Standlautsprecher-Mastertest: Was können Standlautsprecher zwischen 600 und 2.800 €? (1/4)

04. April 2006 (th, cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HIFI-REGLER für das Bereitstellen der Hörräume und des Testequipments 

Wie viel Lautsprecher braucht der Mensch? Eine Frage, die sich generell nicht beantworten lässt, denn jeder setzt andere Prioritäten und hört anders - daher ist der Mensch auch ein Individuum, und daher ist es auch sehr komplex, über die akustischen Eigenschaften von Lautsprechern zu schreiben. Sicherlich, in Dutzenden von Hörreihen ist es problemlos möglich, sich einen Überblick über das jeweilige Profil einer Box zu verschaffen - aber schon hier sollte Vorsicht walten: Denn wer z.B. in seiner eigenen Präferenzstruktur eine im Hochtonbereich brillante und dynamische Box fokussiert, sollte nicht zu Übertreibungen neigen und das eigenen Favoriten auserkorene Modell flugs zum Akustik-Ass des Teilnehmerfeldes küren. Denn: Zum einen mögen lange nicht alle Hörer eine glasklare Hochtonwiedergabe, und zweitens kann gerade wegen der unterschiedlichen Hörgewohnheiten nur ein Lautsprecher sich eine besondere Empfehlung verdienen, der eine hohe Ausgeglichenheit mitbringt. Es muss nicht immer der spontan faszinierendste Schallwandler sein, der besonders viele Käufer findet, sondern es ist oft die Box sehr empfehlenswert, die wenig falsch macht und nicht  - nur als Beispiel -  eine tolle Pegelfestigkeit besitzt, dafür aber lediglich ein geringes Differenzierungsvermögen mitbringt. 

Auch nicht unterschätzen darf man gerade bei einem solchen Standlautsprecher-Mastertest den Einfluss von Elektronik, Verkabelung und der Akustik des Hörraumes. Vor allem dann, wenn man wie in unserem Falle mittels Zweikanal-Cinch-Verbindung, also einer analogen Signalübertragungsart, eine Verbindung vom CD- oder DVD-Spieler zum Verstärker herstellt, kommt es stark auf die Kabel- und Steckergüte des Cinchkabels an. Generell können wir hier nur die Empfehlung aussprechen, eine möglichst kurze Signalverbindung einzusetzen, da die Qualität analoger Tonsignale sich signifikant verschlechtern, wenn die Verbindung zu lang wird. 0,5 bis maximal 1,5 Meter sollte die Kabellänge betragen. 

Nun haben wir eine ausführliche Einleitung verfasst - aber Sie, verehrte Leserschaft, möchten verständlicherweise nun gern wissen, welche Lautsprecher zwischen 600 und 2.800 € wir zum Mastertest versammelt haben. Gleich klären wir Sie auf, einige offene Fragen werden wir aber vorab klären.  Aufgrund der großen preislichen Differenz zwischen den Teilnehmern wird dies kein herkömmlicher Vergleichstest mit einem Testsieger, sondern vielmehr geht es darum, welches Leistungsprofil man für welchen Kaufpreis erwarten darf. Das heißt, wir gehen beispielsweise der Frage nach, ob man auch mit einer Box für 700 € bereits auf hohem Level Musik hören kann. Und auch eine günstige Konstruktion kann sein hervorragendes Testergebnis erreichen, wenn das Preis-/Leistungsverhältnis überdurchschnittlich stimmig ist.

Im nächsten Schritt stellen wir Ihnen unser Kandidatenfeld vor:

Von links nach rechts: KEF IQ9 (Stückpreis 699 €), KEF XQ5 (Stückpreis 1.499 €), Klipsch Synergy F-3 (Stückpreis 599 €), Focal Electra BE (Beryllium) 1027 (Stückpreis 2.750 €), Nubert nuLine 120 (Stückpreis 1.045 €)

1. Teilnehmer: Klipsch Synergy F-3. Der wie üblich bei Klipsch mit einem Hornhochtöner antretende Lautsprecher ist mit 599 € pro Stück das günstigste Modell im Testfeld. Dafür lesen sich die technischen Daten sehr beeindruckend: Der Frequenzbereich beginnt nämlich schon bei 35 Hz, ein sehr guter Wert. Die obere Grenzfrequenz von 23 kHz ist normal und reicht für praktisch alle Anwendungen aus. Exzellent ist der mit 97 dB (2,83 V @ 1 Meter) angegebene Wirkungsgrad. Die Impedanz liegt bei 8 Ohm, was den Lautsprecher für den Einsatz im Heimkino prädestiniert. Die kurzzeitige Spitzenbelastung liegt bei 600 (!) Watt, als empfohlene Verstärkerleistung gibt der Hersteller 150 Watt an. Lieferbar ist die Synergy F-3 wahlweise in schwarzer oder kirschholzfarbener Ausführung. Etwas mehr Auswahl könnte nicht schaden. 

2. Teilnehmer: Die KEF IQ-9 beweist, dass KEF auch ein Herz für die Sorte Hörer hat, deren finanzieller Spielraum nicht eben grenzenlos ist. Der schicke Schallwandler kostet pro Stück schlanke 699 € und macht dafür ganz schön was her. Auch die vier verfügbaren Farbtöne (Nussbaum, Schwarz, Ahorn und Apfel) sprechen für die KEF mit 8 Ohm Impedanz, denn so findet jeder das Passende. Nur eine silberfarbene Lackierung fehlt. Auf dem Lautsprecher stände nicht der Markenname KEF, wenn nicht auch technisch Allerhand geboten würde. So reicht der Frequenzgang von 38 Hz bis 40 kHz, was dafür sorgt, dass sich die IQ-9  auch für DVD-A- und SACD-Anwendungen eignet. Mit einer vom Hersteller empfohlenen Verstärkerleistung von 15 bis 150 Watt deckt die IQ9 ein sehr großes Spektrum ab. Durch die hohe Empfindlichkeit von 91 dB (2,83 V @ 1 m) kann die KEF auch beim Thema Wirkungsgrad punkten. Kennzeichen des Standlautsprechers ist KEFs UNI-Q-Technologie, bei der der Hochtöner im Mitteltöner platziert ist.

3. Teilnehmer: Die Nubert nuLine 120 für 1.045 €/Stück ist optisch ein Gigant, und auch die Belastungswerte passen zu diesem Eindruck: Mit 380 Watt Dauer- und 550 Watt kurzzeitiger Spitzenbelastbarkeit kann man den ausladenden Schallwandler aus Schwäbisch-Gmünd auch mit leistungsstarker Elektronik ansteuern. Der Wirkungsgrad, hier allerdings bei 1 Watt/1 Meter gemessen, beträgt 86,5 dB. 1 W/1m entspricht einer 4 Ohm-Last bei 2V/1m. Daraus ergibt sich dann folgendes Resultat: Bei 2v/1m (entspricht 1W/1m): nuLine 120 86.5 db, bei 2.83v/1m (entspricht 2w/1m): nuLine 120 : 89.5 dB, was in Ordnung geht, aber keinen extrem günstigen Wirkungsgrad darstellt. Der Frequenzgang reicht von 37 Hz bis hoch auf 22 kHz, die Impedanz beträgt 4 Ohm. Hoch- und Tieftöner sowie die Frequenzweiche sind per selbstrückstellender Sicherung gegen Überlastung geschützt.  Die nuLine 120 ist in vielen attraktiven Farbgebungen lieferbar: Mehrschichtlack in silbern, Echtholzfurniere in Kirsche, Buche sowie 

Esche Schwarz. 

4. Teilnehmer: Die KEF XQ5 wirkt optisch wie eine kleine Highendbox - mit einem Preis von 1.499 € pro Stück bewegt sie sich aber noch in normalen Preisgefilden. Optisches Merkmal der XQ5 ist der aufgesetzte silberne Super-Hochtöner für die DVD-Audio- und SACD-Wiedergabe. Die Vierwege-Bassreflexbox wird von KEF für Verstärkerleistungen von 15 bis 150 Watt empfohlen, der identische Wert wie bei der IQ9. Der Frequenzgang reicht von 45 Hz bis hoch auf 55 kHz - ein idealer Partner für eine kleine, aber feine DVD-Audio/SACD-Anlage im Hörraum bis ca. 30 Quadratmeter. Der Wirkungsgrad des 8 Ohm-Lautsprechers liegt bei 89,5 dB (2,83 V @ 1 m). Die XQ5 kann in einer guten Auswahl interessanter Oberflächen geliefert werden: Esche, silber- oder graphit-metallic (als Ergänzung zu AV-Geräten). Nur Klavierlack-Schwarz oder Apfel-Hochglanz wären noch sinnvolle Ergänzungen. 

5. Teilnehmer: Focal Electra BE-1027. Mit einem Stückpreis von 2.699 € ist die aufwändige Box mit Beryllium-Hochtöner das mit Abstand teuerste Exponat in unserem Testfeld. In edles Echtholz-Furnier gekleidet (Mahagoni oder Ahorn) bietet sie einen Wirkungsgrad von absolut tadellosen 91 dB (2,83 V @ 1m), die maximale Belastbarkeit liegt bei etwas schmalen 200 Watt. Der Frequenzgang wird von Focal erfreulicherweise sehr realistisch angegeben. Von 32 Hz bis 40 kHz reicht er. Die Impedanz beträgt 8 Ohm. 

Hier nun die Aufteilung unseres Testberichtes:

Tabellarische Übersicht
Eigenschaft Klipsch Synergy F-3 KEF IQ9 Nubert nuLine 120
Prinzip  2-Wege, Doppelbass, Bassreflex- Dreiwege-Lautsprecher, Bassreflex 2-Wege-Lautsprecher mit zusätzlichem doppeltem Subbass, Bassreflex
Belastungswerte kurzzeitig/langzeitig oder empfohlene Verstärkerleistung kurzzeitige Spitzenbelastbarkeit 600 Watt, Langzeitbelastbarkeit 150 Watt Empfohlene Verstärkerleistung 15 bis 150 Watt 550 Watt kurzfristig, 380 Watt langfristig
Impedanz 8 Ohm 8 Ohm  4 Ohm
Wirkungsgrad (2,83 V @ 1 m) 97 dB 91 dB 89,5 dB
Frequenzgang 35  - 23.000 Hz 38 Hz bis 40.000 Hz 37 Hz bis 22.000 Hz (- 3 dB), 33 bis 24.000 Hz (- 5 dB)
Bestückung:
Super-Hochtöner - - -
Hochtöner 25, 4 mm Hochtöner plus 65 mm Hochtonhorn 1 x 19 mm 1 x 18 mm
Mitteltöner - 165 mm Uni-Q 1 x 140 mm
Tieftöner 2 x 20,3 cm 2 x 165 mm 2 x 208 mm
Konstruktive Besonderheiten Hornhochtöner für optimalen Wirkungsgrad UNI-Q Konstruktion, 19 mm Hochtöner sitzt im Zentrum des Mitteltöners, Hochtöner mit leistungsfähigem Neodym-Magneten, Membranen der Basschassis naturfaserverstärkt, Box ist magnetisch abgeschirmt Box ist als Zweiwege-System mit integriertem Subwoofersystem mit Doppelbass für tief reichenden Frequenzgang und hervorragende Bassperformance konstruiert. Hochtöner ist asymmetrisch ausgelegt, daher gibt es einen linken und einen rechten Lautsprecher (Kennzeichnung auf Gehäuse). Sicherungen gegen Überlastung von Hoch- und Mitteltöner sowie der Frequenzweiche. Besonders hochwertige Frequenzweiche mit insgesamt 48 Bauteilen auf 3 Leiterplatinen, Aufrüstmöglichkeit mit speziell abgestimmtem ATM-Modul (erweitert den Bassbereich auf eine untere Grenzfrequenz von 25 Hz ( - 3 dB). Schalter für die Klangcharakteristik-Beeinflussung auf der Rückseite des Lautsprechers (Höhen: Anhebung/linear/Absenkung, Tiefen: Linear/Anhebung)
Bi-wiring-fähige Anschlussterminals ja ja ja
Abmessungen (H x B x T) 106,7 cm x 24,1 cm x 40,6 cm 94,2 x 22,0 x 32,7 cm 125 x 24,5 x 38,5/40 cm (ohne/mit Gitter)
Gewicht 27,2 kg 16,6 kg 40,5 kg
Lieferbare Farben: Schwarz oder Kirsche Nussbaum, Schwarz, Ahorn und Apfel Mehrschichtlack silbern, Furniere Buche, Esche Schwarz oder Kirsche
UVP (Stückpreis)  599 € 699 € 1.045 €
Fazit Robuster, belastungsfähiger Lautsprecher mit Hochtonhorn für besonders hohen Wirkungsgrad Für knapp 700 € ein ordentlich aufgebauter Standlautsprecher mit gutem Wirkungsgrad Ausladende, hoch belastbare Standbox mit konservativer Optik. Mit Abstand beste Ausstattung im Testfeld. 

Teil 2

Eigenschaft KEF XQ5 Focal Electra 1027BE Classic
Prinzip 4-Wege-Lautsprecher, Bassreflex 3-Wege-Lautsprecher, Bassreflex
Belastungswerte kurzzeitig/langzeitig oder empfohlene Verstärkerleistung Empfohlene Verstärkerleistung 15 bis 150 Watt Max. Belastbarkeit 200 Watt
Impedanz 8 Ohm 8 Ohm
Wirkungsgrad (2,83 V @ 1 m) 89,5 dB 91 dB
Frequenzgang 45 - 55.000 Hz 32 bis 40.000 Hz
Bestückung:
Super-Hochtöner 1 x 19 mm
Hochtöner 1 x 19 mm 1 x 25 mm
Mitteltöner 1 x 165 mm UNI-Q 1 x 165 mm
Tieftöner  2 x 165 mm 2 x 165 mm 
Konstruktive Besonderheiten UNI-Q Konstruktion, 19 mm Hochtöner sitzt im Zentrum des Mitteltöners, separater, auf dem Gehäuse befestigter Supertweeter, einzelne Ansteuerung der Tieftonchassis, physikalische Trennung der Frequenzweichen Superhochton/Hochtonbereich und Tief/Mitteltonbereich (minimiert die elektrische Kopplung zwischen den Frequenzbereichen) Beryllium-Hochtöner mit extrem gutem Wirkungsgrad, besonders massives 50 mm dickes MDF-Gehäuse mit spezieller Gamma-Struktur zur Vermeidung von Eigenresonanzen, OPC (Optimum Phase Crossover) Präzisionsfrequenzweiche, Tieftöner in Sandwich-Composite-Bauweise für besonders leistungsfähige Basswiedergabe
Abmessungen (H x B x T) [inkl. Abdeckungen und Hypertweeter) 101,1[105,6] x 23,1 x 30,2[31,1] cm 111 x 26,4 x 35 cm
Bi-wiring-fähige Anschlussterminals/Kommentar ja nein - auch wenn die Frequenzweiche noch so gut ist, muss man es gerade in dieser Preisklasse dem Kunden überlassen, ob der Lautsprecher im bi-wiring-Betrieb angesteuert wird! Klarer Nachteil! 
Gewicht 24,3 kg 33 kg
Lieferbare Farben Graphitmetallic/Silbermetallic/Esche Edelholz Ahorn oder Mahagoni
UVP 1.499 € 2.699 €
Fazit Filigraner Vierwegelautsprecher mit eigenem Superhochtöner Highendbox mit Berylliumhochtöner und edler Erscheinung

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