Verbrechen verführt (High Heels & Low Lifes)

Verleih-DVD

Kauf-VÖ noch offen

Studio

Touchstone Pictures (2001)

Verleih

Buena Vista Home Entertainment (2002)

Laufzeit

82:50 min. (FSK 12)

Regie

Mel Smith

Darsteller

Minnie Driver, Mary McCormack

DVD-Typ

DVD-9

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,85:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Englisch, Dolby digital 5.1

Untertitel

deutsch, englisch, französisch, schwedisch, norwegisch, dänisch, finnisch, isländisch

Regionalcode

2

Verpackung

Amaray-Case

Preis

Film 

Soeben hat Shannon (Minnie Driver) ihren Freund vor die Tür gesetzt, nicht nur, dass der Kerl ihren Geburtstag vergessen hatte, danach zeigte er noch nicht einmal das leiseste Bemühen, seinen faux pas wieder gut zu machen. Allerdings war dies nur das letzte Glied einer langen Mängelkette, die zum Ende der Lovestory führte. Quasi als unfreiwilliges Abschiedsgeschenk hat Shannon allerdings noch zusammen mit ihrer besten Freundin Frances (Mary McCormack) auf dem Funkscanner ihres Ex ein Telefongespräch mitgehört, dass der Kleinkriminelle Danny zum Zeitpunkt eines Einbruchs mit seiner Freundin führte. Da die überlastete Polizei die beiden Ohrenzeuginnen bei ihrer pflichtgemäßen Meldung abwimmelt, läuft der Coup plangemäß ab und beschert den Gangstern eine erkleckliche Beutesumme. Da weder Shannon, als arbeitsüberlastete Krankenschwester, noch Frances, als sich mit diversen Kurzengagements durchs Leben schlagende Schauspielerin, auf finanziellen Rosen gebettet sind, beschließen sie, ihre eigene persönliche Abgabe auf den Gewinn zu erheben. Dass die Ernte des ersten Kontakts mit den Ganoven aus einem Kugelhagel und nicht in den erbetenen Banknoten besteht, lässt bei ihnen im ersten geschockten Augenblick den Gedanken an einen Abbruch des Unternehmens aufkommen. Am nächsten Tag ist jedoch der Widerstandsgeist umso heftiger geweckt und die beiden machen sich an daran, den Profis aus dem kriminellen Milieu das Leben so schwer wie möglich zu gestalten, was bei den Adressaten ihrer Zugebenehrmaßen manchmal arg laienhaften Attacke, aus naheliegenden Gründen auf wenig Gegenliebe stößt.

Mel Smith ist ganz schön mutig, dreht er doch tatsächlich eine Krimikomödie, die sich sämtlicher Zutaten enthält, die das Genre, gemessen an der aktuellen Konkurrenz, doch anscheinend zwingend aufweisen müsste. Keine übercoolen Schnittfolgen und schrägen Bilder, die Dialoge sind durchweg Dialoge und keine Ansammlung mehr oder weniger ironiegetränkter Sprüche aus dem Handbuch des posttarantinoschen Zeitalters. Und es wird noch nicht einmal auf stilistisch überhöhte Art und Weise mit Mord und Totschlag um die Aufmerksamkeit des abgebrühten Publikums gebuhlt. Mal ganz abgesehen davon, dass die Protagonisten der Story auch noch Frauen sind und dann nicht einmal eisgekühlte und durchgestylte Gangsterbräute, sondern vielmehr Vertreterinnen jener Spezies, die gemeinhin eher in Romanen, mit Titeln wie "Superweib sucht impotenten Mann für jede Jahreszeit" (oder so ähnlich) die Hauptrolle spielen.
Nun ja, vielleicht kommt der Mut ja auch daher, dass das Ergebnis einfach rundum gelungen ist und das kreative Team hinter "High Heels & Low Lifes" (Verbrechen verführt) die Hoffnung hegt, dass Qualitätsarbeit doch auf die eine oder andere Weise ihre Anerkennung finden wird. Und so darf sich der positiv überraschte Zuschauer denn von schnörkellosen, aber dynamisch montierten Bildern, einer wendungsreichen und gut erzählten Geschichte, treffend eingesetztem Humor jeder Spielart (mit Ausnahme jener Vertreter unterer Niveaustufen) und gleichermaßen sympathischen, wie gut aufgelegten Hauptdarstellerinnen, nebst perfekt besetztem Nebenpersonal so gut unterhalten lassen, wie lange nicht mehr. Und wer sich diesen Spaß entgehen lässt, wie es angesichts einer eher mauen Ausbeute an den Kinokassen bislang ganz offensichtlich der Fall war, ist ganz eindeutig selber schuld.

 

Bild 

Es hat doch was für sich, wenn hinter einem eher kleinen Film ein Mediengroßbetrieb steht. Zumindest wenn er sich so viel Mühe mit der ansprechenden Präsentation seiner Produkte gibt, wie im vorliegenden Fall das Disney-Imperium. Messerscharfe Konturen, perfekte Farbabstimmung, plastische Darstellungen und ideale Kontrastwerte, bei gleichzeitigem Fehlen irgendwelcher sichtbaren Mängel (außer man hängt sich tatsächlich unmittelbar vor den Großbildschirm, dann wird man in der Tat gelegentlich ein minimales Hintergrundrauschen bemerken können): So sollte die Wiedergabe einer DVD eigentlich viel öfter stattfinden.

 

Ton 

Man muss schon bis fast ganz zum Schluss des Films warten, um festzustellen, dass auch die Möglichkeiten des räumlichen Rundumklanges in überzeugender Form genutzt wurden, denn dann gibt es mal wieder eine Schießerei, bei denen die Kugeln in alle Richtungen durchs Zimmer schwirren. Bis dahin ist das akustische Angebot durchweg solide, mit natürlicher Sprachwiedergabe, einer guten Aufteilung der Musikeinlagen und ordentlichen Nebengeräuschen, ohne dass aber das Zusammenspiel der Kanäle ernsthaft getestet wird.

 

Special Features 

Die Qualität, wie Quantität der Zugaben hält sich in engen Grenzen. Das "Making of" sollte man eher meiden und der unmotivierte Zusammenschnitt der actionreichsten Szenen dürfte ein heißer Favorit auf den Titel "Überflüssigstes Extra" haben. Immerhin gibt es noch noch einen Audiokommentar von Regisseur Mel Smith und Autor Kim Fuller, der ganz nett ist, aber auch nicht gerade zu den Höhepunkten seiner Art gehört.

13.10.2002

Review von Tobias Wrany

Test-Equipment

TV: Panasonic TX-28PK1F
DVD-Player: Pioneer DV-343
Dolby Digital / DTS Receiver: Sony STR-DA50ES