AREA DVD-TEST: "Noise Canceling"-Kopfhörer Sennheiser PXC-450
18.10.2007 Autor: Karsten Serck
HIFI-Kopfhörer setzt man vielfach dann zu Hause ein, wenn man Musik hören
möchte ohne seine Umgebung zu stören. Doch was ist, wenn die Umgebung den
Musikliebhaber dabei stört, in Ruhe seine Musik hören zu können? In diesem
Fall kann ein Kopfhörer mit aktiver Geräuschminderung weiterhelfen, der
mittels Elektronik den Umgebungslärm killt. Um zu sehen, ob diese Technik ihren
Anspruch erfüllt, haben wir uns von Sennheiser den PXC 450 ausgesucht, der als
erster Kopfhörer von Sennheiser mit dem "NoiseGard 2.0"-System
ausgestattet ist, welches Außengeräusche um bis zu 90% reduzieren können
soll. Mit einem Verkaufspreis um die 300 EUR ist dieser Kopfhörer preislich in
der Oberklasse angesiedelt und steht somit in Konkurrenz zur eigenen
HIFI-Kopfhörer-Serie von Sennheiser, deren Topmodell HD 650 zu einem späteren
Zeitpunkt auch noch getestet werden soll.
Handhabung
Der PXC 450 wird in einem kleinen Karton ausgeliefert, der neben de
Kopfhörern noch einen Adapter auf eine 6,3 mm-Stereo-Klinke und einen zweiten
Adapter für den in Flugzeugen gebräuchlichen 3,5 mm-Anschluss in
Doppel-Klinken-Ausführung enthält. Der Kopfhörer selbst ist mit einem 3,5 mm
Stereo-Klinkenstecker ausgestattet, der ebenso wie die Adapter vergoldet ist.
Das rund 1,4 m lange Kabel wird einseitig zum linken Hörer geführt. Das Kabel
ist nicht fest mit dem Hörer verbunden, sondern wird unauffällig mit einem
rechtwinklig angeordneten Stecker angebracht. Sowohl das Kabel als auch die
Polster des Hörers lassen sich auswechseln. Die Steckverbindung bietet auch die
Möglichkeit, das Kabel abzuziehen und den Hörer nicht zum Musikhören sondern
als Hörschutz zu verwenden.
Die Hörer lassen sich um 90 Grad drehen, wodurch sich der Kopfhörer eben
hinlegen lässt. Vor Beschädigungen schützt auch die mitgelieferte kleine
Transporttasche, in die der Hörer verstaut werden kann. Diese nimmt nicht viel
mehr Platz als ein Buch im Reisegepäck ein, was den praktischen Einsatz des
Hörers unterwegs ungemein erleichtert. Trotz der Abmessungen in der Größe
typischer HIFI-Kopfhörer lässt sich der PXC 450 sicherer verstauen als manch
ein Mini-Kopfhörer. Zudem ist er mit einem rund 4 mm dicken Kabel ausgestattet,
welches einen ausreichenden Knickschutz bietet.
Der Hörer bietet einen hohen Tragekomfort. Trotz immerhin 240 Gramm Gewicht
lässt sich der Hörer auch über längere Zeit angenehm tragen. Beim Tragen
spürt man nur einen leichten Druck durch die Polster und eine dezente
Wärme-Entwicklung. Der Hörer sitzt aber dennoch nach einer Stunde
Nonstop-Hören immer noch angenehm. Durch den leicht nach vorne geneigten
Bügel sitzt der Hörer selbst bei einer etwas lockereren Anpassung recht stabil
auf dem Kopf und bleibt selbst bei stärkeren Kopfbewegungen sehr fest, was auch
der kaum vorhandenen Geräuschentwicklung zugute kommt.
NoiseGard - Funktionsprinzip und Praxistauglichkeit
Die Schallreduktion des Sennheiser-Kopfhörers basiert auf einem einfachen,
aber ebenso effektvollem physikalischen Prinzip: Musik besteht ebenso wie
Störgeräusche aus Schallwellen. Durch die Überlagerung einer Schallwelle mit
einer identischen (aber um 180 Grad in der Phase verdrehten) Schallwelle löschen sich die beiden Wellen gegenseitig aus und es herrscht Stille. Genau
dieses Prinzip wird auch auf Störgeräusche von Außen angewendet. Um Lärm
eliminieren zu können, ist es erforderlich, deren Schallwellen möglichst exakt
aufnehmen und phasenverkehrt wiedergeben zu können. Zu diesem Zweck befindet an
jedem der beiden Hörer ein kleines Mikrofon und ein integrierter Verstärker,
der das invertierte Außensignal mit dem über den Klinkenstecker zugeführten
Nutzsignal vermischt und verstärkt über die beiden Hörmuscheln ausgibt.
Laut Sennheiser funktioniert das NoiseGard-System bei tieffrequenten Signalen
bis zu 1 kHz und soll eine Lärmkompensation von bis zu 90% (20 dB) erreichen.
Da das System aktiv arbeitet, ist eine Stromversorgung erforderlich. Sennheiser
setzt hierbei auf handelsübliche Micro-Batterien, so dass der Benutzer nicht
auf ein spezielles Ladegerät angewiesen ist und der Kopfhörer nach dem
Akku-Tod ein Fall für den Service wird, sondern stattdessen ganz normale
Batterien und Akkus eingesetzt werden können. Für den Betrieb reicht eine
einzige Micro-Batterie aus, die unauffällig im rechten Hörer Platz findet.
Selbst wenn die Batterien leer sind, lässt sich der Kopfhörer auch passiv
weiter nutzen, indem der am linken Hörer befestigte Schalter in den "Bypass"-Modus
versetzt wird, in dem der PXC 450 wie ein ganz normaler Kopfhörer
arbeitet.
Durch die geschlossene Bauweise und die sehr gute Kapselung des Hörers sorgt
dieser bereits ohne aktiviertes "NoiseGard"-System für eine starke
Dämpfung, die sich insbesondere bei hohen Frequenzen bemerkbar macht. Durch die
Begrenzung bis zu 1 kHz arbeitet "NoiseGard" vor allem bei tiefen
Frequenzen, die alleine durch die passive Dämpfung nicht ganz so stark
gedämpft werden wie hohe Frequenzen.
Nutzt man den Kopfhörer im "NoiseGard"-Modus, so muss dieser
zusätzlich noch manuell über einen Taster aktiviert werden, was einen
übermäßigen Stromverbrauch verhindert. Im ausgeschalteten Zustand hört man
allerdings zunächst gar nichts, da auch ohne aktiviertem Prozessor nicht das
Nutzsignal verstärkt wird. Die Lautstärke lässt sich auch regeln. Zusätzlich
verfügt der Kopfhörer noch über einen "Talk Through"-Modus, in dem
das integrierte Mikrofon dazu genutzt wird, Stimmfrequenzen an den integrierten
Verstärker durchzuleiten und somit besser hörbar zu machen.
Während man bei aufgesetztem Hörer den mittig angebrachten "Talk
Through"-Knopf recht einfach findet, muss man sich die um diesen herum
angebrachten Schalter ertasten, was anfangs etwas mühsam erscheint. Hat man
sich aber erst einmal die Position der drei Taster gemerkt, so findet man diese
recht schnell. Zum Ein- und Ausschalten ist ein längerer Druck erforderlich, so
dass der Hörer nicht durch einfaches Berühren versehentlich eingeschaltet
werden kann.
Für den Test stand zwar kein Flugzeug als Lärmquelle zur Verfügung, doch
penetranter Baustellenlärm direkt vor der Haustür bot sich als gute
Alternative an. Befindet man sich direkt neben einer lauten Lärmquelle, so
sollte man nicht erwarten, dass diese mit aktiviertem NoiseGard komplett still
wird. NoiseGard arbeitet um so besser, je tiefer die Frequenzen sind, die als
Lärmquelle eliminiert werden sollen. So ist eine polternde Straßenwalze oder der
Stadtverkehr an einer dicht befahrenen Straße auch mit NoiseGard durchaus noch
wahrnehmbar. NoiseGard dämpft diesen Lärm aber zumindest auf ein erträgliches
Maß. Durch die Reduktion der tiefen Frequenzen erscheint Lärm deutlich weniger
störend und fällt bei Musikwiedergabe mit normaler Lautstärke kaum noch auf.
Benutzt man die Kopfhörer in einer geschlossenen Wohnung, durch deren Fenster
Straßenlärm aber immer noch wahrnehmbar ist, so gestaltet sich die
Lärmreduzierung noch deutlich effektvoller. Hier kehrt beim Einschalten von
NoiseGard eine absolute Stille ein, die es ermöglicht, sich von
Umgebungsgeräuschen nahezu vollständig abzukapseln. Wer die Kopfhörer dazu
nutzen möchte, um von Gesprächen oder dem Ton aus einem Fernseher oder Radio
abgelenkt zu werden, dürfte hingegen feststellen, dass die Dämpfung von
Stimmen vergleichsweise gering ausfällt. Auch ohne Druck auf die "Talk
Through"-Taste lassen sich Stimmen in der Umgebung noch verstehen, solange
die Musik nicht allzu laut aufgedreht wird. "Talk Through" hat aber
den Vorteil, dass auch die Musik stummgeschaltet wird und die Mikrofone die
Stimmwiedergabe von außen noch verstärken.
Klang
Betreibt man den PXC 450 im NoiseGard-Modus, so fallen leichte Unterschiede
im Vergleich zur passiven Wiedergabe im "Bypass"-Modus auf. Die
Maximallautstärke ist etwas geringer. Zudem wird die recht üppige Basswiedergabe im "NoiseGard"-Modus
auf normales (aber immer noch gutes) Niveau gedämpft. Ebenfalls beachten sollte man, dass schnelle Kopfbewegungen
für einen leicht flatternden Klang sorgen. Ist man Lärm ausgesetzt und
wirklich auf die Lärmreduzierung angewiesen, so bietet "NoiseGard"
dennoch einen besseren Klang als andere Kopfhörer, bei denen Lärm und Musik nicht mehr
richtig auseinander zu halten sind. Steht hingegen vor allem die klangliche
Performance im Vordergrund, sollte man "NoiseGard" erst dann nutzen,
wenn der Lärm von außen wirklich störend wirkt. Denn bei höherer
Musiklautstärke sorgt bereits die geschlossene Bauform des Hörers für eine
starke Dämpfung.
Beachtet man dies, so erhält man mit dem PXC 450 einen vollwertigen HIFI-Kopfhörer, der im "Bypass"-Betrieb vor allem mit seiner exzellenten
Basswiedergabe glänzen kann. Den Mörderbass des Dance-Klassikers "Baby D - Let me be your Fantasy" gibt der Sennheiser so extrem tief wieder, wie man
es eigentlich nur von einem Subwoofer erwarten würde. Dabei drängt sich der Bass
aber keineswegs in den Vordergrund und verleiht dem gesamten Sound eine zu bassbetonte Note, sondern beschränkt sich darauf zu demonstrieren, dass er
in der Lage ist, diese tiefen Frequenzen wiederzugeben, ohne dabei gleich zu übertreiben. Dies sorgt dafür,
dass der PXC 450 Musikstücke, die ohnehin bereits über eine recht progressive Bassabstimmung verfügen wie z.B. "Catholic Sunday"
von der deutschen Band "Pink Turns Blue" nicht
ausreißen lässt aber gleichzeitig auch bei vielen Titeln wie z.B. "Fools Gold" von den Stone Roses, bei denen die Basswiedergabe sonst gar nicht
übermäßig auffällt, diese gut zum Vorschein bringt. Das macht den Sennheiser PCX 450 zum idealen Zuspieler des auf gute Kopfhörer angewiesenen
iPod.
Bei der Stimmwiedergabe bietet der Kopfhörer ausreichend Volumen und verleiht kräftigen Männerstimmen auch ein entsprechendes Timbre. Frauenstimmen wie z.B. Katie
Melua mit ihrem Remake des The Cure-Klassikers "Just like Heaven" bieten ebenfalls einen sehr warmen Klang. Den Hochtonbereich dieses Stücks gibt der Kopfhörer
sehr gut wieder, vermag dabei aber die
ganz feinen Töne dieses Songs wie z.B. das beim genauen Hinhören wahrnehmbare Umgreifen der Gitarren-Akkorde nicht
hundertprozentig
zu reproduzieren, was auch die Räumlichkeit etwas mindert. Eine Höhenanhebung via Equalizer kann dies aber wieder
etwas auszugleichen.
Um zu sehen, ob die klanglichen Leistungen auch im Vergleich mit einem
"normalen" Stereo-Kopfhörer mithalten können, haben wir den
Sennheiser mit einem Beyerdynamic DT 990
verglichen. Im Direktvergleich fiel der PXC 450 vor allem durch die noch satteren
Bässe auf, die der Sennheiser insbesondere bei ganz tiefen Frequenzen zum
Vorschein brachte. Im
Hochtonbereich hatte hingegen wieder der DT 990 die Nase vorn, der noch
transparenter und räumlicher klingt, was hellen Stimmen wie der von Katie Melua
oder Aufnahmen von Violinenkonzerten noch einen feineren Klang gibt.
Fazit
Der Sennheiser PXC 450 vereint aufwendige Technik und guten Klang in einem
Gerät. Durch die geschlossene Bauweise
wird selbst ohne aktiviertes "NoiseGard"-System bereits ein Großteil
des Schalls gedämpft. Wenn man aber wirklich seine Ruhe haben möchte, sorgt
das "Noise Canceling" nochmals für eine weitere, und in den meisten
Situationen auch ausreichenden Reduzierung des
Lärms. "NoiseGard" bleibt nicht ganz ohne Einfluss auf den Klang.
Durch die Umstellmöglichkeit auf den ganz normalen Kopfhörer-Betrieb im "Bypass"-Modus
lässt sich der PXC 450 aber auch als ganz normaler HIFI-Kopfhörer nutzen. Zwar
ist der Kopfhörer etwas teurer als vergleichbare Kopfhörer der Oberklasse,
doch neben der "NoiseGard"-Technik bietet er auch noch den Vorteil,
dass er aufgrund seiner flexiblen
Bauform auch einfach und sicher zu verstauen ist. Klanglich setzt der Kopfhörer
vor allem durch seine sehr imposante Basswiedergabe Akzente.
Preis-/Leistung:         
Pro
- Kräftige Basswiedergabe
- Transportverpackung im Lieferumfang
- "Bypass"-Betrieb auch ohne Batterien möglich (handelsübliche
Micro-Batterien)
- Kabel und Polster wechselbar
- Stabiler Sitz und robuste Verarbeitung
Contra
- Reduzierte Basswiedergabe und niedrigerer Maximalpegel bei aktiviertem "NoiseGard"
Technische Daten laut Hersteller
Hörer Typ: Kopfbügelhörer
Ankopplung: an das Ohr ohrumschließend
Wandlerprinzip: dynamisch
Gewicht: ohne Kabel 240g
Audio-Übertragungsbereich (Hörer) 8 - 28.000 Hz
Lärmdämpfung (passiv): bis zu 32 dB
Schallkompensation durch NoiseGard™: bis zu 23dB (NG 2.0)
Impedanz: 150/750 Ohm
Klirrfaktor bei 1 kHz < 0,1%
Schalldruckpegel bei 1kHz: 108 dB SPL
Stromversorgung: eine AAA Batterie
Betriebszeit: bis zu 16h
Kabellänge 1,4 m einseitig, austauschbar
Anschluss-Stecker: 3,5mm gewinkelt
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