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 HARDWARE-TESTS

Test: Harman Kardon AVR-635 (2/2)
Bedienung

Schnell am Ziel: Die praxisgerecht dimensionierte Navigationseinheit hilft bei der raschen Justage. Praktisch: Elementare Setup-Punkte wie die Lautsprechergröße, die Bestimmung der Entfernung jeder Box vom Hörplatz (Delay Time/Time Alignment) sowie die Zuweisung der digitalen Anschlüsse sind als direkte Zugriffstasten rund um die Navigationseinheit angeordnet

Klarer Aufbau: Die Tasten sind tadellos zu bedienen und haptisch angenehm

Meister in der Dunkelheit: Durch die komplett beleuchtete Fernbedienung ist der AVR-635 auch im abgedunkelten Heimkinoraum vortrefflich zu bedienen

Die Fernbedienung des AVR-635 gehört nach wie vor zu den besten IR-Controllern auf dem Markt, und das nicht nur aufgrund der ausgezeichneten Verarbeitung, die bereits in der entsprechenden Wertung Berücksichtigung fand: Auch die Bedienbarkeit gefällt. So ist sehr lobenswert, dass die Fernbedienung komplett beleuchtbar ist, inklusive des kleinen LC-Displays, das z.B. über die aktuell gewählte Funktionsebene informiert. Die große Navigationseinheit ist komfortabel zu bedienen, wichtige Tasten zur Einstellung elementarer Parameter finden sich praktischerweise gleich in unmittelbarer Umgebung der Navigationseinheit.  

Die Bedienelemente am Gerät selber verbergen sich teilweise unter einer Klappe im unteren Bereich der Frontblende. Es sind allerdings nicht zu viele verschiedene Funktionstasten, so dass man auch diese bilanzierend einfach bedienen kann. Der blau leuchtende Lautstärkedrehregler zieht sehr schön aus, ist haptisch aber zu verbessern, da er sich nicht so präzise bedienen lässt wie manches Teil der Konkurrenz. 

Das On Screen Display ist vernünftig aufgebaut und leicht zu durchschauen, allerdings, wie auch bei vielen Konkurrenten, nur ein englischer Sprache verfügbar. Grafisch sollten die meisten Hersteller mal bei Yamaha in die Lehre gehen, denn dort kann man lernen, wie ein auch optisch attraktives OSD auszusehen hat.  Nichts mehr zu lernen haben die Harman-Entwickler in Bezug auf Qualität und Ablesbarkeit des Gerätedisplays. Das zweizeilige Punktmatrixdisplay ist auf Wunsch dimmbar und ist leicht auch aus etwas größerer Entfernung abzulesen. 

Standby- (links) und Netzschalter

Wer den AVR-635 vollständig vom Netz trennen möchte, um Strom zu sparen, wird sich freuen, dass HK sowohl einen Standby- als auch einen richtigen Netzschalter spendiert hat.

Im Gegensatz zum Harman Kardon AVR-435 funktionierte EZSet Plus bei mehreren Einmessversuchen ohne jedes Problem. Keine einzige Fehlermeldung sorgte für Aufregung, während unter praktisch identischen Bedingungen beim 435 gleich mehrmals irgendwelche angeblichen Unpässlichkeiten festgestellt wurden, was den Einmessvorgang unnötig in die Länge zog. Hier können wir nun eine vorbildliche Betriebssicherheit attestieren. Nur, dass man sich extra mit Mikrophon plus damit verbundener Mimik zu den drei Frontlautsprechern bewegen und alles den Anweisungen des OSD entsprechend ausrichten muss, zieht den eigentlich kurzen Einpegelvorgang dann doch etwas in die Länge. Das System arbeitet jedoch nicht nur ohne störende Fehlermeldungen, sondern auch mit recht präzisen Ergebnissen, und, das gefiel, mit stimmigem Equalizing. So können wir EZSet Plus/EQ diesmal auch aus bedienungstechnischer Sicht eine tadellose Zensur ins Testzeugnis schreiben. 

Bedienung Vor- und Nachteile in der Übersicht:

Pro:

  • Komplett beleuchtete Fernbedienung mit komfortablem Handling

  • Prima ablesbares Gerätedisplay

  • EZSet mit hoher Betriebssicherheit

Contra:

  • Lautstärkedrehregler haptisch nicht perfekt

Bewertung
Testequipment:
Klang

Pegelfestigkeit

Der AVR-635 hat ein hartes Erbe anzutreten: Bereits der Vorgänger AVR-630 entpuppte sich als außerordentlich pegelfester AV-Receiver. Erschwerend kommt hinzu, dass auch der AVR-435 von unten "drängelt", auch er konnte Glanzpunkte in dieser Teilwertung setzen. Ebenfalls noch anzumerken ist, dass bereits in der 600 bis 800 €-Klasse ein so hohes Maß an Pegelfestigkeit geboten wird (Beispiele: Kenwood KRF-X9090D, Denon AVR-2106), dass man sich selbst als Anwender mit gewissem Anspruch fragt, ob man wirklich noch mehr braucht. Hörräume, die über 30 Quadratmeter messen, können noch mit kräftiger Lautstärke intensiv beschallt werden. Modelle wie der AVR-435 haben auch mit Räumen um die 40 Quadratmeter keine Schiwerigkeiten und sind selbst noch im großen Hörraum um die 50 Quadratmeter einzusetzen. Der 435 ist hier allerdings auch ein Sonderfall, er ist weit überdurchschnittlich pegelfest. Und diejenigen, die sehr große Lokalitäten jenseits der 50 Quadratmeter haben, in denen sie ihren Surroundverstärker oder AV-Receiver nutzen möchten, können auch zu einem "echten" Boliden greifen, der massiv Druck macht, auch wenn der Hörraum schon beachtliche Dimensionen erreicht. 

Genau hier allerdings setzt mit unerwarteter Vehemenz der AVR-635 Akzente. Er legt mit Nachdruck los und schiebt selbst in extremen Pegelbereichen noch kräftig spürbar an. Nun, das klingt noch wenig spektakulär, werden manche Leser denken. Schließlich ist hier immer wieder nachzulesen, wie gut dies selbst schon Modelle können, die die Hälfte des 635 kosten. Aber es ist auch schwer mit Worten zu umschreiben, welches Feuerwerk der Harman Kardon abbrennt. Er liegt ohne Frage auf einem Niveau, das auch in der Bolidenklasse üblich ist und macht mit einer derart souveränen Spitzenleistung vergessen, dass er gewisse Ausstattungsschwächen hat. Dafür hat Harman offenbar richtig bei der Endstufenqualität investiert. Den Lüfter, der für Kühlungsnachschub bei hoher Belastung sorgt, hört man bei allem lautstarken Treiben nur sehr selten und dann nur kurz eingreifen. Durch den großartigen Nachdruck, den der 635 auch bei sehr großer Lautstärke im Bassbereich aufbaut, kann man das Gerät getrost nur mit großen Standboxen und ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer betreiben. Die Leistungsreserven sind auf jeden Fall vorhanden, und zwar in so üppigem Umfang, dass z.B. unsere nuWave 125 bestens bedient wurden und ihre großen Reserven bei Basswiedergabe und Belastbarkeit ausgezeichnet unter Beweis stellen konnte. 

Der HK ist nicht nur extrem pegelfest, sondern auch die Art, wie er mit hohem Pegel umgeht, gefällt: Stets wirkt er dynamisch, mit Feuereifer bei der Sache, dabei trotzdem kontrolliert und nie hektisch. Ihm geht jede synthetische, gelangweilte Wiedergabe ab, er füllt den Hörraum mit Leben und weckt richtiges Home Theatre-Feeling. Somit legt der AVR-635 hier den Grundstein zu seinem späteren superben Testergebnis - denn die ELEMENTARTUGENDEN eines AV-Receivers, und das sind die klanglichen Eigenschaften, die akustische Performance, sind nach wie vor am wichtigsten an einem Gesamtkonzept. Und das ist auch durch das Vorhanden- oder Nichtvorhandenseins von digitalen Hochgeschwindigkeitsschnittstellen nicht abänderbar. 

Mehrkanalton Film/Musik 

Mit seinem intensiven Sound schafft der AVR-635 richtiges Home Theatre-Feeling

Der AVR-635 liefert bei "Sky Captain and the World of Tomarrow" eine Glanzleistung ab, denn er vereint alle Faktoren, die aus einer schlichten Surroundwiedergabe ein fesselndes Home Theatre-Klangerlebnis machen: Er reduziert die Distanz zwischen Auditorium und den Akteuren im Film auf ein Minimum, was wiederum dafür sorgt, dass der AVR-635 akustisch an die Tür zur Bolidenliga klopft. Er zeigt auch eines deutlich auf: Die 600 €-AV-Receiver sind für ihr Geld brillant, manch ein Gerät macht sich selbst in der 1.000 € Liga gut - aber gegen den 635 haben alle Modelle dieser Preisklassen keine Chance. Wir reden hier nicht von Nuancen, sondern von einem akustischen Orkan, der die günstigeren AV-Receiver wegfegt - keiner sieht Land gegen den überragenden 635, der auch anderen Kontrahenten der 1.200 bis 1.500 € Liga zeigt, wo es langgeht. Er ist einfach kräftiger, dynamischer, spielt räumlicher und authentischer. Nicht, dass andere Konkurrenten diese Tugenden nicht auch schon in überzeugender Art und Weise bieten könnten, aber das Maß an Intensität ist beim Harman Kardon deutlich größer. Er schafft es, selbst bei großen Explosionen noch Kleinigkeiten, die sonst untergehen, exzellent mit einzubinden. Wie imposant z.B. der Einmarsch der Riesenroboter in New York vonstatten geht, ist für diese Preisklasse beispielhaft. Der pure Gigantismus, die pure Angst werden so dem Publikum glaubhaft und intensiv vermittelt. Die exzellente Stimmwiedergabe, auch bei großer Lautstärke sauber und klar, untermauert den Firstclass-Eindruck. Besonders schön aber: Wie auch bereits der AVR-435 schafft es der AVR-635 schon bei Zimmerlautstärke, ein hohes Maß an akustischem Charisma zu entwickeln.

Dies zeigt sich auch beim "Vermächtnis der Tempelritter", ein Film, der viele klangliche Reize bietet, die der Harman-AV-Receiver herausragend umsetzt. Die Spannung, die Dynamik und die vielen Verstrickungen bis zum Ende lässt der HK als Dauer-Feuerwerk der Extraklasse durch den Hörraum toben. Dabei bleibt er immer Herr der Lage, nie baut er zu nervös auf oder vergisst die Einarbeitung kleiner Einzelheiten, die ein ganzheitliches akustisches Erlebnis erst möglich machen. Ganz gleich, welche Art von Effekten wiederzugeben sind, mit seinen antrittstarken Endstufen ist der 635 immer sofort zur Stelle und befördert alle Effektarten mit hochpräzisem Nachdruck durch den Hörraum. Auch hier fällt wieder auf, wie komplett das Klangerlebnis auch ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer bereits ist. 

Bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe strotzt der AVR-635 nur so vor Selbstbewusstsein. Bei unserer Test-DVD "Jarre in China" (verwendete Tonspur: DTS 5.1) schlägt der AV-Receiver selbst teurere Konkurrenten locker und sucht die Nähe zur Bolidenliga. Es ist einfach der souveräne, kontrollierte Auftritt, der echtes Oberklasse-Flair im Hörraum verbreitet. Jean-Michel Jarres vielschichtige, effektvolle Klangwelten trägt der Harman quasi auf dem Silbertablett zum Hörer - auf diesem Tablett findet der Hörer die Eintrittskarte für das Erleben auch kleiner Facetten, bei einem gleichzeitig unheimlich weitläufigen Klangbild und einem kraftvollen, antrittsstarken Bassbereich. So fesselt der 635 den Zuhörer, nach jedem Titel wünscht man sich, dass noch viele Tracks folgen - das spricht für das große Faszinationspotential des AVR-635. Jeder Tastenanschlag, jede Nuance wird in vollem Umfang übertragen. Bei den nach der Meinung des Autors besonders beeindruckenden Stücken Nr. "Equinoxe 4" und "Journey to Beijing" lässt der AV-Receiver gekonnt Emotionen beim Auditorium aufkommen - so tiefgründig und zugleich klar und präzise führt er in Jarres Klangwelten ein.

Doch auch Klassik liegt dem AVR-635, wie sich bei Ludwig van Beethovens "Pastorale" (Dolby Digital 5.1) gut nachvollziehen ließ. Die Spritzigkeit, die Lebendigkeit, die Dynamik und den Nachdruck beim Einsetzen des gesamten Orchesters verdichten sich zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis. Hervorzuheben ist, dass der HK das individuelle Charisma jedes einzelnen Instruments sehr schön herausarbeitet. Er lässt stets ein Maß an Sorgfalt walten, das auch in der 1.300 €-Liga absolut nicht selbstverständlich ist.  Besonders auch die Streicher werden feinfühlig dargestellt, niemals klingt der 635 zu hart oder zu aggressiv und vordergründig. Er trifft mit traumwandlerischer Sicherheit die richtige Balance, was für ein "Wohlfühlerlebnis" auf hohem Niveau beim Zuhörer sorgt. Lieblich und doch mit gekonntem Schwung ertönt die Violine, perfekt arrangiert der HK den Aufbau des Orchesters, das sich nach und nach zur Solo-Violine gesellt.  Insgesamt zeigt auch die harmonische, kräftige Mehrkanal-Musikwiedergabe, dass der AVR-635 akustisch als "kleiner Bolide" verstanden werden möchte, denn es sind praktisch keine Defizite feststellbar. Seine komplette, reife Wiedergabe, die für viel Authentizität sorgt, ist in der 1.300 €-Liga momentan unerreicht, und wir sind sehr gespannt, ob irgendein neu erscheinender Konkurrent eine akustische Chance gegen den 635 hat. 

Surround-Aufpolierer

Jede Menge Surround-Aufpolierer besitzt der AVR-635 - heraus ragt das erstklassige Logic 7

Es ist absolute Extraklasse, was der AVR-635 in dieser Disziplin auf die Beine stellt  - und diese Feststellung fuß auf verschiedenen Gründen. Zum einen ist lobend zu erwähnen, dass sich keiner der drei integrierten Surround-Aufpolierer als akustischer Flop erweist. Bereits Pro Logic IIx und Neo:6 gefallen mit tadellosen klanglichen Tugenden, wobei Neo:6 etwas frischer wirkt, PLIIx dafür hörbar mehr Räumlichkeit im Surroundbereich bietet. Diese Eindrücke sind sowohl beim Aufpolieren von Filmmaterial (Stereo oder Pro Logic) herauszuhören als auch bei der Optimierung von Zweikanal-Musikquellen zur Wiedergabe über ein Mehrkanal-Lautsprechersystem.

Doch das mit Abstand beste System ist Harmans Eigenentwicklung Logic 7, dessen Einbindung in den AVR-65 besonders gut gelungen ist. Ganz gleich, ob Musik- oder Filmmodus, immer entsteht ein Eindruck dichter, aber gleichzeitig natürlicher, klarer Räumlichkeit, und zwar bei Front- und Surroundklangkulisse. Höchst beeindruckend gelang Logic 7 beispielsweise die Aufbereitung des älteren 007-Abenteuers "Der Hauch des Todes". Eigentlich ist diese DVD, die in Deutsch nur über eine Dolby Surround-Tonspur verfügt, recht fade und emotionsarm abgemischt. Eklatante Schwächen fehlen zwar, aber Glanzpunkte werden auch nicht gesetzt. Setzen wir nun Logic 7 ein, wird eine Atmosphäre geschafft, die plötzlich sehr viel näher an modernen, qualitativ guten Abmischungen in DD 5.1 liegt: Die Surroundkulisse wirkt nicht mehr so schmal und wenig differenziert, sondern wird effektiv geweitet und bekommt trotzdem klar definierte Konturen. Actionszenen wie gleich zu Beginn des Films donnern mit hörbar mehr Zunder durch den Hörraum. Dafür wirkten die Effekte, als würden sie sich mit angezogener Handbremse durch den Hörraum bewegen. Gut, PLIIx, im Movie-Mode Neo:6 Cinema vorzuziehen, operiert einen Teil der einschläfernden Wirkung auch schon gekonnt weg. Diese Effizienz, die Logic 7 an den Tag legt, wird jedoch nicht erreicht: Mehr Durchschlagskraft, mehr Glanz, mehr räumliche Weite - das sind die großen Pluspunkte. Besonders gut gelingt Logic 7 auch die Aufbereitung der Stimmen. Vormals nicht immer gut verständlich, gibt es jetzt keine Schwierigkeiten beim Zuhören mehr, außerdem bringen die Männerstimmen nun endlich das passende Volumen mit und wirken nicht mehr zu unfundiert und kraftlos. 

Bei musikalischem Material beweist Logic 7 ebenfalls ein glückliches Händchen und erreicht bei praktisch jeder Art von Musik hervorragende Ergebnisse. Ob Techno oder Klassik, immer nimmt sich der Surroundaufpolierer mit Sorgfalt dem Ausgangsmaterial an. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass, was gerade bei Klassik oder Jazz sehr wichtig ist, kein Eindruck eines unnatürlich aufgebauschten Klangbildes entsteht. Wenn die Sologeige beim klassischen Konzert plötzlich von allen Seiten ertönt, kann etwas nicht passen, wie es zu klingen hat, zeigt Logic 7, welches gekonnt die Konzentration des Klangs auf die Front-Klangkulisse schafft, und nur ein paar stimmige akustische Reflexionseffekte in die Surroundkanäle einbaut. Dies erzeugt dann tatsächlich das Ambiente eines Konzertsaales, und zwar nicht durch die Beimengung von Hall und eine stümperhafte räumliche Aufweitung, sondern durch einen natürlich-plastischen Raumeindruck. Die Präzision des einzelnen Instruments bleibt zu einem beachtlich großen Teil erhalten, so dass diejenige Hörerschaft, die den immensen Präzisionsverlust als großen Nachteil der Surround-Aufpolierer ansieht, nun umdenken kann: Mit Logic 7 macht das Hören auch klassischer Stücke viel Spaß. 

Interessant an allen diesen akustischen Eindrücken ist, dass der 635 im Logic 7-Betrieb einen nochmals anderen Eindruck hinterlässt als der AVR-435, dessen Logic 7 zurückhaltender agierte. Dieser Bassdruck und diese Vehemenz, die gerade bei Logic 7 Cinema herauszuhören ist, sorgt für mehr Emotionen, mehr Feuer und mehr Kontur im gesamten Klangbild. So gut, wie Logic 7 hier in Form ist, haben wir es bislang selten gehört. 

Klang Stereo

In dieser Disziplin stellten wir hohe Erwartungen an den AVR-635, denn früher waren HK-Surroundreceiver zusammen mit der Konkurrenz von Onkyo immer gemeinsam in Front, wenn es um eine gelungene Stereowiedergabe eines eigentlich primär für den Surroundbetrieb konzipierten AV-Receivers ging. Doch der Rest des Konkurrenzfeldes hat erfolgreich zur Aufholjagd geblasen, so dass die Luft dünn geworden ist. Wie sieht es nun beim 635 aus? Kann er wiederum vollauf überzeugen bei der Zweikanal-Wiedergabe? Ja, er kann. Denn besonders sein fundierter, kräftiger Klang, dem jede Tendenz zum Verwischen oder zum überspitzten Sound fehlt gänzlich. Bei der HDCD "The Essential James Bond" konnte er mit einem feinfühligen Bühnenaufbau begeistern. Unser Tipp ist daher, wenn es irgendwie räumlich möglich ist, den AVR-635 am besten mit großen Standboxen (wie der Nubert nuWave 125) zu betreiben, da solche großvolumigen Lautsprecher die ausgezeichnete Homogenität, die der HK bietet, besonders gut darstellen können. Die Übergänge vom oberen Bass- in den  unteren Mitteltonbereich verlaufen fließend, unmerklich, was für ein rundes, den Hörer einschließendes Klangbild sorgt. Der frische, nie drückende Hochtonbereich, der auch diffizile Instrumente wie Violine oder Cembalo sehr schön auflöst, zeigt die Reife des 635 und die Erfahrung von HK im HiFi-Business. 

Konkurrenzvergleich

Besonders interessant fällt zum Schluss unser großer Konkurrenzvergleich aus, wenngleich es natürlich nochmals viel interessanter und brisanter wird, wenn die neuen Modelle von Denon (AVR-3806), Yamaha (RX-V2600) und Pioneer (VSX-AX2AV-S) noch mit hinzugezogen werden können. Aber schon jetzt können wir jede Menge Quervergleiche anstellen, beispielsweise zum Vorgänger Harman Kardon AVR-630, der mehr in Extremen schwelgte. Er konnte sehr subtile Nuancen wiedergeben, aber auf der anderen Seite schon beinahe brutal zupacken. Es fiel ihm etwas schwer, eine akkurate akustische Balance zu halten - was dem deutlich kultivierteren AVR-635 hervorragend gelingt. Der 635 entwickelt fast noch mehr Kraft, setzt diese aber ungeheuer kontrolliert und präzise ausbalanciert ein. Keine Spur von zu grobem Zuschlagen, stets trifft der 635 genau das richtige Maß an Dosierung. Das verschafft ihm auch im Vergleich zu anderen Kontrahenten eine ausgezeichnete Ausgangsposition. So macht der 635 deutlich, dass der Denon AVR-3805, der noch eine Weile parallel zum Nachfolger AVR-3806 erhältlich ist, inzwischen akustisch überflügelt ist: Der AVR-635 schafft einfach mehr Atmosphäre, er wirkt spontaner, unmittelbarer als der damals erstklassige Denon, der nach wie vor nicht schlecht ist, dessen Zeit an der Spitze aber abgelaufen ist. Der HK agiert noch souveräner bei hohen Pegeln, dieser Eindruck des "Locker-aus-dem-Ärmel-Schüttelns" gelingt ihm vortrefflich. Schauen wir nach oben: Der klangstarke 635 verhält sich praktisch wie ein kleiner AVR-7300, der ebenfalls für sein Geld superbe Leistungen bietet. Die Auslegung des 635, mit seinem emotional dichten, vielschichtigen Klangbild und den enormen Kraftreserven ist der des 7300ers sehr ähnlich. Der AVR-635 weist selbst den Onkyo TX-NR801E, Sieger in unserem ersten AV-Receiver-Mastertest, akustisch in die Schranken. Der 635 packt noch kräftiger zu, ohne jedoch unkultivierter zu wirken. Er beherrscht das Spiel mit kleinen, akustischen Facetten ebenso virtuos wie der 801, aber er füllt problemlos auch große Lokalitäten noch gelassener mit einem geschlossenen räumlichen Eindruck und einer überlegenen Dynamik. Wenn man sich in niedrigeren Klassen umschaut, dann erweist sich ein "Lokalmatador" als harter Gegner: Der Harman Kardon AVR-435 bietet für seinen Kaufpreis von ca. 1000 € auch bereits eine Menge Dynamik und Kraft. Doch der 635 setzt noch eines drauf: Er detailliert noch präziser, und er schafft noch eine Idee mehr Weitläufigkeit. Auch der Hochtonbereich ist noch minimal brillanter, die Pegelfestigkeit noch besser. Höchst beeindruckend: Der mit knapp 600 € sehr viel preiswertere Denon AVR-2106 schlägt sich selbst in diesem starken Umfeld glänzend. Nicht umsonst haben wir ihn direkt in die Obere Mittelklasse" eingestuft, und dort erhielt er aufgrund seines ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis das "Referenz"-Prädikat. Mit seinem klaren, auch bei hohen Pegeln sauberen und mitreißenden Klangbild untermalt er erneut, dass er ein besonders guter Wurf ist. Letztendlich muss er gerade in Bezug auf die räumliche Darstellung und Pegelfestigkeit aber im Vergleich zum mehr als doppelt so teuren AVR-635, vor allem im großen Hörraum, verständlicherweise die Segel streichen. Immer noch eine verlockende Alternative ist der Onkyo TX-SR702E, der zwar nun vom TX-SR703E ersetzt wurde, als Auslaufmodell aber noch zu einem sehr günstigen Preis (um 600 bis 700 €) erhältlich ist. Mit seinem harmonischen und zugleich kräftigen Spiel sowie der brillanten Hochtonwiedergabe gehört er noch immer zur Spitzenklasse. Dieses Maß an klanglichem Bolidenflair, das der 635 entwickelt, bringt der Onkyo jedoch nicht mit. Im Vergleich zu anderen Offerten der 600 €-Klasse verdient sich der 702 aber eine besondere Empfehlung. 

Bewertung Pegelfestigkeit
Bewertung Klang Film
Bewertung Klang Mehrkanal-Musik
Bewertung Klang Surround-Aufpolierer
Bewertung Klang Stereo
Fazit

Geschafft: Mit einem akustischen Orkan fegt der AVR-635 die Konkurrenz weg und weist auch die besten Modelle günstigerer Preisklassen klar in die Schranken

Unsere Ausgangsfrage war, ob der AVR-635 immer noch konkurrenzfähig ist - und die Antwort ist nicht nur ein uneingeschränktes "ja", sondern eine klare Warnung vor der neu ins Geschehen eingreifenden Konkurrenz: Akustisch dürfte der 635 kaum zu packen sein, denn besonders die eindrucksvollen klanglichen Qualitäten sichern dem Harman Kardon Siebenkanal-Receiver ein hervorragendes Testergebnis. In allen Akustik-Disziplinen brilliert unser Testgerät. Die Pegelfestigkeit erreicht praktisch Bolidenniveau, und das bei einem AV-Receiver, der keine 1.300 € kostet. Doch nicht nur extrem laut hören kann man mit dem HK-Receiver, sondern auch extrem kultiviert. Bereits bei Zimmerlautstärke baut der bärenstarke 635 eine beeindruckend räumliche Klangkulisse auf, die den Zuschauer nicht nur mit einbezieht, sondern fesselt. Vielschichtig, im Hochtonbereich filigran, im Bassbereich voluminös, im Präsenztonbereich klar gezeichnet und im höchsten Maße verständlich - der AVR-635 begeistert durch intensiven Sound ohne irgendwelche Schwächen. Alles wirkt in sich schlüssig, stimmig, souverän - auch sehr anspruchsvolle Hörer werden sehr angetan sein von den akustischen Elite-Eigenschaften des Harman Kardon-Mehrkanal-Tonmeisters. Und wenn es kein 5.1 oder 6.1 Ausgangsmaterial ist, kein Problem - zwei Surroundaufpolierer  (DTS Neo:6 und Dolby PLIIx) sind sehr gut integriert, doch mit erstaunlich deutlichem Abstand am besten gefiel uns das Harman-eigene Logic 7,und zwar bei der Filmton- und Musikwiedergabe. Der antrittsstarke, druckvolle Bassbereich, die klaren Höhen, die ausgezeichnete Stimmwiedergabe - all dies sorgt für die Spitzenposition von Logic 7. Das ist das Beste, was in dieser Preisklasse geboten wird. 

Weitere Pluspunkte verbucht das Equalizing beim Einmessen des Lautsprechersystems. Zwar sind die EQ-Einstellungen zwar bedauerlicherweise nicht manuell nachträglich zu optimieren, aber die Automatik erkennt die Lautsprecher sehr treffend, was für ein volles, reichhaltiges und vielschichtiges Klangbild sorgt. Das aufwändige Bassmanagement, das Lautsprechergruppen-selektiv arbeitet, füllt das Punktekonto weiter an. 

Es reicht für den AVR-635 zu unserem  "Referenz"-Testurteil -  trotz der  nicht vorhandenen digitalen Hochgeschwindigkeitsschnittstellen. Kein i.link, kein HDMI, kein DVI - das ist dürftig, selbst wenn man berücksichtigt, dass der 635 schon eine Zeit auf dem Markt ist. Und wenn schon diese Merkmale fehlen, so hätte man als kleinen Ausgleich wenigstens einen internen Scaler wie beim Harman Kardon AVR-7300 spendieren können. Da wir gerade bei den Kritikpunkten sind: Optisch dürfte der AV-Receiver durchaus noch mehr hermachen, hier finden sich zu wenig Unterscheidungsmerkmale zu den günstigeren Modellen der AVR-Baureihe. 

Doch sein klarer akustischer Vorsprung, der durch die "Adelung" zum Oberklasse-Gerät seine Vollendung findet, sorgt für klare Verhältnisse, denn seine Überlegenheit wiegt die Nachteile der nicht vorhandenen Ausstattungsmerkmale mehr als auf. 

Insgesamt ist der AVR-635 genau der richtige AV-Receiver für anspruchsvolle Hörer, denen es weniger um eine sehr moderne Ausstattung, sondern mehr um einen klaren, vollmundigen und im höchsten Maße gefälligen Klang geht. Auch, wenn man einen großen  Hörraum besitzt, aber die immensen Summen für einen "echten" Luxusverstärker oder Luxusverstärker nicht zu investieren bereit ist, findet im vergleichsweise preiswerten AVR-635 eine äußerst verlockende Alternative.

Akustisch demonstriert der AVR-635 auf eindrucksvolle Art seine Überlegenheit - alle Konkurrenten müssen sich warm anziehen

Oberklasse
Test 13.10.2005
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Pegelfestigkeit fast auf Bolidenniveau

  • Exzellente Fähigkeiten zur räumlichen Abbildung

  • Extrem kraftvoller Bassbereich

  • Erstklassige Stimmwiedergabe

  • Einmesssystem mit stimmigem Equalizing

  • Exzellente Klangqualität im Logic 7-Betrieb

  • Ausgezeichneter Stereoklang

  • Umfangreiches und effektiv arbeitendes Bassmanagement

  • Hervorragende Fernbedienung

  • Insgesamt einfaches Handling

  • Fairer Kaufpreis

Contra:
  • Keine HDMI- und keine i.link-Interfaces

  • Kein interner Scaler

  • Kunststofffront

  • Kaum optische Unterscheidungsmerkmale zu den günstigeren AVR-Modellen

Datenblatt:

■ 7-Kanal-A/V-Receiver mit Dolby Digital
(AC-3)-EX, DTS-ES, NEO:6, Dolby Pro Logic IIx, Logic7
7.1 von DD/DTS-Quellen, Vmax und MP3-Dekoder.
LipSync, Multi-Funktions RS 232 Schnittstelle, Videokonvertierung
von FBAS/S-Video auf YUV
■ 8-Kanal Direkteingang mit Bassmanagement
■ HCC-fähige (± 50 A), diskret aufgebaute Endstufen mit
ultraweiter Leistungsbandbreite. 4-fach Bassmanagement.
■ Audiophiler TI DA 610 DSP-Prozessor – 32 Bit
■ 7 x 75 WRMS an 8 Ohm im Surround Modus, bei
Ansteuerung aller Endstufen
■ 2 x 90 WRMS an 8 Ohm im Stereobetrieb
■ 8 digitale Ein- und 3 digitale Ausgänge
■ RDS-Tuner mit 30-Stationen-Speicher
■ Lernfähige System-Fernbedienung mit EzSet-
Lautsprechereinmessung. EzSet/EQ-Autoeinmessung
mit param. EQ und Speakeradjustment.
■ UVP 1.299 €

Test: Carsten Rampacher
13. Oktober 2005

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