Test: Harman Kardon Soundsticks II
31.08.2005 (cr)

Ihr Arbeitsplatz im Home Office oder im Großraumbüro ist Ihnen zu
langweilig. Der nüchtern aussehende Rechner, die nicht vorhandene
Sound-Performance und die angestaubte Schreibtischlampe rauben Ihnen den letzten
Nerv und machen Sie unkreativ - was also tun? Kein Grund zur Verdrossenheit,
denn Harman Kardon führt eine wirksame Frischzellenkur für Ihren Büroalltag
im Programm: Diese Therapie gegen Übellaunigkeit nennt sich "Soundsticks
II" und ist rezeptfrei bei vielen Händlern erhältlich. Nach dem ersten,
finanziellen Eindruck halten sich die Risiken und Nebenwirkungen in Grenzen, 199
€ sind zwar kein Pappenstil, wer das im schmucken weißen Karton feilgebotene
aber genauer untersucht, wird den Eindruck bekommen, dass man ihm für die
beiden Hunderterscheine auch ordentlich Gegenwert eingeschenkt hat.
Die Verarbeitung des Plexiglas-Ensembles ist ausgezeichnet, hier bekommt man
wirklich ein durchdesigntes Stück Technik, das praktisch jedem auffällt - ob
es auch gefällt, ist Geschmackssache, den Geschmack des Schreibers trifft
Harman Kardon mit diesem Angebot, aber noch lange nicht jeder muss darum von der
ausgefallen Optik angetan sein. Zurück zu den praktischen Vorteilen, zu denen
auf jeden Fall der simple Aufbau gehört. Die beiden Satelliten werden hinten am
aktiven Subwoofer angeschlossen, jeder Satellit hat seinen individuell geformten
Stecker. Hinten am Subwoofer ist auch der Anschluss des Netzsteckers und ein
Regler zur Erhöhnung des Basspegels (grauer Drehknopf oben auf dem Bild). Ein
handelsübliches, natürlich mitgeliefertes analoges 3,5 mm Klinkenkabel
verbindet Soundsticks-Subwoofer und Soundkarte des PCs.
Jeder Satellit hat einen individuellen Stecker
An dieses Verbindungskabel, das aus dem Subwoofer herausragt,
werden die Stecker angeschlossen
An einem der beiden Satelliten wird die Lautstärke
eingestellt - übrigens merken sich die Soundsticks II die zuletzt
gehörte Lautstärke bei erneuter Inbetriebnahme. Das einzige, was wir
vermissen, ist eine Fernbedienung, die man für diesen Kaufpreis eigentlich
erwarten dürfte.
Kompaktes Netzteil
Als praktisch erweist sich der Kippmechanismus der
Satellitenständer, damit können die Satelliten in vielen verschiedenen Winkeln
aufgestellt werden. Erfreulicherweise ist das mitgelieferte Netzteil recht
kompakt und nicht so übertrieben groß und schwer wie beim JBL Creature.
Kippbarer Fuß
Die eleganten Sensortasten in schickem Silber sind die Regler
für die Erhöhung (rechts) und das Herabsetzen (links) der Lautstärke
Die Leistungen des Soundstick-Ensembles lesen sich auf dem
Papier nicht besonders spektakulär. Der aktive Subwoofer liefert 20 Watt RMS,
die Satelliten kommen mit jeweils 10 Watt RMS dazu. Der Frequenzbereich reicht
laut Hersteller von 44 bis 20.000 Hz. Die Lautsprecher-Chassis in den Satelliten
sind vier Breitband-Chassis mit je 2,54 cm Durchmesser. Im Subwoofer steckt ein
15 cm Tieftöner.
Klang
Im Wohnzimmer steht die sündhaft teure AV-Anlage, aber neben
dem PC die beiden Billig-Böxchen für die Klangwiedergabe - irgendwie passt das
nicht zusammen. Doch die Soundsticks II sind die Lösung: Wir waren im höchsten
Maße überrascht, was diese Designerstücke auch akustisch leisten. Dabei ist
es das stimmige Gesamtergebnis, das uns so überzeugt hat. Dass so mancher
kompakte aktive Subwoofer mittlerweile in der Lage ist, einen kräftigen Bass zu
produzieren, das war uns bereits hinlänglich bekannt. In dieser Beziehung war
das halb so teure JBL Creature schon recht
gut gelungen. Der Harman Multimedia-Woofer legt aber in jeder Dimension kräftig
nach: So verdaut der "gläserne" Bassreproduzent noch deutlich höhere
Pegel - und selbst dann spielt er noch recht präzise. Das Zusammenspiel mit den
extravaganten Soundsticks klappt ebenfalls überraschend gut, so dass insgesamt
Begriffe wie Fülle und Fundament nicht nur unvollkommen greifen.
Tief in den Subwoofer geschaut: Dort entspringt der beachtlich
kräftige Bass
Auch andere Multimedia-Systeme bieten ein gewisses Fundament,
aber das Problem tut sich nach dem Wiedergabebereich des aktiven Subwoofers in
Form eines großen Klanglochs auf. Es fehlt einfach ein gutes Stück
Frequenzspektrum - die meist sehr kleinen oder sehr dürftig konstruierten
Satelliten setzen dann erst sehr viel später mit der Wiedergabe ein, um dann
entschlossen schon bald wieder aufzuhören. Was oft bleibt, ist ein Bass, der
zwischen 60 und 120 Hz in Erscheinung tritt, dann nach dem Überwinden eines
ausladenden akustischen Lochs noch ein Stückchen etwas Mittel/Hochtonbereich -
das war es auch schon. Weder der richtige Hochtonbereich noch der untere
Mitteltonbereich finden in diesem Programm wirklich hörbare Berücksichtigung.
Wie wohltuend ist es dann, die Soundsticks anzuschließen - plötzlich kann man
das Wort "Klangspektrum" in den Mund nehmen, ohne innerlich rot zu
werden, denn die schmalen, recht hohen "Klangstäbe" liefern mit ihrer
klar verständlichen Stimmwiedergabe und der guten räumlichen Verteilung eine
sehr deutlich souveränere Leistung ab als alle anderen Systeme, die wir bislang
gehört haben, zusammen mit dem aktiven Subwoofer legen sie sich gerade auch bei
energiegeladenen Trance- und HipHop-Stücken richtig ins Zeug. Die gebotene
Leistungsfähigkeit ist für ein solches System wirklich prima, die auf dem
Papier eher dürftigen Leistungsdaten von aktivem Subwoofer und Satelliten
reichen sehr gut aus, um einen tadellosen Eindruck zu hinterlassen.
Insgesamt ist das JBL Creature,
mit 99 € ungleich günstiger, für kostenbewusste Anwender, die einen bei
Zimmerlautstärke kräftigen Bass wünschen, immer noch eine sehr gute Wahl.
Für den äußerst fairen Kaufpreis wird akustisch ein Optimum erreicht, und im
Vergleich zu irgendwelchen 20 €-Lautsprechern sind die Leistungen um Klassen
besser. Wer es jedoch auch am PC ernst nimmt mit wirklich gutem Klang, wird um
die Investition von 199 € für die Soundsticks II kaum herumkommen. Sie
klingen so gut, dass selbst das zum damaligen Testzeitpunkt viel teurere
Logitech 5.1-System Z-680 ins Hintertreffen gerät. Bei dieser Offerte
handelt es sich zwar um ein Multichannel 5.1-System, dies tröstet jedoch wenig,
wenn man die zu dumpfe und blecherne Gesamtwiedergabecharakteristik mit
hinzuzieht. Zum damaligen Testzeitpunkt insgesamt recht überzeugend, führen
die Soundsticks dieses System nun gnadenlos vor. Der aktive Subwoofer entwickelt
nicht einfach nur Schub - dies kann auch der Logitech Woofer in beachtlicher Art
und Weise - sondern er schafft es erstaunlich stilsicher, auch eine ansprechende
Struktur zu formen und den Begriff "Präzision" nicht in die ewige
Warteschleife zu verbannen.
Der aktive Subwoofer arbeitet nach dem Downfire-Prinzip
Typisch für einen Downfire-Subwoofer möchte der
Harman-Subwoofer jedoch nicht unbedingt auf einer resonanzreichen Fläche
Aufstellung beziehen. Wer ihn also irgendwo auf den Schreibtisch stellt, in
unmittelbarer Nachbarschaft zu Tesafilm, Büroklammern, Montblanc-Füller,
Taschenrechner, Blumenväschen und Portraitrahmen mit dem/der Liebsten, darf
sich über akustische Dissonanzen nicht beklagen. Nein, dieser schlagkräftige
Bassist gehört klar auf den Boden, am besten auf einen Teppichboden. Dann
entfaltet er einen Bass mit überraschendem Reinheitsgehalt, und das bleibt
selbst bei etwas forscherer Lautstärke so. Natürlich, Pegeltreibereien kann
man mit solchen System grundsätzlich nur in eher geringem Ausmaß betreiben,
wen jedoch die Lust packt, sich nach der anstrengenden Power Point-Präsentation,
die man seit den frühen Morgenstunden am PC vorbereitet hat, mit etwas
fetzigerer Lautstärke einen Trance-Stream von Armin van Buuren zu genehmigen,
der kann durchaus so laut aufdrehen, dass auch die Kollegen im Büro nebenan
darüber Bescheid wissen, dass man sich endlich ein akkurates Soundsystem zum PC
gegönnt hat.
Die Soundsticks überzeugen durch ihre gute Hochtonwiedergabe
ohne blechernen Beigeschmack
Hören kann man mit den Soundsticks eigentlich fast alles.
Dieser Satz mag sich spontan merkwürdig anhören, doch versuchen Sie einmal,
Symphonien von Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Walzer von Johann Strauß mit
einem normalen Lautsprechersystem aus dem PC-Großhandel zu hören. Sie werden
es einmal tun - und dann nie wieder. Anders verhält es sich mit den Soundsticks
II, die auch bei klassischer Musik ihre Qualitäten ausspielen können.
Natürlich, man kann die akustische Leistung nicht an einem ausgewachsenen Paar
guter Regalboxen oder an einem guten 2.1 Sub/Sat-Set fürs Stereohören messen,
aber in Anbetracht von Bestimmungszweck und Kaufpreis sind die Leistungen
vorzüglich. Es gibt so manches "Schnäppchen der Woche" in Form eines
preiswerten Sub-/Sat-Sets für den AV-Anlagen-Gebrauch im Elektroniksupermarkt,
das weniger lebendig und frisch klingt als die Soundsticks, deren Klang einfach
Laune macht, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Hochtonbereich wirklich
prima klingt und nicht nur auf dem Datenblatt vorhanden ist.
Fazit
Wir sind zutiefst beeindruckt, denn was das Harman Kardon
Multimedia-Lautsprechersystem leistet, setzt die Tradition von Harman
International auf dem Marktsektor der PC-Multimedia-Lautsprechersysteme mit
nahezu maximaler Konsequenz fort. Die Soundsticks II konnten im gesamten
Testbetrieb - bezieht man ihre Gerätegattung mit in die Bewertung ein -
praktisch ausnahmslos durch positive Eigenschaften auffallen. Mag das sehr
ausgefallene Design noch Geschmackssache sein, so ist die Verarbeitungsqualität
unter objektiven Gesichtspunkten exzellent. Der verwendete Kunststoff ist sehr
robust, die Lautsprecher-Wipptasten am einen Satelliten wirken edel. Der Klang
des 2.1 Systems übertrifft nahezu alle Erwartungen: Der Bass kommt satt zur
Geltung, aber es ist kein "Billig-Stampfbass", sondern ein erstaunlich
klarer, kultivierter und zugleich nachdrücklicher tieffrequenter Eindruck, der
den Hörer erwartet. Die gut gestaffelte, lebendige Hochtonwiedergabe überzeugt
ebenso wie die Pegelfestigkeit, wobei man natürlich bei allen Betrachtungen den
Bestimmungszweck der Soundsticks II nicht aus dem Auge verlieren darf. Wobei
man eines hinzufügen muss: So manches 5.1 System aus dem Supermarkt in
preislich ähnlicher Region findet im Soundsticks-Set klar seinen Meister, denn
das Harman-Angebot ist zwar "nur" ein 2.1 Paket, dafür aber bietet
das extravagante Set ein richtiges Klangspektrum mit klarer Verständlichkeit
und geringer Neigung zum Verzerren und keinen nervtötenden Klangbrei, der zudem
durch Verzerrungen und Überhöhnungen unangenehm auffällt. Insgesamt können
wir dieser Offerte für akustisch und ästhetisch anspruchsvolle PC-Anwender,
die Wert auf einen gepflegten Sound legen, nur empfehlen - selbst der auf den
ersten Blick recht hohe Preis relativiert sich rasch, wenn man das
Performance-Profil mit einbezieht.
Das Soundsticks II-2.1-System stellt eine hervorragende
Synthese aus extravagantem Design und beeindruckendem Sound dar - zum sehr
fairen Preis

Multimedia-Systeme
Test 31. August 2005
Preis-/Leistungsverhältnis     
Pro:
-
Erstaunlich natürliche Hochton-Aufbereitung
-
Sehr kräftiger Antritt des aktiven Subwoofers
-
Prima Pegelfestigkeit
-
Sehr extravagantes Design
-
Ausgezeichnete Verarbeitung
-
Für die Leistungen günstiger Kaufpreis
Contra:
Test: Carsten
Rampacher
31. August 2005
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