihrer
Verarbeitung, Akzente setzen, kostet jedoch von allen Testkandidaten am meisten
- damit legt der Hersteller für unseren Geschmack schon beinahe zu viel
Selbstbewusstsein an den Tag. Für einen Preis für rund 1.000 € pro
Lautsprecher wäre die e82 noch immer kein Überflieger, könnte sich mit der
schlanken Bauform, der extravaganten Optik und dem für das geringe
Gehäusevolumen ordentlichen Bassverhalten aber besser platzieren.

Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Preis-/Leistungsverhältnis          
Test: Carsten Rampacher, Thomas Hermsen
Datum: 28. März 2007
Redaktion und Text: Carsten Rampacher
Testaufbauten: Thomas Hermsen
Pegeltest-Supervisor: Roland Klinke
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