Blu-ray Disc & HD DVD: Aktuelle Marktübersicht im Sommer
2007
12.07.2007 (ks)
Rund ein Jahr ist vergangen, seitdem in den USA die ersten Blu-ray Disc und
HD DVD-Player auf den Markt gekommen sind. In Deutschland gibt es die ersten
Blu-ray Disc-Player seit Herbst 2006 und HD DVD-Player seit der Jahreswende
2006/2007 zu kaufen. Auch das Filmangebot kann sich in beiden Formaten
inzwischen sehen lassen. Anlass genug, den aktuellen Stand der Technik im
Wettbewerb der Systeme einmal zusammen zu fassen.
Hardware
Nach einem langsamen Start im letzten Herbst gibt es inzwischen eine
beachtliche Auswahl an Abspielgeräten für Blu-ray Disc und HD DVD. Das Blu-ray
Disc-Lager profitiert von der Unterstützung durch zahlreiche Hersteller und
nicht zuletzt von der Playstation 3 mit integriertem Blu-ray Disc-Laufwerk.
Toshiba hält dem Blu-ray Disc-Lager gleich drei Modelle entgegen. Das HD
DVD-Laufwerk für die Xbox 360 ermöglicht zudem das Abspielen von HD DVDs auf
der Spielekonsole von Microsoft. Kombi-Player für HD DVD und Blu-ray Disc sind
bislang noch Mangelware. Der BH100 von LG spielt zwar beide Formate ab, kann
aber nicht alle Funktionen der HD DVD unterstützen. Aufgrund der fehlenden Unterstützung
der Skriptsprache HDi muss er z.B. Menüs selbst generieren. Hier bleibt zu
hoffen, dass der für den Herbst geplante Kombi-Player von Samsung sowohl
Blu-ray Disc als auch HD DVD komplett unterstützen wird. Der LG-Player leidet
zudem unter dem Malus, dass er mehr kostet als der separate Kauf eines
günstigen Blu-ray Disc Players und eines zweiten Players für HD DVD.
Blu-ray Disc-Player
- Samsung BD-P1000
- Panasonic DMP-BD10
- Panasonic DMP-BD10A
- Playstation 3
- Pioneer BDP-LX70
- Sony BDP-S1E
- Samsung BD-P1400 (ab Herbst)
- Sharp BD-HP205 (ab Herbst)
HD DVD-Player
- Toshiba HD-E1
- Toshiba HD-XE1
- Toshiba HD-EP10
- Xbox 360 HD DVD-Player
Blu-ray Disc/HD DVD--Kombi-Player
- LG BH100 (Kein offizieller HD DVD-Player, fehlendes HDi)
- Samsung BD-UP5000 (ab Herbst)
Software
Während das Angebot auf Blu-ray Disc und HD DVD in den ersten Monaten noch
sehr dürftig war und nur wenige hochkarätige Filme zur Auswahl standen, hat
sich gerade bei den Blu-ray Discs das Angebot nach dem Verkaufsstart der
Playstation 3 im März deutlich verbessert. Seitdem wurden von Sony, Fox und
Buena Vista zahlreiche Filme neu veröffentlicht. Dabei gibt es neben
Film-Neuheiten auch inzwischen einige Klassiker in Blu-ray Disc und HD DVD.
Warner kündigt ebenfalls zahlreiche interessante Filme auf Blu-ray Disc und HD
DVD an, sorgt allerdings für etwas Frust durch ebenso häufige
Terminverschiebungen. Paramount hatte in den ersten Monaten des Jahres nur wenige Neuheiten
wie "World Trade Center" und "Dreamgirls" auf Blu-ray Disc
und HD DVD veröffentlicht, geht jetzt aber langsam zu einer parallelen
Veröffentlichung zum DVD-Start über und wird ab Herbst auch ältere Filme
wie z.B. "Black Rain" anbieten.
Während die unabhängigen deutschen DVD-Labels sich in den ersten Monaten
noch zurückgehalten haben, klären sich auch hier so langsam die Fronten.
Kinowelt hat anfangs nur Filme auf HD DVD vom Lizenzgeber Studio Canal
vertrieben, wird aber ab Herbst auch erste Blu-ray Discs veröffentlichen.
Concorde plant ebenfalls ab Herbst die Veröffentlichung erster Titel auf
Blu-ray Disc und HD DVD. Highlight/Constantin Film hatten zunächst nur
"Das Parfum" auf HD DVD veröffentlicht, will aber ebenfalls beide
Formate unterstützen. Noch keine Entscheidung gibt es bislang bei Universum
Film. Lediglich Senator Film, die ihre Filme auch über Universum Film
vertreiben, hat sich bislang festgelegt und mit "Pans Labyrinth" einen
ersten Film auf Blu-ray Disc angekündigt.
Durch die HD DVD-Unterstützung vieler unabhängiger Anbieter ist die
Software-Versorgung mit HD DVDs in Deutschland auf Sicht der nächsten Monate
deutlich besser als in den USA. Während Sony, Buena Vista und ab dem
Spätsommer auch wieder Fox zahlreiche Neuheiten exklusiv auf Blu-ray Disc veröffentlichen,
hält sich Universal in den letzten Wochen aber mit exklusiven Ankündigungen
für das HD DVD-Format etwas zurück.
Im Wettstreit der beiden HD-Formate ist die Blu-ray
Disc derzeit in Deutschland führend. Auf Basis des wöchentlichen Panelmarkts von media control wurden in Deutschland
seit Jahresbeginn 2007 bis Ende Juni 2007 rund 62.000 Blu-ray Discs und etwa 34.000 HD-DVDs abgesetzt.
Einen großen Schub gab es für Blu-ray nach der Markteinführung von
Sonys PlayStation 3 (PS3) Ende März 2007. Circa 57.000 Blu-ray Discs wurden seit Verkaufsstart der PS3 veräußert. Im selben Zeitraum
nahmen sich Verbraucher etwa 18.000 HD-DVDs mit nach Hause. Bisher wurden 115 Filme auf Blu-ray veröffentlicht. Im HD-DVD-Format
sind zurzeit 101 Titel verfügbar.
Filmanbieter Blu-ray Disc
- Sony
- Fox
- Buena Vista
- Senator Film
- Lionsgate (USA)
- Warner
- Paramount
- Highlight/Constantin Film
- Concorde
- Kinowelt
Filmanbieter HD DVD
- Universal
- Warner
- Paramount
- Concorde
- Studio Canal/Kinowelt
- Ascot Elite
- E-M-S
- The Weinstein Company (USA)
Preise für Hardware und Filme
Der Wettbewerb beider Systeme macht sich im Handel derzeit vor allem als
Preiskampf sichtbar. Kostete Samsungs erster Blu-ray Disc-Player BD-P1000 bei
seiner Markteinführung noch deutlich mehr als 1000 EUR, so ist der Samsung
inzwischen schon unter 500 EUR zu bekommen und damit noch günstiger als die
Playstation 3, die rund 600 EUR kostet. Nachdem der Preis für die Sony-Konsole
in den USA bereits unter 500 Dollar gesenkt wurde, dürfte eine Preissenkung in
Europa auch nur eine Frage der Zeit sein. Auch Toshibas erster HD DVD-Player HD-E1
ist rund ein halbes Jahr nach seiner Markteinführung schon ungefähr zum halben
Preis zu bekommen. Bei Preisen ab rund 350 EUR wird der Player momentan auch
noch bis zum 31. Juli in einem Paket mit 5 HD DVDs angeboten. Solche üppigen
Bundle-Angebote kannte man lange Zeit nur aus den USA, wo der Preiskampf noch
mit härteren Bandagen gekämpft wird und Sony mit dem BDP-300 bereits einen
Blu-ray Disc-Player der zweiten Generation für rund 500 Dollar anbietet. Die billigste
Investition in HD DVD stellt immer noch der "Xbox 360 HD DVD Player"
dar, mit dem Besitzer der Xbox 360 ihre Konsole zu Preisen ab 150 EUR als HD
DVD-Player nutzen können.
Im Gegensatz zur Hardware liegen die Preise für die Filme im Handel meist
noch sehr hoch. Preis von 30 EUR und mehr sind bei vielen Händlern nicht
ungewöhnlich. Ein Aufpreis von 5-10 EUR gegenüber einer DVD ist üblich.
Bislang fehlt auch noch zum Teil die Preisdifferenzierung zwischen Neuheiten und
Katalogtiteln, die noch einmal auf Blu-ray Disc oder HD DVD ausgewertet werden.
Fox geht hier mit positivem Beispiel voran und verkauft viele ältere Filme zu
Preisen um die 20 EUR auf Blu-ray Disc. Angesichts der ansonsten aber recht
hohen Preise verwundert es nicht, dass gerade aufgrund des schwachen US-Dollars
der Import aus den USA attraktiv ist. Denn bei Preisen von 20-24 Dollar selbst
für neue Filme sind Blu-ray Discs und HD DVDs aus den USA selbst inklusive Zoll
und Versandkosten meist noch günstiger als hierzulande erworbene Titel. Lediglich die
Kombo-Discs, die Universal und Warner in den USA als Bundle von DVD und HD DVD
anbieten, erweisen sich als Preistreiber. Für solche Titel zahlt man um die
fünf Dollar mehr als für eine einfache HD DVDs und Blu-ray Discs, was diese HD
DVDs nur unnötig verteuert. Der Nutzen erscheint ohnehin fraglich: Für
DVD-Käufer sind diese Kombo-Discs im Vergleich zur normalen DVD einfach zu
teuer und wer sich eine HD DVD kauft, wird sicherlich kaum noch Bedarf haben,
den Film in DVD-Qualität zu sehen. Während Warner in Deutschland bislang zum
Glück noch keine Kombi-Discs anbietet, hat Universal mit "Smokin'
Aces" für den August die erste Kombi-Disc für den deutschen Markt
angekündigt. Es bleibt zu hoffen, dass dies ein Einzelfall bleibt oder
zumindest parallel zu diesen Kombi-Discs auch eine reine HD DVD-Version
angeboten wird.
Regionalcode
Während es bei der HD DVD gar keinen Regionalcode gibt, kann bei der Blu-ray
Disc weiterhin das Abspielen von Blu-ray Discs aus anderen Ländern unterbunden
werden - in Zeiten der Globalisierung präsentiert sich Hollywood hier immer
noch mit einem Steinzeit-Image. Doch ganz so streng wird das Ganze bislang in
der Praxis zum Glück gar nicht beachtet, wenn man einmal von Fox absieht, wo
rigide jeder Film inklusive alter Schinken, bei denen sämtliche erdenklichen
Verwertungsketten ausgenutzt wurden, mit einem festen Regionalcode versehen
werden. US-Discs haben Regionalcode A, europäische Blu-ray Discs Regionalcode
B. Hollywood-Studios wie Warner und Paramount haben bislang gänzlich auf den
Regionalcode verzichtet, entsprechend findet man auf den meisten Scheiben nicht
einmal einen Hinweis darauf. Bei Sony und Buena Vista setzt man in erster Linie
bei neuen Titeln auf den Regionalcode. Ältere Filme sind inzwischen aber meist
(Sony) bzw. sehr häufig (Buena Vista) für Regionalcode A, B und C freigegeben.
Das kleinere Studio Lionsgate hatte ursprünglich auch auf den Regionalcode
verzichtet, setzt diesen aber bei neuen Veröffentlichungen inzwischen auch
häufiger ein.
Technik in Entwicklung
Eigentlich hätte es so einfach sein können. Die technischen Grundlagen für
Blu-ray Disc und HD DVD waren schon längere Zeit bekannt. Besseres Bild und
besseren Ton sollten beide Formate bringen. Auch wenn sie diesen Anspruch
erfüllen, ist die Markteinführung beider Formate nicht ganz glücklich
verlaufen. Während die Blu-ray Disc in den ersten Monaten ein schlechtes Image
bekam, weil die kleine Filmauswahl vor allem aus vielen Titeln von Sony bestand,
deren Bild nur selten für den gewünschten "Wow"-Effekt sorgte, wurde
bei beiden Formaten auch viel über "Ruckelbilder" geredet, da im
Gegensatz zur DVD bei Blu-ray Disc und HD DVD der Film nicht mit 25 Bildern pro
Sekunde abläuft, sondern im Original-Kino-Format mit 24 Bildern pro Sekunde.
Doch weder Samsung noch Panasonic oder Toshiba konnten bei ihren ersten Playern
eine Option anbieten, das Bild auch mit 24 Hz auszugeben. Stattdessen rechnen
sie die 24 Bilder auf 60 Hz um, was bereits bei DVDs im NTSC-Format üblich war
und auch von europäischen "HD ready"-Displays unterstützt wird. Eine
wirklich ruckelfreie Umrechnung von 24 Hz wäre nur möglich, wenn man die
Bildwiederholrate auf 48 Hz verdoppeln oder auf 72 Hz verdreifachen würde. Dies
führt dazu, dass bei der Umrechnung auf 60 Hz durch den erforderlichen "Pulldown"
ein leichtes Ruckeln auftritt. Dieses macht sich in der Praxis zwar meist nur in
geringem Umfang bemerkbar, gerade bei langsamen Kameraschwenks ist aber dennoch
ein unruhiger Bewegungsablauf zu erkennen. In Japan und den USA ist man dies
bereits seit Jahren gewohnt, weswegen man anscheinend der Bedeutung eines 24
Hz-Modus zunächst kaum Bedeutung beigemessen hatte. Erst ab Frühjahr 2007
waren Player mit 24p-Modus erhältlich. Hierbei handelt es sich derzeit um den
Pioneer BDP-LX70, den LG-Kombi-Player BH100, Sonys BDP-HS1 sowie nach einem
Software-Update die Playstation 3. Die beiden HD DVD-Player HX-E1 und EP-10 von
Toshiba sollen erst im Herbst ein Update für die 24p-Wiedergabe erhalten.
Eine weitere Baustelle sind die neuen Tonformate Dolby True HD und DTS HD. Beide
Anbieter versprechend Kino-Sound in Studio-Qualität durch verlustfrei
komprimierende Audio-Codecs. Gleichzeitig ist in einer True HD und einer DTS
HD-Tonspur auch immer ein normales Dolby Digital bzw. DTS-Signal als "Core"-Stream,
welches dafür sorgt, dass ein Abspielgerät wenigstens ein Signal ausgibt,
selbst wenn es die neuen Codecs nicht unterstützt. Die bisher erhältlichen
Player erlauben noch keine Ausgabe als Bitstream, sondern es erfolgt lediglich
eine Umwandlung in unkomprimierten PCM-Ton durch den Player. Die Tonqualität
ist daher entscheiden davon abhängig, wie verlustfrei diese Signalverarbeitung
erfolgt und ob der Player überhaupt in der Lage ist, Dolby True HD und DTS HD
zu verarbeiten. Eine Bitstream-Ausgabe von Dolby True HD und DTS HD ist erst
über die HDMI 1.3-Schnittstelle möglich. Player mit HDMI 1.2 geben bei einer
Einstellung auf "Bitstream" das jeweilige Core-Signal an den Receiver
weiter. Ein Abspielgerät mit HDMI 1.3-Schnittstelle ist allerdings noch keine
Garantie dafür, dass auch der HD-Bitstream tatsächlich ausgegeben wird. Denn
weder die Playstation 3 noch der Toshiba HD-XE1 mit HDMI 1.3 sind dazu derzeit
in der Lage. So kann man selbst mit den neuesten AV-Receivern von Onkyo kein
Dolby True HD und DTS HD erleben, obwohl diese über entsprechende Decoder
verfügen. Da so langsam die Chipsätze für HDMI 1.3, True HD und DTS HD
verfügbar werden, dürfte sich die Situation in den nächsten Monaten
verbessern. Die Bedeutung von Dolby True HD und DTS HD sollte in der Praxis
allerdings auch nicht
überbewertet werden. Selbst der normale Dolby Digital- oder DTS-Ton klingt auf
Blu-ray Disc und HD DVD bereits häufig lebendiger als auf DVD, selbst wenn den
Player nur über den normalen Digitalausgang mit seiner Anlage verbindet.
Bei der Verwendung der Tonformate herrscht bei der Film-Software eben solch
ein Durcheinander wie bei den Abspielgeräten. Bei HD DVD ist es noch relativ
übersichtlich. Dort kommt überwiegend Dolby Digital Plus zum Einsatz und z.B.
bei einzelnen Warner-Titeln auch Dolby True HD. Bei den Studio Canal-Titeln von
Kinowelt wird hingegen ausschließlich DTS HD eingesetzt. Bei Blu-ray spielt
True HD bislang noch keine Rolle. Sony und Buena Vista setzen derzeit vor allem
unkomprimierten PCM-Ton im Mehrkanalformat ein. Dieser beansprucht viel
Kapazität auf der Disc, hat aber den Vorteil, dass er selbst von Playern mit
HDMI 1.2-Schnittstelle an einen Mehrkanalreceiver weitergeleitet werden kann und
für die Verarbeitung des Signals kein spezieller Decoder erforderlich ist. Sony
will zukünftig aber verstärkt auf TrueHD setzen, weil dies den Einsatz
mehrerer Tonspuren in unterschiedlichen Sprachen im Lossless-Format ermöglicht.
Fox verwendet bei seinen Blu-ray Discs DTS HD Master Audio.
Die guten und die schlechten Seiten von Blu-ray Disc und HD DVD
Nach einem etwas holprigen Start kann man qualitativ mit einem Großteil der
Blu-ray Disc und HD DVDs zufrieden sein. Auch wenn die Unterstützer der Formate
gerne ihre jeweiligen Vorteile herauskehren, so sind im wesentlichen Punkt, der
Bildqualität, kaum Unterschiede auszumachen. Praktisch alle
Neuveröffentlichungen bieten eine deutlich bessere Bildqualität als eine
normale DVD. Vor allem hat man wirklich den Eindruck, einen Film in
Master-Qualität zu sehen, während bei DVDs die Bildschärfe häufig nicht
einmal PAL-Niveau erreicht und bei vielen DVDs zudem Rauschfilter und Artefakte
die Qualität verschlechtern. Bei HD-Medien hingegen sieht man sogar die
Körnigkeit des Filmmasters und auch Artefakte sind selbst bei den meisten Discs
mit MPEG2-Kompression nicht zu erkennen. Unterschiede in der Bildqualität
fallen bei unterschiedlichen HD-Medien dennoch deutlicher auf als bei DVDs. So
sind zwar fast alle HD-Medien qualitativ DVDs meilenweit voraus, der Wow-Effekt
stellt sich aber auch nicht selbstverständlich bei allen Filmen an. Das ist
auch keineswegs eine Frage des Alters, denn selbst ältere Filme können bei
gutem Mastering in HDTV eine exzellente Qualität bieten.
Was die Ausstattung der Discs angeht, merkt man aber, dass es noch genügend
offene Baustellen gibt und auch bei Blu-ray Disc und HD DVD Neuauflagen nur eine
Frage der Zeit sein dürften. Es ist nicht selbstverständlich, dass alle Extras
von einer DVD übernommen werden. Zudem liegt das Bonus-Material in den meisten
Fällen nur in schlechter NTSC-Qualität vor. Selbst Trailer, die man aus dem
Internet ganz offiziell in HDTV-Auflösung herunterladen kann, sind auf vielen
Blu-ray Discs und HD DVDs nur in schlechter Qualität zu finden. Zudem findet
man bei einigen Discs zwar Promos und Trailer zu anderen Filmen, aber nicht den
Trailer von dem Film, den man sich gerade gekauft hat. Und für die richtig
interessanten Trailer von Filmen, die in Kürze erst im Kino anlaufen, muss man
ohnehin meist das Internet bemühen. Hier bleibt zu hoffen, dass zukünftig
über die Netzwerkschnittstelle auch das Betrachten von Trailern direkt über
die Player möglich wird. Die Unsitte, vor dem Starten des Hauptmenüs den
Käufer erst einmal mit unerwünschten Promo-Trailern zu bombardieren, setzt
sich leider auch bei vielen Blu-ray Discs und HD DVDs fort. Sehr schön sind
indes die Popup-Menüs, die es bei den meisten Discs ermöglichen, durch die
Menüs zu navigieren, während der Film im Hintergrund weiterläuft. Bei DVDs
ist hierfür immer ein Zugriff auf die Menüs erforderlich, was auch mit
Wartezeiten verbunden ist.
Die neuen Tonformate Dolby True HD und DTS HD sind auch noch keine
Selbstverständlichkeit. Zwar wird nicht jeder unbedingt einen wirklich
hörbaren Vorteil gegenüber normalem Dolby Digital oder DTS heraushören
können. Aber da jeder Mix in den HD-Formaten auch immer einen normalen Dolby
Digital oder DTS-Audio-Stream als "Core" enthält, der für eine
Abwärtskompatibilität sorgt, sind diese Tonspuren selbst auf herkömmlichen
AV-Anlagen ohne HDMI nutzbar.
Ein wahres Trauerspiel ist und bleibt der Formatkrieg zwischen Blu-ray Disc
und HD DVD an sich. Bereits vor der Einführung der DVD hatte sich Ende der
Neunziger Jahre ein Formatkrieg angebahnt, der dann aber doch noch abgewendet
werden konnte. Die gesamte Branche hat seitdem von der DVD profitiert. Selbst
alte TV-Serien, die sonst nur noch im Vormittagsprogramm zu sehen sind, erfreuen
sich äußerster Beliebtheit auf DVD. Schon einmal scheiterte der Versuch, zwei
technisch anspruchsvolle Formate im Markt zu etablieren. Doch das Debakel von
DVD-Audio und SACD im Musikbereich zeigt, dass ein Formatkrieg auch zwei
Verlierer haben kann. Beide Formate spielen im Massenmarkt praktisch keine
Rolle. Stattdessen wird Musik inzwischen immer häufiger aus dem Internet
geladen. Und da große Firmen wie Apple, Microsoft und Sony ebenfalls
Download-Angebote für Filme betreiben oder diese planen, haben Blu-ray Disc und
HD DVD auch nicht ewig Zeit, sich zu etablieren.
Welches HD Video-Format sich durchsetzen wird und ob überhaupt eines der
beiden HD-Formate an den Erfolg der DVD anschließen kann, vermögen wir auch
nicht zu sagen. Für alle, die nicht wissen, für welches Format sie sich
entscheiden sollen, haben wir aber einfach einmal einige Pro &
Contra-Argumente zusammengefasst:
Pro Blu-ray Disc
- Breite Unterstützung durch fast alle großen Hollywood-Studios
- Filme von Sony & MGM, Fox und Buena Vista exklusiv auf Blu-ray Disc
- Breite Unterstützung durch die meisten großen Marken der
Unterhaltungselektronik
- Abspielgeräte mit 24p-Wiedergabe bereits erhältlich
Contra Blu-ray Disc
- Abspielgeräte der 1. Generation noch ohne Internet-Zugang (Ausnahme:
Playstation 3)
- Abspielgeräte der 1. Generation noch ohne Picture in Picture
- Keine Unterstützung durch Universal
- Regionalcode, wenn auch bislang nur zum Teil genutzt
- Derzeit noch etwas höhere Preise für Abspielgeräte im Vergleich zu HD
DVD
Pro HD DVD
- HD DVD-Player bereits ab 300 EUR
- Picture in Picture bereits mit Playern der ersten Generation
- Internet-Funktionalität bereits mit Playern der ersten Generation
- Kein Regionalcode
- Exklusive Unterstützung durch Universal
Contra HD DVD
- Keine Unterstützung durch Hollywood-Majors wie Sony, Fox, Buena Vista
- Hardware-Unterstützung primär durch Toshiba und Microsoft, die meisten
Anbieter "brauner Ware" unterstützen Blu-ray Disc
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