TEST: Harman Kardons AVR-745 schockt die AV-Receiver-Elite

15.01.2007 (cr)

Einführung

Der Harman Kardon AVR-7300 war ein höchst erfolgreicher AV-Receiver, der mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 2.400 € durch seine enorme Leistungsfähigkeit und dem kräftigen, weiträumigen Klang auch sehr viel teureren Kontrahenten mächtig einheizte. Doch im schnelllebigen AV-Receiver-Business wurde der Ruf nach neuen Features immer lauter: Der AVR-7300 war nicht gerüstet für die digitale Videosignalverarbeitung, und das Lautsprechereinmesssystem war auch nicht mehr das jüngste. Zeit also für einen Nachfolger: Der 2.499 € kostende AVR-745 möchte nun in die Fußstapfen des hoch dekorierten Vorläufers treten. Mit internem Scaler und De-Interlacer mit Faroudja-Technologie sowie HDMI-Terminals präsentiert sich der HK nun zeitgemäß ausgerüstet. Des Weiteren findet sich das neue Einmesssystem EzSet/EQ II auf der Ausstattungsliste. Natürlich dürfen auch sehr leistungsfähige Endstufen nicht fehlen. 

Ausstattungsmerkmale: Logic 7 als dritter Surroundaufpolierer, USB-Schnittstelle, HDMI-Anschlüsse

Der AVR-745 liefert im Mehrkanal-Betrieb 7 X 85 Watt Dauerleistung (RMS) an 8 Ohm (20Hz – 20kHz, <0,07% Klirrfaktor, alle Kanäle gleichzeitig unter Vollaussteuerung) und je 100 Watt pro Kanal im Stereo-Betrieb. Dabei verkraften die großzügig dimensionierten Ausgangstransistoren mühelos auch extreme Stromspitzen bis zu ±75 Ampere. Die Konvertierung digitaler Signale übernehmenein 24 Bit/192 kHz DA-Wandler. 

Mitgeliefert wird eine programmierbare und vorprogrammierte Systemfernbedienung mit LC-Display in Farbe

Zum Lieferumfang gehört ferner eine ausgesprochen edel anmutende, auch einzeln erhältliche  programmierbare Systemfernbedienung (TC 30) mit integriertem Akku und Ladeschale. Sie steuert nicht nur den Receiver selbst, sondern auch die meisten Komponenten einer Heimkino-Anlage. Für den Mehrraum-Betrieb wird eine zweite, kleinere Fernbedienung (Zone II) mitgeliefert.

Verarbeitung

Ordentliche Passung der Gerätefront. Die Materialqualität ist prima, aber nicht auf absolutem Premiumlevel

Hochwertige Gerätestandfüße

Ordentliche Verarbeitung auch unter dem Gerät

Vergoldete Cinchbuchsen, sehr hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

Bezüglich der Verschraubung könnte man, z.B. durch den Einsatz verkupferter Schrauben, einen noch hochwertigeren Eindruck verwirklichen

Beispiellos: Sehr hochwertige Hauptfernbedienung, zusätzliche, gut verarbeitete Fernbedienung für Zone II

Mitgeliefert wird auch eine Ladeschale für die Akkus der Hauptfernbedienung

Die Verarbeitung des AVR-745 ist insgesamt erfreulich. Die Gerätefront präsentiert sich im bekannten Harman Kardon Zwei-Farben-Design, der neue 745 überzeugt dadurch, dass die silbernen Elemente nun tatsächlich mit Alu verkleidet sind und nicht mehr schamhaft ihre Kunststoff-Oberfläche zeigen müssen. 

Tatsächlich Aluminium: Frontverkleidung des AVR-745

Schicker Blender: Der Lautstärkedrehregler ist optisch gelungen, bietet aber weder besondere Hochwertigkeit noch einen perfekten Gebrauchswert

Nach wie vor Kritikpunkt bleibt der etwas wackelige und nicht perfekt geführte Lautstärkedrehregler, der nur seine schicke Optik ins Feld führen kann aber keine hohen Gebrauchswert bietet. Daher empfiehlt sich die Lautstärkereglung mittels der Fernbedienung, die sich bezüglich der Qualität sehr positiv in Szene setzen kann. Auch die ebenfalls mitgelieferte Ladeschale ist sauber verarbeitet und optisch gelungen. Harman Kardon liefert sogar eine zweite Fernbedienung (für Zone II) mit, die für ein Zusatz-Teil ausgesprochen gut verarbeitet ist. Hervorragend in Form ist die Geräterückseite, die Highlights werden in Form der komplett aus Metall bestehenden und zudem vergoldeten LS-Kabelanschlussterminals gestellt. 

Der AVR-745 von innen

Die Dimensionierung des Trafos fällt üppig aus - aber optisch nicht mehr so beeindruckend wie beim AVR-7300

Ordentliche Verkabelung

Große Audio-Platine

Anstatt ein heilloses Durcheinander zu zelebrieren, bindet HK sämtliche Kabel ordentlich zusammen und verstaut sie an der Seite

Auffällig ist der HK-typische spezielle aktiv-passive Kühlkanal

Seitlich gut zu erkennen ist der mehrschichtige Aufbau

Der innere Aufbau des AVR-745 ist tadellos ausgeführt, alle für die Performance wichtigen Baugruppen sind üppig dimensioniert und unterscheiden sich nicht von den Komponenten, die in viel teureren AV-Boliden der Konkurrenz stecken - allerdings war der innere Aufbau des Harman Kardon AVR-7300 unter optischen Gesichtspunkten noch überzeugender. Bilanzierend jedoch eine sehr gelungene Vorstellung des AVR-745. Gesamtnote Verarbeitung: Ausgezeichnet.

Technik und Features

Der AVR-745 ist, wie bereits beschrieben, mit einem internen De-Interlacer und einem internen Scaler ausgerüstet. Allerdings leistet sich HK hier einen Fauxpas: Der Scaler kann nur auf 720p und 1.080i hochskalieren, nicht aber auf 1.080p, was in dieser Preisklasse eigentlich mit an Bord sein sollte. Auch, dass die HDMI Interfaces dem Standard 1.1 entsprechen, ist nicht mehr sonderlich aktuell. Yamaha beispielsweise setzte bereits im Herbst vergangenen Jahres bei den Modellen RX-V1700 und RX-V2700 auf HDMI 1.2a. Und wird sind noch nicht ganz fertig mit der Kritik: Zwei HDMI-Eingänge sind drei zu wenig für diese Liga.  Nun muss man dem Harman aber eines zu Gute halten: Er bietet vielleicht nicht die üppigste HDMI-Ausstattung und nicht den modernsten Scaler, dafür jedoch ist der innere Aufbau, wie bereits beschrieben, für die Preisklasse hervorragend. Und wir nehmen lieber den dicken Trafo und die großen Elkos des 745 und genießen die damit mögliche akustische Performance, als ein Ausstattungswunder zu erstehen, das jedes erdenkliche Feature mit an Bord hat, dafür aber auf einem klanglichen Schmalspurkurs fährt. 

Vielfältige Einstellmöglichkeiten pro Quelle - natürlich gibt es auch eine A/V-Delay-Funktion fürs zeitgleiche Eintreffen von Audio- und Videosignal

Übrigens: Einen Videonormwandler, der nicht nur analoge Videosignale transformiert, sondern auch analoge in digitale Videosignale wandeln kann, ist ebenso selbstverständlich mit an Bord wie eine A/V Delay (Lip Sync) Funktion. 

Natürlich bringt auch der AVR-745 ein automatisches Lautsprecher-Einmesssystem mit

Der AVR-745 kommt exklusiv in den Genuss der neuen Harman Kardon EzSet/EQ II Technologie. EzSet/EQ II stützt sich auf das automatische Raumanpassungs- und Lautsprecher-Einpegelungs-System EzSet/EQ von Harman Kardon. Es ermittelt die akustischen Eigenheiten des Wohnraums, erstellt für jeden einzelnen Lautsprecher ein passendes Equalizerprofil und kompensiert die Signallaufzeiten. EzSet/EQ II erweitert die bereits vorhandene Einmessfunktionalität, indem es Lautsprecherkalibrierung und Raumanpassung eines zweiten Subwoofers für den Stereo-Betrieb ermöglicht. Der AVR 745 ermittelt automatisch das Equalizerprofil sowie die Signallaufzeiten beider Subwoofer. Im Testbetrieb konnte das System ausschließlich positiv auffallen - selten bei derartigen Einmesssystemen. Einmessgeschwindigkeit, Zuverlässigkeit und die Präzision der Ergebnisse waren hervorragend. 

Wer eine umfangreiche MP3-Sammlung auf seinem PC hat, wird sich über den USB-Anschluss des AVR-745 freuen: Mit dieser Schnittstelle können die AV-Receiver Streaming Media direkt vom PC übernehmen und in hoher Qualität wiedergeben. Gängige PC-Anwendungen wie Windows Media® Player, RealPlayer®, Winamp oder MusicMatch® lassen sich auch mit der Fernbedienung des Receivers steuern. Über die gleiche USB-Schnittstelle kann man auch Firmware-Updates zum AV-Receiver übertragen.

Die Wandlung digitaler Tonsignale übernehmen hochwertige 24-Bit/192 kHz D/A-Konverter von AKM. Als "Herz" des AVR-745 fungiert der Texas Instruments™ DA610 DSP-Prozessor (32-Bit, 250 MHz Taktfrequenz): Er beherrscht neben allen gängigen Raumklangformaten auch das von Harman International® entwickelte Logic 7.  Der AVR 745 verfügt über die neueste Version von Logic 7, die man mit Mehrkanal-Surround-Betriebsarten wie Dolby® Digital und DTS® kombinieren kann, was zu einer sehr sauber aufgebauten Gesamtdarbietung mit weitläufiger Surroundkulisse führt - eine rundherum gelungene Vorstellung.

Um den Frequenzgang für das Bass-Management optimal aufzuteilen, hat der Siebenkanal-Receiver eine Vierfach-Frequenzweiche: Hierbei stehen für jeden der beiden Frontkanäle sowie für den Center und die vier Surround-Kanäle jeweils sechs verschiedene Übernahmefrequenzen bereit. Außerdem lässt sich die Lautsprechergröße für jeden einzelnen Eingang separat einstellen. Das Bassmanagement wirkt auch auf den 7.1 Externeingang, die zum Betrieb für analoge Mehrkanal-Signalquellen wie DVD-Audio- oder SACD™-Spielern benötigt werden.

Wie inzwischen üblich, lassen sich auch beim AVR-745 die Surround-Back-Kanäle frei konfigurieren: Entweder fungieren sie als Surround-Back-Kanäle einer 7.1-Heimkino-Installation im Hauptraum oder als Stereo-Kanäle in einem Nebenraum. Der AVR 745 bietet ferner separate Audio- und Video-Ausgänge für den zweiten Raum.

Für besonders hohen Komfort sorgt der integrierte A-BUS/Ready® Anschluss: Damit lässt sich der AV-Receiver über ein Cat 5-Kabel mit einem AB 1 A-BUS-kompatiblen Wandmodul im Nebenraum verbinden. Dieses Wandmodul besitzt einen integrierten 2 x 15 WRMS-Verstärker mit Lautstärkeregler sowie einen eingebauten Infrarot-Sensor, der die Signale der mitgelieferten Zone-II-Fernbedienung an den zentralen AV-Receiver weiterleitet. Für noch mehr Flexibilität sorgt die serielle Schnittstelle RS-232 auf der Rückseite des Receivers. Sie ermöglicht die bidirektionale Kommunikation zwischen HiFi-Komponenten und einer computerisierten Fernsteuerung (z.B. Crestron). Über die gleiche Schnittstelle lassen sich auch Firmware- und Software-Updates einspielen.

Weitere Leistungsmerkmale: Um die Übersicht nicht zu verlieren, kann man jedem Eingang eine eigene Bezeichnung (z.B. TV, DVD-Recorder, iPod usw.) zu weisen, die sowohl im Display an der Gerätevorderseite als auch auf dem Bildschirm erscheint. Die automatische Audio-Signalerkennung ermittelt, ob die ausgewählte Quelle (z.B. der digitale Satellitenempfänger) gerade ein digitales oder analoges Tonsignal bereitstellt und passt die Konfiguration des AV-Receivers entsprechend an. 

Für jede Betriebsart gibt es Submenüs, um die exakt vom Anwender gewünschte Konfiguration zu erhalten

Besonders komfortabel wird der Umgang mit einem Harman Kardon Receiver dank des Listener Preference Systems: Hier kann der Besitzer jeder Quelle und jedem DSP-Format einen anderen Surround-Modus und eine eigene Lautsprecherkonfiguration zuweisen.

Gesamtnote Technik und Features: Ausgezeichnet

Anschlüsse

Das Anschlussangebot ist vielseitig - inklusive A-Bus und USB - aber stellenweise nicht besonders reichhaltig

Drei Komponenten- und zwei HDMI-Eingänge sind nicht als außerordentlich üppige Bestückung anzusehen

Anschlussseitig bietet der AVR-745 mit zwei HDMI-Eingängen und einem HDMI-Ausgang aus Sicht moderner digitaler Audio-/Videoschnittstellen zu wenig. Auch, dass lediglich der HDMI-Standard 1.1 umgesetzt wird, ist ein Umstand, der sich nicht zum massiven Füllen des Punktekontos eignet. Leider müssen wir noch mehr Kritik anbringen, denn auch die Bestückung mit analogen Komponenteneingängen und Komponentenausgängen ist nicht sonderlich umfangreich. Vier S-Video- und vier FBAS-Eingänge auf der Rückseite sowie zwei S-Video/FBAS-Ausgänge sind ebenfalls nicht sehr üppig, reichen aber aus - nur noch wenige dieser Low Tech-Verbindungsarten werden vom zukunftsorientiert denkenden Home Theatre-Liebhaber benötigt. 

Vorhanden sind als preisklassenübliche Selbstverständlichkeiten ein 7.1 Externeingang und ein 7.1 Vorverstärkerausgang. Drei optische und drei koaxiale Eingänge sowie ein optischer und ein koaxialer Ausgang sind vorhanden. Sechs analoge Cinch-Stereoeingänge und drei analoge Cinch-Stereoausgänge (inklusive Multiroom) sind als durchschnittlich zu bezeichnen. Sehr gut ist, dass der AVR-745 einen zweiten Subwoofer-Vorverstärkerausgang besitzt. Punkte bringt ebenfalls der UBS-Anschluss, weniger praktisch ist, dass er auf der Geräterückseite und nicht auf der Vorderseite beim sonst sehr umfangreich ausstaffierten Front AV-Eingang untergebracht ist. Für Freunde von Apples iPod findet sich auch ein Terminal für Harman Kardons iPod-Dock "the Bridge". Allerdings ist hier zusätzlich zum iPod und zum AVR-745 noch eine Investition von 99 € erforderlich. Sehr zu loben sind die leichtgängigen Lautsprecherkabel-Anschlussterminals, die komplett aus Metall bestehen und vergoldet sind, ebenso wie die gesamten Cinchbuchsen auf der Rückseite. Eine RS232C Schnittstelle und eine A-Bus-Schnittstelle vervollständigen das Angebot an Anschlussmöglichkeiten.

Zum Schluss nochmals ein kritisches Wort: Nur eine geschaltete Netzbuchse - das ist allerdings für Custom Installations nicht eben viel. Eine zweite nicht geschaltete Netzbuchse wäre hier wünschenswert.  Gesamtnote Anschlüsse: Sehr gut. 

Front AV Anschlussmöglichkeiten mit wahlweise schaltbarem Digitalein- oder Ausgang.

 

Bedienung

Das übersichtliche, aber grafisch sehr schlichte Master Menu ist der Ausgangspunkt für alle On Screen-basierten Justagen

Jede Menge zusätzlicher Einstellparameter finden sich im "Advanced Select"-Menü. Unter anderem die Zeit, die vergeht, bis sich das OSD wieder ausblendet und die Displayhelligkeit

Übersichtliches und nützliches Display der Hauptfernbedienung

Wohltuende Übersicht: Auf totales Tastenchaos verzichteten die HK-Entwickler gottseidank

Durch die ergonomische Formgebung liegt die Fernbedienung gut in der Hand

Das zweizeilige Punktmatrixdisplay ist sehr gut ablesbar. Unter der Klappe befinden sich nur wenige, übersichtlich angeordnete, aber etwas klein geratene Bedienelemente

Bei der Bedienung ist anzumerken, dass die Fernbedienung über sehr viele bereits einprogrammierte Codes verfügt, was es einfach macht, mit der TC-30 den gesamten Gerätepark zu steuern. Bei der Bedienung im Detail benötigt es, wie bei den meisten Hightech-Fernbedienungen üblich, ein wenig Zeit, sich zu orientieren. Dann jedoch klappen die Bedienprozesse sehr gut, wobei das übersichtlich und klar darstellende Farbdisplay eine prima Hilfestellung abgibt. Das OSD ist absolut schmucklos, aber relativ gut strukturiert. Alle Justagen sind dadurch relativ einfach und übersichtlich zu bewerkstelligen. Das zweizeilige Punktmatrixdisplay ist sehr gut ablesbar und bietet viel Informationen. Gesamtnote Bedienung: Sehr gut - ausgezeichnet. 

Testequipment

Einer der zahlreichen Testaufbauten

Nur ausgesuchte, leistungsstarke Komponenten kamen im Testgerätefuhrpark zum Einsatz

Videofunktionen und deren Qualität

Video-Hauptmenü mit vielen Justagemöglichkeiten, unter anderem kann auch die Art des Bildwiedergabegerätes eingestellt werden

Ausgezeichnet: Umfangreiche Einstelloptionen, unter anderem auch fürs De-Interlacing, stempeln den AVR-745 zum veritablen Videoprozessor

Betrachtungsverhältnis, Helligkeit und Kontrast sind ebenfalls regelbar

Der AVR-745 ist im Gegensatz zum AVR-7300 komplett für die digitale Videosignalverarbeitung gerüstet. In allen Disziplinen können insgesamt erfreuliche Leistungen notiert werden. Zudem gibt es umfangreiche Einstellmöglichkeiten, sogar ein paar Video EQ-Funktionen sind mittels OSD abrufbar. Beginnen wir mit dem schlichten Durchschleifen von HDMI-Signalen. Hier sind die Möglichkeiten allerdings bezüglich des Zuspielervolumens stark begrenzt, da nur zwei HDMI Eingänge vorhanden sind. Die Arbeit selber, sprich das Durchlassen der eingehenden HDMI-Signale zum Ausgang und das Switching zwischen den Eingangssignalen gelingt dem Harman Kardon in untadeliger Qualität. Der AVR-745 erfüllt daher die Aufgabe eines kleinen 2er HDMI-Switches hervorragend. Das nächste Thema: Die Wandlung analoger in digitale Videosignale. Wir haben ein analog eingehendes Komponentensignal in ein digitales HDMI-Komponentensignal umgewandelt. Eine sehr hohe Bildschärfe, keinerlei störende Veränderungen bei Farbgebung und Bildhelligkeit sowie Kontrast waren die ausgesprochen positiven Folgen. Auch hier also Spitzennoten für den AVR-745. Nächste Aufgabe: Ein eingehendes FBAS-Signal minderer Qualität wird zunächst digitalisiert und anschließend umfangreich bearbeitet. Es folgt eine Signalumwandlung auf Komponente, anschließend dann De-Interlacing und Upscaling auf 720p. Verwendet wurde für die Testreihen unsere Star Wars-Kollektion (Ep. 2, Ep. 3 und Ep. 4). Ebenfalls haben wir uns verschiedene Konzert-DVDs angeschaut, deren enthaltenes Material mit Videokameras gedreht wurden. Die Ergebnisse waren insgesamt sehr gut. Dass es sich ursprünglich um ein FBAS-Signal handelt, wird kaum noch deutlich, da der AVR-745 ein nahezu rauschfreies und erstaunlich farbechtes Bild aufbereitet, das zudem durch seine Schärfe überzeugt. Auch sonst gibt sich der große HK-AV-Receiver kaum eine Blöße. Es gibt sicherlich nochmals bessere De-Interlacer - ab und zu traten leichte Nachzieher und Ruckelbewegungen beim De-Interlacing von Videomaterial auf - bilanzierend jedoch fällt gerade bei Filmmaterial die scharfe und klare Wiedergabe auf. Der Scaler agiert ausgezeichnet und ermöglicht ein reichhaltig detailliertes Bild, in dem auch kleine Einzelheiten nicht durch Doppelkonturen oder Flimmern negativ ins Auge stehen. Auch das Upscaling auf 1.080i (1.080p beherrscht der AVR-745 nicht, das 1.080i-Signal muss demnach vom Bildwiedergabegerät de-interlact werden, da alle modernen Bildwiedergabegeräte für die Bilddarstellung Vollbilder benötigen) von Halb- in Vollbilder umgewandelt werden) gelingt dem Harman Kardon absolut tadellos. Die hohe Bildplastizität und die feine Darstellung auch von Mustern und Objekten im Hintergrund zeigen die Qualitäten eindrucksvoll. Natürlich kann man die Qualitäten von De-Interlacer und Scaler noch besser dediziert bewerten, wenn man ein analoges YUV 576i Signal  anstatt eines FBAS-Signals einführt - auch dies haben wir selbstverständlich getan und waren sehr angetan von den Leistungen des AVR-745. Ingesamt vergeben wir ein "ausgezeichnet" für die Videosektion. Noch höher würde der AVR-745 auf unserer Beliebtheitsskala steigen, wenn es eine 1.080p Signalverarbeitung gäbe. Minimaler Feinschliff am De-Interlacer wäre auch noch nötig - aber es handelt sich wirklich nur um Detailarbeit, die die besonders akkurate Darstellung von Videomaterial betrifft. 

Klang

Der AVR-745 überzeugt mit seiner enormen Pegelfestigkeit

Wir werden Ihnen, verehrte Leser, eine präzise Einordnung des gesamten akustischen Profils des AVR-745 geben, damit Sie die enorme Leistungsfähigkeit dieses außergewöhnlichen AV-Receivers auch anhand vielfältiger Beispiele nachvollziehen können. Selbstverständlich ist nur ein ausführlicher eigener Check die richtige Möglichkeit, herauszufinden, ob der Siebenkanal-AV-Receiver aus dem Hause Harman Kardon das geeignete Modell für die eigene Anlage ist - aber wir möchten einige Anhaltspunkte geben, damit Sie die Möglichkeit haben, herauszufinden, ob das Gerät unter Umständen in der näheren Auswahl landet.

Wir beginnen mit einem Vergleich zum Vorgänger AVR-7300, der im damaligen Test Bestmarken setzen konnte. Dies verdankte er seine extremen Pegelfestigkeit und dem angenehmen, kräftigen Klang. Wir konnten feststellen, dass der AVR-7300 eine ausgesprochen harte Konkurrenz selbst für doppelt so teure Luxusboliden war. Diese konnten zwar mit weit umfangreicherer Ausstattung punkten, doch diese ist für die Klanggüte nicht von Relevanz. Der hervorragende innere Aufbau und die Verwendung hochwertiger, für die akustische Umsetzung zuständiger Baugruppen brachten den gewünschten Erfolg. Wer maximale Klangqualität zum möglichst kleinen Kaufpreis suchte, lag beim AVR-7300 goldrichtig. 

Mittlerweile hat sich einiges getan. Nicht nur, dass die Ausstattung des AVR-7300, die damals eigentlich schon den Zenit ihrer Aktualität überschritten hat, mittlerweile tatsächlich veraltet ist, auch klanglich hat sich einiges getan. Von oben, aber auch von unten weht dem AVR-7300 ein harter Wind entgegen. So stellt insbesondere der mit 1.799 € sehr günstige Marantz SR8001, der akustisch sehr dynamisch und nachdrücklich auftritt, eine massive Bedrohung dar. Von oben drückt der ausstattungstechnisch nahezu perfekt ausgerüstete und zudem ausgesprochen gut klingende Denon AVC-A11XVA aufs Selbstbewusstsein des AVR-7300 - keine leichte Situation und höchste Zeit für den Nachfolger.

Dieser allerdings, so stellte sich in unseren sehr ausführlichen Testsequenzen heraus, lehrt der gesamten Konkurrenz erneut das Fürchten. Beginnen wir bei der Performance, die die aufwändig aufgebaute interne Siebenkanal-Endstufe bereitstellt. Schamlos legt sich der AVR-745 mit den größten Boliden der Branche an - und für sich betrachtet außerordentlich pegelfeste Modelle wie der Denon AVC-A11XVA, mit rund 4.000 € deutlich teurer, können sich nicht gegen den massiv auftretenden Harman Kardon durchsetzen. Hier ist hinzuzufügen, dass der AVR-745 in Pegelbereiche vordringen kann, die kaum jemand in der Praxis wirklich benötigt. Nun gut, werden sich jetzt manche fragen, wenn diese enorme Leistungsfähigkeit eher theoretischer Natur ist, wieso wird sie dann als großer Vorteil herausgestellt. Die Antwort ist einfach: Bei Lautstärken, bei denen man anderen, selbst eigentlich sehr kräftigen AV-Verstärkern und -Receivern schon leichte Anstrengung anmerkt, bleibt der AVR-745 absolut souverän. Der Bass bleibt satt und klar, nahezu jedes tieffrequente Detail wird auch bei stark gehobener Lautstärke herausgearbeitet. Der Hochtonbereich bleibt ebenfalls sauber und differenziert. Überragend trennt der AVR-745 auch bei hohem Pegel die einzelnen Frequenzbereiche voneinander und bietet so einen sehr akkuraten Aufbau. 

Vergleichen wir mit dem AVR-7300, so ist das Differenzierungsvermögen, welches der AVR-745 bei großen Lautstärken ermöglicht, nochmals besser. Details werden sehr plastisch eingearbeitet. Wie bereits vom AVR-7300 her bekannt, lässt sich der AVR-745 auch von mehrstündigen Dauerläufen mit ausgesprochen hoher Lautstärke -  80 % des maximal möglichen Pegels - nicht aus der Ruhe bringen. Wir hatten als "Härtetest" noch zwei Geräte auf den AV-Receiver gestellt, um nachvollziehen zu können, wie sich die Leistungsentfaltung und die Leistungsbereitschaft unter ungünstigen Bedingungen entwickelt. Auch dies war keine schwierige Übung für den Harman-Receiver, er erhitzte sich zwar verständlicherweise unter solchen Rahmenbedingungen merklich, aber weder Bassschwäche noch ein schriller Hochtonbereich deuteten die Grenzen der eingebauten Endstufeneinheit an. 

Vergleichen wir mit dem Marantz SR8001, so müssen wir als erstes erneut den sehr gut und praxisgerecht ausstaffierten Marantz-Receiver loben. Er bietet eine Performance, die für ein nicht einmal 1.800 € kostendes Gerät beispielhaft ist. Bei großem Pegel wirkt der Denon AVR-4306 hörbar angestrengter. Im Vergleich zum AVR-745 jedoch muss selbst der Marantz SR8001 Federn lassen, was in Anbetracht des Preisunterschiedes aber auch nicht verwerflich ist. Souveräner, druckvoller, räumlich intensiver geht der Harman ans Werk - und erzielt so mühelos ein vielschichtiges Klangbild bei hohen Lautstärken, dass selbst Boliden vom Schlag eines Pioneer VSA-AX10Ai-S oder eines Onkyo TX-NR5000E sich nicht vom Harman Kardon absetzen können - im Bassbereich setzt der preiswerte HK sogar die Maßstäbe! Das ist nicht anders als mit dem Wort "meisterlich" zu umschreiben, als wäre es eine Leichtigkeit, liftet sich der AV-Receiver mit seiner Leistungsfähigkeit auf das Niveau guter reiner Endstufen! Mit dieser Ausnahmeleistung legt der AVR-745 den Grundstein für den späteren sensationellen Testerfolg. 

Doch der AVR-745 kann noch viel mehr, als nur durch eine Pegelfestigkeit auf Spitzenniveau zu glänzen: Bereits bei Zimmerlautstärke entfaltet er ein großartiges akustisches Charisma. Schon seine Fähigkeit, Stimmen wiederzugeben, begeistert. Hier steckt er die meisten Konkurrenten in die Tasche, so vielschichtig wirkt der akustische Aufbau. Sehr gern ziehen wir für derartige Testreihen die 3. Star Wars Episode zur Rate. Hier gibt es verschiedene Dialogszenen, z.B. zwischen Amidala und Anakin  (in der gemeinsamen Wohnung) oder auch zwischen Anakin und Palpatine (in der Oper), die von vielen auch guten AV-Receivern zu oberflächlich behandelt werden. Auch der AVR-7300 agierte hier nach heutigen Maßstäben nicht mehr meisterlich, sondern verpasst es, den Stimmen Ausdruck und Gefühlstiefe mit auf den Weg zum Auditorium zu geben. Genau diese beiden Faktoren jedoch zeichnen die Akustik des AVR-745 aus. Gerade auch Amidalas Stimme klingt sehr authentisch, so dass das große Maß an Emotionen auch verständlich zum Zuhörer getragen wird. Dass es sich beim Noch-Kanzler Palpatine um einen intergalaktischen Bösewicht ersten Ranges handelt, verdeutlicht der 745er ebenfalls: Er gibt genau diese feinen Zwischentöne in der Stimmfärbung wieder, die die gefährliche, bedrohliche Falschheit Palpatines beinhalten. 

Hören wir uns den Music Score von Ep. 3 an, so wird ebenfalls deutlich, dass sich der AVR-745 im Vergleich zum AVR-7300 nochmals besser schlägt: Er bringt ein sensibleres Wesen mit. Setzte der 7300 noch mehr den Schwerpunkt auf ein kräftiges und gleichzeitig ausgeglichen-homogenes Klangbild, so brilliert der AVR-745 über diese Eigenschaften hinaus auch noch mit einer enormen Fähigkeit, kleine klangliche Details aufzugreifen und diese plastisch einzuarbeiten. Dies hat Folgen fürs gesamte akustische Bild: Der Auftritt des neuen Modells wirkt gediegener, erwachsener, kompletter. Hier misst sich der AVR-745 mit Größen wie einem Onkyo TX-NR5000E und lässt gar einen Pioneer VSA-AX10Ai-S hinter sich: So feinfühlig agiert der große Pioneer nicht. Hier merkt man, dass der Zahn der Zeit beträchtlich am ehemaligen Referenzgerät nagt. Nach wie vor ist der Pioneer ein sehr gelungener AV-Verstärker, aber der HK zeigt eindrucksvoll, dass auch, was die klangliche Fortentwicklung angeht, die Zeit nicht stehen geblieben ist. Es ist heute sehr wohl möglich, enorme Kraftreserven mit einem höchst kultivierten und detaillierten Aufritt zu verbinden. Der AVR-745 kann übrigens nach wie vor, ebenso wie der AVR-7300, mit unglaublicher Wucht zuschlagen. Bei der Explosion bei der Landung von Amidalas Raumschiff (Episode 2) erbebt der Hörraum in seinen Grundfesten. Mit seiner Fähigkeit, problemlos ein hohes Maß an Energie für den Bassbereich zu liefern, eignet sich unser Testkandidat auch ausgesprochen gut in Verbindung mit sehr voluminösen Standlautsprechern, die sehr tiefe Bassanteile reproduzieren können, dabei aber nach einem leistungsstarken Verstärker verlangen, da derartige Boxen in sehr geringe Ohm-Bereiche vordringen und Laststabilität benötigen. 

Bei "Gladiator" beeindruckt der AVR-745 erneut durch die Mischung aus Gelassenheit, Dynamik, Klarheit, Facettenreichtum und schierer Kraft. Er ist in der Lage, sich blitzschnell der aktuellen cineastischen Situation anzupassen. Den groß angelegten Angriff der römischen Truppen gleich zu Beginn des Films meistert der Harman Kardon-Receiver wie einen entspannenden Spaziergang. Kraft ist stets im Überfluss vorhanden, das lässt alles so leicht, direkt und spielerisch wirken. Überragend übrigens harmoniert der AV-Receiver mit unseren Canton Sets aus der Ergo- und der Karat-Serie, während das preiswerte GLE-Set schlicht und einfach die Fähigkeiten des 745ers nur unzureichend umsetzen kann. Hier wäre eher ein AVR-340 oder ein neuer AVR-445 die richtigen Spielpartner. Sehr gut passt auch das Teufel Theater 10, gerade frisch im Preis reduziert, zum Harman Kardon, zusammen geben die Komponenten ein wahres Home Theatre-Dreamteam ab, das bezahlbar bleibt und praktisch keinerlei Wünsche mehr offen lässt. Die Fähigkeit der passiven Lautsprecher des Theater 10, Details fein zu durchzeichnen (auch bei sehr hohem Pegel) und gleichzeitig viel Nachdruck zu entfalten, korrespondiert hervorragend mit der Auslegung des AVR-745. 

Insgesamt, dies ist ein klarer Vorteil des AVR-745, sind sehr viele Lautsprecher-Kombinationen möglich, aufgrund der zur Verfügung stehenden Leistung kann man auch Schallwandler mit enorm guten klanglichen Eigenschaften, aber eher durchschnittlichem Wirkungsgrad am Harman Kardon-Receiver betreiben. 

Der AVR-745 ist dank seiner sensibleren Auslegung auch für die Liebhaber von klassischer Musik sehr interessant. Ganz gleich, ob mittels 5.1 DD/DTS-DVD oder mittels DVD-A/SACD (das Bassmanagement des Receivers wirkt löblicherweise auch über den externen 7.1 Analogeingang) zugespieltem Material: Der Aufbau überzeugt durch räumliche Weite, natürliche Struktur und angenehmes Grundvolumen. Große Orchestermusik kommt so exzellent zur Geltung, da der AVR-745 die imposante Dynamik, die eine so große Anzahl an Musikern bereit stellen kann, sehr direkt zum Auditorium trägt. So empfindet der Zuhörer das Geschehen dann als sehr intensiv, zumal jede Instrumentengattung innerhalb des Orchesters sehr präzise zur Geltung kommt. Auch, wenn man normale CDs aufpoliert, sind die Ergebnisse überragend. Ganz besonders dann, wenn man das Harman-eigene Logic 7 fürs Aufpolieren von Stereo-Tonspuren auf 5.1 oder 7.1 einsetzt. Eine authentisch wirkende räumliche Abbildung, ein kraftvoller, aber nie vordergründiger Bass und ein stimmig akzentuierter Mitteltonbereich sind die Kennzeichen. PLIIx und Neo:6 fallen im direkten Vergleich etwas ab, insbesondere Neo:6 wirkt klanglich zu schmal und verbreitet kaum Faszinationspotential.

Die Stereo-Klangqualitäten des AVR-745 beweisen ebenfalls, dass sich die versammelte Konkurrenz etwas einfallen lassen muss, um den Harman Siebenkanal-Receiver schlagen zu können - aktuell ist niemand in Sicht, der dem Alleskönner gefährlich werden könnte. Wir haben mit guten Stereoverstärkern verglichen und müssen dem AVR-745 konstatieren, dass er bezüglich dem gesamten Aufbau, der Einarbeitung kleiner Feinheiten und der Homogenität des Klangbildes nahezu mit reinen Stereoverstärkern gehobener Preisklassen gleichziehen kann. Dem erfahrenen Hörer mögen noch Kleinigkeiten auffallen, die der reine Stereoverstärker noch besser erledigt - wie z.B. die völlige Loslösung des Klangs von den Lautsprechern - aber für ein eigentlich als AV-Receiver konzipiertes Gerät sind die Resultate überragend. Besonders auch die Feindynamik überzeugt, der AVR-745 legt nie einen ungehobelten Charakter an den Tag, sondern bindet viele Einzelheiten stets sauber und zugleich dynamisch ins Gesamtgeschehen ein. Der straffe, aber nie zu schmale Bassbereich überzeugt absolut, es ist in jeder Lebenslage mehr als genug Kraft vorhanden.

Das schicke mitgelieferte Messmikrophon arbeitet sehr exakt

HK liefert auch gleich einen passenden Stab zur Montage auf einem Stativ mit

Kein manueller EQ - nur Bass und Höhen sind manuell einstellbar

Noch ein Wort zur Wirkung des Lautsprecher-Einmesssystems inklusive Room EQ: Zwar verzichtet Harman Kardon auf die Zugabe eines manuellen EQs, allerdings arbeitet der automatische ausgesprochen überzeugend. Auch hier also enorm gute Noten, weil sich Harmans EzSet/EQ II sogar bei der Wiedergabe von Musik als sehr guter Partner entpuppt. Mit aktiviertem Room EQ klingt der 745 noch eine Idee strukturierter und runder, das ist wahrhaftig überraschend, denn oftmals konnte man gerade bei der Musikwiedergabe eher von einem weniger klaren und nicht besonders tief gehenden Klangbild ausgehen. In vielen Fällen war es so, dass das Room Equalizing bei automatischer Ermittlung der Parameter eher für die Filmtonwiedergabe mit hohem Pegel ausgelegt erschien: Es wurde an Hochton-Brillanz und an Durchzeichnung weggenommen, der Klang wurde einfältiger. Der AVR-745 mit Room EQ hingegen greift stimmiger ein: Ohne bei hoher Lautstärke ins Unangenehm-Schrille oder Aggressive abzudriften, wird eine höchst angenehme Form klarer Brillanz geboten. Zudem haben wir den Eindruck, dass Harmans Room EQ sich sehr präzise nach den Möglichkeiten der angeschlossenen Lautsprecher richtet und nicht irgendwelche für nahezu alle LS-Systeme passenden Mittelwerte zusammenrechnet. Kleiner Nachteil des HK-Systems: Es wird nur für eine Hörposition eingemessen, was den Sweet Spot sehr klein macht. Für die nächste Generation wäre daher eine Überarbeitung anzuraten, die das Einmessen an mehreren Hörpositionen ermöglicht. 

Gesamtnote Klang in Anbetracht der Preisklasse: Hervorragend - perfekt.

Fazit

Meisterlich: Der AVR-745 kann sich blendend in Szene setzen

Mit seinen weit überragenden akustischen Fähigkeiten setzt der Harman Kardon AVR-745 Akzente  - auch sehr deutlich über seine Preisklasse hinaus. Es gibt keine klangliche Disziplin, in der das mit rund 2.500 € sehr preisgünstige Gerät sich hinter doppelt so teuren AV-Boliden der Luxusklasse verstecken muss, im Gegenteil: Der satte, klare Bass und die höchst angenehme, räumlich dichte Klangcharakteristik setzen neue Gesamtmaßstäbe. Das ist auch der Grund, weshalb wir dem Siebenkanal-AV-Receiver die höchste mögliche Testauszeichnung verleihen: Für nicht einmal 2.500 € haben wir hier eine Komponente vor uns, die auch für den außerordentlich anspruchsvollen Heimkino- und Mehrkanal-Musikliebhaber bestens geeignet ist. Dass der AVR-745 nicht allzu Respekt einflößend aussieht, sondern eher seinen preiswerteren "Geschwistern" gleicht, macht sein Auftreten als Wolf im Schafspelz perfekt. Niemand würde dem im typischen Harman Kardon-Design gehaltenen 745er derartige Leistungsexplosionen zutrauen. Im Vergleich zum Vorgänger setzt das neue Modell noch mehr auf gekonnte Feindynamik und trumpft mit einem erstaunlich sensiblen Detaillierungsvermögen auf. Auch für den AVR-745 spricht, dass mit Logic 7 ein drittes leistungsfähiges Surround-Soundsystem mit an Bord ist. Logic 7 ermöglicht stets einen räumlich weiten, facettenreichen Klang und besticht durch den nachdrücklichen, voluminösen, aber nie künstlich aufgeblasenen Bass. Moderne AV-Receiver müssen auch Videoschaltzentralen sein - so möchte es der Markt. Unser Testkandidat gibt sich hier zwei minimale Blößen: Nur zwei HDMI-Eingänge und kein 1.080p-Upscaling. Dafür entschädigen der exzellente Videonormwandler und der außergewöhnlich akkurat arbeitende Scaler. Und: Bedenkt man, zu welch akustischen Großdaten der AVR-745 in der Lage ist, dann wird ohnehin schon sehr viel mehr offeriert, als man für den Kaufpreis eigentlich erwarten kann. Dass die Videosektion zusätzlich noch so gut gelungen ist, hebt den Status des AVR-745 nur noch weiter an. Sehr zu loben ist auch die hochwertige, elegante und flexibel einzusetzende Fernbedienung. So viel Freude bereitet die Bedienung des gesamten Heimkino-Geräteparks sonst kaum, vergleicht man mit den oft eher sorglos konstruierten Fernbedienungseinheiten vieler Kontrahenten. Bilanzierend können wir festhalten: Das Reich der AV-Receiver hat einen neuen Imperator - und es ist einer, der in unsere kosten-minimierte Zeit bestens passt: Nicht ein neuer sündhaft teurer Feature-Superstar macht die Pace, sondern ein fair feilgebotener Alleskönner, der klanglich der gesamten Konkurrenz den Weg nach Hause leuchtet.

Neuer Champion: Der preiswerte AVR-745 schlägt akustisch die gesamte Boliden-Elite

Masterpiece AV-Receiver Oberklasse
Test 15. Januar 2007
Preis-/Leistungsverhältnis

+ Enorme Kraftreserven ermöglichen auch den Einsatz in extensiven Hörräumen
+ Sehr kultivierter, gleichzeitig aber dynamischer und facettenreicher Klang
+ Überragend integriertes Logic 7
+ Sehr wirkungsvolles, präzise arbeitendes Lautsprecher-Einmesssystem
+ Ausgezeichnete Qualitäten als Videoschaltzentrale
+ Hochwertiger innerer Aufbau
+ Edel anmutende, flexibel einsetzbare Fernbedienung
+ Ausgesprochen günstiger Kaufpreis

- Nur 2 HDMI-Eingänge
- Kein 1.080p Upscaling

Test: Carsten Rampacher
15. Januar 2007

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