Der Soldat James Ryan - WWII History Collection

VÖ: 04.11.2004

Original

Saving Private Ryan

Studio

Paramount/Dreamworks (1998)

Verleih

Paramount Home Entertainment (2003)

Laufzeit

162:25 min. (FSK 16)

Regie

Steven Spielberg

Darsteller

Tom Hanks, Matt Damon, Edward Burns

DVD-Typ

4 x DVD-9 (Film)

Bitrate

6.37 Mbps (Video: ca. 4.6 Mbps)

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,85:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Deutsch, Dolby Digital 5.1 (448 kbps)
2. Deutsch, DTS 5.1 (754 kbps)
3. Englisch, Dolby Digital 5.1 (448 kbps)

Untertitel

Englisch, Deutsch, Türkisch

Regionalcode

2
Film  

Es gibt nur wenige Kinofilme, die einen wirklich länger anhaltenden Eindruck hinterlassen, und Steven Spielbergs "Saving Private Ryan" gehört mit dazu. Der Film spielt in den Tagen der Invasion der alliierten Streitmächte in der französischen Normandie am 6. Juni 1944, die zur richtungsweisenden Schlacht auf dem Wege zum Sieg gegen das nationalsozialistische Deutschland werden sollte. Alleine die ersten dreißig Minuten des Filmes behandeln den Moment der Landung in der Normandie und zeigen ihn aus der Perspektive der amerikanischen Soldaten, die als erste ihren Fuß auf französischen Boden setzten. Was in diesem Moment passiert, ist für jemanden, der die Ereignisse nur aus dem Geschichtsbuch kennt, sicherlich nicht begreifbar. Doch diese 30 Minuten der Todesangst und Anspannung werden von Steven Spielberg auf eine derart authentische Art und Weise dokumentiert, dass man den Eindruck bekommt, die Ereignisse wirklich so gezeigt zu bekommen, wie sie damals abgelaufen sind. Mit schonungsloser Deutlichkeit zeigt Spielberg den nahezu aussichtslos erscheinenden Vormarsch der Amerikaner gegen die deutschen Befestigungsanlagen. In dem endlosen Gewehrfeuer scheint es keinerlei Aussicht auf Überleben zu geben. Kugel zerfetzen einen Soldaten nach dem anderen. Mit der Handkamera immer mitten im Geschehen, setzt Spielberg den Zuschauer mit in den Mittelpunkt der Abläufe. Nachdem es endlos erscheinende zehn Minuten so aussieht, als ob die Landung in der Normandie scheitern würde, kehrt dann die Wende ein und es gelingt den amerikanischen Soldaten schließlich, die deutschen Stellungen einzunehmen.

Nachdem die Schlacht beendet ist, kommt der Film erst zur eigentlichen Handlung: Captain John Miller (Tom Hanks), der an der Invasion an vorderster Front beteiligt gewesen ist, bekommt den Auftrag, mit einer Gruppe Männer nach einem jungen Rekruten zu suchen, der bereits einen Tag vor der Invasion hinter den feindlichen Stellungen abgesetzt wurde. Dieser Soldat James Ryan hatte drei Brüder, die alle an unterschiedlichen Fronten zur beinahe gleichen Zeit im Krieg ums Leben gekommen sind. Die Army möchte nun der Mutter den Verlust eines weiteren Sohnes ersparen und den letzten verbliebenen Sohn zurück nach Hause holen. Die acht Männer, die sich auf die Suche nach James Ryan machen, erleben hautnah die Schrecken des Krieges und riskieren dabei ihr eigenes Leben, um das eines einzigen anderen Soldaten zu retten...

Zweifellos sind die ersten 30 Minuten auch gleichzeitig der beste Teil des Films. Doch auch während der restlichen 140 Minuten behält der Film seinen authentischen Stil bei, der die Bilder bereits für sich sprechen lässt und keine großen Worte seiner Hauptdarsteller braucht, um die endlose Grausamkeit des Krieges und die allgegenwärtige Nähe des Todes düster und schonungslos zu zu vermitteln. Dabei ist es vor allem bemerkenswert, wie wenig der Film versucht, den Zuschauer von einer bestimmten Auffassung zu überzeugen. Wo in vielen anderen Filmen der Regisseur durch moralische Statements oder dramatische Musik versucht, den Zuschauer in eine bestimmte Richtung zu lenken, lässt Spielberg die teilweise auch fragwürdigen Handlungen seiner Hauptpersonen unkommentiert. Natürlich schwebt über dem Ganzen ein wenig der patriotische Schleier, doch Spielberg zeigt nicht nur gute Amerikaner und böse Deutsche, sondern auch Szenen, in denen die üblichen Film-Klischees verwischen. Diese große Freiheit, die der Film dem Zuschauer überlässt, ist neben seiner Authentizität die zweite große Eigenschaft, die ihm besondere Größe verleiht.

 

Bild  

"Bleach-Bypass Processing" nennt sich das Verfahren, mit dem Kameramann Janusz Kaminski dem "Soldaten James Ryan" sein Markenzeichen aufsetzte. Durch diese spezielle Behandlungsverfahren erhält der Film einen sehr rauhen und farbarmen Look mit harten Kontrasten, der so ziemlich exakt dem Bildeindruck entspricht, den man von einigen ersten Farbaufnahmen kennt, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Bei "Der Soldat James Ryan" blieb dieses Verfahren noch ohne allzu deutlichen Einfluss auf die Schärfe, so dass trotz der ungewohnten Farben und Kontrast der körnige Film noch relativ viel Detail erkennen lässt. Mit den vielfach stark ruckelnden und schnell zitternden Aufnahmen der Handkameras, die bei diesem Film überwiegend eingesetzt wurden, ist "Der Soldat James Ryan" so ziemlich das Extrem der MPEG2-Kompression, die aufgrund der schnellen Veränderungen im Bild äußerst effektiv arbeiten muss, um keine Störungen zu produzieren. Rauschfilter und schlechtes Encoding würden das Bild schnell in einen Brei von Blockrauschen verwandeln. Obwohl Paramount bei dieser Neuauflage aufgrund des zusätzlichen DTS-Tracks nur mit einer niedrigen Videobitrate von rund 4.6 Mbps arbeiten konnte (die Kapazität der DVD wurde nahezu vollständig ausgenutzt), ist die Bildqualität aber trotzdem immer noch außerordentlich gut. In Nahaufnahmen sieht man stellenweise viele Details und die Komprimierung arbeitet hier so effektiv, dass trotz des problematischen Quellmaterials kaum Artefakte und nicht einmal leichtes Blockrauschen zu sehen sind. Lediglich bei als Standbild angezeigten Einzelbildern sieht man in einigen Szenen während der ersten 30 Filmminuten stellenweise Klötzchen, diese treten allerdings auch in Bildern auf, die so schnell bewegt sind, dass man beim normalen Betrachten des Films davon nichts sieht, selbst dann, wenn man den Film in zweieinhalb Meter Breite auf einer Leinwand sieht. Wünschenswert wäre ebenso wie bei der Erstauflage doch noch ein wenig mehr Schärfe, die zwar in Nahaufnahmen vorhanden ist, bei Objekten in weiterer Distanz aber nicht mehr ganz so überzeugend ist.

 

 

Ton  

"Saving Private Ryan" überzeugt mit einem Ton, dem man ohne zu zögern die Note "sehr gut" gibt. Alles ist überdurchschnittlich - mit einer Ausnahme: Im Hochtonbereich ist das Klangbild minimal belegt und in der Dynamik eingeschränkt. Ansonsten liefert "Saving Private Ryan" in jeder Einzeldisziplin Bestleistungen ab: Die Abmischung ist außerordentlich kraftvoll, sowohl "große" Effekte wie die ausladenden Schusswechsel oder Granatenexplosionen erklingen präzise und kraftvoll wie auch Umgebungsgeräusche, die mit großer Sorgfalt eingearbeitet wurden. Während des gesamten Films bietet sich ein weiträumiger und voluminöser Raumeindruck, die Einbeziehung aller Kanäle ist nicht nur gut gelungen, vielmehr überzeugt das Gesamtergebnis auch durch die perfekte Ergänzung aller Komponenten zu einem Klangbild mit hoher atmosphärischer Dichte. Da passt die perfekte Integration der Stimmen zum überdurchschnittlichen Gesamteindruck genauso wie die nicht übertriebene, an den entscheidende Stellen jedoch entschlossen zupackende Basswiedergabe.

Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachfassungen und insbesondere der neu hinzugekommenen deutschen DTS-Tonspur gibt es nur in geringem Maße, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die drei Tonspuren praktisch gleich laut abgemischt wurden. Am auffälligsten sind diese noch beim Bass, der auf der DTS-Spur noch etwas kräftiger ans Werk geht. Die Surroundkulisse ist allerdings in allen drei Fassungen praktisch gleich gut. Die Effekte klingen in DTS lediglich um minimale Nuancen präziser und selbst im Blindtest bei voller Konzentration auf den Ton braucht man hier schon einige Zeit, um überhaupt einen Unterschied feststellen zu können. Und da auf dieser DVD User Prohibitions verwendet werden, die einen Direktvergleich verhindern, wird dies ohnehin nur auf wenigen DVD-Playern möglich sein.

 
Special Features  

Insgesamt besteht diese DVD-Box aus vier verschiedenen DVDs, die neben einer Menge Making of Material auch noch zwei längere Dokumentationen enthalten. Die Extras der vorherigen Auflagen sind nicht mehr vorhanden. Der Film auf der ersten DVD ist gegenüber vorherigen Versionen nicht verändert worden. Auf der zweiten Disc findet man eine Menge Hintergrundmaterial über die Dreharbeiten aus dem Electronic Press Kit. Diese Features sind zwar bereits etwas älter, vermitteln aber doch einen überwiegend sachlichen und interessanten Blick hinter die Kulissen.

Auf DVD Nr. 3 befindet sich die Dokumentation "Preis des Friedens", in der die Geschichte des zweiten Weltkriegs im Pazifik erzählt wird. Die Dokumentation erscheint recht ausbalanciert, da sowohl amerikanische als auch japanische Soldaten zu Wort kommen und selbst Tabuthemen wie die Internierung von Amerikanern japanischer Abstammung in den USA nicht ausgespart bleiben. Man bekommt den Krieg aus der Perspektive von Soldaten beider Seiten erzählt. Lediglich die Thematisierung der Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki am Ende der Dokumentation erfolgt etwas zu einseitig aus der Siegerperspektive und konzentriert sich größtenteils auf die militärstrategischen Erklärungen für den Angriff.

Auf DVD Nr. 4 befindet sich die Dokumentation "Das Filmen von Krieg". Diese hat nicht direkt etwas mit der Kernhandlung des Films zu tun, sondern widmet sich der Arbeit der Kriegsberichterstatter in den Reihen der US-Armee.

Alternativ gibt es die DVD auch ohne die beiden Bonus-Dokumentationen als einfaches 2 DVD-Set. Wer sich vorwiegend für den Film interessiert und auf allgemeine historische Hintergrundinformationen keinen Wert legt, der findet hierin eine etwas preiswertere Alternative.

  • Eine Einführung zum Film (02:36 min.)

  • Blick in die Vergangenheit (04:41 min.)

  • Miller und seine Einheit (08:24 min.)

  • Boot Camp (07:39 min.)

  • Die Produktion von "Der Soldat James Ryan" (22:05 min.)

  • Die Neuerschaffung von Omaha Beach (17:59 min.)

  • Musik und Sound (16:01 min.)

  • Schlussgedanken (03:44 min.)

  • Doku "Preis des Friedens" (88:12 min.)

  • Doku "Das Filmen von Krieg" (88:07 min.)

Review von Karsten Serck

25.10.2004