XXL-TEST: AV-Receiver Denon AVR-4306 (1/7)

10.02.2006 (cr) 

Einführung

Denon ist immer wieder für kräftige Innovationsschübe gut: So zum Beispiel im Jahr 2000 mit dem AVC-A1SE, 2002 mit Upgrade versehen, der als erster AV-Verstärker überhaupt die damals neue Tonnorm DTS ES Discrete 6.1 beherrschte. Oder im vergangenen Jahre 2005, als der AVC-A1XV mit revolutionärem Lautsprecher-Einmesssystem und frei konfigurierbaren 10 (!) Endstufen auf den Markt kam - immer sind Denon Modelle an vorderster Front zu finden, wenn es um den neuesten technischen Stand bei Surroundverstärkern und AV-Receivern geht. Dass Hochtechnologie nicht zwangsläufig mit einem extrem hohen Einstandspreis einher gehen muss, hat Denon bereits 2004 mit dem damals extrem hochwertig ausgestatteten AVR-3805 bewiesen, und auch im Jahre 2006 gibt es wieder einen bezahlbaren Kandidaten im Denon-Portfolio, der keinen Vergleich zu scheuen braucht: Für exakt 1.999 € ist der AVR-4306 im Programm, ein Siebenkanal-AV-Receiver mit beispielhaft kompletter Ausstattung.  Bereits die Aufzählung der wichtigsten Features des mit 7 x 170 Watt starken Endstufen ausstaffierten Modells verschlingt einiges an Platz. So verfügt der AVR-4306 ebenso wie der AVR-3806 über das Highend-Einmesssystem Audyssey Mult EQ XT mit maximal 6 verschiedenen Einmesspositionen. Das hat den Vorteil, dass der Spot, innerhalb dem ideale Hörbedingungen herrschen, deutlich vergrößert wird. Ebenfalls verdient die interne Videoabteilung des 4306 eine besondere Erwähnung, denn ähnlich wie beim Yamaha RX-V2600 findet sich nicht nur ein Videonormwandler, der z.B. FBAS- auf Komponentensignale wandelt, sondern gleich auch ein interner De-Interlacer (beim 4306 vom US-Spezialisten Faroudja) und ein interner Scaler. In Verbindung mit den drei HDMI-Eingängen und dem HDMI Monitor-Ausgang kann man den Denon hochflexibel als Videoschaltzentrale nutzen, zumal er auch ohne Probleme analoge in digitale Videosignale umwandelt. So ist es dann prinzipiell möglich, ein einkommendes FBAS Signal zu digitalisieren, zu de-interlacen und hochzuskalieren, anschließend verlässt das Signal über den HDMI-Ausgang den AV-Receiver. Auch fernab der HDMI-Platinen ist die Anschlusssektion des Denon sehr innovativ bestückt. 

Auch seinen iPod kann der Anwender mit dem AVR-4306 komplett steuern - und den Klang mittels PLIIx sogar über ein 7.1-Lautsprecher-Setup genießen

Denn es steht vorn und hinten ein Interface für Apples iPod bereit (allerdings ist immer nur ein Eingang, entweder an der Front- oder der Rückseite des 4306, aktiv), verbunden mit der Möglichkeit, die Kult-MP3-Jukebox über den AVR-4306 zu steuern. Sogar an Details dachte man bei Denon, so kann man mittels OSD-Einstellung den Aufladevorgang des iPod-Akkus regeln und so ein Überladen vermeiden. Das vielfältige Terminal-Angebot wird komplettiert von einem USB-Interface, welches sich ebenso wie der vorderseitige iPod-Anschluss unter der Gerätefrontklappe befindet. Auch bringt der AVR-4306 einen Ethernet-Anschluss mit, der eine Steuerung aller Gerätefunktionen über den PC, das Hören aller auf dem PC gespeicherten Musikdateien und das Hören von Internet Radio ermöglicht. Doch nicht nur durch mehr Ausstattung, sondern auch durch eine höhere Audio-Baugruppenqualität soll sich der auf dem AVR-3806 basierende 4306 vom günstigeren "Bruder" abheben. Insgesamt ist der AVR-4306 ca. 3 kg schwerer als der AVR-3806, dies ist zum Teil auf die größere Dimensionierung des Trafos zurückzuführen. Der 4306 verfügt ferner über insgesamt vier Trafos, zum Haupttrafo kommt noch der (verborgene) Standby-Trafo (den auch noch der 3806 hat), zusätzlich jedoch gibt es beim 4306 zwei kleinere Trafos, die unabhängig vom Haupttrafo die Versorgung der zahlreichen Zusatzfunktionen übernehmen.  Denon gibt beim AVR-4306 also in allen Disziplinen Vollgas - reicht das für neue Bestnoten in der Liga bis 2.000 €? Unser Testbericht klärt auf. 

Die Aufteilung des Testberichtes:

Verarbeitung 

Optisch wird dem Betrachter sofort klar, dass der AVR-4306 eng mit dem AVR-3806 verwandt ist. Die neuen Modelle folgen der vom AVR-3805 begründeten, im Vergleich zu älteren Modellreihen behutsam, aber effektiv modifizierten Denon-Designlinie. Wie üblich bei Denon AV-Receivern, kann man auch beim AVR-4306 guten Gewissens genau hinschauen: Die exzellente Passung der Aluminium-Gerätefront ist beispielhaft, nirgendwo tauchen zu große Spaltmaße oder Ungenauigkeiten in der Form auf, dass die Platte nicht exakt der Linie des Gehäuses folgt. Die Klappe auf der Gerätefront, hinter der sich weniger oft benötigte Bedienelemente befinden, ist beim 4306 massiv und solide ausgeführt. Dass man bei Denon Qualität fürs Geld einkauft, beweist auch der sehr hochwertige Lautstärke-Drehregler sowie das "Function"-Drehrad. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass man bei diesen Bedienelementen keine weitere Qualitätssteigerung gegenüber dem AVR-3806 erwarten darf, was aber aufgrund des hohen Levels kaum ein ernsthaftes Problem darstellen dürfte. Lediglich, wer sich bislang ausschließlich mit hochwertigen, teuren Boliden beschäftigte, wird feststellen, dass die Führung der Drehregler bei sehr hochpreisigen Modellen nochmals exakter und haptisch hochwertiger ausfällt. Pluspunkt des AVR-4306 ist auch das zweizeilige Punktmatrixdisplay, welches ebenfalls erstmals im AVR-3805 zum Einsatz kam und inzwischen zum Markenzeichen der teureren Denon AV-Receiver und der Top-AV-Verstärkerboliden des Hauses geworden ist. 

Ausgezeichnete Verarbeitung der Frontblende

Auch am verarbeitungstechnisch kritischen, optisch schicken Knick in der Frontblende gibt es nichts zu bemängeln - vorbildlich

Von sehr guter Qualität ist auch der optisch sowie haptisch überzeugende Lautstärke-Drehregler

Auch von oben betrachtet überzeugt das Finish des Lautstärkedrehreglers praktisch restlos

Die gleiche hervorragende Verarbeitung bringt auch das "Function"-Drehrad mit

Die vollmassive Metallklappe beim AVR-4306 besticht durch ihre ausgezeichnete Verarbeitung

Auch kleine Einzelheiten vermitteln beim AVR-4306 Stimmigkeit. So sind die Gerätestandfüße standesgemäß hochwertig ausgeführt und überzeugen durch die solide Befestigung am Geräteboden. Die gesamte Geräteunterseite präsentiert sich beim AVR-4306 in ausgezeichneter Form und weist keine störenden Verarbeitungstoleranzen auf - das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Billige, schiefe Bleche mit harten Kanten sind oft selbst bei teuren Modellen Gang und Gäbe. Die sauber eingepassten Anschlüsse auf der Geräterückseite untermauern ebenfalls den hohen gebotenen Standard, die HDMI 1.1-Terminals gefallen auch durch korrekten Sitz. Gerade die filigranen HDMI-Interfaces (dies sehen Gegner von HDMI als großen Vorteil von DVI, hier ist der Stecker unanfälliger und solider) sind oft nicht eben Quell reiner Freude und werden nicht präzise eingepasst. Aus der Reihe tanzt nur der schräg und nicht absolut akkurat eingepasste Denon Link-Eingang (siehe Bild links). Die Lautsprecher-Schraubverschlüsse sind groß genug ausgeführt und leichtgängig, was das Einführen von Lautsprecherkabel oder Bananensteckern deutlich erleichtert. Leider ist nicht das komplette Arsenal an Cinchbuchsen auf der Rückseite des AVR-4306 vergoldet. Dies wäre ein kleines, aber feines Unterscheidungsmerkmal zum AVR-3806 gewesen. So bleibt es bei den vergoldeten Cinchbuchsen des AV-Fronteingangs - wie beim AVR-3806.

Die Gerätestandfüße entsprechen absolut dem Standard der Preisliga und sind solide befestigt

Vorne hui, unten pfui? Nicht bei Denon. Hier befindet sich die Verarbeitung der Geräteunterseite auf dem identischen hohen Level

Weiteres Qualitätsmerkmal beider AV-Receiver sind die leichtgängigen und stabilen Lautsprecherkabel-Anschlussterminals, die sich auch problemlos für Bananenstecker eignen

Wie sieht es mit der Qualität des mitgelieferten Zubehörs aus? Auch hier können wir gute Noten vergeben, denn im Gegensatz zum AVR-3805 kann die Fernbedienungseinheit in Bezug auf ihr Finish überzeugen. Wer hier Vorteile des 4306 gegenüber dem 3806 sieht, liegt allerdings falsch, denn dem 600 € teureren Modell liegt die identische IR-Kommandozentrale bei. Doch in Anbetracht der gut verarbeiteten, nobel erscheinenden Fernbedienung wird sich hier niemand ernsthaft beschweren können. 

Die Fernbedienung des AVR-4306 ist mit der des AVR-3806 identisch und präsentiert sich in verarbeitungstechnisch guter Form

Die Fernbedienung des AVR-3805 wirkte billiger gemacht

Eher schon ein Grund, wehmütig zurückzuschauen, ist das Mikrophon zum Lautsprecher-Einmesssystem, welches zwar immer noch von den Spezialisten von Audio Technica geliefert wird, sich aber deutlich nüchterner und einfacher als das sehr edle Exemplar beim AVR-3805 ausmacht. 

Spitze: Mikrophon des AVR-3805

Standard: Mikrophon des AVR-4306 und des AVR-3806

Bewertung

Bemerkung: Wie üblich für einen Denon AV-Receiver eine sehr gute Bewertung in Bezug auf die Verarbeitungsqualität. Dass es nicht noch mehr Sterne geworden sind, liegt daran, dass der 600 € preiswertere AVR-3806 nirgendwo schlechter abschneidet. Kleine, aber feine Differenzierungsmaßnahmen wie z.B. komplett vergoldete Cinchbuchsen auf der Rückseite oder ein tiefblaues anstatt dem üblich leicht türkisen DOT Matrixdisplay sowie eine nochmals leicht massivere Frontplatte könnten den Sonderstatus des AVR-4306 nach außen deutlicher dokumentieren. Im Vergleich zu Konkurrenten steht der Denon sehr gut dar: So wirkt der mit 2.399 € teurere Harman Kardon AVR-7300 aufgrund seiner Plastikfront und dem einfachen Lautstärkedrehregler nicht so hochwertig wie der Denon. Und der inzwischen nicht mehr produzierte Onkyo TX-NR801 wirkt schlichter als der auch im Detail geschliffen auftretende Denon. Konkurrenz droht von Pioneer, der VSX-AX5Ai-S wirkt bereits wie ein kleiner Bolide und optisch noch imposanter als der AVR-4306 - das muss allerdings nicht als Nachteil des Denons aufgefasst werden, denn der zurückhaltend-elegante Auftritt des AVR-4306 wird ihm bestimmt einen großen Liebhaberkreis bescheren. 

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