TV-Sender im Test: Die Bildqualität von ARD, ZDF, RTL & Co.

01.12.2006 Autor: Karsten Serck

In den Tests von AREA DVD finden Sie laufend die Empfehlungen für die besten TV-Geräte und die DVDs, die das Optimum an Bildqualität bieten. Doch selbst der größte DVD-Fan wird ab und zu auf das normale TV-Programm umschalten. Daher stellt sich die Frage: Wie sieht eigentlich die technische Qualität der TV-Sender aus? Ist unserer "Fernsehen" wirklich sehenswert? Wir gehen dieser Frage nach und analysieren das TV-Programm der großen deutschen TV-Sender auf seine Bildqualität. 

Im Sichttest haben wir die wichtigsten TV-Programme untersucht. Um die Beobachtungen möglichst nachvollziehbar zu machen, haben wir uns auf eine Analyse der frei empfangbaren Satelliten-Programme beschränkt, denn die sind bundesweit in identischer Qualität empfangbar, während beim Kabel-Empfang die technische Infrastruktur der Netzbetreiber höchst unterschiedlich ist und auch bei DVB-T von Region zu Region unterschiedliche TV-Programme in unterschiedlicher Qualität ausgestrahlt werden.

Der Anspruch, den wir bei der Bewertung erheben, ist zugegebenermaßen recht hoch gesetzt, aber in Zeiten von DVD und HDTV sollten die Sender auch aus eigenem Interesse ihren Zuschauern eine Qualität bieten, die zum Einschalten verleitet, damit nicht immer mehr Zuschauer TV-Serien wie "24" nur noch auf DVD konsumieren. Und schließlich wollen RTL und Co. ihre Programme ab 2007 verschlüsseln und die Sat-Zuschauer zur Kasse bitten. Ob die Zuschauer auch bereit sein werden, für die bisherigen "Free TV"-Sender zu zahlen, ist aber noch offen. Da fast sämtliche neuen Flachbildschirme nur noch im 16:9-Format verkauft werden, werfen wir außerdem einen Blick auf den Programmanteil der im bildfüllenden 16:9-Format ausgestrahlten Sendungen.

 

Das Erste

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 5.5 Mbps

Das Hauptprogramm der ARD profitiert von den Optimierungsmaßnahmen, die im Vorfeld der Fußball-WM 2006 durchgeführt wurden. Seit Mitte 2006 sendet die ARD mit einer hohen, dynamischen Video-Bitrate von mehr als 5 Mbps und bietet damit eine Qualität, die über DVD-Niveau liegt. Insbesondere die Studio-Produktionen zeigen ein sehr scharfes Bild mit optimal abgestimmten Farben und Kontrast. Konturen werden sehr scharf gezeichnet und Details sind sehr deutlich zu erkennen. Artefakte machen sich selbst bei dynamischen Bildinhalten kaum bemerkbar. Bei der Ausstrahlung von 16:9-Programmen hinkte die ARD lange Zeit dem ZDF hinterher, hat jetzt aber in den letzten Monaten stark aufgeholt und zeigt immer mehr Sendungen wie z.B. das "Morgenmagazin", die "Sportschau" und verschiedene Kulturmagazine in 16:9. Auch neuere Spielfilme und Live-Sportübertragungen sind oft in 16:9 zu sehen, selbstverständlich ist dies aber leider noch nicht. Bei den eigenproduzierten "Fernsehfilmen" hat sich das 16:9-Format inzwischen aber weitgehend durchgesetzt.

Gesamtnote: Sehr Gut

ZDF

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 6 Mbps

Seit Jahren überzeugt das ZDF bereits durch eine hohe Sendequalität via Satellit. Diese wurde ebenso wie bei der ARD anlässlich der WM 2006 noch einmal gesteigert. Das ZDF wird mit einer sehr hohen und extrem dynamischen Bitrate gesendet, die teilweise Spitzen von 8 Mbps erreicht. Im Mittel geht die Bitrate selten unter 5 Mbps und bewegt sich meist um die 6 Mbps. Bildschärfe, Farben und Kontrast liegen auf gleich gutem Niveau wie bei der ARD. Die Kompression ist noch ein wenig feiner und zeigt selbst bei grobkörnig verrauschten Spielfilmen nur extrem selten Artefakte. Der 16:9-Programmanteil wird immer weiter ausgebaut. Inzwischen werden neben dem "ZDF-Morgenmagazin" auch viele Info-Magazine, Dokumentationen, Spielfilme und sogar TV-Serien-Eigenproduktionen in 16:9 produziert. Auch im Sportbereich sind in den letzten Monaten immer häufiger 16:9-Übertragungen zu sehen.

Gesamtnote: Sehr Gut

RTL Television

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 3.5 Mbps

Das Hauptprogramm der RTL-Gruppe leidet unter einem nur mittelmäßigen Video-Encoding. Selbst bei der WM 2006 konnte RTL mit einer kurzzeitig erhöhten Videobitrate qualitativ nicht mit der ARD und dem ZDF gleichziehen. Die Bitrate ist sehr dynamisch und erreicht häufiger auch Spitzenwerte um die 6 Mbps. Unabhängig von den aktuellen Bitraten ist im Bild aber fast immer leichtes Blockrauschen zu erkennen. Der Kontrast ist bei RTL sehr hoch, die Farben wirken aber meist so kühl wie die Moderation von "Explosiv". Die Bildschärfe ist nur selten richtig gut. Konturen wirken meist weichgezeichnet und eine hohe Detailschärfe wird fast nur in extremen Nahaufnahmen erzielt.

16:9 war jahrelang bei RTL ein Fremdwort, selbst Spielfilme wurden im Pan & Scan-Format oder nur mit leichten "Balken" gezeigt. Das hat sich seit der WM 2006 aber geändert. Seitdem sind immer häufiger Spielfilme und internationale TV-Serien in 16:9 auf RTL zu sehen. Und im Vergleich zum regulären RTL-Programm sehen z.B. die neuen Episoden von "CSI: Miami" auf RTL wirklich exzellent aus und bieten die gewünschte Schärfe, die sonst meist fehlt. Der 4:3-Anteil überwiegt aber immer noch - gerade bei Eigenproduktionen. 

Gesamtnote: Befriedigend

RTL II

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 3 Mbps

Das zweite Programm von RTL hat in den letzten Jahren inhaltlich an Profil gewonnen und ist inzwischen vor allem die Heimatadresse für recht neue TV-Produktionen wie "24" oder "Stargate: Atlantis" geworden. Die werden in den USA in HDTV produziert, sind aber bei RTL II leider nur im Letterbox-Format oder 4:3 Pan & Scan zu sehen. Qualitativ ist die Bildqualität schlechter als beim RTL-Hauptprogramm. Das Bild ist nicht immer übermäßig kontrastreich. Bildschärfe bietet RTL II kaum und auf der Suche nach Details findet man meist doch nur Artefakte. Selbst bei langsamen Bewegungen treten schnell Artefakte auf und sogar die konturreichen Texteinblendungen wirken bei RTL II häufig unscharf. Obwohl die Videobitrate im Schnitt nur rund 0,5 Mbps unter der des RTL-Hauptprogramms liegt, ist der qualitative Unterschied doch recht deutlich. Die Bitrate bietet auch weniger Dynamik und pendelt sich im Mittelwert bei rund 3 Mbps ein.

Gesamtnote: Ausreichend

Sat.1 / ProSieben

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 4 Mbps

Die Bewertung von ProSieben und Sat.1 haben wir zusammengefasst, denn die Bildqualität beider Programme liegt auf dem gleichen Niveau. Im Vergleich zur Konkurrenz von RTL bieten beide Sender ein etwas besseres Bild. Gerade die Live-Produktionen wirken sowohl farblich als auch vom Kontrast sehr gut abgestimmt und bieten ein sehr angenehmes Bild. Die Kantenschärfe ist gut und auch Details lassen sich verhältnismäßig gut erkennen. Die dynamische Kompression bewegt sich im Schnitt um die 4 Mbps. Artefakte sind bei genauem Hinsehen zwar zu erkennen. Deutlich auffallen tun sie allerdings nur selten. Selbst bei sehr dynamischen Bildern verhält sich die Kompression noch recht stabil. Bei schnellen Bewegungen wirkt das Bild allerdings etwas verschmiert.

16:9 ist bei ProSiebenSat.1 leider Mangelware. Zwar sendet man über die beiden Ableger ProSieben HD und Sat.1 HD sogar einige Programme in HDTV, die normalen Hauptprogramme zeigen die Filme und Serien aber nur im Letterbox-Format, was selbst für die in 16:9 anfertigten Eigenproduktionen gilt. Immerhin: Mit der "Niels Ruf Show" wird seit Ende Oktober für den Pay TV-Ableger Sat.1 Comedy die erste Sendung im anamorphen 16:9-Format produziert, was für die Zukunft doch ein wenig optimistisch stimmt.

Gesamtnote: Befriedigend-Gut

3sat

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 5 Mbps

Der Dreiländer-Kanal mit dem vielseitigsten Magazin-, Kultur- und Dokumentationsangebot im deutschen Sprachraum sendet auf dem gleichen Sat-Transponder wie das ZDF und bietet trotz niedrigerer Bitrate fast die gleiche Bildqualität, auch wenn Artefakte in leichtem Maße ab und zu im Bild zu erkennen sind. Das abendliche Magazin "Kulturzeit" wird bereits seit Jahren in 16:9 produziert und bietet ebenso wie das Wissenschafts-Magazin "nano" Studio-Qualität auf Referenz-Niveau. Der traditionell hohe 16:9-Anteil macht sich insbesondere im Magazin- und Dokumentationsbereich bemerkbar, aber auch Filme werden in 16:9 gezeigt.

Gesamtnote: Gut-Sehr Gut

arte

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 3 Mbps

Der deutsch-französische Kulturkanal wird in technischer Hinsicht von deutscher Seite aus etwas stiefmütterlich behandelt. Trotz eines sehr hohen 16:9-Anteils (die meisten neuen Dokumentationen werden in 16:9 gezeigt) gibt es bei arte immer Letterbox-Bilder zu sehen, die obendrein auch nicht sehr scharf sind. Das es auch anders geht, zeigen die Franzosen auf der Sat-Position 5° West, auf der das arte-Programm im echten anamorphen 16:9 zu sehen ist. Dort gibt's zum Großteil auch den deutschen Ton, lediglich die fest eingeblendeten Untertitel sind in französischer Sprache. Nach letztem Kenntnisstand wird das deutsche arte-Programm immer noch als analoges Signal für die digitale Sat-Übertragung zugeführt. Konturen und Details wirken immer etwas weichgezeichnet und auch die Farben und der Kontrast wirken im Vergleich zu den anderen Digital-Programmen der ARD etwas ausgewaschen. Die Videobitrate liegt bei rund 3.5 Mbps. Im Bild ist häufiger leichtes Blockrauschen zu erkennen, in Anbetracht der niedrigen Bitrate ist das Encoding aber immer noch akzeptabel.

Gesamtnote: Befriedigend

n-tv

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 3.5 Mbps

Der Nachrichtensender der RTL-Gruppe mag sich zwar mit seiner intensiven Börsenberichterstattung an eine besser betuchte Zielgruppe richten, strahlt aber selbst keinen Hauch von Luxus aus. Die Signalzuführung zum Satelliten erfolgt dem Augenschein nach immer noch analog, aber selbst das analoge TV-Signal von n-tv auf Astra sieht deutlich besser aus. Kleine weiße Schriften auf dem Bildschirm flimmern stark - ein Kammfilter, wie er bei modernen TV-Geräten üblich ist, scheint hier nicht zum Einsatz zu kommen, obwohl gerade die beiden Laufbänder am unteren Bildschirmrand extrem unleserlich werden. Auch die rote Signalfarbe des n-tv-Logos verläuft sichtbar. Schärfe hat das Bild von n-tv selbst bei den Live-Sendungen aus dem Studio kaum zu bieten. Obwohl n-tv mit voller PAL-Auflösung sendet, möchte man dies nicht glauben. Das Bild wirkt meist verschwommen. Die Moderatoren könnten ruhig unrasiert vor der Kamera erscheinen - der TV-Zuschauer würde es wahrscheinlich nicht einmal bemerken. Artefakte stellen keine Ausnahme dar, sondern erscheinen als Dauerzustand, der sich am Fernseher nur mit starken MPEG2-Rauschfiltern beseitigen lässt - die das Bild anschließend noch flacher und ausgewaschen erscheinen lassen. Die Farben und der Kontrast sind bei n-tv sehr unterschiedlich. Während die Live-Sendungen aus dem Studio noch verhältnismäßig kontrastreich sind, so wirkt das Bild gerade bei den Schaltungen zur Börse nach Frankfurt meist etwas dunkel und auch die Farben wirken immer etwas unnatürlich.

Gesamtnote: Mangelhaft

N24

  • Auflösung: 720 x 576 Pixel
  • gemessene Video-Bitrate: ca. 4.5 Mbps

Der n-tv-Konkurrent von ProSiebenSat.1 hat bildtechnisch die Nase vorn. Die Kompression ist extrem dynamisch. Von weniger als 1 Mbps bis zu 7 Mbps bewegt sich die Bitrate in Sekundenschnelle. Sie pendelt sich im Schnitt im Bereich von 4.5 Mbps ein. Trotzdem sind gerade in Flächen und bei ganz schnellen Bewegungen häufiger Blockrauschen zu sehen. Auch die Text-Einblendungen werden häufiger von leichten Artefakten umrandet. Normalerweise fällt die Kompression aber nur in geringem Umfang durch kleine Artefakte auf. Die Bilder aus dem Studio wirken mit ihrem hohen Kontrast und den kräftigen Farben sehr plastisch. Die Bildschärfe ist ebenfalls ordentlich. Konturen werden gut gezeichnet, lediglich Details kommen nicht sehr deutlich zur Geltung. Trotz der kleineren Schriften als bei n-tv sind die Börsenkurse bei N24 deutlich besser abzulesen. Der Newsticker läuft sehr ruhig auf dem Laufband entlang.

Gesamtnote: Befriedigend-Gut

Fazit:

Viel Licht und viel Schatten gibt es in der deutschen TV-Landschaft zu sehen. Spitzenreiter in der Bildqualität sind die beiden Hauptprogramme von ARD und ZDF, die inzwischen eine Qualität bieten, die über DVD-Niveau liegt. Die TV-Programme der Privatsender folgen erst mit einigem Abstand. Dass die Privatsender wesentlich wirtschaftlicher kalkulieren müssen als ARD und ZDF, liegt auf der Hand. Aber dennoch hat man hier doch häufig den Eindruck, als ob die Qualität ein wenig zu kurz kommt. Gerade der 16:9-Programmanteil hinkt bei den Privaten immer noch hinterher, was den Flachbildschirm-Benutzer bei Spielfilmen zur Verwendung des Zoom-Modus zwingt, der das Bild noch unschärfer werden lässt. Auch wenn ProSiebenSat.1 qualitativ etwas vor der RTL-Gruppe liegt, so punktet RTL in den letzten Monaten durch mehr TV-Serien in 16:9. Wer sich genau ein Bild darüber machen möchte, mit welchen technischen Parametern die verschiedenen TV-Sender ihr Programm erhält eine Übersicht auf www.linowsat.de, wo die Daten der Sender von Astra und weiteren Satelliten genau ausgewertet werden.

 

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013