Test: Nubert nuBox 360LE - Abschied mit Würde ? (2/2)
Testequipment:
Klang
Akustisch wollten wir kaum glauben, dass wir hier einen
Lautsprecher im Hörraum haben, der nicht einmal 200 € kostet. Wenn man
vergleicht, was man an Klangqualität für solche Beträge oft geboten bekommt,
kann man sich nur mit Grausen abwenden. Meist handelt es sich um extrem simpel
und lieblos konstruierte Boxen, die billigste Bauteile mit schlechter
Fertigungsqualität verbinden - kein Wunder, dass die Direktvertreiber,
also Nubert und Teufel, immer mehr Kundschaft gewinnen, denn beide Anbieter
schaffen es, preiswerte und gleichzeitig prima klingende sowie gut verarbeitete
Schallwandler im Programm zu haben, so dass sich auch eine Kundschaft, die nicht
gewillt ist, Unsummen fürs Soundequipment auszugeben, nicht mit Schmalspurklang
und nach Elektronik-Schrottplatz aussehender Verarbeitung abfinden muss.

Ohne Bespannung klingt die nuBox 360LE noch eine Idee freier
Unsere nuBox 360LE gefällt vor allem durch ihre kräftige,
nachdrückliche Akustik. Auch bei beträchtlichen Lautstärken agiert sie noch
souverän und produziert einen klaren, gut strukturierten Klang. Bei
verschiedenen Trance- und Dance-CDs (Future Trance Volume 30, Fetenhits,
Eurodance Classics 1992 - 1996, Gigi d' Agostino, L'Amour Toujours II) konnte
sie sich ebenso gut behaupten wie bei Pop- und Elektronikmusik (Pet Shop Boys,
Pop Art, Jean-Michel Jarre, Jarre in China, Audio-CD). Stets machte sich das
beträchtliche Volumen der Regalbox positiv bemerkbar, was für einen
erstaunlichen Tiefgang sorgte. Die nuBox 360LE ist aber kein Lautsprecher, der
den Bassbereich künstlich-übertrieben aufdickt, vielmehr wirkt das Fundament
immer stimmig - so z.B. beim ersten Track auf "L'Amour Toujours II",
"Welcome to Paradise". Wir haben bislang keinen so preiswerten
Lautsprecher gehört, der dieses Stück so komplett, so klar und mit so sauberen
Übergängen zwischen Hoch-, Mittel- und Tieftonbereich wiedergegeben hat. Trotz
ihrer langen Produktionszeit ist die nuBox 360LE damit nicht nur auf der Höhe
der Zeit, sondern fast allen Kontrahenten voraus. Der Hochtonbereich ist
natürlich nicht so feinfühlig und transparent wie bei der im direkten
Vergleich gehörten nuLine 30
(natürlich bei diesen Vergleichen ohne ATM-Modul!), aber selbst eine
normale nuLine 30, also nicht in der Exklusivausführung, in der wir den
Lautsprecher in der Redaktion nutzen, kostet mit 276 €pro Stück sehr deutlich
mehr. Und so gut die nuLine 30 zweifelsohne ist, wenn man z.B. ein 7.1 Set
zusammenstellen möchte, fällt der Preisunterschied krass ins Gewicht: 5 x
nuLine 30 plus nuLine AW-560 kosten
2.468 €,während 7 x nuBox 360LE plus nuBox
AW-880 auf rund 1.680 € kommen - für die Differenz von knapp 790 € kann
man sich schon entweder einen tadellosen AV-Receiver oder aber einen
hochwertigen DVD-Player kaufen. Wer gern mehr investiert, kann sich ruhig auch
das nuLine 30-Set kaufen - mit der hervorragenden, sehr klaren Hochtonwiedergabe
und der ausgezeichneten Detaillierung wird auch hier sehr viel fürs Geld
geboten. Aber mit den 1-680 € bietet ein nuBox 360LE-Set einen überragenden,
kostengünstigen Einstieg in die 7.1 Welt - die nuBox 360LE wird zwar eher als
Stereolautsprecher genutzt, doch die von uns genannte Möglichkeit ist nicht
weniger reizvoll.

Typisch Nubert: Preiswerte Qualität ohne Abstriche
Besonders zum Vorschein kommen die Qualitäten des einzelnen
Lautsprechers natürlich beim Hören in Stereo. Und hier entfaltet sich die sehr
preiswerte nuBox auf eindrucksvolle Art und Weise: Es ist einfach ihr gelassenes
Klangbild, dieses unaufdringliche, aber im Hintergrund stets kraftvolle Wesen,
das diesen Lautsprecher auszeichnet. Prima kam die nuBox mit allen Stücken der
Pet Shop Boys zurecht. Das ist genau die Art von Musik, die sich auf der 360
besonders gut anhört, mit akkurater Stimm- und Instrumentaltrennung und
ordentlich Nachdruck werden die Top-Hits des berühmten britisches Duos in den
Hörraum transportiert. Die nuBox 360 strahlt sehr gleichmäßig und breit ab,
so dass ein weitläufiges Klangbild problemlos realisiert wird. Die nuBox 360
bleibt auch bei hoher Lautstärke am Ball - hier fallen die Unterschiede zu
vielen Subwoofer-/Satelliten-Sets (5.1-Set: 1374, 50 €/nuBox 360LE plus
AW-880, das ist eine Preisliga, in der es viele Sub-/Sat-Systeme gibt, und auch
der 5.1-Hörer hört gern auch mal Musik traditionell in Stereo, daher sind
solche Vergleiche keinesfalls abwegig) gravierend auf - oder anders
ausgedrückt: Systeme wie das Mordaunt-Short
Sub-/Sat-System "Genie" oder das Focal Sub-/Sat-Set Cinema Pro
haben im Stereobetrieb kaum eine Chance gegen die nuBox 360LE. Das merkt man
sehr gut bei facettenreichen CDs wie "Jarre in China", wo viele
verschiedene akustische Strukturen zu einem einheitlichen klanglichen Erlebnis
verbunden werden müssen.
Die Homogenität des Klangbildes, die stimmigen Übergänge, die
Pegelfestigkeit - einfach alles spricht für die klangstarke Box von der Ostalb,
gerade bei den Jarre-Stücken wird dies deutlich, auch die Detaileinarbeitung
ist für eine knapp über 150 € kostende Box absolut tadellos. Natürlich, die
progressiv-trendigen Satelliten beider genannten Konkurrenzsysteme wirken
optisch edel und zeitgemäß, ebenso passen sie im Gegensatz zur nuBox 360LE
exzellent zu Flachbildschirmen, aber: Wer Stereo hört, sollte sich lieber ein
optisch konventionell-klassisches, dafür aber klangstarkes Set holen. Gegen den
nuBox AW-880 haben die in den anderen Paketen enthaltenen Subs keinerlei (Focal)
oder bei hohen Pegeln wenige (Mordaunt-Short) Chancen, wenngleich hinzugefügt
werden muss, dass der Genie-Woofer schon für sich betrachtet sehr gut ist und
deutlich besser als die meisten Konkurrenten. Nur die nuBoxen bieten im
Übrigen die Chance, ganz ohne Subwoofer zu hören, die Bass-Power sowie der
Tiefgang reichen bei Musik in vielen Fällen aus. Ein sehr hochwertig
verarbeitetes KEF KHT-2005.2 oder ein
ebenfalls nobel daherkommendes Quadral TX-5 mit Sub DV-67
sehen gegen die Nubert-Lösung ebenfalls akustisch nicht anders aus, das
große Volumen der nuBox 360LE ist einfach ein klarer Vorteil. Schaut man sich
die Performance im Surroundbetrieb an, schneidet die schwäbische Lösung mit
großen 360ern als Surrounds ebenfalls hervorragend ab, auch hier also ein
akustischer Vorteil verbunden mit dem weiteren Pluspunkt, dass durch die hohe
Pegelfestigkeit der 360 ein Einsatz auch in größeren Hörräumen problemlos
möglich ist.
Fazit

Gelungener Abschied: Preiswert, klangstark und mit den
LE-Farben auch optisch ansprechend
Wir stellten in unserer Überschrift zum Test die Frage, ob sich
die nuBox 360LE würdig verabschiedet - die Antwort ist ein klares
"ja". Trotz der langen Modell-Laufzeit präsentiert sich der beliebte
Lautsprecher immer noch in bestechender Form, vor allem wenn man den
Verkaufspreis berücksichtigt. Ist die nuBox 360LE richtig eingespielt (hier
reichen 2 Tage, an denen der Lautsprecher durchläuft), ist das klangliche
Erlebnis für einen Lautsprecher, der deutlich unter 200 € kostet,
ausgezeichnet. Besonders bei nachdrücklicher Musik - wie Rock, Techno,
House oder Hip Hop - ist die nuBox 360LE in ihrem Element und sorgt für eine
kraftvolle, voluminöse Wiedergabe, ohne jedoch dass der Eindruck entsteht, die
360 würde künstlich-übertrieben "aufdicken" - dazu ist die
Ostalb-Box viel zu ehrlich. Ein leichtes Plus, sehr verträglich, im Bassbereich
reicht aus, um ein angenehmes, stimmiges Volumen zu bieten, bereits bei
moderater Lautstärke wird dies deutlich. Der Hochtonbereich ist sehr angenehm,
wenngleich nicht so brillant wie bei einer nuLine 30 oder einer nuWave 35, aber
dafür ist die nuBox 360LE auch sehr viel preiswerter. Die Pegelfestigkeit ist
außerordentlich gut, auch bei hoher Lautstärke wird die 360LE nie schrill oder
aggressiv, sondern klingt noch angenehm satt. Die Verarbeitung macht dem
nüchtern gehaltenen Schallwandler auch keinen Strich durch die Rechnung. Die
Folie ist sauber verklebt, die hervorragenden
Lautsprecherkabel-Anschlussterminals sorgen für das Flair höherer
Preisklassen. Die gelungenen Farben der Last Edition geben dem sehr
schlichten Lautsprecher gekonnt etwas Schick auf den Weg zum auch optisch
orientierten Hörer. Unsere Bilanz: Schade, dass du gehst, nuBox 360 -
diejenigen, die sich ihre nuBox 360LE "ergattert" haben, können
hochzufrieden mit ihrem Kauf sein. Durch die exzellenten Eigenschaften zum
kleinen Preis wird die nuBox 360LE gleich der Mittel- und nicht der
Einsteigerklasse zugeordnet, wo sie aufgrund ihres Kaufpreises eigentlich
hingehören würde.
Gelungener Abschied: Mit tadelloser klanglicher Performance,
höchst sauberer Verarbeitung und zwei sehr gelungenen Farbtönen ist die nuBox
360LE ein Spitzen-Schnäppchen

Stereo-Lautsprecher Mittelklasse
Test 08. November 2005
Preis-/Leistungsverhältnis      
Pro:
Contra:
Technische Daten nuBox 360LE (Preis 152, 30 €/Stück):
-
Technische Daten nuBox 360/5 2-Wege-System, bassreflex
Nennbelastbarkeit: (DIN EN 60268-5 300 Std.-Test) 100 Watt
Musikbelastbarkeit: 150 Watt
Impedanz: 4 Ohm
Frequenzgang: 58 - 20000 Hz +- 3 dB
(im Bereich 200 - 18000 Hz +- 2dB) Übertragungsbereich: (nach DIN 45500) 24 – 30000 Hz
Wirkungsgrad: 87.5 dB (1W / 1 m)
Abmessungen: B x H x T (ohne / mit Stoffrahmen) 24.5 x 38 x 29.2 / 30.5 cm
Brutto-Volumen des Korpus: (o. Stoffrahmen) 27 Liter
Gewicht: 9.5 kg
Test: Carsten Rampacher
08. November 2005
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