EXKLUSIV-TEST: Pioneer Blu-ray-Player BDP-LX70 (1/2)

29.05.2007 (cr/th/ks)

Einführung

Kaum hat Pioneer den BDP-LX70 als ersten Pioneer Blu-ray-Player auf dem deutschen Markt präsentiert (im Rahmen der High End in München), schon können wir Ihnen einen ausführlichen Test des 1.399 € kostenden Geräts präsentieren. Aus verschiedenen Gründen waren wir in diesem Falle besonders gespannt auf das Abschneiden des Players: Zum einen ist der BDP-LX70 für die Signalausgabe in 1.080p/24 gerüstet, zum anderen verfügt er über eine Netzwerkschnittstelle, die ihn dazu befähigt, als Netzwerk-Player zur Wiedergabe von Musik und Videos aufzutreten. Der BDP-LX70 entspricht dem DLNA-Standard und kann über das (kostenlos bei Microsoft herunterzuladende) Windows Media Connect sogar Filme in HD-Auflösung, die von einem PC zugeliefert werden, wiedergeben. Wer über den neuen Windows Media Player 11 verfügt, benötigt Media Connect sogar gar nicht mehr, der BDP-LX70 wird automatisch in der Geräteliste erkannt. Nicht zuletzt war unsere Erwartungshaltung bezüglich des BDP-LX70 auch sehr hoch, weil wir Pioneer als Hersteller ausgesprochen leistungsstarker DVD-Spieler kennen. In den ganzen Jahren, in denen die DVD-Technik und die DVD-Abspielgeräte sich auf dem Markt etablierten und stetig weiterentwickelt wurden, waren Pioneer DVD-Spieler immer ganz weit vorn zu finden. Einen kleinen Dämpfer muss der BDP-LX70 allerdings schon vor dem Start des eigentlichen Tests einstecken: Ausgestattet ist der Pioneer nur mit einer HDMI 1.2a-Schnittstelle (neuester Standard: 1.3a). Dolby True HD und DTS HD werden nicht  daher direkt ausgegeben und lediglich bei Dolby Digital Plus ist eine PCM-Umwandlung möglich. Dolby True HD wird als normaler Dolby Digital Core Stream (auch via S/PDIF) ausgegeben, Bei DTS HD High Resolution Audio & DTS HD Master Audio unterstützt der Player den DTS Core Stream sowie DTS ES & DTS 96/24 (auch via S/PDIF). Nun steigt die Spannung - kann Pioneers erstes Blu-ray-Projekt in Europa im Testbetrieb die erwarteten hohen Leistungen realisieren?

Verarbeitung/Hochwertigkeit

Schicke blaue Beleuchtung der Frontblende

Großer "Play"-Knopf in eleganter Optik

Blau beleuchteter Standby-Knopf, leider kein "echter" Netzschalter

Geringe Spaltmaße

Pioneer beginnt mit dem BDP-LX70 eine optisch neue Linie, die das bisherige Design Zug um Zug ablöst - die neuen AV-Receiver, die auf den Markt gebracht werden, weisen die identische Optik auf. Silbern ist tot, es lebe Schwarz Hochglanz - was früher beim Elite-Label (dem Edel-Ableger von Pioneer in den USA) unter dem Namen "Urushi-Finish" begonnen hat, wird nun auf breiter Front aufgenommen, wenngleich die Qualität des Hochglanz-Finish vollkommen anders ist, über eine normal schwarze Frontplatte hat Pioneer einfach Acrylglaseinlagen gelegt, während bei den Elite Urushi Komponenten das Gehäuse aufwändig im Klavierlack-Finish ausgeführt wurde. 

Sehr akkurat verarbeitete Geräterückseite

Der eingebaute Ventilator sorgt beim BDP-LX70 kaum für Unruhe

Genug der einführenden Worte, es ist an der Zeit, Klartext zu reden - und der lautet, dass der BDP-LX70 keinesfalls ein Wunder an optischer Noblesse und Hochwertigkeit ist. Während man den Toshiba HD DVD-Player HD-XE1n getrost als "Edelmann" der HD Player ansehen kann, da er enorm aufwändig verarbeitet ist, erhält der Käufer des Pioneer Blu-ray-Players trotz hohem Einstandspreis nur eine gute, aber nicht überdurchschnittliche Optik und Haptik. Was gut gefällt, ist die attraktive Beleuchtung der Gerätefront (die man, wenn man sich voll und ganz auf den Film konzentrieren und völlige Dunkelheit im Heimkinoraum realisieren möchte), das Display hingegen ist zu verbessern. Die Quasi-Punktmatrixauflösung könnte man durch ein echtes, am besten gleich zweizeiliges Punktmatrixdisplay ersetzen. Auf hohem Level präsentiert sich das Anschlusspanel auf der Rückseite, hier sind die vergoldeten Cinchanschlüsse hervorzuheben. In Anbetracht des Kaufpreises kann man dies aber auch voraussetzen. Hinten sind für die Verschraubung edle Kupferschrauben im Einsatz. In weiteren Details beweist Pioneer ein glückliches Händchen, zu nennen wäre die sehr saubere Verarbeitung der Geräteunterseite und die formschönen, hochwertigen Gerätestandfüße. 

Das Display ist gut ablesbar, wäre aber optisch durchaus noch steigerungsfähig

Die Fernbedienung repräsentiert qualitativ guten Durchschnitt. Das mitgelieferte Zubehör umfasst auch ein HDMI-Kabel

Hochwertige Gerätestandfüße

Ein Blick aufs Innenleben

Saubere Verkabelung, sauberes Platinenlayout

Befestigung des Laufwerks

Das Schaltnetzteil

Die einfach austauschbare Sicherung im Netzteil

Akkurat: Graues Flachbandkabel, übersichtliches Platinenlayout

Die Chip-Abteilung

Die einzelnen Kabel sind ordentlich zusammengebunden

Die mitgelieferte Fernbedienung entspricht gutem Durchschnitt - Rekorde bezüglich Qualitätsanmutung oder Materialauswahl werden keine gebrochen. Wenden wir uns dem Geräte-Innenleben zu, welches einen sehr aufgeräumten Eindruck hinterlässt. Was fehlt, ist eine Aufteilung in mehrere Kammern, wie beispielsweise Denon beim DVD-3930 das Innenleben ordnet. Von diesem kleinen Manko abgesehen, kann man kaum Klagen anmelden. Die Verkabelung ist ebenso sauber wie das Platinenlayout, und auch die Laufwerkseinheit nebst zugehöriger Befestigung hinterlässt einen soliden Eindruck. Das gesamte Chassis ist aber Standardware und glänzt nicht durch besonders umfangreiche Verstrebungen zur Erhöhung der Verwindungssteifigkeit. Im Inneren befindet sich auch ein Lüfter - während viele Leser nun mit leichtem Entsetzen an laute Betriebsgeräusche denken, können wir gleich regulierend eingreifen: Nicht wie bei den aktuellen Toshiba HD DVD-Spielern, wo der interne Lüfter zum einen permanent, und zum anderen gut hörbar läuft, greift der Lüfter des BDP-LX70 nur in Extremfällen hörbar ein. Das leise Laufwerk unterstützt den tadellosen Gesamteindruck.

Insgesamt vergeben wir die Note "sehr gut" für die Verarbeitung/Hochwertigkeit des BDP-LX70.

Ausstattungs-Überblick

Besonders wichtig ist die 1080/24p-Bildausgabe, die bislang noch kein anderer in Europa verkaufter Blu-ray Disc-Player bietet. Pioneer hat bereits vor mehreren Jahren damit begonnen, seine Plasmas für 24 Hz-Signale tauglich zu machen. Dies ermöglicht die Full HD-Darstellung von Filmen auf Blu-ray Disc mit 24 Bildern pro Sekunde, so wie die Filme auch auf Blu-ray Disc gespeichert sind. Der "Pulldown", der bei Kameraschwenks zu ruckeligen Bewegungen führen kann, entfällt dadurch. Betrachtet man Blu-ray Discs auf einem aktuellen Pioneer-Plasma, so verdreifacht dieses intern die Bildwiederholungsrate auf 72 Hz, um ein Flackern zu verhindern. Alternativ lässt sich der Pioneer aber auch auf 720p, 1080i und 1080p mit jeweils 60 Hz einstellen. Mit an Bord ist im Übrigen auch ein Video-EQ, der mit insgesamt vier Einstellparametern (beim Anschluss mittels HDMI) aber keine wirkliche Vielfalt bietet. 

Ausgestattet ist der Pioneer mit einer HDMI 1.2a-Schnittstelle  - wie bereits in der Einführung erwähnt. Die neueste HDMI-Version ist 1.3a mit vollem Support für Dolby True HD und DTS-HD Master Audio - mit 1.2a ist die komplette Unterstützung für die neuen hochauflösenden Tonformate noch nicht gegeben. Dolby True HD und DTS HD werden nicht direkt ausgegeben und lediglich bei Dolby Digital Plus ist eine PCM-Umwandlung möglich. Dolby True HD wird als normaler Dolby Digital Core Stream (auch via S/PDIF) ausgegeben, Bei DTS HD High Resolution Audio & DTS HD Master Audio unterstützt der Player den DTS Core Stream sowie DTS ES & DTS 96/24 (auch via S/PDIF). Die HDMI-Schnittstelle unterstützt "Consumer Electronic Control" (HDMI-CEC), was es ermöglicht, Blu-ray Disc-Player und Fernseher mit nur einer einzigen Fernbedienung zu steuern.

Als erster Blu-ray Disc-Player eignet sich der Pioneer BDP-LX70 auch als Netzwerk-Player zum Abspielen von Musik und Videos. Er entspricht dem DLNA-Standard und kann über Windows Media Connect von einem PC sogar Filme in HDTV-Auflösung wiedergeben. Mehr dazu im anschließenden Special-Teil. 

Insgesamt ist der BDP-LX70 hochwertig ausgestattet -  Was wir vermissen, ist eine HDMI 1.3a-Schnittstelle und ein größerer Video-EQ. Gesamtnote: Ausgezeichnet.

Netzwerk-Special

Als erster Blu-ray Disc-Player eignet sich der Pioneer BDP-LX70 auch als Netzwerk-Player zum Abspielen von Musik, Photos und Videos. Der Netzwerkanschluss auf der Rückseite ermöglicht die Einbindung in ein Heimnetzwerk. Die DLNA-Zertifzierung ermöglicht die Nutzung mit zahlreichen Media-Servern, die inzwischen auf dem Markt erhältlich sind. 

Die komfortabelste Lösung ist hierbei die Verwendung eines NAS (Networked Attached Storage), welches unabhängig von einem PC arbeiten kann und dem Pioneer Zugriff auf die Multimedia-Dateien ermöglicht. Wesentlich einfacher dürfte für die Benutzer die Verwendung eines PC sein. Da der Rechner im Grunde genommen nur über das Netzwerk die Daten von seiner Festplatte übertragen muss, sind die Hardwareanforderungen sehr gering, was z.B. auch den Einsatz eines älteren Notebooks mit wenig Geräuschentwicklung und geringem Stromverbrauch ermöglicht. Dabei muss dieser Rechner nicht einmal mit der Windows Media Center Edition ausgestattet sein, denn das Programm "Windows Media Connect" gibt es auch einzeln. Auch der jüngste Windows Media-Player verfügt über die "Windows Media Connect"-Funktionalität. Die einfachste Verbindung zwischen Rechner und Pioneer-Player geschieht über einen Router, der dann automatisch die IP-Adressen via DNS zuweist. 

Aber auch ganz ohne zwischengeschalteten Router lässt sich der Pioneer direkt mit einem PC verbinden. Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass zur Direktverbindung ohne Router kein normales Netzwerkkabel sondern ein "Crossover"-Netzwerkkabel verwendet werden muss. Außerdem muss müssen die IP-Einstellungen des Players und des PCs manuell vorgenommen werden, damit diese miteinander kommunizieren können. Dies kann z.B. wie folgt aussehen:

Konfiguration Pioneer BDP-LX70:

IP-Adresse: 192.168.2.2
Subnetzmaske: 255.255.255.0
Gateway: 192.168.2.3

Konfiguration PC:

IP-Adresse: 192.168.2.3
Subnetzmaske: 255.255.255.0
Standard-Gateway: 192.168.2.2
DNS-Server: 192.168.2.2

Bei Verbindungsproblemen gestaltet sich die Fehlersuche etwas schwierig, da der Pioneer selbst keinen Verbindungsstatus anzeigt und selbst bei erfolgreicher Netzwerkverbindung es immer mehrere Sekunden dauern kann, bis im Hauptmenü der Zugriff auf das "Medienarchiv" freigegeben wird. Bei der ersten Verbindung ist es daher ratsam, auch eine Firewall zunächst zu deaktivieren, um diese als Fehlerquelle auszuschließen. Bei der Verwendung von Windows Media Connect oder dem Windows Media Player ist außerdem zu beachten, dass der Pioneer-Player vom Windows Media Player erst freigegeben werden muss und auch die Ordner, in denen die Dateien gespeichert sind, erst freigegeben werden müssen. Dies geht im Windows Media Player über "Optionen > Medienbibliothek > Freigabe konfigurieren/Ordner überwachen".

Das Grundmenü

Die Auswahlmöglichkeiten

Filmwiedergabe-Menü mit Thumbnail

Auch hochauflösende JPEG-Bilder können mittels des BDP-LX70 wiedergegeben werden

Anwahlmöglichkeit für eine Diashow

Das Übersichtsmenü für die Musikarchive

Informationen über den gerade laufenden Titel

Wurde eine Verbindung hergestellt, so wird das Menü "Medienarchiv" im "Home Menü" des Players aufgelistet und erlaubt einen Zugriff auf die in die Kategorien Filme, Fotos und Musik aufgelisteten Dateien. Zum Abspielen auf dem Pioneer werden folgende Formate unterstützt:

Film : MPEG1 / MPEG2 / WMV (auch HDTV-Dateien)
Bilder : JPEG / PNG / GIF
Musik : MP3 / WMA (auch 5.1) / WAV

Die Geschwindigkeit des Netzwerkzugriffs ist zum Teil abhängig von der vorhandenen Bandbreite und der Anzahl der Titel. Denn bei der Navigation durch die Titellisten muss der Player immer wieder einzelne Abschnitte nachladen. Daher empfiehlt sich zwecks schneller Navigation die Anbindung des Media Servers via kabelgebundenen Netzwerk oder mindestens 54 Mpbs WLAN, da ansonsten der Zugriff teilweise hakt. Aber auch mit einer schnellen Netzwerkverbindung reagiert der Zugriff immer wieder etwas träge beim Durchsuchen des Archivs. Das Abspielen selbst bereitet dabei aber keine Probleme. Vor dem Abspielen einer Datei lädt der Pioneer bereits einen ausreichend großen Puffer in seinen Zwischenspeicher, der kurzfristige Störungen bei der Datenübertragung ausgleicht. Das ermöglicht es, selbst ein nur via 11 Mbps WLAN angebundes Notebook als Zuspieler für Musik zu nutzen. WMV Videodateien werden auch mit Merkanalton abgespielt. Durch die großzügige Pufferung reicht ein 54 Mbps WLAN für die flüssige Wiedergabe von 1080p-Material im WMV-Format. Die Wiedergabe ist sehr flüssig und Ruckeln lässt sich nur selten erkennen. HDTV-Material bereitet beim Abspielen keine Probleme. Den recht großzügig bemessenen Puffer kann man ganz einfach testen, indem man die Netzwerkverbindung unterbricht. Dieser ist so groß bemessen, dass selbst WMV HD-Material nach der Trennung der Netzwerkverbindung noch mehrere Sekunden weiterläuft. 

Die Netzwerkschnittstelle bietet derzeit keinen direkten Zugriff auf das Internet und lässt sich somit auch noch nicht für zukünftige interaktive BD-Live-Features nutzen. Eventuell wird es aber ein Update geben, welches die Funktionalität der Netzwerkschnittstelle erweitert. Trotz teilweise etwas träger Navigation ist die Möglichkeit zum Streamen von Multimedia-Dateien ein Feature, welches bislang kein anderer Blu-ray Disc-Player bietet. Fraglich ist dabei aber, ob der Benutzer im Alltag Lust hat, zum Musik hören immer gleich seinen Fernseher einzuschalten, denn ohne Mini-Display am Abspielgerät ist das Auswählen von Musik nicht ohne eingeschalteten Fernseher möglich.

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