Burosch Display Tuning: Mit Referenzsignalen zur optimalen Bildqualität

28.09.2007 (cr)

 



Heutzutage haben Flachbildschirme eine marktbeherrschende Position - der gute alte Röhrenfernseher besitzt bezüglich der Verkaufszahlen und Zukunftsperspektiven keine Chancen mehr. Umso wichtiger ist es also für den potentiellen Flachbildschirm-Kaufinteressenten, das ins Auge gefasste Display vor bzw. direkt nach dem Kauf auf Herz und Nieren zu prüfen. Damit ist nun nicht gemeint, dass man 50 Mal ein HDMI-Kabel ein- und aussteckt, um die Widerstandsfähigkeit der Anschlussbuchsen auf eine harte Probe zu stellen - nein, es geht um eine objektive Überprüfungsmöglichkeit für die Bildqualität. Um dem Anwender diese an die Hand zu geben, hat der renommierte Stuttgarter Videosignal-Spezialist Burosch aus seinem Sortiment von über 3000 Testbildern zwölf Testbilder in 1.920 x 1.080 Pixeln Auflösung herausgenommen, um glasklar die Stärken und Schwächen moderner Full HD-Panels herauszustellen. Burosch kann auf eine jahrelange Erfahrung bezüglich der Entwicklung von Testbildern zurückblicken und arbeitet eng mit führenden Firmen aus den Bereichen Unterhaltungselektronik und Automotive zusammen. Die Testbilder sind komplett mathematisch berechnet und glänzen von daher mit 100 % Präzision. Besonders interessant ist: Diese Testbilder können auf www.burosch.de kostenlos herunter geladen werden (In SD und HD Qualität). Der Kunde hat somit die Möglichkeit, vor einem A/B-Vergleich beim Neukauf die Geräte optimal einzustellen, so dass Stärken und Schwächen exakt sichtbar werden. Fest steht: Das perfekte Display gibt es nicht. Alle namhaften Anbieter haben mittlerweile einen guten Standard erreicht, der aber doch noch weit von einer visuellen Perfektion entfernt ist. Je nach Firma treten unterschiedliche Stärken sowie Schwächen in den Vordergrund - es bleibt Kunden/Anwender überlassen, welche Stärken in seinem persönlichen Präferenzprofil fokussiert werden und mit welchen Schwächen er am besten leben kann: Manche Geräte glänzen mit exzellenter Farbwiedergabe, haben dafür aber Schwächen in der Bewegungsdarstellung, andere Flachbildschirme besitzen einen hervorragenden De-Interlacer/Scaler, haben aber Schwierigkeiten, einen Farbraum (PAL/NTSC/HDTV) akkurat 1:1 wiederzugeben. Selbstverständlich sind die Testbilder auch dazu geeignet, z.B. bei Freunden eine optimale Einstellung des Flachbildschirms vornehmen zu können - dies ist gar nicht so schwierig, wenn man sich ein wenig mit der Materie auseinander gesetzt hat.

Im folgenden Text möchten wir Ihnen stellvertretend aus dem Burosch Testsignalsortiment 12 Testbilder und deren Nutzen in der Praxis genau vorstellen. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Referenzsignalbilder, beispielsweise um Schwächen bei LCDs (Bewegungsdarstellung, Blickwinkel) zu analysieren.

Grautreppen-Testbild

1. Grey Values: Im Idealfall sollte das zu prüfende Geräte mit Hilfe dieses Testsignals 256 Graustufen sichtbar machen. Im einzelnen handelt es sich um 16 vertikale Streifen, in denen wiederum 16 kleine Quadrate integriert sind. Der Anwender muss als erstes die Panelhelligkeit so einstellen, dass möglichst alle Balken und die in den Balken eingefügten Quadrate sichtbar sind - was schon kein Unterfangen darstellt, da die leichtem Kontrast zu den Balken gehaltenen Quadrate von kaum einem Flachbildschirm perfekt, d.h. komplett, wiedergegeben werden. Daher muss der Anwender den Kompromiss finden, der die für das Gerät optimalen Darstellungsmöglichkeiten zeigt. Insgesamt heißt dies, dass nicht nur in den dunklen, sondern auch in den hellen Bildbereichen eine einwandfreie Kontrastdarstellung gewährleistet sein muss. Eine wichtige Anmerkung zur korrekten Kalibrierung: Erst die Helligkeit mittels des entsprechenden Parameters im Video-EQ des Flachbildschirms/Beamers einstellen und erst in einem zweiten, darauf folgenden Schritt den Kontrast justieren. 

Line Squares

2. Line Squares: Mit Hilfe dieses Testbildes prüft der Anwender die Bildschärfe, um eine direkte Verbindung zum praktischen, alltäglichen Nutzen zu schaffen, sind auch gleich Schriften integriert, um die Auswirkungen von Anheben oder Absenken der Gesamtbildschärfe direkt an einem häufig vorkommenden Beispiel überprüfen zu können. Des Weiteren sind verschieden auflösende und gerasterte Pixelstrukturen in diesem Testbild enthalten, um nicht nur Schwächen in der horizontalen, sondern auch in der vertikalen Auflösung ausfindig zu machen. Diese Funktionalität ist ausgesprochen clever: Denn es gibt durchaus Flachbildschirme, die mit nahezu perfekter horizontaler, aber eher unzureichender vertikaler Auflösung daherkommen. 

Scaling-Testbild

3. Scaling: Ein heikles Thema sind nach wie vor die oftmals stark verbesserungwürdigen Scalingfähigkeiten vieler Flachbildschirme. Dieses Testbild deckt Scalingschwächen schonungslos auf. Im Idealfall würde der Anwender nur exakt diagonal verlaufende, rauschfrei dargestellte schwarz-weiße Linien sehen. Sind diese nicht erkennbar und gesellen sich unschöne Rauschmuster hinzu, arbeitet der interne Scaler nicht korrekt. Was Burosch und AREA DVDS leider verstärkt beobachtet haben: Auch dann, wenn man einem Full HD Panel ein 1.920 x 1.080-Signal zuführt, ist TROTZDEM keine 1:1 Darstellung des bereits in Full HD vorliegenden Signals gewährleistet. Dies ist betrüblich, denn bei Zuführung eines Full HD Signals müsste man die oftmals unzureichende Scalingelektronik eigentlich gar nicht verwenden - sie könnte komplett umgangen werden, um das Panel mit dem Signal nativ und Pixel per Pixel anzusteuern, wie beim "Pure Direct Mode" bei hochwertigen Audioverstärkern, wo die komplette interne Signalverarbeitungselektronik in die Warteschleife geschickt wird. Vertrauen daher nicht Prospektangaben über angebliche Full HD-Darstellungsmöglichkeiten, sondern testen Sie selbst wie gut a) der interne Scaler arbeitet und ob b) eine komplett unskalierte 1:1 Wiedergabe von Full HD Signalen gewährleistet wird. 

Magenta-Grün-Auflösung (MGA)

4. MGA (Magenta-Grün-Auflösung, Luminanz/Chrominanz-Auflösung): Mittels dieses Testsignals kann der Anwender den Frequenzgang von Helligkeit (Luminanz) und Farbe (Chrominanz) sowie die entsprechende Abhängigkeit zueinander überprüfen. Physikalisch bedingt, weist die Luminanz stets die doppelte Frequenz von der Chrominanz auf. Dieses Verhältnis wird in diesem Testbild verdeutlicht. Nun kommen wir jedoch zum eigentlichen Kern dieses Testbildes: Bei exakter Wiedergabe werden bei 37,1373 MHz Luminanz (im Bildschirm oben rechts, das ist die theoretisch maximale Auflösung) genau 1 Pixel weiß und ein 1 Pixel schwarz dargestellt . Es dürfen keinerlei Farbstiche an diesem Punkt enthalten sein - nur reines Schwarz und Weiß sollten im Idealfall zu sehen sein. Weder Artefakte noch Rauschmuster im Luminanz- bzw. Chrominanzbereich dürfen den Gesamteindruck negativ beeinflussen. 

Stars

5. Stars: Das Testbild ist über die gesamte Bildfläche symmetrisch aufgebaut und dient zur Einstellung der Bildschärfe und zur Beurteilung der Gleichmäßigkeit der Farbdarstellung. Mittels der Rasterung lässt sich präzise ausmachen, wann die Bildschärfe, sichtbar an Doppelkonturen ("Heiligenschein"), zu hoch eingestellt ist (übersteuert), bzw. wann zu wenig Bildschärfe vorhanden ist (Linien wirken nicht exakt gezeichnet, Bild ist zu weich). Die Gleichmäßigkeit der Farbdarstellung zeigt sich in der Ausprägung der farbigen Sterne. Im Idealfall sollten der rote, der grüne und der blaue Stern in identischer Intensität wahrgenommen werden. Dies ist allerdings, hier wollen wir ernüchternd eingreifen, blanke Theorie, kaum ein Flachbildschirm oder Beamer weist eine komplett einheitliche, stimmige Farbverteilung auf. Aufgabe eines solches Testsignals ist es, noch vorhandene Schwächen zu lokalisieren und deutlich für jedermann verständlich sichtbar zu machen. 

Colour Sweep

6. Colour Sweep: Was nutzt die theoretisch beste Bildqualität, wenn in der Praxis Anschlussschwächen bzw. Fehleinstellungen im Menü vorhanden sind. Diese kann man mittels des Colour Sweep-Testsignals ausfindig machen. Je differenzierter die Linien nach unten gehen, umso hochwertiger ist die Signalübertragung. Anhand dieses Testbildes lässt sich sehr leicht nachvollziehen, welche Vorteile die HDMI-Verbindung bezüglich der Bildreinheit mit sich bringt: Qualitativ schlechte FBAS und S-Video Signale werden so direkt entlarvt, da sich unschöne Bildfehler einschleichen: Die Grün-/Magenta-Linien in der unteren Bildhälfte können nicht mehr auseinander differenziert werden. Die Grün-/Maganta-Darstellung ist die technisch anspruchsvollste, weil diese beiden Farben im Farbraum an weitesten auseinander liegen und somit am schwierigsten darzustellen sind.

Pixel Cropping

7.Pixel Cropping: Dieses Testbild soll mögliche Overscan-Probleme offen darlegen. Zusätzlich ist es mittels des im Testbild eingebauten Scaling Testsignals möglich, a) zu überprüfen, ob skaliert wird und b), wie gut. An den vier weißen Pixel Cropping Keilen kann der Anwender kontrollieren, ob das Bild möglichst komplett dargestellt und nicht an einer oder mehreren Seiten beschnitten wird. Durch die Zahlenstruktur ist es problemlos möglich, zu überprüfen, ob unterschiedlich stark abgeschnitten wird und somit deutlicher Overscan festzustellen ist. 

Colour Bars

8. Colour Bars: Mit diesem Testbild kann zweierlei überprüft werden: Zum einen muss die Trennlinie zwischen den benachbarten Farben absolut exakt verlaufen (sehr kritisch: Farbverlauf Grün/Magenta, sieht auch Colour Sweep), zum anderen müssen alle Farben rein und satt dargestellt werden, mit einer 100-prozentigen Intensität. 

Faces

9. Faces: Dieses Testbild ist besonders praxisgerecht, denn die Natürlichkeit der Wiedergabe von Hauttönen steht hier im Zentrum. Zwei junge Damen mit unterschiedlichem Teint schaffen besonders schwierige Bedingungen für den Flachbildschirm - denn in den hellen und dunklen Bildbereichen, bei hellerer und dunklerer Hautfärbung, muss das identische Differenzierungsvermögen gegeben sein. Ein schlechtes Display zeigt bei Hautfarben schlechte, harte Übergänge, ein gutes Display modelliert weich und fließend. Ein natürlicher, authentischer Bildeindruck soll im Idealfall gegeben sein. Gleichzeitig können mit dem Testbild die Intensität der Farbeinstellung sowie der Weißabgleich (Farbreinheit) kontrolliert werden.

Moving Ramp

10. Moving Ramp: Im Idealfall soll bei diesem bewegten Testbild eine absolut gleichmäßige, d.h. lineare eines Weiß-nach-Schwarz-Verlaufs sichtbar sein. (von 0 % Schwarz bis 100 % Weiß). Durch die diagonale Referenzsignaldarstellung wird dem Gerät untersagt, das Bild aus dem Zwischenspeicher aufzubauen, d.h., jede Zeile muss immer wieder neu aufgebaut werden. Daher wird dieses Testsignal zu einem absoluten "Stresstest" für Displays und deren vorgeschalteter Signalverarbeitung. Je weniger Treppen/verrauschte Farbflächen im bewegten Verlauf sichtbar werden, umso besser ist die komplette geräteinterne Signalverarbeitung. Ein Zahlenwert läuft für eine exakte Analyse auftretender Probleme mit, so dass zur Dokumentation genau angegeben werden kann, bei welchem Punkt im Weiß-Schwarz-Verlauf Darstellungsschwächen existieren. 



11. Plasma Display Load: Dieses Testbild dient dazu, eventuelle Schwächen bei Plasmabildschirmen aufzuzeigen. Ein Plasmabildschirm hat Stärken in der Schwarzdarstellung (im Vergleich zu LCDs mit systembedingtem Restlichteinfall), aber wie gut können moderne Plasmas das Schwarz bei bewegten Bildern tatsächlich darstellen? Auch bei diesem Testbild läuft ein linearer Zahlenwert zwecks präziser Dokumentation mit. Das Testbild besteht aus einer 32-stufigen linearen Grautreppe. Startet man das Testbild, öffnet sich ein virtueller Vorhang, das Flächenverhältnis von Weiß zu Schwarz ändert sich. Die Auswirkung dieser linearen Änderung lässt sich deutlich anhand der Grautreppe feststellen. Wenn sich das Weiß-Schwarz-Flächenverhältnis von minimal zu maximal ändert, darf die Qualität der Grautreppe sich im Idealfall nicht ändern.

Audio Video Equipment Check (AVEC) Kombinations-Testbild

12. Das Audio Video Equipment Check (AVEC) Testbild. Hierbei handelt es sich um ein Kombinationstestbild für Bildgeometrie, Farbe, Helligkeit, Kontrast und Bildschärfe. Die Multifunktionalität des AVEC Testbildes erschöpft sich aber nicht auf rein visueller Basis. Vielmehr wandert ein Rauschsignal durch das Testbild und überprüft die Einpegelung einer 5.1-Anlage. Entsprechend zum Signal sollte auch der Ton aus dem entsprechenden Lautsprecher kommen.

Fazit

Für einen Flachbildschirm werden - gerade dann, wenn es ein größeres Modell sein soll - noch stattliche Geldsummen fällig. Gerade darum ist es im höchsten Maße wichtig, eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Diese ist jedoch nur dann möglich, wenn Ihnen der Händler Ihres Vertrauens die Zeit gibt, das Display optimal zu kalibrieren. Mittels der hier vorgestellten Testbilder ist es ohne großen Aufwand möglich, die Qualität der verbauten Technik genau zu überprüfen. Daher: Nehmen Sie sich lieber Zeit, verwenden Sie diese vorgestellten Testbilder und nutzen Sie die dazugehörigen Informationen zu einer praxisgerechten Vorbereitung auf den Displaykauf, zur laufenden Qualitätskontrolle oder zur Nachkalibrierung. AREA DVD und Burosch haben sich zum Ziel gesetzt, durch die konstruktiv kritische Begutachtung von Flachbildschirmen und deren Bildqualität mittels hochwertigen Referenz-Bildsignale die Hersteller zu weiteren Optimierungsmaßnahmen zu motivieren. 

Text: Carsten Rampacher
Datum: 28.09.2007

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD