TEST: Onkyo TX-SR804E - Harmoniespender im Heimkino (1/2)

06. März 2007 (cr/th)

Einführung

Onkyos TX-SR803E präsentierte sich in unserem Vergleichstest in klanglich sehr ansprechender Form, konnte aber aufgrund der eher dürftigen Ausstattung den  Vergleich nicht für sich entscheiden. Daher entschloss man sich bei Onkyo, ein entsprechendes Maßnahmenpaket zu schnüren, um den Nachfolger TX-SR804E bezüglich von Ausstattung und Preis-/Leistungsverhältnis besser zu positionieren: Mit 999 € ist der Siebenkanal-Receiver deutlich preiswerter als der Vorgänger (UVP 1.300 €), und im Gegensatz zu diesem videoseitig besser ausgestattet. Zwar gibt es nach wie vor lediglich zwei HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang (alle Anschlüsse auch für HDMI Audio geeignet), aber der 804 verfügt auch über einen De-Interlacer und eine analog-digitale Videosignalwandlung. Bilanzierend präsentiert sich der TX-SR804E als milde überarbeitete und preislich attraktiver gestaltete Version des TX-SR803E - wir sind gespannt, wie sich der Onkyo nun in unseren Testreihen schlägt. 

Verarbeitung

Saubere Spaltmaße bei der Frontklappe

Tadelloses Finish auch aus diesem Blickwinkel

Auf diesem Bild, aufgenommen schräg von unten, kann man die sehr gute Passung der Aluminiumfrontblende erkennen

Von vorn betrachtet wirkt der TX-SR804E sehr aufgeräumt und edel

Unter der Klappe aus massivem Metall befinden sich weitere, gut verarbeitete Bedienelemente

Griffgünstiger, sauber laufender Lautstärkedrehregler

Die Gerätestandfüße sind preisklassengemäß

Hochwertig wirkende Fernbedienung

Guter, aber nicht überdurchschnittlicher innerer Aufbau

Die Netzteil- und Elkosektion

Preisklassengemäß besteht der Kühlkörper des 804ers aus Aluminium

Der Trafo

Solide verschraubte Verstrebungen im Chassis

Die Platinen im hinteren Sektor sind sowohl vertikal als auch horizontal aufgebaut

Die Videoplatine

Onkyo AV-Receiver zeichnen sich schon seit Generationen durch eine hochwertige, elegante Optik aus. Auch der TX-SR804E macht hier keine Ausnahme. Die Aluminiumfront ist auch an den Kanten ansprechend verarbeitet und relativ massiv geraten. Nur der etwas billig aussehende Rahmen um das Display stört ein wenig die Harmonie, den identischen Punkt hatten wir bereits beim TX-SR803E angemerkt. Beim günstigeren TX-SR674E besteht dieser Kritikpunkt nicht. Ansonsten ist alles ausgesprochen stimmig. Die Front wirkt hochwertig und aufgeräumt, unter einer massiven Klappe befinden sich weitere Bedienelemente. Die Klappe ist sauber eingepasst und verfügt über einen akkurat ausgeführten Öffnungsmechanismus. Ein haptisch überzeugender Standby-Schalter befindet sich ebenso auf der Front wie ein richtiger Netzschalter. Der im Vergleich zu manchen Konkurrenten (Denon, Marantz) recht flach geratene Lautstärke-Drehregler liegt sehr gut in der Hand und weist einen sauberen Lauf auf. Die Gerätefüße sind preisklassengemäß, ebenso die Verarbeitung der Geräte-Unterseite. Wenden wir uns der Rückseite des AV-Receivers zu. Hier sind die Lautsprecherkabel-Schraubanschlussterminals als leichtgängig, aber etwas wackelig zu bezeichnen. Hier bieten verschiedene Konkurrenten, z.B. von Denon, bessere und stabilere Lösungen. Ansonsten sind alle Anschlussterminals ordentlich eingepasst und sitzen fest. Das Innenleben des TX-SR804E unterscheidet sich bezüglich des Aufbaus nicht allzu sehr vom TX-SR674E. Hier hätten wir in Anbetracht des doch spürbaren Preisunterschiedes mehr erwartet. Nicht, dass sich große Kritikpunkte finden, aber etwas mehr Aufwand, besonders auch bezüglich der Baugruppenanordnung und des Chassis, hätten wir schon erwartet. Nichts zu kritisieren gibt es an der soliden Fernbedienung. Gesamtnote (in Relation zum Kaufpreis): Sehr gut - ausgezeichnet. 

Anschlüsse

Der TX-SR804E kommt mit einer ordentlich ausstaffierten Anschlusssektion - wahre Opulenz ist allerdings nicht zu finden

Der Onkyo verfügt leider nur über zwei HDMI-Eingänge, bringt aber dafür drei Komponenten-Eingänge mit

Die Lautsprecher-Schraubanschlüsse sind farblich codiert

Bezüglich der Anschlussauswahl ist zunächst anzumerken, dass zwei HDMI-Eingänge und ein HDMI-Ausgang (Standard 1.1) keine enorm große Anzahl darstellen. Fairerweise ist aber anzumerken, dass sich viele preisgleiche Konkurrenten (z.B. der Yamaha RX-V1700) hier auch nicht mit mehr Ruhm bekleckern und eine standesgemäße Anschlussanzahl offerieren. Ansonsten weist der TX-SR804 eine gute Selektion auf. So gibt es drei HD-fähige Komponenteneingänge und einen Komponentenausgang. Vier S-Video-Eingänge finden sich auf der Rückseite und insgesamt fünf FBAS-Eingänge (vier hinten, einer vorn auf der Frontblende). Diese werden flankiert von drei FBAS/S-Video-Ausgängen (alle auf der Rückseite). Der Onkyo verfügt - wichtig für Plattenfreunde - über einen dedizierten Phono-Eingang, so dass nicht extra ein Phonovorverstärker angeschafft werden muss. Weitere sechs Stereo-Cincheingänge auf der Rückseite plus ein Stereo-Cincheingang auf der Gerätefront ergänzen das Sortiment. Ausgangsseitig finden sich drei Stereo-Cinch-Anschlussmöglichkeiten. Ein 7.1 Eingang und ein 7.1 Vorverstärkerausgang sind, wie in diesen Preisregionen üblich, ebenfalls vorhanden. Es finden sich zwei koaxiale und vier optische Digitaleingänge auf der Geräterückseite, ein weiterer optischer Digitaleingang befindet sich auf der Gerätevorderseite. Der TX-SR804E bringt einen optischen Digitalausgang mit. Was wir vermissen, ist ein koaxialer Digitalausgang. Was findet sich noch an Anschlüssen? Ein Stereo-Cinchausgang für Zone 2, eine RS232c Schnittstelle, ein 12 V Triggerausgang für Zone 2, ein IR in/out-Terminal sowie zwei geschaltete Netzbuchsen. Insgesamt eine ordentliche, wenn auch nicht überdurchschnittliche Bestückung. Übrigens: Den TX-SR804E kann man in Verbindung mit Onkyos iPod-Dockingstation verwenden. Gesamtnote: Gut - sehr gut. 

Ausstattung und Konfiguration per OSD

Der Onkyo TX-SR804E ist mit allen marktrelevanten Decodern ausgestattet, hinzu kommt noch die THX Select 2-Zertifizierung und ein THX Surround EX-Decoder. Die Ausgangsleistung gibt Onkyo mit 140 Watt pro Kanal an (6 Ohm, 1 kHz, DIN). Selbstverständlich kommen 192 kHz/24-Bit-D/A-Wandler für alle Kanäle zum Einsatz. Dies ist mittlerweile bereits bei sehr preiswerten AV-Receivern der Fall. Für denjenigen, der eine reine, unbeeinflusste Stereowiedergabe fokussiert, gibt es eine Pure Direct-Modus, in dem sämtliche interne Schaltungen zur Signalverarbeitung umgangen werden. Nicht nur alle Decodier- und DSP-Modi, sondern auch das Bassmanagement wird umgangen. Wer dann also wirklich in hoher Qualität Stereomusik genießen möchte, sollte als Frontlautsprecher Fullrange-Modelle einsetzen. Dabei hat es das manuell justierbare Bassmanagement in sich: Eine unabhängige Einstellung der Trennfrequenz für F/C/S/SB (40/60/70/80/90/100/120/150/200 Hz) ermöglicht eine sensible Anpassung. Für die Bild/Ton Synchronisation (Lipsync) stehen Einstellwerte bis zu 250 ms zur Verfügung - sehr gut. 

Wie die meisten seiner Konkurrenten verfügt auch der TX-SR804E über ein automatisches Einmess- und Equalzingsystem. Allerdings verzichtet Onkyo auf verschiedene, vom Anwender abrufbare Kurven. Der 804 ermittelt eine Kurve - fertig. Wer sich mit der vollautomatischen Einmessung nicht anfreunden kann bzw. die automatisiert ermittelten Ergebnisse nachbessern möchte, hat beim Onkyo diese Chance nicht. Entweder komplett manuell oder komplett automatisch - ganz up to date ist das inzwischen nicht mehr. Und: Im Gegensatz zu den Modellen TX-SR604E und TX-SR674E ist der Onkyo TX-SR804E noch nicht mit dem neuen Einmesssystem Audyssey 2EQ ausgestattet, welches den Einmessvorgang an mehreren Hörpositionen (insgesamt 3) ermöglicht. Beim älteren Einmesssystem des 804 kann nur an einem Punkt eingemessen werden. 

Die lernfähige, hintergrundbeleuchtete, vorprogrammierte RI (Remote Interactive) Fernbedienung mit 3 Makros und LED-Betriebsartanzeige entspricht bezüglich ihrer Ausstattung genau den Anforderungen ihrer Preisklasse.

Andere Ausstattungsmerkmale sind typisch für Onkyo AV-Receiver. VLSC (Vector Linear Shaping Circuitry) ist ein Beispiel dafür. Hintergrund dieses Features: Konventionelle D/A-Wandlermethoden reduzieren zwar Impulsgeräusche bei der Wandlung, können diese jedoch nicht komplett verhindern. Digital-/Analog-Wandler und die sie umgebende Peripherietechnik tangieren das analoge Signal daher mit unschönem Impulsrauschen. Dieses Impulsrauschen wird zusammen mit dem analogen Signal übertragen und sorgt für eine verminderte Klangreinheit bei der Ausgabe über das angeschlossene Lautsprechersystem. Die VLSC (Vector Linear Shaping Circuitry) Technologie arbeitet dagegen mit einer laut Onkyo besonderen Wandlungstechnik, die dieses Problem in den Griff bekommt. Die durch die Intervalle zwischen den Abtastpunkten auftretenden Verzerrungen werden durch analoge Echtzeit-Vektoren ausgeglichen. Diese Vektorverbindungen glätten das Ausgangssignal und sorgen für einen ebenmäßigen, wellenförmigen Verlauf. Das Ergebnis sind nahezu fehlerfreie, originalgetreue analoge Signale von digitalen Quellen.

Ein weiteres Kennzeichen des Onkyo ist das Verstärkerlayout W.R.A.T., welches, so Onkyo, in der täglichen Hörpraxis entscheidende 3 Vorteile realisieren kann. Der erste Vorteil ist der Aufbau mit ungewöhnlich geringer negativer Rückkopplung – damit die Spitzenpegel der Signalquelle mit einem klareren Klang genossen werden können. Obwohl der Einsatz von NFB (= negatives Feed Back) die einfachste Möglichkeit darstellt, das Rauschen im Bereich der niedrigen Frequenzen zu verringern, muss man doch hinsichtlich des Klangs einen hohen Preis dafür zahlen: Ein beträchtliches Maß an NFB schränkt das Kurzimpuls-Ansprechverhalten eines Verstärkers – also die Fähigkeit, auf hohe Signalamplituden (Explosionen im Film, Dynamiksprünge und Orchestereinsätze in der Musik) schnell zu reagieren – stark ein und führt im Bereich der hohen Frequenzen sogar zu Verzerrungen. Daher setzt Onkyo auf eine spezielle Schaltungstechnologie, auf einen Aufbau, der auf ein geringes Maß an NFB ausgelegt ist und der an den entscheidenden Punkten im Signalweg Bauteile mit niedrigen Toleranzwerten und von hohem Standard vorsieht. So erhält der Anwender einen linearen Frequenzgang bis hin zu 100 kHz.

Der zweite Vorteil ist das Massekonzept mit in sich geschlossenen Schaltkreisen – Mit dieser Konfiguration ist es möglich, eine größere Maximallautstärke ohne Verzerrungen zu genießen. Wenn das Massepotential (Spannung) eines Verstärkers während der Wiedergabe von Film-Soundtracks oder Musikstücken schwankt, hört man ein unangenehmes Rauschen. Bei einem offenen Schaltungsaufbau sind alle Schaltungen über eine Schleife mit dem Netzteil verbunden. Aufgrund von Kurzzeitimpulsen und anderen Faktoren des Energieflusses kann sich unweigerlich in jeder Schaltung ein geringes Maß an Rauschen aufbauen. Bei der von Onkyo eingesetzten fortschrittlichen Konfiguration mit in sich geschlossenen Schaltkreisen hat jede Schaltung sowohl ihren Anfangs- als auch Endpunkt direkt am Netzteil. Hierdurch wird das Rauschen der einzelnen Schaltungen aufgehoben, und das Massepotential bleibt frei von Schwankungen – daraus resultiert eine besonders klare- facettenreiche und saubere Wiedergabe. 

Kommen wir zu Vorteil Nummer 3: Das ist die Fähigkeit, kurzzeitig hohe Spitzenströme zu liefern, damit auch in extrem effektgewaltigen Sequenzen die Dynamik und die Kraft in vollem Maße erhalten bleiben. Audio-Signale sind extrem komplex und bestehen aus vielen verschiedenen Frequenzen und Amplitudenspitzen. Wenn ein Verstärker solch ein Signal an einen Lautsprecher abgibt, akkumuliert die Lautsprechermembran Energie. Wenn die Membran zurückschwingt, wird Energie zum Verstärker zurück gesendet. Der Verstärker muss in der Lage sein, einen Augenblicksstrom mit großer Stromstärke zu liefern, um diese vom Lautsprecher zurückgesendete Energie auszugleichen, und sofort das nächste Signal zu senden. Die Lautsprecherimpedanz kann für sehr kurze Zeiträume auch sehr niedrig werden, was ebenfalls dazu führt, dass der Verstärker hohe Stromstärken liefern muss – bis zum Vier- bis Sechsfachen der üblichen Lastströme. Die Fähigkeit der WRAT Receiver von Onkyo, kurzzeitig hohe Spitzenströme zu liefern, ist besonders groß.

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