INFO: Alles Wissenswerte über 1.080p
09.06.2007 (cr)
Die 1.080p-Problematik
Aktuell ist dieses Thema zumindest bei den visuell anspruchsvollen Home
Theatre Liebhabern in Verbindung mit HD DVD und Blu-ray in aller Munde: Die
Bildausgabe in höchstmöglicher Qualität, das heißt in der Auflösung 1.920 x
1.080, allerdings direkt in Vollbildern. Also 1.920 x 1.080p. Doch ganz so
einfach läuft es in der Praxis bedauerlicherweise nicht, denn es gibt die
Signalausgabe in 1.920 x 1.080p mit 60 Hz Bildwiederholfrequenz und die
Signalausgabe in 1.920 x 1.080p mit 24 Hz Bildwiederholfrequenz. Was ist nun
besser? Hier kann man direkt anführen, dass das Film-Ausgangsmaterial auf der
Blu-ray oder HD DVD in 1.080p/24 vorliegt, Filmkameras nehmen mit 24 Frames/Sekunde
auf, und auf den neuen HD-Medien findet sich das Material im ursprünglichen
Format. Zur Weiterverarbeitung von Bildwiedergabegeräten aber sind 50 oder auch
60 Hz gebräuchlich, nicht aber 24 - was zur Einführung von 1.080p/60 führte.
Der Pulldown
Doch ein 1.080p/60-Signal hat visuelle Nachteile. Die 24 Hz
Bildwiederholfrequenz müssen auf die 60 Hz (NTSC-Bildwiederholfrequenz)
gebracht werden. 60 ist jedoch kein Vielfaches von 24, was zum Ergebnis hat,
dass eine "krumme" Umwandlung im HD DVD- oder Blu-ray-Player
stattfindet: Der so genannte 3:2 Pulldown, bei dem die Bildrate von 24 auf ca. 30
erhöht wird. Als erstes das Filmsignal um einen minimalen Betrag verlangsamt
(ca. 0,1 %, oder für 1.001 Sekunden Originalmaterial werden 1.000 Sekunden des
Filmmaterials abgespielt). Insgesamt läuft das Filmmaterial nun mit einer
Geschwindigkeit von 23,976 Bildern pro Sekunde was heißt, dass nun vier
Einzelbilder im ursprünglichen Filmsignal fünf Einzelbilder in der halben
NTSC-Bildfrequenz (ca. 30 Hz) gegenüberstehen. Die vier Einzelbilder des
Filmmaterials werden nun interlaced, was zur Folge hat, dass nun fünf Bilder
zur Verfügung stehen. Ein Vollbild wird also in zwei Halbbilder zerlegt. Aus
jedem Bild des ursprünglichen 24p Kinomaterials werden abwechselnd drei oder
zwei Halbbilder erzeugt.
Das erste Vollbild wird drei Halbbilder lang gezeigt,
das zweite Vollbild zwei Halbbilder lang, das dritte Vollbild wieder drei
Halbbilder lang etc. Dieser 3:2 Pulldown ist kaum zu bemerken, so lange man
schnelle Bewegungen wahrnimmt oder keinerlei Bewegung im Bild ist. Bei langsam
ausgeführten Bewegungen oder langsamen Kameraschwenks
hingegen merkt man das "Zerpflücken" des Ausgangsmaterials deutlich:
Die Bewegungsabläufe wirken nicht ganz flüssig, da das Bild sichtbar ruckelt.
Nun kommt noch ein weiterer Prozess hinzu: Während des Pull Downs wird das Bild
de-interlaced, das heißt, der Blu-ray- oder HD DVD-Player muss, möchte er das
Bild in 1.080p ausgeben, zuvor erneut de-interlacen. Auch dies heißt Zeit- und
Arbeitsaufwand, was sich in einer weitere Verzögerung innerhalb des
Videosignals bemerkbar macht, was, gerade im Falle eines nicht enorm
hochwertigen De-Interlacers im HD DVD- oder Blu-ray-Player zu weiteren
Beeinträchtigungen bezüglich der Bildqualität führt. Lösung für die 3:2
Pulldown-Problematik wäre der so genannte "Reverse Pulldown", bei dem,
kurz erklärt, die durch das Pulldown-Verfahren gemachten Signalveränderungen
wieder rückgängig gemacht werden. So könnte man wieder ein reines
1.080p/24-Signal generieren.
Kein 1.080/50
Alternativ wäre es möglich, 1.080p/50 (50 Hz ist die
PAL-Bildwechselfrequenz) zu erzeugen, einfach mittels des so genannten "PAL
Speed-Ups", hier lässt man die ursprünglich 24 Frames des Filmmaterials
einfach mit fünf Prozent höherer Geschwindigkeit laufen, so kommt man bequem
auf 25 Frames, die man dann, ebenso bequem, auf 50 Hz verdoppeln kann - ohne die
Ruckel-Problematik des 3:2 Pulldowns. Daher kannten wir die "Ruckelei"
von den bisherigen "normalen" PAL DVDs auch nicht, denn hier wurde
einfach der PAL Speed-Up durchgeführt, und Bildruckeln gab es höchstens dann,
wenn der bordinterne De-Interlacer in DVD-Player oder Bildwiedergabegerät
seiner Arbeit nicht schnell und präzise genug nachkam. Also wäre 1.080p/50
durchaus eine Lösung - aber wiederum verschiedene Masterings (50 Hz und 60 Hz
für PAL und NTSC) wie bei der DVD wollten Hersteller und Filmstudios nicht nochmals in Erwägung ziehen - kein
Hertz-Chaos mehr, sondern eine einheitliche Lösung, und was liegt eigentlich
näher, als hier das ursprüngliche Format zu verwenden, in dem das Material
vorliegt - und das sind 24 Frames pro Sekunde.
Bildsignalausgabe in 1.080p/24
Nun sind wir beim Thema 1.080p/24 Direktsignalausgabe: Der HD- oder
Blu-ray-Player sollte im Sinne einer optimalen Bildgüte das Signal in diesem
Format ausgeben können - soweit die Theorie. In der Praxis jedoch gibt es
bislang kaum Geräte, die die 1.080p/24-Signalausgabe beherrschen, dabei, so
könnte man denken, ist doch eigentlich nichts einfacher, um das Signal einfach
im Ursprungsformat weiterzureichen an ein entsprechend geeignetes
Bildwiedergabegerät. Doch durch die technischen Spezifikationen von Disc und
Player gestaltet sich dies in der Praxis doch nicht so einfach, so dass eine
hochwertige, leistungsstarke bordinterne Elektronik beim Player nötig ist, um
eine 1.080p/24-Bildsignalausgabe zu ermöglichen. Aktuell beherrschen die Sony
PS 3 mit Firmware 1.80 und der Pioneer Blu-ray-Player BDP-LX70
diese Art der Bildsignalausgabe. Für den Toshiba HD DVD-Player
HD-XE1 ist ein Update auf die 1.080p/24-Bildsignalausgabe geplant, der
Erscheinungstermin jedoch ist momentan nicht festgelegt. Als weiterer
1.080p/24-Blu-ray-Player kommt jetzt noch der Sony BDP-S1E für 1.299 EUR auf
den Markt.
Welches Bildwiedergabegerät?
Nun stellt sich die Frage nach dem passenden Bildwiedergabegerät. Natürlich
muss dieses 1.080p/24-Signale entgegen nehmen können - dies beherrschen
Pioneers Plasma-Panels bereits seit der 6. Generation. Mittels des (noch)
aktuellen PDP-507XD und in
Verbindung mit der Sony
PS 3 mit Firmware 1.80 oder dem Pioneer Blu-ray-Player BDP-LX70
wird ein eindrucksvolles Bilderlebnis mit flüssigen Bewegungen und hoher
Bildruhe erzielt. Was passiert bei dieser Art der Signalverarbeitung? Das
1.080p/24-Signal wird aus dem Player herausgeleitet und vom Pioneer-Plasma
entgegen genommen. Intern dann wird die Frequenz von 24 Hz auf 72 Hz
verdreifacht, das heißt, die Pioneer-Plasmas müssen zwei Bilder dazu
generieren - dies bedeutet einen hohen Rechenaufwand, der aber in der Praxis
hervorragend gemanagt wird. Die Wiedergabe in 72 Hz bedeutet auch, dass
praktisch kein störendes Flimmern auftritt, das bei allen Signalen unterhalb
der 50 Hz deutlich, bei Signalen von 60 Hz weniger deutlich, aber immer noch
wahrzunehmen ist.
Unterschiedliche Signalverarbeitung bei LCD-TVs
Und wie sieht es mit Alternativen auf dem LCD-Sektor aus? Der vor kurzem
getestete Toshiba LCD-TV 32C3000P kann
bereits als HD ready Einsteiger-LCD 1.080p/24-Signale entgegen nehmen. Allerdings bedarf dieses Feature eines
ausführlichen Kommentars. Bei vielen LCD-Panels, darunter auch das, welches im Toshiba
32C3000P verbaut ist, sind die Frequenzen, mit denen das LCD-Panel angesteuert wird,
eingeschränkt und fest definiert, 50 und
auch 60 Hz sind zur Ansteuerung gebräuchlich. Dies hat zur Folge, dass der
LCD-TV intern umrechnen muss und somit kein "echtes" 24p zum Panel
gelangt. Allerdings ist dies laut den uns vorliegenden Aussagen wiederum eine
andere Umrechnung als beim Player-internen Pulldown. Wie genau diese
funktioniert, ist allerdings schwierig herauszufinden. Da man bei einer
Ansteuerung des LCDs mit 60 Hz kaum um den Zwischenschritt eines 3:2 Pulldowns
herumkommt, nehmen wir an, dass intern mit 50 Hz angesteuert wird - genaue
Informationen sind leider Mangelware, wir bleiben aber dran - versprochen.
Dies hat in der Praxis die Folge, dass trotzdem ein leichtes Bildruckeln
wahrzunehmen ist, allerdings fällt dies bei entsprechend hochwertiger Zuspielung
gering aus - deutlich geringer, als es bei einer Zuspielung eines
1.080p/60-Signals direkt zum Blu-ray- oder HD DVD-Player wahrzunehmen ist. Daher
ist die 1.080p/24-Option auch beim 32C3000P keinesfalls überflüssig, und wer
als versierter Anwender trotzdem leichtes Ruckeln wahrnimmt, hat sich nicht
geirrt.
Eine Frage stellt sich natürlich zwischendurch: Der PDP-507XD
und der 32C3000P sind reine HD ready- und
keine Full HD-Geräte. Bringt in diesem Falle die 1.080p-Zuspielung überhaupt
einen nennenswerten Vorteil gegenüber einer 720p-Zuspielung, bei der deutlich
weniger Skalierungsarbeit innerhalb des Bildwiedergabegeräts notwendig wäre?
Die klare Antwort: Ja. Das Herunterskalieren des eingehenden, über der nativen
Auflösung des Panels liegenden Signals gelingt in beiden Fällen ausgezeichnet,
und man genießt ein schärferes, ruhigeres und klareres Bild als bei der
720p-Zuspielung. Selbst die direkte Einspeisung eines 1.080p-Signals in ein Full
HD Panel heißt übrigens gerade bei Consumer-Modellen nicht automatisch, dass
das Bild auch Pixel per Pixel zur direkten Darstellung ans Panel weitergereicht
wird. Oftmals passiert das 1.080p-Signal noch interne Skalierungsmechanismen,
was auch erklärt, wieso häufig ein gut sichtbarer Overscan vorhanden ist, der
bei pixelgenauer Übertragung nicht vorhanden sein dürfte. Samsung und Toshiba
haben bei ausgewählten LCD-Modellen ebenso wie Pioneer beim PDP-5000EX
jedoch die Möglichkeit einer pixelgenauen Wiedergabe eines Full HD-Bildes.
Sehr viel Wert auf eine hochwertige Bildsignalbearbeitung, auch die
1.080p/24-Thematik betreffend, legt man bei Samsung ohnehin. Bei der aktuellen
Samsung Baureihe M8 ist eine 1.080p/24-Signalentgegennahme möglich, und laut
Samsung wird intern verdoppelt auf 48 Hz, so wird das Bild ohne jeglichen
Pulldown oder andere Signalveränderungs-Operationen direkt zum Panel geleitet
(welches für die Ansteuerung mit 48 Hz geeignet ist) und das Bild in
bestmöglicher Qualität ausgegeben. Selbstverständlich ist ein Test eines
Samsung M 8-Geräts bei uns bereits in der Vorbereitung und wird in einigen
Wochen veröffentlicht (LE-46M86BD, 46 Zoll, oder LE-52M86BD, 52 Zoll).
Fazit
Ohne Zweifel ist eine durchgängige 1.080p/24-Bildsignalverarbeitung Garant
für höchsten Bildgenuss. Erst in dieser Signalform kommen die neuen HD-Medien
Blu-ray-Disc und HD DVD voll zur Entfaltung ihrer visuellen Performance. Doch
noch ist das Angebot an Zuspielern gering, die die Bildsignalausgabe in der
bestmöglichen Form mit an Bord haben. Bereits kurzfristig, das heißt noch in
diesem Jahr, ist jedoch davon auszugehen, dass mehr und mehr Zuspieler mit
1.080p/24-Option ausgestattet sind. Achten sollte der Home Theatre-Liebhaber
dann noch auf das passende Bildwiedergabegerät. Hier heißt es: Sorgfältig
prüfen, wie auf dem LCD- oder Plasma-Display die Bilddarstellung erfolgt. Bei
einer hervorragenden 1.080p/24-Wiedergabe sollten Bildruckeln und Bildflimmern
nicht vorkommen.
Text: Carsten Rampacher
Datum: 09.06.2007
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