Test: Onkyo TX-SR603E (1/2)

30.09.2005 (cr)

Einführung

Die AV-Receiver-Preisklasse um 600 € ist aktuell besonders umkämpft. Bislang hatte Onkyo mit dem TX-SR602E zwar einen guten AV-Receiver im Programm, aber keinen besonder spitzen Pfeil im Köcher. Nun ist man mit dem neuen TX-SR603E aber fest entschlossen, den etablierten Größen, angeführt vom "Häuptling" Denon AVR-2106, gehörig Paroli zu bieten - mit einer stark verbesserten akustischen Auslegung. Ob dieses Vorhaben geglückt ist, wollen wir in einem ausführlichen Praxistest klären.

Verarbeitung

Penible Verarbeitung im Detail

Klares Punktmatrixdisplay

Vorbildlich ist der Lautstärkedrehregler, hier im eingeschalteten Zustand, ausgeführt

Der TX-SR603E macht bereits auf den ersten Blick eine Menge her - und auch, wenn man genauer hinschaut, wird man nicht enttäuscht, denn die Verarbeitung präsentiert sich rundherum gelungen. Die Frontplatte des AV-Receivers ist penibel eingepasst und besteht aus gebürstetem Aluminium. Sehr gut hat uns der aufwändig gestaltete Lautstärke-Drehregler gefallen, die matte, edle Oberfläche mit den schicken Chrom-hochglänzend-Anteilen sieht ausgezeichnet aus. Hinzu kommt, dass das Drehrad beim Anschalten des AV-Receivers in schickem Blau erstrahlt. Auf Top-Niveau befindet sich auch Onyko-typisch das DOT-Matrix-Display, das nicht durch eine Überfrachtung mit verschiedensten Symbolen unübersichtlich wirkt. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche kommt weitere wohltuende Ruhe ins Erscheinungsbild des TX-SR603E. Dazu passt die restliche Gestaltung der Frontplatte vortrefflich. Der seriöseste, edelste Auftritt geht in dieser Klasse klar an den TX-SR603E. Im Gegensatz zum TX-SR602E ist auch der Gehäusedeckel bei unserem Testexemplar des TX-SR603 deutlich steifer und nicht mehr so instabil, doch hochsolide, wie wir es eigentlich von Onkyo erwarten würden, ist die Abdeckhaube noch immer nicht. 

Mängel im Detail: Gerätestandfüße mit sich leicht ablösenden Rutschstoppern

Die leichtgängigen Lautsprecher-Schraubterminals überzeugten uns

Nicht ganz überzeugt haben uns die Gerätestandfüße. Zum einen sind sie in tristem Schwarz gehalten, zum anderen sind sie unten mit billig aufgeklebten Rutsch-Stoppern versehen, die für festen Halt sorgen sollen, in der Praxis aber eher verärgern, da sie sich schnell ablösen. Diese Problematik hatten wir bereits bei einigen Onkyo AV-Receivern, hier sollte man für Abhilfe sorgen. Wünschenswert wäre ferner ein Kaltgerätestecker fürs Befestigen eines entsprechenden Netzkabels. Das fest mit dem Gerät verbundene Kabel wirkt nicht absolut stimmig. Die Geräterückseite ist überdurchschnittlich sauber verarbeitet. Zu loben sind die leichtgängigen, aber dennoch sehr soliden Lautsprecherkabel-Schraubverschlüsse, die auch hochwertige Bananenstecker oder große Kabelquerschnitte problemlos aufnehmen. 

Der TX-SR603E gefällt mit ordentlichem inneren Aufbau und sauberer Kabelführung

Der TX-SR603E verfügt über einen Aluminiumkühlkörper

Die Kühlung arbeitet recht effektiv beim 603 - der TX-SR603E wird zwar verständlicherweise warm, aber nie glühend heiß

Die beiden Elkos mit je 10.000 Microfarad Kapazität

Der innere Aufbau des TX-SR603 ist ebenfalls sehr gut. Der Kühlkörper besteht aus Aluminium, das Platinenlayout sowie die Verkabelung sind prima gelöst. Viele Konkurrenten haben mehr Kabel-Wirrwarr im Geräteinneren als der aufgeräumte Onyko. Nirgendwo wirkt der 603er billig gemacht, sondern präsentiert sich als gelungenes Gesamtkonzept, in das sich auch die Fernbedienung nahtlos eingliedert. Sie ist von sehr hochwertiger Machart und qualitativ sicherlich mit das Beste, das man in dieser Preisliga finden kann. 

Kurzfazit:

Pro: 

  • Sehr elegante, edle Gesamterscheinung

  • Hochwertiger, schicker Lautstärkedrehregler

  • Ausgezeichnetes Display

  • Guter Innenaufbau

  • Leichtgängige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

  • Qualitativ tadellose Fernbedienung

Contra:

  • Gerätestandfüße nicht völlig überzeugend

  • Gehäusedeckel könnte noch stabiler sein

Bewertung
Ausstattung und Anschlüsse

Der TX-SR603E präsentiert sich zeitgemäß ausgestattet. Sieben Endstufen mit jeweils 125 Watt sorgen für viel Kraft - zumindest auf dem Papier. Alle relevanten Decoder sind in dieser Preisklasse inzwischen ein selbstverständliches Ausstattungsmerkmal, da patzt auch der 603 nicht. Der Onkyo verfügt im Gegensatz zu den größeren Modellen TX-SR703 und TX-SR803 nicht über ein THX Select 2-Prädikat. Dass dieses durchaus auch schon in der 600 € Liga zu finden ist, zeigt der Kenwood KRF-X9090D. Sonst ist aber vieles vorhanden, selbstverständlich auch alle Einstellmöglichkeiten für PLIIx. Für eine harmonische Wiedergabe von Filmton sorgt nicht zuletzt der schaltbare CinemaFILTER.. Er soll eine optimierte tonale Anpassung an die anderen Bedingungen im Heimkino gewährleisten. Die Übernahmefrequenzen, die die Trennfrequenz bestimmen, ab der der aktive Subwoofer die Wiedergabe übernimmt, sind mit 60/80/100/120/150 Hz gut gestaffelt, eine 40 Hz Option wäre noch eine Ergänzung für die Eigner sehr großer Standlautsprecher. Sehr gut ist, dass Onkyo einen Videonormwandler, der auch auf Komponente wandeln kann, einbaut und diesem auch noch einen qualitätssteigernden Time Base Corrector zum Ausgleich von Zeitlauffehlern spendiert. Auch bringt der 603 einen Pure Audio und einen Direct Mode mit. Auch über Multiroom-Optionen verfügt der Onkyo, und es bietet sich auch die Möglichkeit, die beiden Back Surround-Endstufen wahlweise für die Beschallung der Zone 2 Lautsprecher zu verwenden. An eigenen Lautsprecher-(Klemm-)Anschlüssen kann man die zusätzlichen Schallwandler für die zweite Hörzone am 603 anbringen. Was wir vermissen, ist eine Ausgabemöglichkeit für Videosignale in einen 2. Hörraum.  Als echten Nachteil werten wir das Nicht-Vorhandensein einer Audio Delay-Funktion. Onkyo hat hier für etwaige neue Modelle aber schon Besserung gelobt. 

Einmessmikrophon mit schlichter Optik

Der Onkyo Surroundreceiver bringt ein aktuell stark im Trend liegendes automatisches Einmesssystem für die angeschlossenen Lautsprecher mit. Auch ein Equalizing wird für jeden Kanal durchgeführt, was sehr löblich ist, da manches Konkurrenzmodell lediglich die Lautsprechergröße, die Distanz der einzelnen Lautsprecher zum Hörplatz und den Pegelabgleich einstellt. Zusätzlich ist noch ein manueller Equalizer verfügbar. Allerdings fehlte den Onkyo-Entwicklern im letzten Detail die Konsequenz. Der Anwender kann nicht die im automatischen EQ-Modus ermittelten Werte in den manuellen EQ hineinkopieren, um dann nach eigenem Gusto im Detail zu optimieren. Der manuelle EQ hat wenige feste Frequenzpunkte (80, 250, 800 Hz, 2,5 kHz, 8 kHz), während der automatische EQ an weitaus mehr - je nach Box und deren Profil variablen  - Punkten eingreift. Besser wäre es, wenn wie bei Pioneer automatisch ermittelte Punkte bei Bedarf weiter nachbearbeitet werden könnten. So muss man beim manuellen EQ immer wieder von vorn anfangen, was sich in der Praxis als nicht die beste Lösung entpuppt, da einige Frequenzabstimmungen sehr gut gelungen sind in der automatischen Kalibrierung, andere aber nicht ganz zutreffend waren (zu starke Abschwächung im Bassbereich). Hätte man die gesamte Kurve kopiert und manuell nur an den nicht ganz passenden Punkten optimiert, wäre man schnell zum gewünschten Ziel gekommen. Da wir gerade beim Kritisieren sind: Pioneer macht es auch bei günstigeren Modellen vor - sehr sinnvoll sind 2 oder 3 User-Speicher, in denen für verschiedene Einsatzzwecke, z.B. für Musik, Filmton und den Einsatz bei sehr hohem Pegel jeweils individuelle EQ-Settings abgelegt und auf Knopfdruck aufgerufen werden können. Das könnten sich auch die Onkyo-Entwickler einmal abschauen.

Die Anschlussauswahl ist gut, nur vermissen wir einen 7.1 Preout. Schön wäre es, wenn die Receiverhersteller auch in diesen Preisklassen auf HDMI-Interfaces setzen würden. Nur wenige tun dies bereits.

Front-AV-Eingang mit S-Video-Beschaltung und optischem Digitaleingang. Diese beiden Optionen fehlen manchem Kontrahenten

Die Anschlüsse in der Übersicht:

  • Eingänge Audio: 5.1-Kanal-Eingang, 6 x Digital (4 x optisch, 2 x koaxial, inkl. Front), 5 x Stereo-Cinch (inkl. Front und Phono)

  • Eingänge Video: 3 x YUV (HDTV-ready), 5 x S-Video/Composite (inkl. Front)

  • Ausgänge Audio: Digital optisch, 3 x Stereo Cinch 

  • Ausgänge Video: YUV (HDTV-ready), 3 x S-Video, 3 x FBAS

Kurzfazit:

Pro:

  • 3 HD-geeignete Komponenteneingänge mit 50 MHz Bandbreite

  • Auto Setup inklusive LS-Equalzing

  • Manueller Equalizer vorhanden

  • CinemaFILTER für optimierte Wiedergabe

  • Direct und Pure Audio Modi

  • Multiroom-Optionen

  • Videonormwandler mit Time Base Correction

Contra:

  • Kein Audio Delay

  • Kein7.1-Preout

  • EQ-Abstimmung automatisch/manuell im Detail zu verbessern

Bewertung Ausstattung, Aufbau, Anschlüsse

Zu Seite 2

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013