Traffic

Original

Traffic

Studio

Splendid / USA Films (2000)

DVD-Anbieter

Splendid Entertainment (2001)

Laufzeit

141 min. (FSK 16)

Regie

Steven Soderberg

Darsteller

Michael Douglas, Don Cheadle, Benicio Del Toro, Catherina Zeta-Jones u.a.

DVD-Typ

DVD-9

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,78:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Englisch, Dolby Digital 2.0

Untertitel

Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte

Regionalcode

2

Verpackung

Amaray-Case

Preis

ca. 20 EURO
Film  

"Traffic" nimmt sich der Thematik des Drogenhandels im Stile eines Robert Altman-Films wie "Short Cuts" an. Anstelle einer geradlinigen Handlung treten verschiedene Geschichten, die sich erst im Verlauf des Films teilweise miteinander verbinden. Das ist an sich von der Technik her auch gar nicht mehr so ganz neu, aber kaum ein Drogenfilm vermeidet so die gängigen Klischees, indem er die Geschichte nicht nur auf Junkies und die großen Drogenbarone beschränkt, sondern Personen aus vielen unterschiedlichen Lebensbereichen portraitiert, die auf irgendeine Weise in diesen "Drogenkrieg" involviert sind. Da ist ein mexikanischer Drogenfahnder (Benicio del Toro), der nicht nur die Drogenkartelle, sondern auch die Korruption in den eigenen Reihen als Gegner hat, zwei amerikanische Agenten der Drogenbekämpfungsbehörde DEA (Don Cheadle und Luiz Guzman), welche die Gattin eines aufgeflogenen Drogenhändlers bewachen, die sich von der Rolle der ahnungslosen Ehefrau und Mutter verabschieden und die Geschäfte ihres Mannes weiterführen muss (Catherina Zeta-Jones), bis zu dem neuen Drogenbeauftragten des US-Präsidenten, der sich mit den Drogenproblemen seiner eigenen Tochter konfrontiert sieht (Michael Douglas). Durch die sehr persönliche Darstellung der Figuren ohne erhobenen Zeigefinger auf der einen und dem fehlenden Glorienschein auf der anderen Seite, biedert sich der Film bei Niemandem an oder versucht, eine große Lektion zu erteilen. Wie bereits bei "Erin Brockovich" lässt Regisseur Steven Soderbergh auch bei "Traffic" in erster Linie die Bilder für sich sprechen und das Drehbuch von Stephen Gaghan verzichtet auch darauf, den Darstellern irgendwelche schwulstigen Statements in den Mund zu legen. "Traffic" ist kein Unterhaltungskino, sondern erscheint mit den immer leicht verwackelten Bildern (die zum Glück aber nicht so extrem wie in den Dogma-Filme sind) eher wie eine Dokumentation, zeigt aber zugleich, wie man ein recht schwergängiges Thema doch recht unterhaltsam inszenieren kann.

Was nach 147 Minuten am Ende übrig bleibt, ist eine recht ernüchternde Bilanz des Drogenkrieges, die ein wenig die Illusion angreift, das Drogenproblem eines Tages aus der Gesellschaft beseitigen zu können. Für dieses außergewöhnliche Werk, dass trotz der Überlänge leider viel zu schnell zuende geht. hat Steven Soderbergh 2001 vollkommen zu Recht den Regie-Oscar erhalten, ebenso ebenso gerechtfertigt erscheinen die Oscars für das Drehbuch, den Schnitt und Benicio Del Toro als bestem Nebendarsteller. Selbst wenn sich die Oscar-Jury aus unverständlichen Gründen in der Kategorie "Best Picture" für Ridley Scotts's Sandalenfilm "Gladiator" entschieden hat, so ist "Traffic" sicherlich trotzdem der beste Film des letzten Jahres gewesen. 

 

Bild  

"Traffic" ist nicht gerade der Film, der gerade mit seinen Bildern um den Zuschauer buhlt. Viele Aufnahmen sind unruhig und verwackelt. Das Bildmaterial wirkt auch immer etwas verfremdet, um dem Zuschauer eine Möglichkeit zu geben, zu erkennen, in welchem Handlungsabschnitt der Film sich gerade abspielt. Besonders auffällig wird dies in den grellen und grobkörnigen Bildern, die die Geschichte des mexikanischen Cops Javier erzählen, deren dunkelgelber Farbton das Bild richtig schmuddelig wirken lässt, während z.B. die Szenen in San Diego in einwandfreier Qualität aber mit deutlichem Blaustich erscheinen. Ansonsten sind die gewollten stilistischen Eingriffe verhalten und mit Ausnahme der leichten Körnigkeit, wirkt das Bild in den meisten Szenen auch einwandfrei, vor allem, weil ansonsten keine Fehler zu erkennen sind, die man der DVD anlasten wollte. Ganz so weit wie die "Dogma"-Filmer, die den technischen Makel ihrer Werke schon fast zur Tugend erklären, geht Soderbergh hier zum Glück doch nicht. Die Kompression lässt kaum Störungen erkennen und die Schärfe ist in den meisten Szenen ebenfalls in Ordnung. In dieser Hinsicht ist die Code 2-DVD der US-DVD ebenbürtig und in den wenigen Szenen ohne Mittel der Verfremdung überzeugt die DVD durch ein scharfes und sauberes Bild mit guter Detailwiedergabe. Für einen eher kleinen Anbieter wie Splendid, der auch der Produktion von "Traffic" beteiligt war, ist diese DVD eine erstaunliche Leistung.

 

Ton  

Kaum jemand würde es sicherlich bemerken, wenn dieser Film nur in Dolby Digital 2.0 auf DVD gepresst worden wäre, denn eigentlich hört man bei diesem 5.1-Mix kaum etwas außer Dialogen aus dem Center und es bedarf schon größerer Anstrengung, aus den Surroundkanälen etwas vernehmen zu können. Auch mit Musik geht "Traffic" sparsam um, doch in den wirklich wenigen Sequenzen, die den etwas düsteren Grundton des Films verstärken, geht es sogar recht lebhaft mit einem leicht vibrierenden Bass oder hellen Klängen aus dem Hintergrund zu. Intelligent wurde das Dilemma gelöst, dass im Film Dialoge sowohl in Spanisch als auch Englisch vorkommen, wobei die deutsche Synchro hier nicht konsequent ist, da dort nur die spanischen Dialoge im Original sind. Der Verzicht auf eine Synchronisierung und eine reine Untertitelung wäre hier aus künstlerischer Sicht sinnvoller gewesen. Um dieses Sprachdurcheinander zu koordinieren, sind sowohl deutsche als auch englische Untertitel vorhanden, sowie zusätzlich jeweils eine Spur, die nur während der spanischen Dialoge Untertitel in beiden Sprachen nutzt. Anstelle von Einblendungen im Filmprint werden die Untertitel auch dazu genutzt, Texteinblendungen wie Ortsangaben jeweils in Englisch und Deutsch anzeigen zu können.

 

Special Features  

Eigentlich war eine Ausstattung angekündigt worden, die Interviews, ein Making of und Ausschnitte von der Oscar-Verleihung beinhalten sollte und somit die Code 2-DVD besser gemacht hätte als die US-DVD. Doch diese Extras sind auf der endgültigen DVD leider nicht vorhanden. Auch das Featurette "Inside Traffic" von der US-DVD ist nicht auf der Code 2-DVD enthalten. Was verbleibt, sind mit Musik unterlegte B-Roll-Aufnahmen, Filmographien der Darsteller und des Regisseurs, ein Trailer sowie eine Trailer-Vorschau. Wenigstens in einem Punkt kann die Code 2-DVD auftrumpfen: Wer ein wenig sucht, findet sehr leicht versteckt rund sechs Minuten Deleted Scenes, und die gab es nicht einmal auf der US-DVD. Leider fehlen hier bei allen Dialogen Untertitel, so dass man ohne spanische und englische Sprachkenntnisse nur erahnen kann, was gerade gesagt wird.

Review von Karsten Serck

Test - Equipment:
TV Panasonic TX - W32D3F
DVD - Player Pioneer DV-737
Dolby Digital/DTS - Receiver Yamaha RX-V3000 RDS

26.10.2001