XXL-EXKLUSIVTEST: Yamaha RX-V2600 - Vollausstattung für 1.299 € (2/9)
Technischer Aufbau/verwendete Baugruppen

Wie bei allen anderen Konkurrenten auch handelt es sich beim RX-V2600 um einen vollintegrierten AV-Receiver, das heißt, die vielen Baugruppen, die bei einem Gerät mit so umfangreicher Ausstattung benötigt werden, müssen in einem einzigen Gehäuse untergebracht werden. Dies sorgt dafür, dass sich der RX-V2600 nach dem Öffnen als wohl gefüllt präsentiert.

Alles in einem Gehäuse: Die opulente Ausstattung des 2600ers sorgt für Enge im Innenraum

Suchen muss man zunächst die beiden großen Kondensatoren, die als kurzzeitiger Stromspeicher für die Leistungsendstufen dienen

Doch wer suchet, der findet - uns blieben die beiden 15.000 Microfarad-Stromspeicher nicht verborgen. Wie üblich, fertigt Yamaha die Elektrolytkondensatoren, kurz Elkos, nicht selber, sondern lässt sie nach eigenen Maßgaben beim Spezialisten bauen

Der Kondensator ist ein höchst wichtiges Bauteil. Dass Verstärker nicht dauernd unter Höchstlast arbeiten, ist eigentlich klar. Deshalb unterscheidet man die Nennleistung von der Musikleistung. Die zweite ist höher als die erste, der Verstärker kann also kurzzeitig mehr leisten. Er schafft das, indem er kurzzeitig Strom in Kondensatoren zwischenspeichert. Kondensatoren sind extreme Kurzzeitspeicher, Langzeitspeicher kennt man bis heute in der ganzen Elektrotechnik leider nicht. Je größer nun die Kondensatoren sind, desto größere Strommengen können kurzzeitig zwischengespeichert und dann auch kurzzeitig abgerufen werden, wenn z. B. die Musik sich zu einem Fortissimo steigert oder eine mächtige Explosion den Hörraum erschüttert. 

Nun erläutern wir genauer die Funktionsweise des Kondensators. Ein Kondensator besteht aus zwei leitenden, voneinander isolierten Flächen, beispielsweise Metallplatten oder -folien. Als Isolator wird meist ein Luftspalt oder ein Dielektrikum aus Kunststoff eingesetzt. Die Kapazität eines Kondensators ist ein Maß für die Ladung, die er speichern kann, sie hängt von Abstand und Größe der Platten ab. Je größer die Fläche der Platten und/oder je kleiner der Abstand der Platten zueinander, desto größer ist die Kapazität des Kondensators. Elektrische Ladung kann durch einen Kondensator nicht hindurch fließen, wenn man ihn aber an eine Spannungsquelle anschließt, fließt dennoch solange Strom, bis die Platten elektrisch aufgeladen sind und keine weitere Ladung annehmen. Dies ist dann der Fall ein, wenn die Kondensatorspannung UC genauso groß wie die angelegte Spannung U0 ist. Die eine Platte ist dann elektrisch positiv, die andere negativ geladen. Auf der negativ geladenen Seite herrscht also ein Elektronenüberschuss. Wie viel Kapazität der Kondensator hat, hängt von seinen Abmessungen und dem Material ab und wird als Kapazität (Formelzeichen: C) bezeichnet. Die Maßeinheit ist Farad, benannt nach Michael Faraday (auch vom Farady'schen Käfig her bekannt). Ein Farad (SI-Einheitenzeichen F) ist die Kapazität eines Kondensators, der beim Anlegen einer Spannung U von 1 Volt jeweils eine Ladungsmenge Q von 1 Coulomb auf den beiden Platten speichert. 

Im Layout von AV-Receivern und -Verstärkern kommen Elektrolytkondensatoren (auch Elkos, wie oben bereits erwähnt) zum Einsatz. Bei dieser Bauart besteht der Kondensatorbelag aus einem Elektrolyt. So größer der Kondensator ist, umso höher ist die Speicherkapazität (aber auch umso teurer wird das Bauteil). Ein Elektrolyt ist eine leitende Flüssigkeit und hat beim Kondensatorenbau den Vorteil, dass damit relativ hohe Elektrische Kapazitäten von bis zu 1.000.000 μF erreicht werden können. Das Elektrolyt kann auch im fest verschlossenen Kondensatorgehäuse im Laufe der Jahre eintrocknen oder auslaufen. Besonders schnell trocknen Kondensatoren bei extrem hohen Temperaturen aus. Daher ist es sehr wichtig, dass der AV-Receiver keiner zu hohen thermischen Belastung ausgesetzt wird. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn man ihn in ein AV-Rack pfercht - ohne die Möglichkeit zur Luftzirkulation. Die Kondensatoren werden übrigens mit einem Temperaturwert, z.B. 85°C oder 105°C, und einer bei dieser Temperatur zu erwartenden Lebensdauer gekennzeichnet. Je höher die Temperaturangabe, desto besser ist die Lebensdauer bei einer niedrigeren Einsatztemperatur.

Elektrolytkondensatoren haben im Gegensatz zu anderen Kondensatoren eine Polarität, d.h. sie haben einen positiven und einen negativen Pol. Bei der liegenden Bauform wird der positive Pol mit einer umlaufenden Kerbe gekennzeichnet, bei der stehenden Bauform (eingesetzt in AV-Receivern/Verstärkern) verläuft auf der Seite mit dem negativen Pol ein aufgedrucktes Band mit sich wiederholenden „Minuszeichen“.  

Noch mehr Kondensatoren - sie befinden sich vorne links im Gehäuse. Sie sind zuständig für die Vorstufe, die Treiberendstufe (die der Leistungsendstufe vorgeschaltet ist) und  für den gleichmäßigen Stromfluss für die einzelnen Audio- und Videobaugruppen. Yamaha entschied sich, für diese Aufgaben lieber viele kleine als 2 weitere große Kondensatoren einzubauen, da die kleinen Bauteile einen geringeren Innenwiderstand haben. 

Wie es sich gehört, sind die Kabelstränge sauber gebunden

Umfangreich: Viele Funktionen mit hochwertigen Baugruppen erfordern diverse Platinen, die im "Heck" des 2600ers zu einem beträchtlichen Teil hochkant eingebaut sind

Die schwarzen Balken sind tunnelförmig angeordnete Kühlkörper aus extrudiertem Aluminium. An der Vorderseite (teilweise von der grünen Platine überdeckt) befindet sich noch ein Ventilator, dessen Steuerung (automatisch, also Ansprechen nur bei besonders hoher thermischer Belastung, oder kontinuierlich, also immer im Betrieb) sich im sogenannten "Advanced Menu" einstellen lässt

Nicht ohne Grund sind die Kühlkörper des 2600 schwarz  - so wird noch effektiver Wärme abgeführt

Hier ist der Ventilator zu erkennen. Eigentlich bevorzugen wir eine komplett passive Kühlung - wie sie z.B. praktisch alle Denon-Modelle haben - aber der Yamaha-Ventilator läuft in der "auto"-Einstellung nur bei höchster Belastung und dann nur sehr kurz, so dass wir ihn kaum als Negativpunkt ansehen

Insgesamt wollen wir das Thema Kühlung kurz behandeln. 

Bei einem analogen Verstärker, wie er auch im RX-V2600 seinen Dienst verrichtet, geht während des Verstärkungsprozesses ein großer Teil der Energie in Form von Wärme verloren (Verlustwärme). Das ist übrigens ein Grund, der für Digitalverstärker spricht. Hier ist die Effizienz extrem hoch, es entsteht praktisch kein Energieverlust durch Wärme. Akustisch jedoch kommen auch sehr gute Digitalverstärker ihren analogen Pendants noch nicht gleich. So klingt ein hervorragender analoger Verstärker authentischer, klarer und brillanter. Was die Pegelfestigkeit angeht, sind hingegen die kompakt bauenden digitalen Endstufeneinheiten bereits jetzt erstklassig. 

Durch das Arbeitsprinzip des analogen Verstärkers ist es normal, dass sich die am Verstärkungsprozess beteiligten Komponenten erwärmen, das ist nichts Beängstigendes - auch ein Mensch, der körperliche Arbeit verrichtet, beginnt zu schwitzen, das ist nichts Außergewöhnliches und bedeutet nicht, dass dieser Mensch krank ist. Aber auch ein gesunder Mensch beginnt sehr schnell und über Gebühr zu schwitzen, wenn er z.B. bei 30 Grad Außentemperatur Pflastersteine schleppt und eine Ski-Daunenjacke anhat.

Genauso verhält es sich mit dem Verstärker. Auch ein eigentlich leistungsfähiger Verstärker kann sich nicht voll entfalten und ist schnell "am Ende", wenn die Kühlung nicht stimmig konstruiert ist. Wir unterscheiden zwei Arten der Kühlung:

  1. Die aktive Kühlung durch einen Ventilator

  2. Die passive Kühlung durch spezielle Kühlelemente. Diese sind bei preiswerten Verstärkern oft aus Blech, bei höherwertigen und hochwertigen Modellen hingegen ausschließlich aus speziell gepresstem Aluminium, das eine bessere Wärmeableitfähigkeit mitbringt.

Verschiedene AV-Verstärker und -Receiver wie auch der RX-V2600 verwenden auch eine gemischt-aktiv-passive Kühlung. Das heißt, bei extremer Belastung greift zusätzlich der Ventilator ein. Die aktive Kühlung sollte unserer Meinung nach aber entweder gar nicht oder wirklich nur in Extremfällen zum Einsatz kommen, da ansonsten deutliche Beeinträchtigungen durch Geräuschverschmutzung entstehen.  Das wissen auch viele Hersteller, darum werden große Kühlkörper eingesetzt, um entweder gar keinen Ventilator verbauen zu müssen oder nur im Notfall auf einen sehr leise Laufenden Hochleistungsventilator für sehr kurze Zeit zurückgreifen zu müssen - genauso, wie es beim Yamaha auch geschieht. Der RX-V2600 wird insgesamt schon kräftig warm, aber selbst bei hoher Belastung nie erschreckend heiß - er wirkt "cooler" als sein Vorgänger, der RX-V2500. 

Der Trafo des RX-V2600. Ihm kommt eine wichtige Aufgabe zu: 

Die Energie zur Verstärkung der Signale entnimmt der Verstärker des 2600ers dem Netz mit 220 V Wechselstrom. Mit solch hohen Spannungen fangen Lautsprecher aber nichts an: Sie benötigen hohe Ströme im Niedrigvoltbereich. Also muss die hohe Netzspannung in die für die Lautsprecher geeignete niedrigere Spannung umgewandelt, "transformiert" werden. Dies leistet ein Transformator im Netzteil des Verstärkers. Er besteht aus einem geschlossenen Eisenkern und zwei Spulen, die um seine Schenkel gewickelt sind. Auf der Netzseite sind es viele Windungen eines dünneren, auf der Niedervoltseite weit weniger Wicklungen eines dickeren Kupferdrahtes. Die eingangsseitige Wicklung wird Primärseite genannt, an dieser liegt die Netzspannung an, die ein Magnetfeld erzeugt, das mit Hilfe des Kerns zur ausgangsseitigen Wicklung, der Sekundärseite, geleitet wird. Dieses Feld erzeugt (induziert) hier wiederum eine Spannung. Deren Höhe kann über das Verhältnis der Windungszahlen von Primär- und Sekundärwicklung eingestellt werden.  

Die Leistungsfähigkeit eines Transformators wird in VA (Volt x Ampere) gemessen. Wichtig für das Bereitstellen hoher Stromstärken ist nicht die Anzahl der Wicklungen die Anzahl der Wicklungen auf den unterschiedlichen Seiten des Trafos sagt nur etwas über das Spannungsverhältnis bei Ein- und Ausgangsspannung aus, wenn z.B. 220 Volt am Eingang anliegen und 110 Volt am Ausgang anliegen sollen, sind auf der Eingangsseite doppelt so viele Wicklungen erforderlich), sondern die Dicke der Wicklungen und der Querschnitt des Kerns. Umso größer der Kernquerschnitt (Kraftfluss!) ist, umso größer ist der induzierte Strom und damit die Fähigkeit, hohe Stromstärken bereit zu stellen. Yamaha setzt beim 2600er, so das Product Sheet, auf einen großzügig dimensionierten Trafo. Zwischen Trafo und Kondensator gibt es auch einen Zusammenhang: Die Größe des Transformators im Netzteil sagt somit etwas über die Größe der Nennleistung eines Verstärkers aus, die Größe der Kondensatoren über seine - kurzzeitig höhere - Musikleistung. Zu groß sollte allerdings der Unterschied zwischen Nennleistung und Musikleistung nicht sein. Sonst besteht bei vollem Aufdrehen des Verstärkers die Gefahr starker Verzerrungen und eines "harten" Klangbildes. Mit einem etwas kühnen Vergleich. Wenn Sie einen Zwölfzylinder von Null auf Hundert Kilometer maximal beschleunigen, "strengt" dies den Motor nicht an, er säuselt nur. Wenn sie das Selbe bei einem Vierzylinder versuchen, "rächt" dieser sich durch lautes Geheul.

Insgesamt ist der Aufbau des 2600 für einen AV-Receiver sehr gut, wer höchsten Wert auf Baugruppenseparierung und optimale Schirmung legt, muss hingegen zu einer Vor-/Endstufen-Kombination wie z.B. der Sherwood P-965/A-965 7.1 Vor-End-Kombi für 3500 € greifen, hier sind Vorverstärker/Decoder in einem und die Endstufen in einem anderen Gehäuse. Preislich ist, wie gezeigt, das Vergnügen allerdings recht teuer, und die Sherwood-Kombi ist fürs Gebotene noch günstig. 

Kommen wir zu weiteren Baugruppen. Wie eingangs schon erwähnt, setzt Yamaha auf Burr Brown D/A-Wandler (192 kHz/24-Bit) für alle Kanäle. Der interne Scaler wird von Analog Devices geliefert, der De-Interlacer von Oplus/Intel. Insgesamt eine sehr umfangreiche, hochwertige technische Ausstattung und ein sauberer Aufbau - vor allem in Anbetracht der umfangreichen Funktionen, die alle nach eigenen Platinen und Boards verlangen. 

Bewertung

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