TEST: Kopfhörer AKG Acoustics K-701 (1/2)

07.02.2006 (cr)

Einführung

"Könntest du bitte endlich einmal leiser drehen!". Standardfluch vieler pegelgeplagter Ehefrauen, wenn es der in solchen Momenten nicht so sehr heiß geliebte Gatte mit seiner Stereo- oder Mehrkanalanlage einmal wieder richtig "krachen" lässt: Beim großen Concerto, so der begeisterte Ehemann, könnte man doch meinen, die Pauke und das Violoncello wären direkt im Wohnzimmer platziert. Doch diese Euphorie stößt auf wenig Verständnis bei der "besseren Hälfte", entweder ist es die Sorge, dass der arg stressgebeutelte Nachbar wieder mit wütend-entschlossenem Gesichtsausdruck vor der Türe auftaucht, oder es stecken egoistische Gedanken dahinter - mit etwas mehr Ruhe ließe sich die abendliche Zeitschriftenlektüre deutlich angenehmer gestalten. Wir sagen nur: Schade um den Streit, denn nötig wäre er nicht gewesen. Gibt es doch inzwischen Hightech-Kopfhörer, die einem kaum noch glauben machen möchten, dass sich alles so nah an den Ohren und am Kopf des Hörenden abspielt, so räumlich und differenziert bauen sie auf. Und selbst dann, wenn es ein offener oder halboffener Hörer ist: So viel Krach wie aus 5.1 oder 7.1 Lautsprechern lässt sich bei weitem nicht mehr vernehmen, alles bleibt im erträglichen Rahmen. Genau aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, hochwertige Kopfhörer ab der 150 €-Liga zukünftig unter die Lupe zu nehmen. Doch der "Starter" in unserem Testprogramm entstammt gänzlich anderen Preisgefilden: Es ist der ganze Stolz von AKG Acoustics, auf den Namen K-701 getauft und laut Listenpreis 399 € teuer. Für diesen nicht eben niedrigen Betrag erhält der Kunde ein Kopf-kompaktes Hightechpaket, das sich gewaschen hat - genau damit haben die Damen und Herren von AKG auch unser Interesse geweckt. Der dynamisch-offene Kopfhörer brilliert mit AKGs neuer Flachdrahtspulentechnologie ebenso wie mit dem "Varimotion"-System mit speziellem Membranaufbau. Nun sind wir gespannt - wie schlägt sich AKGs highfideler Hörer in unserem Praxistest? 

Verarbeitung

Optisch attraktive Verpackung des K-701.....

....doch die inneren Werte der schicken Schale übertreffen alles - der extrem edel verarbeitete Kopfhörer hinterlässt sofort einen bleibenden Eindruck

Diese Disziplin endet mit einem vollen Erfolg des K-701 - ein richtiges Prachtstück liegt vor dem geneigten Hörer, nachdem er die sehr appetitlich und aufwändig gestaltete Verpackung geöffnet hat.  Das edle Bügelband, das auf dem Kopf aufliegt,  ist nicht nur innenseitig gepolstert - zusätzlich ist die Oberfläche aus edlem Leder. Die Befestigung des Bügelbandes am Bügel selbst geriet sehr solide und vertrauenserweckend. Sehr schön anzusehen sind die Außenschalen des Hörers in weißem Klavierlack mit eingearbeitetem Chromstreifen. 

Das in schickem Rotbraun (und nicht in tristem Schwarz) gehaltene Bügelband ist zum einen gefüttert, zum anderen besteht die Oberseite aus echtem Leder

In jedem Detail begeistert die saubere Verarbeitung des AKG

Schick und hochwertig: Chrom und weißer Klavierlack - und als große Besonderheit der "Made in Austria"-Schriftzug. Es soll nicht patriotisch klingen, aber es tut gut, mal ein so edles Teil in der Hand zu halten, das weder aus einer Fabrik in China noch aus sonst einer fernöstlichen Produktionsstätte stammt. Gut zu erkennen: Durch die Schalen des Kopfhörers kann Klang nach außen entweichen, der K-701 ist demnach kein geschlossener Hörer

Die Polsterung ist auf den Innenseiten des linken und rechten Hörerteils ist gleichermaßen hochwertig wie angenehm, man fühlt sich nicht eingeengt, sondern einfach gut untergebracht. AKG verweist stolz auf die "Komfortpolster mit 3D-Schnitt", die sich durch besondere ergonomische Vorteile auszeichnen sollen - und dem ist auch in der Praxis so, denn auch nach stundenlangem Tragen wird dem Hörer der K-701 nie lästig.  Gerade in solchen Details strahlt der AKG Souveränität anstatt Gezwungenheit aus. Bilanzierend kann man daher nur festhalten, dass der 235 Gramm wiegende Kopfhörer in Bezug auf die Verarbeitungsqualität seinen Upperclass-Status deutlich macht - auch, wenn dies unser erster Kopfhörertest ist, ist es nicht so, dass wir nicht schon andere Hörer in der Hand hielten, auch in vergleichbaren Preisklassen. Der Schick und der edle Auftritt des K-701 verbunden mit dem langlebigen, bis ins Detail hochwertigen Finish sorgen für ein prall gefülltes Punktekonto in der ersten Teilwertung. 

Bewertung
Technologie

Der K-701 steckt voller Raffinesse

Prinzipiell unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Kopfhörern. Mit einem offenen Kopfhörer ist ist gemeint, dass derjenige, der den Kopfhörer trägt, nicht vollkommen von der Außenwelt abgeschottet ist - und die Außenwelt nicht vom Hörenden. Die Ohren sind bei einem klassischen offenen Modell nicht umschlossen, vielmehr liegen die Polster auf den Ohren auf.  Durch seine Bauweise dringen Geräusche nach außen, ebenso können von außen kommende Geräusche vom Hörer wahrgenommen werden. Vorteil des offenen Kopfhörers ist, dass aufgrund des geringeren Materialaufwandes das Gerät insgesamt weniger schwer ausfällt als ein geschlossener Kopfhörer, der keine Geräusche der Außenwelt ans Hörerohr kommen lässt. Gleichermaßen kann beim geschlossenen, nach außen "schalldichten" Hörer auch niemand Außenstehendes vernehmen, was der Hörer gerade für Musikstücke anhört. Insgesamt kann man den offenen Kopfhörer problemlos auch mehrere Stunden tragen, wenn er ergonomisch stimmig konstruiert ist, komfortabel gepolstert ist und sich gut justieren lässt - das geschlossene Pendant ist meist deutlich schwerer. Der geschlossene Kopfhörer hat den theoretischen Vorzug, dass die Basswiedergabe effizienter ist, weil sich der Bass "pur" entfalten kann und nicht Bassanteile nach außen entweichen können wie beim offenen Hörer, die somit dann fehlen, der Bassdruck wäre dann prinzipiell geringer. Wer es dann aber richtig "krachen" lässt, bekommt Probleme: Da die Schale fest ist und sich keinerlei "Entweichungsmöglichkeiten" für den Bass anbieten, können die Hörschalen mitschwingen und so für Resonanzen und Brummen sorgen. Als dritte Gruppe gibt es noch die halboffenen Kopfhörer. Hier sind zwar die Ohren umschlossen, trotzdem aber dringen Geräusche nach außen und können Geräusche von außen wahrgenommen werden. Beim halboffenen Kopfhörer werden hohe Frequenzen nicht nach außen durchgelassen, tiefe Frequenzen jedoch schon. Dies führt dazu, dass kein Mitschwingen der Hörerschalen die Bassqualität schmälert. Eigentlich wird der K-701 auf der Website von AKG als offener Kopfhörer geführt, streng genommen ist er jedoch halboffen, da die Ohren nämlich komplett vom Polster umschlossen sind.

Kommen wir nun zu den technologischen Merkmalen dieses Ausnahmekopfhörers. Der K-701 ist der einzige Kopfhörer auf dem deutschen Markt, der mit hochkant gewickelten Flachdrahtspulen ausgestattet ist. Diese aufwändige und teure Technologie kommt ursprünglich aus dem professionellen Lautsprecherbereich und hat in der Praxis viele Vorteile:  Man kann die ca. 1,5-fache Anzahl an Windungen erzielen und erreicht so die doppelte Magnetfeldstärke. Daraus resultiert wiederum eine höhere Pegelfestigkeit und ein besseres Impulsverhalten. Ferner wird insgesamt die Dämpfung und damit die Effizienz/Kontrolle erhöht. Diese Technologie ist darum finanziell aufwändig, weil sich der Draht aufgrund der Hochkant-Stellung nicht mehr automatisch dem Schwingspulenträger anpasst, sondern kontrolliert aufgewickelt werden muss. zusätzlich muss bei einem platten Draht (bzw. einem "Band") die Außenkante gedehnt und nicht gebogen werden, damit keine Mikro-Risse auftreten. Höchste Präzision ist daher bei der Fertigung erforderlich. Übrigens: Bei hochwertigen Lautsprechern wird diese Technik auch von JBL angewandt. Als Beispiel dienen Modelle aus den Professional-Serien von JBL und die von uns als beste jemals gehörte Lautsprecherbox titulierte JBL K2 S5800.

Doch der K-701 kann mit noch mehr Hightech aufwarten - nämlich mit der AKG "Varimotion" Technik. Hierbei steht das wichtigste Teil eines Kopfhörers, nämlich die Membran, im Mittelpunkt. Soll die Membran akustisch hervorragend arbeiten, hat sie die Fähigkeiten eines talentierten Artisten mitzubringen: Der Rand der Membran soll elastisch schwingen, während sich die Membranmitte kolbenförmig bewegen soll. Genau diese akustisch optimale mehrdimensionale Bewegungstätigkeit möchte AKG mit dem Varimotion-System optimiert haben. In der Mitte, in der Klangzone, ist die Membran stärker. Dadurch wird sie in den kolbenförmigen Bewegungsablauf gezwungen, unerwünschte und gefürchtete Partialschwingungen werden verhindert. Die Folge: Verbesserte Werte für Räumlichkeit und Transparenz im hohen Frequenzbereich. Im Wulstbereich, in der Bewegungszone, ist die Membran dafür dünner und schwingungsfreudiger und so in der Lage, besonders nachdrückliche Bässe zu produzieren. Übrigens: Mit einem Übertragungsbereich von 10 bis 39.800 Hz ist der K-701 problemlos für DVD-Audio und SACD geeignet - wie unsere Testreihen später zeigen, liegt dort auch großes Potential beim AKG-Headphone.

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Es ist alles Gold, was glänzt: Der einzusteckende Teil des 6,25 mm Steckerteils ist vergoldet, der 3,5 mm Adapter ist sogar komplett vergoldet

Der 3,5 mm Adapter wird einfach aufgesteckt - wie üblich

Als Magnete kommen besonders leistungsstarke Neodym-Bauteile zum Einsatz, die trotz kompakter Größe mit enormen magnetischen Fähigkeiten überzeugen können. Das Kabel ist zu 99,9 % sauerstofffrei, der Stecker am Kabelende ist preisklassengemäß vergoldet. Als Zubehör findet sich noch ein komplett vergoldeter 3,5 mm Klinkenadapter, der einen sehr robusten und edlen Eindruck hinterlässt. 

Bewertung

Bemerkung: Edle, aufwändige Technologien und ein Grundkonzept, das beweist, dass man bei AKG aus dem Vollen geschöpft hat, lassen den K-701 in dieser Teilwertung wiederum sehr gut aussehen. 

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