Sleepy Hollow

Studio

Paramount Pictures (1998)

Verleih

VCL/MAWA (2000)

Laufzeit

101 min. (FSK 16)

Regie

Tim Burton

Darsteller

Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon u.a.

DVD-Typ

DVD-9

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,85:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Deutsch, DTS ES Discrete 6.1
2. Deutsch, Dolby Digital 5.1
3. Englisch, Dolby Digital 5.1
4. Audio-Kommentar Tim Burton

Untertitel

Deutsch

Regionalcode

2

Preis

ca. 25 EURO
Film   

"Sleepy Hollow" basiert auf einer Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Washington Irving, die in den USA ähnlich bekannt ist wie hierzulande Grimms Märchen. Was Tim Burton aus dieser Erzählung mit leichten Anpassungen zauberte, ist in der Tat ein Märchen, streng gesagt, ein wunderschönes Schauermärchen. Aber der Reihe nach: Der Film spielt im Amerika des Jahres 1799. Johnny Depp spielt Ichabod Crane, einen jungen und leicht hochnäsigen Junior-Sherlock Holmes, der mit seinen zaghaft-wissenschaftlichen Methoden seiner Zeit ein wenig voraus ist, deswegen aber auch aneckt. Ichabod wird von einem Richter aus der Großstadt New York in das entlegene Dörfchen Sleepy Hollow geschickt, in dem ein kopfloser Reiter sein Unheil treiben soll, indem er seine Opfer mit präzisem Schnitt auf Schulterhöhe verkleinert. Die enthaupteten Schädel der getöteten Männer und Frauen sind hingegen nie zu finden. Ichabod, der zuerst natürlich kein Wort glaubt, muss aber durch eine direkte Begegnung mit dem kopflosen Reiter schon früh einsehen, dass hier wirklich übersinnliche Mächte im Spiel sind. Über den ersten Schock tröstet ihn Katrina (Christina Ricci) hinweg, die junge Tochter des reichsten Mannes im Dorf. Erst einmal wieder klar bei Kopfe, fallen Crane einige Zusammenhänge zwischen den Todesopfern auf. Und obwohl er das Puzzle nicht auf Anhieb zusammensetzen kann, wird schnell klar, dass der kopflose Reiter nicht wahllos tötet, sondern irdische Gründe die Ursache für seinen mörderischen Feldzug sind....

Wiederauferstanden von den Totgeglaubten ist nicht nur der kopflose Reiter, sondern auch Regisseur Tim Burton, dem in den letzten Jahren mit Filmen wie "Mars Attacks" und "Ed Wood" nicht gerade der kommerzielle Erfolg gegönnt war. "Sleepy Hollow" ist ein finster-bizarres Märchen, in dem die Geschichte schon fast zur Nebensache wird, weil das gesamte Styling des Films alleine für sich schon für Aufmerksamkeit sorgt. Da sieht man z.B. blutende Bäume in Wäldern, wie man sie sich in der Kindheit bei Hänsel und Gretel im geistigen Auge genauso finster und kalt vorgestellt hat - sogar eine Hexe darf nicht fehlen. Der permanente Nebel tut sein Übriges, um die Märchenwelt perfekt zu inszenieren. Jede einzelne Einstellung der düsteren Landschaft in und um Sleepy Hollow wirkt so perfekt wie aus dem Bilderbuch gezeichnet. Die ein wenig simpel gestrickte Story wird nicht nur durch die beeindruckenden Kulissen sondern auch durch Schauspieler wie Johnny Depp deutlich aufgewertet, dessen Auftreten zugleich dominant wie auch ein wenig trottelig wirkt. Am Ende stiehlt ihm dann aber doch noch einer der besten Filmbösewichte Hollywoods die Show, dessen Name hier nicht verraten werden soll. Selbst wer normalerweise Filme nicht mag, die im vorindustriellen Zeitalter spielen, der dürfte an Sleepy Hollow großen Gefallen finden.

 

Bild  

Keine Sorge, die Farbwiedergabe des Fernsehers oder Projektors ist noch in Ordnung - es lag in der Absicht der "Sleepy Hollow"-Macher, dass der Film so kalte, nur schwach gesättigte Farben verwendet. So haben die Darsteller ein weißlich-blasse Gesichtsfarbe, was in den meisten Szenen für harte Kontraste mit den düsteren Kulissen sorgt  - große Teile von "Sleepy Hollow spielen im Halbdunkel oder im dunkeln, richtig hell ist es nur selten - und dem Film so ein ganz spezielles Flair verleiht, das gut zum blutrünstigen kopflosen Reiter und dessen gesteuerten Rachefeldzug passt. Bildschärfe und Detailtreue sind gut bis sehr gut, die Kompression ist sauber. Beim Layerwechsel besteht aber noch Raum für Verbesserungen: Hart und unverhofft, dazu bleibt das Bild kurz stehen.

 

 

Ton 

"Sleepy Hollow" ist die erste deutsche DVD mit DTS ES Discrete 6.1-Tonspur - also steht noch ein weiterer diskreter Vollfrequenz-Kanal für den Back Surround zur Verfügung. Und dieser wird auch genutzt: Gerade in Kapitel 14, beim Kampfe zwischen Ichabod Crane und dem kopflosen Reiter wird er sehr effektiv eingesetzt: Das Schwingen des Schwertes, wenn der kopflose Reiter sich von hinten nähert, klingt bedrohlich aus den Back Surround-Lautsprechern, sehr gut positioniert und detailreich abgemischt. Auch der Galopp der Pferde, wenn sie sich direkt von hinten nähern, hört sich sehr real an. Spektakulär ist die Explosion der Mühle, ebenfalls in Kapitel 14, bei der einzelne Teile nach allen Seiten wegfliegen. Ausgezeichnet passt die Integration des Soundtracks von Danny Elfman, mit dem Tim Burton schon länger zusammenarbeitet: Seine abwechslungsreiche Komposition, die perfekt zur jeweiligen Szene abgestimmt ist, wird räumlich sehr gut wiedergegeben, auch der zusätzliche diskrete Kanal ist sehr gut mit eingebunden. Das ist gerade bei "Sleepy Hollow" besonders erwähnenswert, weil es kaum eine Szene ohne musikalische Untermalung gibt. Durch die gelungene Musikwiedergabe ergibt sich der Eindruck einer hohen Dichte ohne störende Klanglöcher. Zum erfreulichen Gesamteindruck kommt noch der ordentlich abgemischte LFE-Kanal hinzu: Immer, wenn es sein muss, packt der Bass mit der nötigen Gewalt zu, und er tut dies sauber und ohne Verzerrungen. Im Gegensatz zur englischen 5.1-Fassung auf dieser Code 2-DVD sind die Umgebungsgeräusche sowie kleinere Effekte wie knarrende Türen oder zuschlagende Fenster mit großer Sorgfalt integriert.

Fazit: Ein gelungener Einstand. Die erste deutsche DTS ES Discrete 6.1-DVD überzeugt auf Anhieb und schneidet im Vergleich zur exzellenten Code 1-DVD von  "The Haunting" achtbar ab. Das "Geisterschloss" hat einen noch höheren Dynamikumfang und arbeitet auch kleinere Nuancen noch plastischer heraus, was daran liegt, dass  "The Haunting" schon ursprünglich in DTS ES Discrete 6.1 aufgenommen wurde, man für Sleepy Hollow aber erst nachträglich einen 6.1-Mix erstellt hat.

Bei DTS ES Discrete 6.1 sorgt, wie der Name schon sagt, nicht eine Matrix für die Zuweisung des Signals für den Rear Surround Center, sondern ein weiterer diskreter Kanal. Somit wird das Klangbild im Surroundbereich noch realer, denn neue Effektkombinationen, die nur mit Hilfe einer Matrix nicht darstellbar sind, können nun erstellt werden: Kombinierte Effekte können so zum Beispiel aus dem linken Surroundlautsprecher und dem Back Surround-Lautsprecher kommen, während der rechte Surroundlautsprecher schweigt. Ebenfalls ist die Dynamik des diskreten Kanals weitaus höher als die des Back Surround-Matrixkanals, da der zusätzlich Kanal das volle Frequenzspektrum von 20 Hz bis 20 kHz abdeckt. Die DTS ES Discrete 6.1-DVD ist entsprechend gekennzeichnet, so dass der Verstärker oder Receiver  dies erkennt und ein Flag setzt:

 

Hat der Verstärker/Receiver keinen zusätzlichen diskreten Kanal, sondern nur eine Matrixschaltung für den Back Surround-Channel, kann der Ton für den Back Surround Channel auch via Matrix erzeugt werden. Technisch funktioniert das folgendermaßen: Eine DTS ES Discrete 6.1-DVD trägt einmal die zusätzliche Klanginformation in einer für einen zusätzlichen diskreten Kanal enthaltenen Toninformation. Gleichzeitig aber ist zu 50 Prozent im linken und zu 50 Prozent im rechten "normalen" Surroundkanal auch die für die Matrix für den Back Surround Channel enthaltende Toninformation enthalten. Wenn nun der Verstärker oder Receiver einen diskreten Kanal für den Back-Surround-Berech besitzt, ist die Toninformation für die Matrix natürlich nicht gefragt. Folge: Die im linken und im rechten Surroundkanal enthaltene Toninformation für die Matrix werden phasenverkehrt abgebildet, so dass damit nichts mehr zur Matrix gelangt. Wenn hingegen der Verstärker/Receiver nur über eine Matrix für den Back Surround verfügt, dann kommt das Signal ganz normal durch die Matrix, so ist dann auf dem Back Surround-Kanal trotzdem Ton. Auch wer über ein 5.1-System ohne Back Surround-Lautsprecher verfügt, hat kein Problem mit der Wiedergabe: Ein herkömmlicher 5.1-Decoder, der mit der 6.1-Kennung nichts anzufangen weiß, gibt wie gehabt, nur ein Stereo-Signal auf den hinteren Kanälen wieder, in dem auf beiden Kanälen das Signal des Centers vorhanden ist.

Englisches Original und Deutsche Synchro in Dolby Digital 5.1: Die englische Sprachfassung und eine weitere deutsche Synchro liegen in Dolby Digital 5.1 vor. Im direkten Vergleich zur DTS-Discrete-Version entsteht hier in beiden Fällen ein weniger dynamischer Eindruck, die DTS-Fassung ist im Hochtonbereich noch detaillierter. Die Räumlichkeit leidet unter dem fehlenden zusätzlichen Kanal, Geräusche, die sich genau hinter dem Zuschauer abspielen, müssen vom linken oder dem rechten Surroundlautsprecher übernommen werden. Für eine DD 5.1-Abmischung ist der Klang aber in beiden Sprachfassungen gelungen. Die Bässe packen auch hier ordentlich zu, die Effekte sind sauber und kräftig abgemischt und gut positioniert. Auch in dieser Tonfassung ist die Musik sehr gut ins Geschehen integriert und wird nicht mit der leider öfters zu beobachtenden Frontlastigkeit, sondern unter fast permanenter Einbeziehung der Surroundkanäle wiedergegeben. Die Stimmen sind immer gut verständlich, ohne überrepräsentiert zu wirken. Kleinere Effekte sowie die Umgebungsgeräusche sind nicht mit der gleichen Präzision eingebaut wie in der DTS-Fassung.

 

Special Features  

An Extras herrscht wirklich kein Mangel: Auf der zweiten DVD, die mitgeliefert wird, befinden sich ausschließlich Extras. Die Menüs sind aufwendig und passend zum Film animiert. Die Extras im einzelnen:

DVD 1:

Regiekommentar Tim Burton

Informationen über DTS ES Discrete 6.1: Nicht überzeugend. Hier wäre eine sorgfältigerer und vor allem ausführlicherer Text wünschenswert gewesen.

Trailer zu: The Sixth Sense, The Insider, Mission To Mars, Erkan und Stefan, Harte Jungs, American Pie

DVD 2:

"Making Of": Sehr informative, rund 30 Minuten lange Dokumentation zur Entstehungsgeschichte von "Sleepy Hollow".  Hier erfährt der Interessierte auch, wie der Kopf des "kopflosen Reiters" wegretuschiert wurde und wie die zahlreichen "Special Effects" zustande kamen. Wie bei "Making Ofs" üblich, kommen auch die Schauspieler sowie Mitglieder von Cast & Crew zu Wort. Wer im ebenfalls auf der DVD enthaltenen "Sleepy Hollow Quiz" achtbar abschneiden, sollte beim "Making Of" gut aufpassen.

Interviews: Nicht wie sonst oft gesehen. nacheinander folgende Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur, sondern "Reflexions  on Sleepy Hollow": Die Schauspieler und der Regisseur äußern in einem einzigen 10-minütigen Gespräch ihre Gedanken zum Film.

Sleepy Hollow-Quiz: 12 Fragen zur Handlung und zum Making-Of. Einmal macht es garantiert Spaß - aber Wiederholen lohnt sich: Denn wer alle 12 Fragen richtig beantwortet, bekommt den Hinweis, wie man an "Hidden Features" auf der DVD 1 kommt - wir verraten es hier für Quizmüde: Im Menü "Credits" von einem der beiden Buttons aus nach oben navigieren. Dann gelangt man zu den Goofs, die in reichhaltiger Auswahl (insgesamt 7) vorhanden und durchaus sehenswert sin. Wer nicht entdeckt, was in der jeweiligen Szene nicht so ganz stimmt: Erklärung gibt es nach dem Ausschnitt auf einer Texttafel. Als weitere Belohnung für den Quizsieger gibt es noch eine "Trailer-Show" mit dem Trailer zu drei aktuellen Filmen (Cube/Crazy/Glauben ist alles) . Muss nicht sein.

B-Roll

BSB (Best Surround Bites): Zusammenstellung der am besten klingenden Surround-Szenen. Leider nur in Dolby Digital 5.1.

Die Stars: Hinter diesem Menüpunkt verbergen sich, passend zum Film auf Grabsteinen dargestellt, Informationen über die Schauspieler. Für Darsteller   verfügbar: Johnny Depp, Christina Ricci, Christopher Walken, Casper van Dien, Michael Gambon, Miranda Richardson, Christopher Lee. Es gibt jeweils ein Untermenü, und das ist unterteilt in: Biographie, ein Interview und eine Filmographie  - ein Novum, das den Filmfreund freuen wird, gibt es bei einigen Filmographien: In der Tabelle markierte Filmtitel, zu denen man auf Knopfdruck den Trailer abrufen kann. 

Die Macher: Hier gibt es Informationen (Filmographie und Biographie) über Regisseur Tom Burton sowie über den Produzenten Francis Ford Coppola und den Leiter der Visual Effects, Jim Mitchell von Industrial Light und Magic. Dargeboten auf Text, der über den Bildschirm scrollt. Deutscher Sprecher

Die Musik: Mit Danny Elfmans Musik unterlegtes Featurette mit Ausschnitten aus "Sleepy Hollow", Biographie des Komponisten, Filmographie mit anwählbarem Trailer zu "Mars Attacks"

Produktionsnotizen zu: "Gotisches Grauen", "Extremes Design, perfekte Illusion", Köpfe werden rollen - Stunts und Special Effekts", in deutsch gesprochen, dazu Text, der über den Bildschirm scrollt

Fotogalerie mit Fotos zum Film in meistens recht guter Qualität

Trailer: Kinotrailer deutsch, Kinotrailer englisch, Teaser englisch

Review von Karsten Serck (Inhalt) & Carsten Rampacher (Bild, Ton, Special Features)

Test - Equipment:
TV  Sony KV-32FS60D
DVD - 200er Wechsler Sony DVP-CX850D
DVD-Player Pioneer DV-05 Elite, Panasonic DVD-RV60
DTS ES Discrete 6.1-Receiver Denon AVR-3801 (zur Zeit im AREA DVD-Hardware Test)

02.10.2000

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