AREA DVD-SPECIAL: Jailbreak - Neue Funktionen für den Apple iPod touch
21.12.2007 Autor: Karsten Serck
Das Gerät
Der im Oktober getestete Apple iPod touch steht im Schatten des PR-Wirbels um
das "iPhone", welches in den letzten Wochen wegen der
Zwangsbindung an einen Zwei Jahres-Vertrag mit T-Mobile zu Monats-Preisen
zwischen 49 und 89 EUR für viele Schlagzeilen gesorgt. Zum selben
Preis des 399 EUR teuren iPhone bekommt man den iPod touch mit doppelt so viel Speicher (16 GB), in der 8
GB-Variante sogar noch für weniger als 300 EUR. Das ist immer noch eine Menge
Geld für einen MP3-Player. Doch in den letzten Wochen wurde der iPod touch
funktionell deutlich aufgewertet, auch wenn Apple selbst daran nicht beteiligt
gewesen ist.
Während der Hersteller gerne die Kontrolle über sein Gerät haben möchte und
erst nach langem Zögern ein offizielles Entwicklungs-Kit für
Software-Entwickler angekündigt hat, ist die Entwickler-Szene schon ein ganzes
Stück weiter und hat durch Ausnutzung einer Software-Lücke des iPhone und des
iPod touch die Möglichkeit eröffnet, weitere Software zu installieren, die den
Funktionsumfang deutlich erweitert und das Gerät zu einem richtigen kleinen
PDA-Computer gemacht hat (Diese Sicherheitslücke wurde von Apple mit der
Software 1.1.2 behoben). Daher werfen wir mit dem Schwerpunkt auf die
Musik-Wiedergabe einen kleinen Blick auf die neuen
Funktionen und Utilities, die den Umgang mit dem iPod touch erleichtern.
Informationen zum iPod touch selbst finden Sie in unserem umfangreichen Test des
Geräts.
Der "Jailbreak"
Um den iPod touch aus seiner Zwangsjacke zu befreien, ist zunächst der
"Jailbreak" erforderlich. Während die ersten Methoden zur
Software-Installation noch etwas aufwendig waren, ist dies inzwischen selbst
für Laien ohne großen Aufwand möglich. Die konkreten Schritte zur
Installation wollen wir hier nicht weiter beschreiben, sondern verweisen hierbei
auf die umfangreichen Anleitungen, die man im Internet unter dem Suchbegriff
"jailbreak 1.1.2" oder z.B. im Forum von www.ifun.de
findet. Mit der aktuellen iPod touch-Software 1.1.2
hat Apple die Sicherheitslücke, die sich durch präparierte TIFF-Dateien in der
Software-Version 1.1.1 geöffnet hatte, wieder geschlossen. Selbst wer seinen
iPod touch mit der 1.1.2-Firmware betreibt, kann diesen aber wieder auf die
1.1.1-Software zurücksetzen, den Jailbreak einspielen und mit einer speziellen
Vorgehensweise anschließend auf die 1.1.2-Firmware wieder aktualisieren. Dabei
sollte dem Benutzer allerdings bewusst sein, dass dies auf eigene Gefahr
geschieht und bei eventuellen Schäden kein Garantieanspruch besteht, wenn sich
der iPod touch auch nicht über die "Wiederherstellen"-Funktion von
iTunes wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen lässt.
Der "Installer"
Der Kern des "Jailbreak" besteht darin, auf dem iPod touch ein
Installationsprogramm einzurichten, welches dann die Möglichkeit gibt,
zahlreiche andere Programme auf dem iPod touch zu installieren, das Aussehen zu
verändern und verschiedene Veränderungen vorzunehmen, die sich mit den
Möglichkeiten, die Apple selbst im "Einstellungen"-Menü bietet, nicht machen
lassen. Auch nach dem Jailbreak ist der iPod touch weiterhin voll
funktionsfähig und lässt sich mit iTunes weiterhin synchronisieren. Der
Installer läuft vollkommen eigenständig auf dem iPod und lädt die zu
installierenden Programme über die WLAN-Verbindung direkt aus dem Internet und
installiert diese auf dem Gerät. Erscheint neue Software, so wird diese im
Installer-Menü aufgelistet. Zusätzlich gibt es noch eine Uninstall-Funktion
sowie einen Update-Bereich, in dem Aktualisierungen für bereits vorhandene
Software signalisiert werden. Auch die Aktualisierungen für den Installer
selbst werden direkt über das Internet geladen.
Die Software
Das Software-Angebot für den iPod touch ist mittlerweile recht umfangreich
und umfasst Programme aus allen vorstellbaren Anwendungsbereichen. Selbst eine
Mini-Version des Apache-Webservers ist bereits verfügbar. In dieser kleinen
Programmvorstellung beschränken wir uns aber auf Programme, die eng mit den
Möglichkeiten zur Musikwiedergabe zusammenhängen oder für mehr Bedienkomfort
mit dem iPod touch sorgen.
Eine Liste mit Software-Quellen für den Installer findet man z.B. im "Apps & Hacks"-Forum von
www.ifun.de. Zur Installation werden viele Spiele angeboten wie z.B.
"iBlackjack", "Sudoku", der Tetris-Clone "Tetronimo" oder die "Kniffel"-Variante "Five
Dice". Beinahe unerschöpflich ist auch die Auswahl an verschiedenen "Wallpapers", die das Design der
Hintergründe und zum Teil auch der Programm-Buttons verändern. Für Musik-Fans interessant sind
vor allem folgende Programme:
MobileScrobbler
Fans der Musik-Community last.fm können sich mit diesem Programm durch die Musikgeschichte
"scrobbeln" und bekommen direkt via WLAN einen Live-Stream auf den iPod touch geschickt, der sich an den persönlichen Vorlieben für eine bestimmte Band oder einen bestimmten Titel orientiert und durch eigene Bewertungen der abgespielten Titel optimiert werden kann. Zu jeder Band wird eine Kurz-Info in deutscher Sprache angezeigt.
MobileCast
Dieses Programm erlaubt es, Podcast direkt über das WLAN auf den iPod touch zu laden und dort abzuspielen. Der iPod
touch selbst unterstützt zwar auch ohne Jailbreak den Download von Podcasts, aber nur im Zusammenspiel mit einer iTunes-Synchronisierung, die auch nicht drahtlos möglich ist. Die Bedienung von "MobileCast" ist simpel und ermöglicht nach Eingabe einer Feed-Adresse den Download der in diesem enthaltenen
Podcast-Ausgaben.
iRadio
iRadio ist ein Radio-Tuner, der Radio-Live-Streams im MP3-Format hörbar macht. Die Streams lassen sich aus Listen mit verschiedenen Kategorien auswählen. Die Wiedergabe startet meist schon kurz, nachdem ein Stream aktiviert
wurde, so dass man die Sender wirklich annähernd schnell wie bei einem
richtigen Radio umschalten kann. Das Programm befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. So gibt es bislang noch keine eigene Lautstärkeregelung, weswegen viele Streams anfangs zu leise klingen und die Lautstärke über andere Anwendungen gesteuert werden muss.
MusicQuiz
Der Name ist Programm: Hier gilt es, möglichst schnell, dass aktuell im Hintergrund laufende Lied zu raten, indem ein Titel von fünf verschiedenen Musikstücken aus der eigenen Datenbank
angeklickt wird. Nach und nach verschwinden die falschen Titel aus der Übersicht und damit verringert sich auch die Anzahl der erzielbaren Punkte.
iPhone Power Hour
Wer schon immer einmal seine Musiksammlung im Schnelldurchlauf hören wollte, bekommt mit diesem Programm für eine Stunde lang eine zufällige Auswahl aus der Musik-Datenbank für jeweils eine Minute vorgespielt.
Weiterhin empfehlenswert sind vor allem einige Tools, die eine Anpassung von Einstellungen des iPod touch ermöglichen, die Apple selbst nicht bietet. So kann man z.B. mit "Customize" nicht nur die Optik sondern auch die Anordnung der Icons auf dem Display verändern. Das ist gerade deswegen wichtig, weil die Programme nach ihrer Installation
recht unsortiert erscheinen und nach 16 Icons auf die Display auf eine zweite Seite gewechselt werden muss. Ein weiteres sinnvolles Tools ist "Kb2", welches in den Einstellungen die Option hinzufügt, die Rechtschreib-Korrektur zu deaktivieren,
welche häufig mehr Fehler produziert als wirklich hilft.
Die "Web Applications"
Neben den Programmen, die sich nur nach einem "Jailbreak" auf dem iPod touch installieren lassen, gibt es inzwischen auch zahlreiche Web-Applikationen, die sich mit jedem iPhone oder iPod touch nutzen lassen. Der Vorteil: Diese Programme braucht man nicht zu installieren, sondern einfach nur über eine Internet-Adresse aufrufen. Der Nachteil liegt auf der Hand. Die Programme laufen nur dann, wenn eine Internetverbindung zur Verfügung steht und auch die Einstellungen können nur im Internet abgespeichert werden. Apple hat diese von verschiedenen Entwicklern erstellten Programme auf der eigenen Website unter der Adresse
http://www.apple.com/webapps/
zusammen gefasst, bietet aber leider bislang noch keine für den Mini-Safari-Browser optimierte Darstellung an.
Besser zu lesen ist hier die Seite http://iphoneapplicationlist.com, die im Browser gut auf die Display-Größe skaliert werden kann. Dort man eine Menge Spiele und spezielle Services diverser
Internet-Seiten und zum Teil sogar einige Dienste aus Deutschland wie z.B. vom Radio-Sender Antenne Bayern, aber auch andere News-Services, die einfach für die Darstellung auf dem iPhone/iPod touch optimiert sind. Denn von Nachteil ist, dass der Safari-Browser im iPhone/ipod touch viele bereits länger verfügbare Seiten, die speziell für die Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert sind, nur mit viel zu
kleiner Schrift darstellt und mit diesen auch die Skalierungs-Funktion des
touch nicht funktioniert und somit die Apple-Geräte eine besondere Formatierung erfordern. Auch wenn die Web Applikationen sich optisch so einfügen, als ob sie direkt auf dem Gerät wären, sind es letztlich aber auch nur Internetseiten, womit spezielle Tools, die die allgemeine Funktionalität des iPod touch auch mit
anderen Anwendungen verbessern, nicht möglich sind.
Fazit
Erst die vielen Erweiterungen, die bereits kurze Zeit nach dem Verkaufsstart für den iPod touch und das iPhone verfügbar sind, nutzen das Potential das Potential des Music-Players richtig aus und speziell im Musikbereich gibt es hier bereits einige recht sinnvolle Programme wie z.B. den "MobileScrobbler", der keine Langeweile
aufkommen lässt. Schade ist, dass all diese Erweiterungen erst durch unabhängige
Entwickler möglich wurden und Apple selbst nicht die Initiative ergriffen hat, um den iPod touch interessanter zu machen, der im Auslieferungsstand noch
vergleichsweise wenig kann und sich vornehmlich aufgrund seines exzellenten Web-Browsers und dem WiFi Music Store von der Konkurrenz abhebt. Es bleibt abzuwarten, was im Frühjahr geschehen wird, wenn Apple ganz offiziell die iPhone/iPod-Entwicklung freigeben wird. Zwar ist das Aufspielen des "Jailbreak" inzwischen so leicht, dass selbst Laien die Installation gelingt und
auch die Programme können über den Installer kinderleicht mit einem Fingerdruck schnell installiert und entfernt werden.
Ganz ohne Risiko ist das Ganze aber nicht, schließlich ist der Jailbreak nicht von Apple autorisiert und somit stellen eventuelle Schäden auch keinen Garantiefall dar. Außerdem sollte man auch bei der Installation der Programme etwas vorsichtig sein, da die große Popularität des iPhone/iPod touch
sicher dazu beiträgt, dass früher oder später auch Hacker hierin eine interessante Plattform für Schadsoftware entdecken, die aufgrund ihres Zugangs zum Internet für andere Zwecke missbraucht werden könnte.
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