The Blair Witch Project

Studio Haxan Films (1999)
Verleih Kinowelt Home Entertainment (2000)
Laufzeit 78 min.
Regie Eduardo Sanchez & Daniel Myrick
Darsteller Heather Donahue, Joshua Leonard, Michael Williams
DVD-Typ DVD - 9
Fernsehnorm PAL
Bildformat 1,33:1
Audiokanäle 1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Englisch, Dolby Digital 2.0
3. Audio-Kommentar Eduardo Sanchez & Daniel Myrick
Untertitel Deutsch (optional)
Regionalcode 2
Verpackung Amaray-Case
Preis ca. 40 DM (ca. 30 EURO als Special Edition im Sammelschuber zusammen mit "The Last Broadcast")
Film   

Wenn man den Erfolg eines Spielfilms nicht nach seinen Einnahmen an der Kinokasse bemessen würde sondern an seiner Rendite, dann könnte die Low Budget - Produktion "The Blair Witch Projekt" zum erfolgreichsten Filmen aller Zeiten werden. Produktionskosten von gerade einmal 35.000 Dollar stehen Einnahmen von bisher rund 138 Millionen Dollar gegenüber (Stand: Oktober 1999). Dabei ist der Film frei von dem mittlerweile bei Blockbustern obligatorischen CGI-Geflimmer und auch die Story ist außerordentlich schlicht: Er erzählt die Geschichte der drei Filmstudenten Heather, Josh und Mike, die mit einer Hi8 - Videokamera und einer 16mm - Kamera bewaffnet eine Dokumentation über den Mythos der "Blair Witch" in dem kleinen Provinznest Burkittsville (ehemals Blair) drehen wollen. Im Jahre 1785 soll dort eine Frau der Hexerei beschuldigt und in den Wald vertrieben worden sein. Nur kurze Zeit später verschwanden die Denunzianten und die Hälfte der Dorfkinder auf mysteriöse Art und Weise. Von der Bevölkerung Burkittsville´s neugierig gemacht, beschließen die drei Jungfilmer, sich in den Wäldern der Umgebung umzusehen. Und wie es der Zufall so will, verschwinden die drei spurlos. Knapp ein Jahr später werden die Filmaufnahmen der Studenten gefunden, die die Erlebnisse bis zu ihrem mysteriösen Verschwinden dokumentieren...

In den USA wurde "The Blair Witch Project" zum Kassenknüller. Dies ist nicht zuletzt dem von den beiden Jungregisseuren Eduardo Sanchez und Daniel Myrick inszenierten Hype zu verdanken: Noch vor dem Kinostart veröffentlichten sie Bilder und Texte über das Schicksal der drei verschollenen Filmstudenten Heather, Josh und Mike im Internet und heizten so das Interesse an dem "Blair Witch Project" an. Dabei verstanden sie es auch bewusst, die Tatsache auszublenden, dass ihr Film reine Fiktion ist: Denn der dokumentarische Stil des "Blair Witch Projects", der aufgrund der hervorragend agierenden (oder auch einfach nur dilettantischen) Schauspieler vollkommen authentisch wirkt und durch die verwackelten Aufnahmen der Handkameras verstärkt wird, sorgt dafür, dass im ersten Augenblick leicht der Eindruck entstehen kann, dass sich die Ereignisse wirklich so zugetragen hätten. Für viele, die nur aufgrund des Hypes sich diesen Film ansehen, dürfte "The Blair Witch Project" die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Die Story ist schnell auf den Punkt gebracht und benötigt ein wenig Anlaufzeit, um zum wesentlichen Teil des Films zu gelangen. Auf den ersten Blick sieht alles nach einem billigen Amateurfilm aus, der außerordentlich kurz ist und nur von Andeutungen lebt. Special Effekts und Musik fehlen vollkommen. Aufgrund des knappen Budgets gibt es auch keine "Blair Witch" zu sehen, sondern nur mysteriöse Geräusche und kleine Symbole auf dem Waldboden. Dennoch zeigt "The Blair Witch Project", dass es nicht immer die großen Effekte sein müssen, die für Spannung sorgen, sondern mitunter auch ganz schlichte Andeutungen, die man mit der eigenen Phantasie erst korrekt einordnen muss. Den Erwartungen, die durch die schon beinahe mythische Erfolgsgeschichte des "Blair Witch Projects" in den USA entstanden sind, wird der Film mit seiner recht spröde verlaufenden Geschichte allerdings nicht ganz gerecht.

 

Kleine Voranmerkung zu Bild und Ton: Der billig wirkende Homevideo-Charakter des Films ist natürlich ein Teil des Gesamtkonzepts. Dennoch haben wir versucht, Bild und Ton gemäß der üblichen Kriterien zu bewerten.

Bild  

Ob dies wirklich ein Film ist, den man auf DVD benötigt, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Die ansonsten gängigen Kriterien, nach denen wir die Bildqualität von DVDs bewerten, greifen hier ins Leere, weil das 16mm- und Hi8-Videomaterial, auf dem gedreht wurde, gerade einmal das Qualitätsniveau erreicht, welches man von Camcorderaufnahmen von Familienfesten kennt. Die technischen Möglichkeiten der DVD-Technologie werden hierbei natürlich nicht einmal im Ansatz ausgereizt. Im Gegensatz zur US-DVD, bei der das 4:3-Bild mit einem an den Ecken abgerundeten Rahmen versehen wurde, füllt das Bild der Kinowelt-DVD die gesamte Bildfläche aus.

 

Ton  

Trotz Dolby Digital 2.0 - Ton fällt der Soundcheck des englischen Originaltons ebenso ernüchternd aus wie der Bildtest. Von Surround ist bis auf ein leises Hauchen des Windes im Hintergrund der Wälder von Burkittsville nicht viel zu hören. Die Dialoge sind zumindest gut zu verstehen, klingen aber (durch die Aufnahmetechnik bedingt) nur sehr dünn. Die deutschen Untertitel sind erfreulicherweise auch ausblendbar.

Die deutsche Synchrofassung wurde auf Dolby Digital 5.1 aufgemotzt und führt damit streng genommen zu einem Bruch des amateurhaften Stils, weil 5.1-Ton und Camcorder-Video irgendwie nicht richtig zusammenpassen. Allerdings lassen sich auch aus dem Nichts nicht so einfach große Effekte herbeizaubern, weswegen über weite Strecken auch nur die vorderen drei Kanäle angesprochen werden und im Hintergrund nur schwache Geräusche zu vernehmen sind. Etwas ausgeklügelter ist da schon die Schlussszene im Haus der "Blair Witch", wo auch deutlich einzelne Effekte von links und rechts zu vernehmen sind. So ganz überzeugen kann das allerdings auch nicht, weil die nachträglich eingefügten Effekte an der vermeintlichen Authentizität des "Blair Witch Projects" kratzen.

 

Special Features  

Auch auf der deutschen DVD treiben die Regisseure den Schabernack um ihr "Blair Witch Project" weiter: In einer rund 43 Minuten langen englischsprachigen Dokumentation mit deutschen Untertiteln kommen Angehörige der drei Verschwundenen, Bewohner von Burkitsville und sogar ein eigens aufgetriebener Stadthistoriker zu Wort, der vollkommen glaubhaft die Mär um den Spuk in den Wäldern weiterspinnt. Ebenso gibt es weitere "unveröffentlichte" Aufnahmen zu sehen sowie weitere Filminfos in Textform. Wer wissen will, unter welchen abenteuerlichen Umständen der Film zustande gekommen ist, der sollte sich hierfür am besten den Audio-Kommentar der beiden Regisseure Sanchez und Myrik anhören. Zusätzlich gibt es auch noch ein rund 11 Minuten langes Interview mit den Regisseuren. Trailer dürfen natürlich auch nicht fehlen: Neben drei deutschen Blair Witch-Trailern sind auch noch Trailer zu "Chucky und seine Braut", "eXistenZ" und "Der talentierte Mr. Ripley" zu finden.

Ach ja: "The Blair Witch Project" bietet auch noch einen DVD-ROM-Bereich. Groß ist das Angebot allerdings nicht, da der Großteil der Links direkt ins Internet geht. Die Ausnahme bildet ein interaktives Spiel, bei dem man im Ego Shooter-Stil durchs Haus der Blair Witch wandern kann. Nach einigen Runden kehrt aber beim Ausprobieren schon wieder Langeweile ein, weil die Rennerei doch eher nach Spielerei als einem ausgereiften PC-Game aussieht.

Review von Karsten Serck

Test - Equipment:
TV Panasonic TX - W32D3F
DVD - Player Panasonic DVD A-350 / Sony DVP-S725
Dolby Digital / DTS - Receiver Sony STR-DA 50 ES

03.05.2000