Test: Yamaha RX-V457 (1/2)

27.08.2005 (cr) (khp)

Einführung

Früher waren die Bedingungen für AV-Neueinsteiger oft wenig erfolgversprechend: Was wenig kostete, bot auch meist, außer dem günstigen Preis, kaum lobenswerte Eigenschaften. Doch das aktuelle Sortiment, das der AV-Receiver-Markt bereithält, verspricht nicht nur Besserung, sondern den Aufbruch in eine neue Zeit: Denn das, was sich ursprünglich mal Einsteigermodell nannte, mit spartanischer Ausstattung und ebensolcher Verarbeitung auf Kaufinteressenten wartete und sich, wenn überhaupt, nur über den Preis verkaufen ließ, hat sich zu vollwertigen, gut ausstaffierten Geräten gemausert. Ein Paradebeispiel für den Wandel ist der Yamaha RX-V457, der mit sechs Endstufen, jede davon 130 Watt (nach DIN) stark, allen relevanten Decodern, den Yamaha-typischen HiFi- und Cinema DSP-Programmen für 299 € (UVP) den Besitzer wechselt. Also laut Datenblatt ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis. Was kann das Economy-Tarif-Genie in der Praxis? Wir schauten genau hin. 

Verarbeitung

Alles Alu? Nein, die Gerätefront des 457 besteht aus Kunststoff, der allerdings optisch schon sehr "metallisch" wirkt

Wie von Yamaha-Receivern gewohnt, glänzt auch der preiswerte RX-V457 mit einer sauber eingepassten Gerätefront

Oberklasse-Flair verbreiten die dicken, silberfarbenen Standfüße des 457

Der erste Blickkontakt mit dem RX-V457 endet bereits mit einer faustdicken Überraschung - wer die beachtlichen Abmessungen und die gesamte Erscheinung in Augenschein nimmt, möchte kaum glauben, dass dieses Modell preislich unter 300 € liegt. Der 457 ist überhaupt ein cleverer Typ. Zwar verwendet er auch, preisklassengemäß, Kunststoff als Material für die Frontplatte, aber man muss schon sehr genau hinsehen bzw. haptische Erfahrungen machen, um die (fast) perfekte Täuschung herauszubekommen: Denn zunächst sieht das Material wie Aluminium aus, und da die Frontplatte sehr gut eingepasst ist, ergibt es ein richtig gediegener Eindruck in Bezug auf Materialanmutung und Verarbeitung. Dass der 457 voll und ganz überzeugen kann, beweist er bei Details, die gerade bei preiswerten Geräten oft untergehen. Yamaha hat dem Sechskanal-Receiver sowohl ein den teureren Modellen entsprechendes, großes und schönes DOT-Matrix-Display gegönnt, als sich auch den Gerätestandfüßen angenommen: Die großen, silbernen Füße wirken wie bei einem Oberklasse-Modell. Die gesamte Gerätefront ist schick und aufgeräumt, nur der ab Werk etwas schwergänginge Lautstärkeregler ist Ansatzpunkt für minimale Kritik. Die Geräterückseite des 457 ist akkurat verarbeitet, das günstige Modell trumpft bereits mit Schraubanschlüssen für alle Kanäle auf. 

Oben: LS-Schraubterminal ohne Schutzüberzug, unten: LS-Schraubterminal mit Schutzüberzug

Wer Bananas einführen möchte, scheint zunächst vor einem Rätsel zu stehen: Wie sollen die Bananenstecker mit dem großen Querschnitt nur in die kleinen Löcher im Zentrum der Terminals passen? Des Rätsels Lösung: Die Yamaha-Ingenieure nehmen die CE-Norm sehr ernst, daher ist nicht, wie sonst, nur ein kleiner Sicherungsstift inmitten des Terminals, sondern ein kompletter Überzug in Form einer Kappe. Und diese Kappe kann man mit etwas Geschick und einem kleinen Schraubendreher abziehen. Nach dieser "Operation Banana" lassen sich auch hochwertige Stecker problemlos einführen.  Von innen betrachtet zeigt der Yamaha, dass auch günstige AV-Receiver gut aufgebaut sein können. Die Kühlkörper sind in solchen Preisklassen verständlicherweise nicht aus Alu, sondern aus Blech.

Guter Innenaufbau, nur die etwas wild verlegten Kabel stören ein wenig

2 Elkos mit je 8.200 Microfarad

Preisklassengemäß: Blech-Kühlelement

Der Trafo

Kurzfazit:

Pro: 

  • Eindrucksvolle Erscheinung

  • Top-Display

  • Sehr schöne Gerätestandfüße

  • Gerätefront wirkt hochwertig und ist sauber eingepasst

  • Ordentlicher Innenaufbau

Contra:

  • Lautstärkedrehregler etwas schwergängig

Bilanz: Fürs Geld ausgezeichnet - mehr Verarbeitungsqualität kann man nicht mehr verlangen. 

Bewertung
Ausstattung und Anschlüsse

Für 299 € ist die Ausstattung des 457 höchst beachtlich. Alle aktuellen Decoder, also auch Dolby Digital 5.1 EX, DTS ES Matrix/Discrete 6.1, Dolby Pro Logic IIx, DTS Neo:6 und DTS 96/24 sind mit dabei. Und auch leistungsmäßig hängt der 457 nicht durch, denn er bringt bereits 6 kräftige Endstufen mit und verfügt über 10 Yamaha DSP-Programme, darunter auch die sehr guten Cine DSP-Programme SciFi, Spectacle und Adventure. Auch die prima Musik-DSPs "Hall in Vienna" (für Klassik), "Roxy Theatre" (Rockmusik), "The Bottom Line" (Jazzclub) sowie "Disco" sind mit an Bord. Die wichtigsten DSPs im Überblick:

HiFi-DSP:

  • Hall in Vienna: Klassische, hufeisenförmige Konzerthalle mit ca. 1.700 Sitzen. Säulen und Ornamente generieren sehr komplexe Reflexionen, die zu einem vollen, reichhaltigen Klang führen. In der Praxis gehört dieses Programm zu den besten Musik-DSPs, da gerade des Flair großer Konzerte, welches durch Temperament, aber auch durch akustische Wärme zu spüren ist, sehr gut in den Hörraum transportiert wird. Aufpassen sollte man nur, dass die Aufnahme in einer baulich zumindest ähnlichen Konzerthalle aufgezeichnet wurde.

  • The Bottom Line: Jazzclub in New York, 300 Sitzplätze. Eine echte "Live-Atmosphäre" soll hier im Mittelpunkt stehen. Für manche Jazz-Aufnahme ordentlich geeignetes Programm. Wahre Jazz-Liebhaber hören jedoch meist am liebsten unbearbeiteten Sound. Und dann noch am besten in Stereo. 

  • The Roxy Theatre: Laut Yamaha sehr gut für lebendige, dynamische Rock-Musik geeignet. Akustische Basis ist ein Rock-Club aus Los Angeles, Sitz des Zuhörer ist in der Mitte von der Halle. Ergebnis: Ein klarer, ehrlicher und dynamischer Sound. Gutes DSP. 

  • Entertainment Disco: Sehr gutes DSP-Programm. Nichts mehr ist vom früher kritisierten halligen, dumpfen und bassschwachen Sound übrig, hier wird nun aus dem vollen geschöpft, denn der Auftrag, die Klangatmosphäre einer Disco nachzubilden, gelingt diesem DSP nun mit fettem Bass und breiter Effektkulisse ganz hervorragend! 

Cinema-DSP:

  • MOVIE THEATER: Spectacle. CINEMA DSP Verarbeitung. Dieses Programm erstellt ein extrem weites Soundfeld eines 70-mm Filmtheaters. Es reproduziert genau den Quellensound in allen Einzelheiten, so dass das Soundfeld unglaublich realistisch erscheinen. Dieses Programm ist ideal für jede Art von Videoquelle geeignet, die mit Dolby Surround, Dolby Digital oder DTS codiert ist (besonders groß angelegte Filmproduktionen) - was in der Yamaha-Bedienungsanleitung sehr blumig klingt, entpuppt sich als DSP-Programm, das gewisse Parameter - Basskraft bei der Effektdarstellung, Dynamik der Surround- und Back Surround-Klangkulisse - mit beachtlichem Erfolg nachbearbeitet, indem die Wirkung intensiviert wird. Bei Filmen wie "Twister", "Der Sturm" oder "Jurassic Park" ist dieses Programm in seinem Element. 

  • MOVIE THEATER: Sci-Fi. CINEMA DSP Verarbeitung. Laut Yamaha durch eine räumlich sehr weite Darstellung besonders gut für Science Fiction-Filme geeignet. Die unendlichen Weiten des Weltraums, ferne Galaxien, die Ruhe im weiten Raum - dies soll dargestellt werden. Bei den "Star Wars"-Episoden, "Galaxy Quest" oder "Lost in Space" schlägt sich dieses Programm sehr gut. Effekte werden mit hoher Klarheit wiedergegeben, aber mit etwas weniger Nachdruck als bei "Spectacle". Nicht bei allen Sci-Fi-Filmen klingt dieses DSP besser als andere Modi: Bei "Independence Day" nehmen wir z.B. lieber "Spectacle"

  • MOVIE THEATER: Adventure. CINEMA DSP Verarbeitung. Sehr gelungenes DSP-Programm, das besonders den Music Score sehr facettenreich und mit weitem Raumgefühl umsetzt. Szenen, in denen einsame Reiter durch die Prärie ziehen oder James Bond ("Der Spion, der mich liebte") mit Barbara Bach durch die Wüste irrt, Sequenzen, in denen Unglaubliches geschieht (Mumie Teil 2: Skorpionkönig geht mächtiges Bündnis ein, Oase entsteht inmitten der unwirtlichen Wüste) - hier entfaltete dieses Programm sein volles Aroma. Trotz der Yamaha-Beschreibung (für eine präzise Reproduktion des Sounddesigns der neuesten 70-mm Filme) kann man dieses Programm auch problemlos für etwas ältere Produktionen verwenden. Sehr gute, räumlich effektive Effektwiedergabe. 

  • MOVIE THEATER: General. CINEMA DSP Verarbeitung. Hier kann man auch gleich in der Ursprungsform in Dolby Digital oder DTS hören  - dieses DSP bringt praktisch gar keinen Effekt und ist unserer Ansicht nach relativ überflüssig.

Auch ansonsten versprüht der kleine Yamaha-Receiver nirgendwo das Flair der Einsteigerklasse, sondern wirkt auch in Hinblick auf die Ausstattung im Detail sehr reif: Sogar ein Grafik-EQ (Center GEQ) zur Anpassung des Centerlautsprechers ist mit dabei. Hervorragend ist auch die Abstufung der Subwoofer-Übernahmefrequenzen. Selbst der kleine 457 besitzt eine 40- und eine 60 Hz-Einstellmöglichkeit. Damit die Nachbarn bei einer nächtlichen Musik- oder Filmsession nicht gleich aus dem Bett fallen, verfügt der 457 über einen speziellen Modus, der die lauten Klanganteile herabsetzt und die leisen anhebt. Für Musik- und Filmton gibt es jeweils ein eigenes Programm. Wer DSP-Effekte in Verbindung mit einem normalen Stereokopfhörer genießen möchte, kann zum Yamaha-eigenen SILENT CINEMA-Modus greifen. 

Dass Yamaha weiß, was Kunden wünschen, beweist auch die von 0 bis 160 ms einstellbare Audio Delay-Funktion - alles andere als selbstverständlich in diesen Preisgefilden. Mit dieser Funktion lässt sich die Synchronität von Audio- und Videosignal wieder herstellen. Diese kann verloren gehen, wenn das Videosignal durch eine zeitaufwändige Bearbeitung (z.B. De-Interlacing, Upscaling) zeitlich gesehen nach dem Audiosignal ankommt. Auch die Ohm-Zahl der verwendeten Lautsprecher kann man eingeben: Wenn man den "Standby/On"-Schalter zusammen mit der "Straight"-Taste drückt, kommt man bei beiden Modellen zur Auswahl der LS-Impedanz. Min. 4 Ohm können eingestellt werden.

Was die Anschlussbestückung betrifft, schneidet auch dieses sehr günstige Yamaha-Modell gut ab. Die Anschlüsse in der Übersicht:

  • 1 koaxialer, 2 optische Digitaleingänge, (leider) kein Digitalausgang

  • 5 Stereo-Cinch-Eingänge, 2 Stereo-Cinch-Ausgänge

  • 5.1 Eingang

  • 2 Komponenteneingänge, 1 Komponentenausgang

  • 3 S-Video/FBAS-Eingänge, 2 S-Video/FBAS-Ausgänge

  • Front-AV: Stereo-Cinch, FBAS-Video

Bilanz: Mehr fürs Geld geht kaum noch, der RX-V457 bietet für knapp 300 € eine hervorragende Auswahl. 

Bewertung Ausstattung, Aufbau, Anschlüsse

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