Blu-ray Disc & HD-DVD-Special: Alles über Technik, Player und Filme in HDTV

02.11.2006 Autor: Karsten Serck

Blu-ray Disc & HD-DVD -  Worüber bereits lange Zeit geschrieben wurde, wird in diesem Monat endlich Wirklichkeit. Die ersten Abspielgeräte und Filme für Blu-ray Disc und HD-DVD kommen in den Handel. Wir stellen in einem dreiteiligen Special die Technik, die Player und die Filme vor, mit denen sie zukünftig Filme in HDTV-Qualität zuhause erleben können. Der zweite und dritte Teil der Serie folgen in den nächsten Tagen.

Übersicht
  • Einleitung
  • Features von Blu-ray Disc und HD-DVD
  • Übersicht Blu-ray Disc-Player
  • Übersicht Blu-ray Disc-Filme
  • Übersicht HD-DVD-Player
  • Übersicht HD-DVD-Filme
  • Pro & Contra Blu-ray Disc & HD-DVD
  • Fazit
Einleitung

Auf der IFA 2006 in Berlin wurde der Start für Blu-ray Disc und HD-DVD in Europa angekündigt. Rund ein Jahr, nachdem die ersten deutschen Sender mit HDTV-Ausstrahlungen (ProSieben HD und Sat.1 HD) begonnen haben und auch die Welt der Spielekonsolen mit der Xbox 360 ins HDTV-Zeitalter gestartet ist, sollen die ersten HDTV-Abspielgeräte und -Filme noch im November in den Handel kommen. Zwar existiert schon seit längerer Zeit bereits mit "WMV HD" ein HDTV-Abspielformat mit ganz normalen DVDs als Datenträger, welches aber in den USA von keinem großen Hollywood-Studio und in Deutschland nur von kleineren Anbietern wie Concorde oder Splendid richtig unterstützt wurde, während die großen Anbieter aus der Hardware- und Software-Industrie gleich ein ganz neues Format mit noch mehr Speicherplatz wollten. 

Lange Zeit sah es so aus, als ob sich die Industrie mit der Blu-ray Disc, die Speicherkapazitäten von 25 GB und 50 GB bietet, bereits frühzeitig auf ein einheitliches Format geeinigt hätte, das von fast allen großen Namen aus der Unterhaltungselektronik wie Sony, Samsung, Pioneer, Panasonic, Philips, Sharp, LG, Thomson, Hitachi und Mitsubishi unterstützt wird. Bei vielen Hollywood-Studios fand jedoch auch die Alternative HD-DVD (ursprünglich Advanced Optical Disc) von Toshiba und NEC Anklang, die zwar mit 15 GB und 30 GB weniger Speicherkapazität zu bieten hat, aber in Massen einfacher und somit preisgünstiger zu reproduzieren ist, weil mit Anpassungen die bereits für die DVD-Replikation vorhandenen Anlagen verwendet werden können. 

Da beide Datenträger zwar mit einem blauen Laser zum Auslesen der Daten arbeiten, sich ansonsten aber physisch unterscheiden, stellte sich eine Vereinigung der beiden Standards in einem einheitlichen System als schwierig dar. Zudem haben die beteiligten Firmen in beide Systeme zahlreiche Patente eingebracht, die sich durch den Verkauf von Hardware- und Software in Form von Lizenzeinnahmen bezahlt machen sollen, weswegen neben der Technik auch handfeste finanzielle Interessen im Spiel sind. Ähnlich wie bei den DVD-Recording-Formaten DVD-RW, DVD-RAM und +RW ist absehbar, dass die Lösung eines Tages in Form von Kombi-Playern, die beide Formate abspielen können, kommen dürfte. Da im Moment aber keiner der Anbieter aus beiden Lagern den ersten Schritt wagt, ist derzeit noch nicht die Einführung von Kombi-Playern absehbar.

Die Blu-ray Disc verfügt im Vergleich zur HD-DVD über eine breitere Unterstützung aus der Unterhaltungs-Elektronik als auch eine größere Anzahl von Hollywood-Studios, die Filme auf Blu-ray Disc veröffentlichen wollen. Bis auf Universal unterstützen in den USA fast alle großen Studios die Blu-ray Disc. Zu den Unterstützern gehören mit Sony & MGM, Fox und Buena Vista auch gleich mehrere Hollywood-Studios, die exklusiv auf das Blu-ray Disc-Format setzen. Warner und Paramount planen Veröffentlichungen in beiden Formaten. Universal unterstützt derzeit ausschließlich die HD-DVD. 

Doch nicht nur die großen Hollywood-Studios selbst verkaufen Filme über ihre Tochtergesellschaften. Außerhalb der USA sind auch viele unabhängige Anbieter zu finden, die entweder die lokalen Verwertungsrechte von den großen Studios aufkaufen oder über direkte Produktionsbeteiligungen die Home Video-Rechte erhalten. Bei den unabhängigen DVD-Anbietern in Deutschland ist derzeit noch meist offen, welche Formate unterstützt werden. Kinowelt vertreibt die Studio Canal-Produktionen in Deutschland auf HD-DVD. Constantin Film will ab 2007 die ersten Filme auf Blu-ray Disc und HD-DVD veröffentlichen.

Dieses Special soll zeigen, welche Möglichkeiten beide konkurrierenden Systeme bieten und welche Vor- und Nachteile diese für den Verbraucher haben, um eine Orientierung zu geben. Außerdem stellen wir - nahezu vollständig - das Angebot an Abspielgerät und Filmen vor, die ab November 2006 im Handel erhältlich sind.

 

Unterstützung für Blu-ray Disc

Hardware: Sony, Samsung, Pioneer, Panasonic, Philips, Sharp, LG, Thomson, Hitachi, Mitsubishi, Dell, HP, Apple

Film-Studios: Sony & MGM, Fox, Buena Vista, Warner, Paramount, Lions Gate (USA), Constantin Film (Deutschland)

Unterstützung für HD-DVD

Hardware: Toshiba, NEC, Intel, Onkyo, Kenwood, Sanyo, HP

Film-Studios: Universal, Warner/HBO, Paramount, The Weinstein Company (USA), Studio Canal (Europa), Constantin Film (Deutschland)

Software: Microsoft

Features von Blu-ray Disc und HD-DVD

Sieht man einmal von dem reinen Datenträger-Format ab, so sind die Unterschiede zwischen HD-DVD und Blu-ray Disc in den für die Bild- und Tonwiedergabe wichtigsten Punkten gar nicht so groß. Bei beiden Formaten können nahezu die identischen Video- und Audio-Codecs eingesetzt werden. 

HDTV-Formate

Sowohl Blu-ray Discs als auch HD-DVD erlauben die Wiedergabe von HDTV-Inhalten mit einer Auflösung von bis zu 1920 x 1080 Pixeln. Das entspricht der Auflösung, die in Europa auch für HDTV-Übertragungen via Satellit genutzt wird. Standard ist das 24p-Mastering, welches der Bildwiederholrate von 24 Bildern pro Sekunde aus dem Kino entspricht. Bei DVDs gab es noch den sogenannten PAL-Speedup, durch den europäische DVDs auf 25 Bilder pro Sekunde beschleunigt wurden, um durch Bildverdoppelung eine 50 Hz-Darstellung zu ermöglichen. Dieser Umweg wird bei den neuen HD-Formaten nicht gemacht. 

Während es bei DVD-Playern einige Zeit dauerte, bis erste Modelle auf den Markt kamen, die das Bild nicht im Interlaced-Zeilensprungverfahren, sondern direkt als Vollbilder von der Scheibe darstellten, werden in Europa auch bereits in der ersten Generation zum Teil Player mit progressiver Full HD-Bildausgabe (1080p) angeboten. Diese ist auf die HDMI-Schnittstelle beschränkt. Über YUV kann das Bild immerhin interlaced in 1080i angezeigt werden.

Der Großteil der ersten Blu-ray Disc & HD-DVD-Player wird vorerst ein 1080p/60 Hz-Signal ausgeben. Dieses beinhaltet dann auch den von NSTC-DVDs bereits bekannten "Pulldown-Effekt", der durch die Konvertierung der 24 Bilder von den Discs auf die 60 Hz-Bildausgabe entsteht. Dieser macht sich bei einigen Kameraschwenks in Form eines leichten Ruckelns bemerkbar. Die 1080p/24-Bildausgabe, also mit den exakt 24 Bildern pro Sekunde, in denen das Master vorliegt, wird in der ersten Generation vorerst kaum ein Player unterstützen. Pioneer hat als einer ersten Hersteller den Vorteil von 1080p/24 erkannt: Von Beginn an wurde der erste Blu-ray Disc-Player BDP-HD1 für die 1080p/24-Bildausgabe konzipiert und auch die neuesten Pioneer-Plasmas unterstützen dieses Format. In der Unterstützung von 1080p liegt ohnehin ein Problem: Es gibt bislang kaum Displays oder Projektoren, die 1080p unterstützen und noch weniger Geräte, die auch 1080p/24-Signale darstellen können. Wer ein hochwertiges Bildwiedergabe-Gerät mit gutem De-Interlacer hat, wird aber bereits mit 1080i eine exzellente Bildqualität genießen können.

Video-Codecs

Die Video-Codecs MPEG2, VC-1 und MPEG4-AVC (H.264) sind bei beiden Formaten obligatorisch. MPEG2 ist der bereits bei der DVD eingesetzte Kompressions-Codec, der sich in den letzten Jahren bewährt hat und auch die geringsten Hardware-Ressourcen beansprucht, für die störungsfreie HDTV-Wiedergabe aber sehr hohe Bitraten von mehr als 15 Mpbs benötigt. 

VC-1 ist die standardisierte Variante von Microsofts Windows Media-Codec. Praktisch sämtliche HD-DVD-Titel nutzen VC-1 für die Video-Kompression. MPEG4-AVC ist das in Europa bereits beim HDTV-Fernsehen eingesetzte Kompressionsformat. Sowohl VC-1 als auch MPEG4-AVC erfordern deutlich niedrigere Kompressionsraten als MPEG2. Derzeit liegt der Vorteil von VC-1 darin, dass der Codec im Vergleich zu MPEG4-AVC eine geringere Prozessor-Leistung für die Decodierung erfordert. Im Vergleich zum Satelliten-HDTV ist mit den modernen Codecs eine noch etwas bessere Qualität realisierbar, da höhere Bitraten genutzt werden können und zugleich das Encoding in mehreren Schritten möglich ist. 

Bei der HD-DVD ist auch die von Thomson entwickelte "Film Grain Technology" Bestandteil des MPEG4-AVC-Standards. Diese Technik soll dafür sorgen, dass die Kompression die natürliche Körnigkeit von Film-Material erhält. Zwar ist diese Technik ein zusammen mit der "Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE)" entwickelter Standard, dennoch nicht ganz unumstritten, weil sie nicht dafür sorgt, dass das Rauschen selbst erhalten bleibt. Stattdessen soll das spezifische Muster des Rauschens vor der Kompression erkannt und beim Abspielen wieder in das Bild eingefügt werden, womit das Rauschen quasi simuliert wird.

Audio-Codecs

Bei den Tonformaten gesellen sich zu dem von der DVD bekannten Dolby Digital und DTS die moderneren Codecs Dolby Digital Plus, Dolby TrueHD und DTS HD hinzu. Dolby Digital Plus ist eine verbesserte Variante von Dolby Digital mit einer Bitrate von bis zu 6 Mbps, während Dolby TrueHD auf dem "Meridian Lossless Packaging" basiert, einem verlustfreien Kompressionsformat, welches bereits der Standard hinter DVD-Audio (24 Bit/96 kHz-Sampling) ist. Mit Dolby TrueHD sind Bitraten von maximal 18 Mbps möglich. DTS HD gibt es mit 24 Bit/96 kHz einmal als "DTS HD High Resolution Audio"-Codec und als "DTS HD Master Audio" Lossless-Codec, von dem DTS ebenso wie Dolby eine originalgetreue Reproduktion des Original-Sound-Masters verspricht. Bei den ersten Blu-ray Discs von Sony kommt außerdem unkomprimierter PCM-Ton im Mehrkanal-Format zum Einsatz, der allerdings recht hohe Bandbreiten beansprucht. 

Während alle Blu-ray Disc-Player und HD-DVD-Player die bereits genannten Video-Codecs unterstützen müssen und Produzenten, daher die vollkommene Wahlfreiheit haben, welches Format sie einsetzen, gibt es bei den Audio-Codecs Unterschiede zwischen den Formaten, die zwingend auf der Disc sein müssen (Mandatory) und solchen, die optional zum Einsatz kommen können. Möchte ein Anbieter eine Disc mit einem optionalen Audio-Codec produzieren, so muss auf dieser mindestens ein weiterer Mandatory-Codec vorhanden sein. Dieses Prinzip gibt es bereits bei der DVD, wo DTS immer nur ein optionaler Codec gewesen ist, also eine DVD mit DTS immer noch mindestens einen Dolby Digital, PCM oder MPEG-Audio-Track haben muss.

Bei der Blu-ray Disc sind Dolby Digital, DTS und PCM (mit Unterstützung von bis zu 7.1-Sound) vorgeschriebene Audio-Codecs. Dolby Digital Plus, Dolby TrueHD sowie DTS HD High Resolution Audio mit einer Bitrate von maximal 6 Mbps und DTS HD Master Audio mit maximal 24,5 Mbps sind lediglich optional. Bei der HD-DVD sind Dolby Digital, Dolby Digital Plus, DTS, PCM und MPEG Stereo vorgeschriebene Audio-Codecs. Dolby True HD ist auch vorgeschrieben, kann vom HD-DVD-Player aber auch mit nur zwei Kanälen ausgegeben werden. DTS HD ist bei der HD-DVD auch ein optionaler Audio-Codec, wird aber im Vergleich zur Blu-ray Disc mit niedrigeren Bitraten von maximal 3 Mbps (DTS HD High Resolution Audio) und 18 Mpbs (DTS HD Master Audio) eingesetzt. Selbst diese Bitraten liegen aber deutlich über den 1.509 Mbps, die bei der DVD für DTS möglich waren. Eine Übersicht der DTS-Codecs für beide Systeme gibt es unter www.dtsonline.com/dts-hd/dts-on-bluray-and-hddvd.php.

Interaktivität: BD-Java & iHD

Beide Homevideo-Systeme der nächsten Generation verwenden ein gegenüber der DVD verändertes System zur Darstellung von Menüs und anderen Funktionen. Bei der Blu-ray Disc wird dies durch BD-Java erreicht, einer speziellen Software von Sun Microsystems, die als Virtual Machine auf dem Blu-ray Disc-Player läuft. Die ersten Blu-ray Discs werden noch mit einer einfacheren Programmierung (HDMV) ohne besonders auffällige Neuheiten auskommen müssen. Aber z.B. Fox hat bereits erste Titel mit erweiterter BD-Java-Funktionalität angekündigt. Bei der HD-DVD wird iHD verwendet, eine Script-Sprache, die eng mit Systemen für die Darstellung von Internetseiten wie z.B. HTML verwandt ist. Diese ist von Programmierern wesentlich einfacher zu handhaben als BD-J, dass zwar mehr Freiheiten zur Gestaltung bietet, dadurch aber auch wesentlich komplexer ist.

Sowohl für Blu-ray Disc als auch HD-DVD versprechen die Anbieter neue Features wie z.B. Menüs, die sich parallel zum weiterlaufenden Film einblenden lassen, visuelle Audio-Kommentare mit Bild in Bild-Funktion oder neue Features wie z.B. zusätzliche Tonspuren, die sich über das Internet laden lassen. Möglich sind bei beiden Systemen auch Inhalte auf den Discs, die erst über das Internet freigeschaltet werden. Dies macht z.B. die Veröffentlichung einer TV-Serie Episode für Episode möglich oder könnte sogar als Pay per View-System genutzt werden, um einen Film erst nach Bezahlung zum Abspielen zu aktivieren. Was davon in der Praxis realisiert und von den Nutzern angenommen wird, bleibt abzuwarten, zumal die ersten Blu-ray Disc-Player von Samsung und Panasonic noch über gar keine Netzwerk-Schnittstelle verfügen. Bei HD-DVD hingegen ist der Netzwerkanschluss Pflicht.

Bei der HD-DVD ist sogenannter "Persistent Storage" vorgeschrieben. Hierbei handelt es sich um Speicher, der dem Nutzer zur Verfügung steht oder von Anwendungen genutzt werden kann. HD-DVD-Player müssen mindestens 128 MB "Persistent Storage" bieten, was theoretisch selbst für Kinotrailer einige Kapazität gibt. Der Speicher lässt sich auch optional über externen USB-Speicher in Form von Speicherkarten- und Sticks oder Festplatten ergänzen. Bei der Blu-ray Disc ist Persistent Storage zunächst nicht verpflichtend.

Ebenfalls Pflicht bei der HD-DVD ist ein zweiter Video-Decoder, der für Picture in Picture-Videostreams genutzt werden kann. Dies lässt sich auch bei der Blu-ray Disc realisieren, ein zweiter Video-Decoder ist dafür aber nicht zwangsläufig vorgeschrieben.

Welchen Vor- und Nachteil diese Unterschiede in der Praxis wirklich haben werden, lässt sich noch nicht beurteilen, da auch in den USA viele Features bislang noch gar nicht eingesetzt wurden. Natürlich werden die neuen Möglichkeiten recht euphorisch angekündigt, allerdings zeigt der Blick auf Erfahrungen mit der DVD, dass die neue Technik nicht unbedingt nur zum Vorteil für den Konsumenten zum Einsatz kommen kann:

Die traurige Realität sieht heutzutage leider oft so aus, dass der Käufer nach dem Einlegen einer DVD zunächst mit Gefängnis-Androhung angebrüllt wird, bloß keine DVD-Kopien anzufertigen, man anschließend erst einmal haufenweise Werbung in Form von Trailern erdulden muss und froh sein kann, wenn man eine Möglichkeit findet, schnell einen Ausweg ins DVD-Menü zu finden, dass erst nach langer Ladezeit die Möglichkeit gibt, den Film wirklich zu starten. Anschließend können aber auch kleine Ewigkeiten vergehen, bis der Film tatsächlich anläuft, da man vorher noch ermahnt werden muss, die DVD nicht auf einer Bohrinsel zu betrachten und darüber informiert wird, dass das Studio nicht für das verantwortlich gemacht werden will, was der Regisseur in seinem Audio-Kommentar erzählt. Das Umschalten von Tonspuren und Untertiteln wird immer noch von einigen DVDs durch "User Prohibitions" unterbunden. 

Und auch die Extras scheinen in den meisten Fällen nicht für den Käufer gemacht, der sich wirklich für den Film interessiert, sondern aus dem Electronic Press Kit der Marketing-Abteilung zusammen gebastelt zu sein. Daher erscheint es fraglich, ob es den Produzenten alleine mit neuen technischen Mitteln gelingen wird, die Aufmerksamkeit der DVD-Käufer zu gewinnen. Nicht verwunderlich ist es daher, dass selbst bei einer brancheninternen Demonstration der neuen HD-Medien kürzlich das Feedback aus dem Publikum mit der Frage auf den Punkt gebracht wurde: "Wer braucht so'n Scheiß?". 

Der Vorteil von Blu-ray und HD-DVD liegt in erster Linie in der deutlich besseren Bildqualität aufgrund der höheren Auflösung im Vergleich zur DVD sowie den ebenfalls nochmals verfeinerten Tonformaten. Hier sollte die Industrie vor allem den Schwerpunkt ihrer Bemühungen legen. Positiv ist zumindest der Trend zu beobachten, dass in den USA auch immer mehr Discs angekündigt werden, bei denen auch das Bonus-Material in HDTV vorliegt.

 

Kopierschutz

Mit Blu-ray Discs und HD-DVDs suchen die Hollywood-Studios nicht nur nach einer neuen Einnahme-Quelle, nachdem inzwischen fast alle nennenswerten Filme auf DVD veröffentlicht wurden, sondern möchten zugleich das Kopieren unterbinden - und diesmal möglichst endgültig, nachdem die Verschlüsselung der DVD schon nach relativ kurzer Zeit geknackt wurde. Die Daten auf HD-DVDs und Blu-ray Discs sind nach dem AACS-Verfahren mit 128 Bit verschlüsselt. Für den Fall, dass der spezifische Schlüssel eines Player-Modells eines Tages geknackt werden sollte, ist der Widerruf des Schlüssels, die "Revocation" möglich. Dies hätte zur Folge, dass dieser Player-Schlüssel nicht mehr auf neue Discs gepresst würde und der Player somit neue Titel nicht mehr abspielen könnte. Da hiervon aber auch Besitzer betroffen wären, die am Knacken des Schlüssels gar nicht beteiligt waren, erscheint es unter rechtlichen Gesichtspunkten fraglich, ob im Ernstfall die "Revocation" mit solch drastischen Auswirkungen wirklich durchführbar wäre. 

Das Kopieren von Inhalten ist bei AACS aber nicht generell tabu, sondern im eingeschränkten Rahmen der "Mandatory Managed Copy" durchaus vorgesehen, um Filme z.B. in einem Heim-Netzwerk wiederzugeben. Die Spielregeln, unter welchen Bedingungen dies möglich ist, legen die Rechte-Inhaber fest, was in der Praxis bedeuten dürfte, dass - wenn überhaupt - eine solche Kopie nicht umsonst zu erhalten sein wird. Bislang fehlen auch noch die Möglichkeiten, "Mandatory Managed Copy" überhaupt technisch nutzen zu können.

Bei der Blu-ray Disc kommen als weitere Schutzmaßnahmen zusätzlich zum AACS-Kopierschutz noch das System BD+ sowie ein Wasserzeichen (ROM-Mark) auf der Disc zum Einsatz. BD+ analyisiert während der Wiedergabe den Datenstrom auf Manipulationen und bricht in einem solchen Fall die Wiedergabe ab.

Als ein weiterer Kopierschutz soll die HDMI-Schnittstelle fungieren, die bereits bei der Einführung der ersten HDTV-Sat-Receiver vielfach für Frust beim Käufer gesorgt hat, weil trotz "HD ready"-Logo manchmal die Kommunikation mit dem HDTV-Display nicht richtig klappte. Die großen Hollywood-Studios haben aber angekündigt, dass Sie vorerst darauf verzichten werden, die Bildwiedergabe auf verschlüsselte HDMI-Schnittstellen zu beschränken und auch eine Bildausgabe über die YUV-Schnittstelle ermöglichen wollen. Dies geschieht im eigenen Interesse, weil in den USA bereits seit Jahren HD-fähige Displays angeboten werden, die nur über eine YUV-Schnittstelle verfügen. Das sogenannte "Image Constraint Token", welches die HDTV-Bildwiedergabe auf die HDMI-Schnittstelle beschränkt, soll zumindest auf freiwilliger Basis bis 2010 erst einmal nicht zum Einsatz kommen.

Die HDMI-Schnittstelle wird allerdings auf jeden Fall erforderlich sein, um die neuen High End-Audio-Codecs als digitalen Bitstream zu einem AV-Verstärker zu übertragen. Dies klappt allerdings erst mit HDMI 1.3. Bei Geräten mit HDMI 1.2-Schnittstelle ist eine digitale Übertragung auch möglich. Sie unterstützt aber nur eine Übertragung der von der DVD bekannten Tonformate MPEG Audio, PCM, Dolby Digital und DTS. Unkomprimierter PCM-Ton ist auch im Mehrkanal-Format möglich, was Sony z.B. bei seinen ersten Blu-ray Discs als Ton-Format nutzt. Erste AV-Verstärker/Receiver mit HDMI 1.3 sind erst ab 2007 zu erwarten. Die bislang erhältlichen AV-Modelle akzeptieren aber auch den digitalen PCM-Mehrkanalton, den die Player konvertiert ausgeben können. Wer einen Player mit integriertem Mehrkanal-Decoder kauft, kann diesen natürlich auch über einen analogen Mehrkanal-Eingang mit einem älteren Receiver verbinden. Außerdem verfügen die Player über herkömmliche koaxiale oder optische Ausgänge, die den Digital-Ton als Dolby Digital- oder DTS-Signal ausgeben können.

Regionalcode

Bei der HD-DVD gibt es vorerst keinen Regionalcode, was es HD-DVD-Käufern ermöglicht, auch Filme aus den USA abzuspielen, wo das Titelangebot aufgrund des bereits im Frühjahr 2006 erfolgten Starts bereits etwas größer ist. Eine Diskussion über die Einführung eines Regional-Code-Systems findet im DVD-Forum noch statt. Interesse hieran sollen aber weniger die großen Hollywood-Studios als vielmehr kleinere Anbieter haben. Selbst wenn ein Regionalcode später eingeführt werden sollte, soll dies aber keinen Einfluss auf die Wiedergabe der Titel auf heutigen HD-DVD-Playern ohne Regionalcode haben.

Bei der Blu-ray Disc ist weiterhin ein Regionalcode vorhanden, lediglich die Zonen wurden anders eingeteilt. Vorteile bringt dies für Mittel- und Südamerika sowie die großen asiatischen Industrienationen Japan und Korea, die sich den Regionalcode A mit den USA teilen. Europa, das bei der DVD noch den gleichen Regionalcode 2 wie Japan hatte, teilt sich jetzt die Region B u.a. mit Australien und Neuseeland.

  • A: Nord-, Mittel- und Südamerika, Japan, Korea, Südost-Asien (ohne China)
  • B: Europe, Mittlerer Osten, Afrika, Australien, Neuseeland
  • C: China, Indien, Russland, Rest der Welt

Quelle: The Authoritative Blu-ray Disc FAQ (EMediaLive.com)

Seite 2: Abspielgeräte und Film-Angebote für Blu-ray Disc und HD-DVD

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