Test: Harman Kardon AVR-135 (2/2)
Bedienung

Die Fernbedienung des 135ers verdient sich sehr gute Noten.
Das Setup ist auch ohne OSD einfach und wird größtenteils über die Tasten,
die rund ums Navigationskreuz angebracht sind, gesteuert.

Die Navigationseinheit der Fernbedienung im Detail

Auch ein On Screen Display (OSD) gehört zur Ausstattung des
AVR-135. Hier das Master Menu oder Hauptmenü, von dem aus man in die
Untermenüs kommt
Nicht wenige Neueinsteiger werden durch die Sorge, man würde
den mannigfaltigen Funktionen nicht Herr, vom Kauf eines AV-Receivers
abgeschreckt. Als positives Gegenbeispiel können wir den AVR-135 nur empfehlen.
Er verfügt auch schon über ein OSD, mit dessen Hilfe das elementare Setup
rasch erledigt ist. Zu loben ist das dreifache, lautsprechergruppenselektive
Bassmanagement, das eine präzise Einstellung ermöglicht. Doch auch ohne OSD
kann man mittels des sehr gut ablesbaren zweizeiligen Punktmatrixdisplays und
der übersichtlichen Fernbedienung rasch Änderungen an der Konfiguration z.B.
des Lautsprechersetups vornehmen. Problemlos funktioniert mittels der
Fernbedienung auch das Umschalten zwischen den Surroundaufpolierern. Gut in der
Hand liegt der IR-Controller auch. Nicht begeistern kann die Funktionalität des
Lautstärkedrehreglers. Durch sein flaches Design liegt er nicht optimal zur
Hand. Die Bedienelemente auf der Front des AVR-135 sind voll befriedigend zu
handhaben.
Das zweizeilige Display, in drei Stufen dimmbar, kann restlos
überzeugen
Kurzfazit:
Pro:
Contra:
Bewertung      
Testequipment:
Klang
Erneut stellt Harman Kardon unter Beweis, dass man zu den
Hersteller gehört, bei denen eine makellose Pegelfestigkeit höchste Priorität
genießt. Der AVR-135 gibt sich daher in dieser Disziplin wie ein "Großer" und
lässt vergessen, dass er mit einem Einstandspreis von knapp 500 € eher zu den
günstigeren Modellen auf dem Markt gehört. Besonders gut gefiel uns, dass er
sogar - subjektiv - kraftvoller wirkt als der AVR-235,
der zwar aus objektiver Sicht nicht weniger Kraft mitbringt, er wirkt aber
zugeschnürter und lustloser. Der AVR-135 fühlt sich da eher dem "weiteren
Familienmitglied" AVR-335
zugehörig, der auch mit seiner glänzenden Antrittskraft bestechen konnte.
Immer wieder holt der AVR-135 auch bei energiegeladenen Filmszene im
hochpegeligen Bereich noch Power-Reserven aus seinen Endstufeneinheiten, so
kommt er auch bei der Explosionsszene zu Beginn von Star Wars Episode 2 (auf der
Landeplattform in Coruscant) nicht ins Schwitzen, sondern liefert klare,
kontrollierte Kraft bei der mächtigen Explosion, die nicht nachlässt, wenn man
sich die Szene mehrmals hintereinander anschaut. Imposant an diesen
Feststellungen ist ferner, dass der 135 nicht auf den Support eines aktiven
Subwoofers angewiesen ist. Mit entsprechend großvolumigen Standlautsprechern
kombiniert, läuft der Harman Kardon zu großer Form auf.
Im Filmtonbetrieb überzeugte uns der 135 bei "Star Wars
Episode 2" mit seinem kräftigen, raumfüllenden Bass und seiner sehr gut
akzentuierten Stimmwiedergabe. Ganz gleich, ob Männer- oder Frauenstimme, der
135 schält auch kleine Merkmale tadellos heraus. Der Bassbereich ist bereits -
wie schon weiter oben erwähnt - ohne Support eines zusätzlichen aktiven
Subwoofers sehr gut gelungen. Die Struktur ist mit das Beste, was man in der
Mittelklasse kaufen kann. Verschiedene tieffrequente Effekte stellt der 135 mit
ausgezeichneter Differenzierung dar und schafft es so, dass jede Art von Effekt
noch vielschichtiger erscheint. Auffällig ist auch das dynamische Wesen, das
der Harman Kardon z.B. bei der Luft-Verfolgungsjagd durch das nächtliche
Coruscant sehr gut ausspielen kann. Mit Schwung und Elan legt sich der
AV-Receiver ins Zeug, um ein realistisches Flair in den Hörraum zu befördern. Nie
trägt der AVR-135 zu dick auf, sein kontrolliertes Wesen kommt ihm auch hier
zugute. Allerdings muss man hinzufügen, dass der AVR-135 ein leichtes Sounding
mitbringt: Er pusht im unteren Frequenzbereich und schafft so mehr Nachdruck und
den Eindruck großer Gelassenheit. Nichts wirkt schmal oder fade, sondern
wohltemperiert und üppig - eine sehr angenehme, praxisgerechte und gefällige
Auslegung. Als Nachteil erweist sich die fehlende siebte Endstufe, gerade im
Filmtonbetrieb wächst der realistische Moment der Darstellung, wenn man mit
einem vollen 7.1-Setup operiert. Daher gibt es einen kleinen Punktabzug in
dieser Wertung, da viele, sogar günstigere Konkurrenten bereits über volle
sieben Endstufen verfügen (Beispiele: Denon AVR-1905,
Onkyo TX-SR503E, Kenwood KRF-V7090D).
Musikalisch ist er auch, unser kleiner Harman Kardon - bei
Jean-Michel Jarres herausragend abgemischter DVD-Video "Jarre in
China" blitzen die verschiedensten Talente des klangstarken Receivers auf.
Besonders beeindruckt sein souveränes, schwungvolles Spiel in Verbindung mit
unserem hochwertigen Nubert nuWave 125-Set.
Wir versetzten bewusst den nuWave AW-75 Aktivsubwoofer in die Warteschleife, um nachzuprüfen, wie
sich der 135er nur in Verbindung mit den großen nuWave 125 basstechnisch
schlägt, denn hier muss der HK richtig Leistung liefern, um die edlen
Schallwandler nicht verhungern zu lassen. Das Ergebnis spricht für sich: Ein
klares, festes Bassfundament, das auch bei größerem Pegel erhalten bleibt,
sorgt für Zensuren im Top-Bereich. Alle sehr zahlreich auf dieser DVD
vertretenen Effekte spritzen mit einer wohlfeilen Portion Dynamik durch den
Hörraum, dem 135 ist nichts Träges eigen. Ebenso wie unser 100 € teurere
Klangmeister der Mittelklasse, der Kenwood KRF-X9090D
und der nur hauchdünn dahinterliegende Denon AVR-2106,
die wir natürlich in der absolut identischen Konfiguration testeten, verliert
sich der AVR-135 aber nicht in einer zu schnell aufgebauten und hektisch
wirkenden Klangkulisse, sondern die Kräfte werden stets überlegt und
kontrolliert freigesetzt. Im direkten Vergleich zeigt sich das hohe Niveau, das
mittlerweile auch zu günstigen Kaufpreisen geboten wird. Dies trifft auch auf
den Yamaha RX-V757 zu, der
besonders auch durch seine vielfältigen Nachbearbeitungsmöglichkeiten in die
Spitzengruppe gehört. Besonders für den 2106 spricht die hohe Ausgewogenheit,
die bis in höchste Pegel praktisch ohne Einschränkung erhalten bleibt. Der
Kenwood glänzt mit seinem Super-Antritt und dem brillanten Hochtonbereich, und
der 100 € günstigere AVR-135 trumpft mit seinem exzellent strukturierten
Bassbereich und der besonders weitläufigen Darstellung auf - allerdings reden
wir hier vom 5.1 Betrieb. Geht es um eine 7.1 Konfiguration, die auch im
Musikbetrieb je nach DVD durchaus Sinn bringen kann, muss der 135er passen, denn
er bringt nur sechs Endstufen mit. Die siebte Endstufe, verantwortlich fürs
sprichwörtliche 360 Grad-Klangpanorama, fehlt - diese bringt sogar schon der
ausgezeichnete Onkyo TX-SR503E für 399
€ mit, der auch ansonsten keine Schwächen zeigt und sich als sehr gute
Alternative für den etwas kleineren Hörraum empfiehlt. Gerade hier schlägt
wiederum die Stunde vom Harman, der problemlos auch größere Lokalitäten
beschallt und hier kaum Unterschiede zu teureren Alternativen aufweist.
Unser "Spitzen-Tonmeister" in der 600 € Liga hat nur
hier keine Maßstäbe gesetzt: Der Kenwood KRF-X9090D
bot bei der Bewertung der Surround-Aufpolierer nichts Weltbewegendes. Der Onkyo
TX-SR503E mit sehr guten Leistungen sowie das hervorragende Duo Yamaha
RX-V757/Denon AVR-2106 sind die
Geräte, gegen die sich der HK beweisen muss. Er wird vom günstigeren Onkyo
(399 €) und den teureren Yamaha/Denon-Modellen (jeweils 599 €) sozusagen in
die Zange genommen. Sein "größerer Bruder" AVR-235
hatte sich in unserem Testbetrieb im Gegensatz zum höher platzierten AVR-335
nicht eben mit Ruhm bekleckert, sondern legte eher durchschnittliche Qualitäten
an den Tag. Und der AVR-135 bewies während unserer Hörtestreihen, dass das
günstigere nicht automatisch das akustisch schlechtere Gerät sein muss: Im
Verlauf von Luciano Pavarottis "ti adoro" - CD gefiel uns der AVR-135
besonders im Logic 7 Music-Modus äußerst gut. Besonders beeindruckend ist die
harmonische Klangverteilung, die allerdings nur dann voll ausgeschöpft werden
kann, wenn man sich hochwertige Lautsprecher gegönnt hat. Mit unserem Nubert nuWave 125, CS-65 und AW-75 -Set
lagen wir goldrichtig - ein eindrucksvoller Beweis für die Güte des 135ers,
dass dieses Lautsprecherset der 4000 €-Klasse kein "Overkill" ist,
sondern die Qualitäten des kleinsten Harmans erst richtig zur Geltung bringen
kann. Die charismatische Stimme Pavarottis präsentierte der AVR-135 mit
ausgezeichneter Raumwirkung und einer erstaunlich präzisen Ortungsmöglichkeit.
Eine schwammige, undifferenzierte Wiedergabe, die gerade bei solcher Musik bei
preiswerterem Equipment öfters herauszuhören ist, konnten wir dem 135er bei
keinem der Titel auf dieser sehr schönen CD nachweisen. Vielmehr schafft es der
kräftige Harman, bereits bei Zimmerlautstärke im Logic 7 Music Modus eine
weitläufige, mit einem stimmigen Fundament ausgestattete Gesamt-Klangkulisse
aufzubauen. Erfreulich ist, dass auch Neo:6 und Pro Logic 2x nicht durch wenig
überzeugende Leistungen abfallen. Je nach Gusto und Raumakustik ist nicht
einfach, sich zwischen Neo:6, das etwas feingliedriger spielt, und PL2x, das ein
wenig massiver auftritt, zu entscheiden. Am besten hat uns Logic 7 gefallen, und
das hat drei Gründe: 1. Harmonischste akustische Verteilung, 2. beste Mischung
aus nachdrücklichem und präzisem Bass, 3. brillantester
Hochtonbereich.
In Bezug auf DSP-Programme sieht es beim kleinsten Harman
eher düster aus - hier wird nicht viel geboten. "Theater",
"Hall1" und "Hall2" sollten im Sinne einer harmonischen
Akustik auch besser nicht aktiviert werden. Da HK dem AVR-135 aber gleich drei
sehr gut integrierte Surround-Aufpolierer mit Musik- und Filmton-Modus mit auf
den Weg gibt, kann der DSP-Nachteil so praktisch völlig aufgewogen
werden.
Hohe Erwartungen stellten wir an die Stereowiedergabe, denn in
dieser Disziplin schneiden Harman-AV-Receiver schon traditionell sehr gut ab.
Und auch der 135er macht keine Ausnahme, setzt aber keine neuen Maßstäbe. Dazu
ist die Konkurrenz, insbesondere der erstklassige Denon AVR-2106,
zu stark. Das heißt jedoch nicht, dass der Harman Kardon abfällt - er kann
sich hinter Denon und dem unerwartet stark aufspielenden Kenwood KRF-X9090D
zusammen mit dem ebenfalls beachtlich guten Yamaha
RX-V757 auf Platz drei in der Mittelklasse etablieren. In der
Stereowertung haben die günstigeren Modelle nicht allzu viel Chancen.
Hier fallen sowohl der Onkyo TX-SR503E
als auch der Yamaha RX-V557
merklich ab, es fehlt an Tiefe und klarer Struktur. Beide günstigeren
Komponenten klingen beim ersten Hinhören recht ordentlich, geht man aber ins
Detail, kommen Schwächen ans Tageslicht. Hier ist die 500 bis 600 €-Klasse
klar klangstärker. Alles wirkt runder, harmonischer, präziser und brillanter.
Das beweist auch der 135 mit seinem schwungvollen Spiel, das von einem kräftig,
aber nie künstlich übertrieben zupackenden Bass gekonnt begleitet wird.
Bewertung Pegelfestigkeit:      
Bewertung Mehrkanal-Klang Filmton:      
Bewertung Mehrkanal-Klang Musik:      
Bewertung DSP/Surroundaufpolierer:      
Bewertung Stereo:      
Fazit
Akustisch hat Harman keine Konkurrenz zu fürchten. Der AVR-135
zeigt für seinen Kaufpreis eine ungeheure Reife, so dass kaum ein Grund
besteht, zum teureren AVR-235 zu
greifen. Nur die sieben Endstufen sprechen für den 235er, der 135er bringt nur
sechs Endstufen mit, was etwas bedauerlich ist, denn mit 499 € ist er recht
teuer für einen Sechskanal-AV-Receiver. Doch sein elegantes, schwungvolles
Spiel bringt dem 135er viele Sympathien, besonders im Logic 7 Music-Betrieb
trumpft der Sechskanalreceiver auf. Insgesamt behauptet sich der progressiv
auftretende Harman Kardon akustisch problemlos im Spitzenfeld der Mittelklasse.
Löblich ist auch die sehr einfache Bedienung. An vielen Beispielen - Umschalten
zwischen den Surround-Aufpolierern, das klar strukturierte OSD - lässt sich
belegen, dass der AV-Receiver auch für Einsteiger problemlos zu handhaben ist.
Die optische Anmutung wird dadurch gestört, dass die silberfarbene Leiste im
unteren Teil der Frontblende immer noch aus Kunststoff besteht. Auch der
Lautstärkeregler überzeugt haptisch nicht. Pluspunkte: Das sehr gute Display
und die hochwertigen Gerätestandfüße. Auch die Fernbedienung gefällt aus
qualitativer Sicht. Der Innenaufbau ist ordentlich, aber nicht
überdurchschnittlich. Negativ auf fällt der Blech-Kühlkörper, positiv das
saubere Platinenlayout. Dass sich der klangstarke Harman letztendlich nicht noch
weiter nach vorne schieben kann, ist die Folge einiger Ausstattungsdefizite. So
fehlt vor allem eine siebte Endstufe, die für diesen Preis drin sein müsste,
und auch PL2 x ist nicht mit an Bord, was in Anbetracht der Endstufenanzahl und
des fehlenden 7.1 Preouts auch keinen Sinn machen würde. Hier muss es die
Vorgängerversion PL2 tun. Der Decoder für DTS 96/24 fehlt. Auch vermissen wir
die wichtige AV-Delay- oder Lip Sync-Funktion. Einen Videonormwandler hat der
135er ebenso wenig zu bieten wie ein automatisches Lautsprechereinmesssystem
oder Multiroom-Optionen. Bilanzierend halten wir fest, dass der 135 eine
klanglich praktisch restlos überzeugende Maschine ist - somit werden hier
eindeutig verwöhnte Hörer mit geringem Budget angesprochen. Wer hingegen eine
möglichst lückenlose Ausstattung für sein investiertes Geld haben möchte,
liegt trotz mustergültigem Front AV-Eingang und trotz sehr gutem Bassmanagement
beim AVR-135 falsch.
Der AVR-135 begeistert mit seinem
souverän-schwungvollen Spiel und mit seiner hervorragenden Pegelfestigkeit

Mittelklasse
Test 29.09.2005
Preis-/Leistungsverhältnis      
Pro:
-
Exzellente Pegelfestigkeit
-
Sehr kultivierte, harmonische Leistungsentfaltung
-
Sehr präziser, mit hervorragendem Volumen gesegneter
Bassbereich
-
Sehr differenziertes Spiel mit sehr guter Einbettung von
Stimmen und Instrumenten
-
Logic 7 mit ausgezeichneter Performance
-
Klarer, gefälliger Stereoklang
-
Einfache Bedienung
-
Vorbildliches Display
-
Qualitativ gute Fernbedienung
Contra:
Datenblatt:
-
6-Kanal-A/V-Receiver
-
6 x 40 WRMS an 8 Ohm im Surround Modus, bei Ansteuerung
aller Endstufen
-
2 x 50 WRMS an 8 Ohm im Stereobetrieb
Ansteuerung aller Endstufen
-
Decoder für Dolby Digital/DTS 5.1, Dolby Digital 5.1
EX, DTS ES Matrix/Discrete 6.1, Dolby Pro Logic II, DTS Neo:6, Logic7 und
Vmax
-
Features: HCC-fähige (± 30 A), diskret aufgebaute
Endstufen mit ultraweiter Leistungsbandbreite, dreifaches Bassmanagement,
RDS-Tuner mit 30-Stationen-Speicher, vorprogrammierte System-Fernbedienung
-
Anschlüsse/Eingänge: 6 x Digital (3 x koaxial, 3 x
optisch, inklusive Front), 5 x Cinch-Stereo, 5.1-Eingang, 4 x FBAS/S-Video
(inklusive Front), Anschlüsse/Ausgänge: 2 Digitalausgänge (optisch,
koaxial), 2 x Stereo-Cinch 2 x S-Video/FBAS, Sub Pre-Out
-
Abmessungen (B x H x T) 440 x 165 x 382 mm
-
Gewicht 11,1 kg
-
Farbe: Schwarz/silbern kombiniert
-
UVP 499 €
Test: Carsten Rampacher
29. September 2005
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